Was tun bei Übersäuerung des Körpers – Ursachen, Symptome und Behandlung

Ernährung und Gesundheit

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 14. August 2023, Lesezeit: 9 Minuten

Was ist Azidose (Übersäuerung)?

Eine Übersäuerung (Azidose) des Körpers ist eine Störung des Säure-Basen-Gleichgewichts, die zahlreiche negative gesundheitliche Auswirkungen auf physiologische Prozesse hat.

Die Aufrechterhaltung eines ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalts ist daher für die Gesundheit des menschlichen Körpers von entscheidender Bedeutung.

  • Auskunft über das Verhältnis von Säuren und Basen gibt der pH-Wert: Bei gesunden Menschen liegt der pH-Wert des Blutes zwischen 7,35 und 7,45.
  • Eine Abweichung des pH-Wertes im Körper von seinem normalen, leicht alkalischen Bereich bezeichnet man als Azidose.
  • Sinkt der Wert unter 7,35, ist das Blut zu sauer und man spricht von einer Übersäuerung (Azidose).

Eine Übersäuerung kann metabolisch (durch Stoffwechselvorgänge) oder respiratorisch (durch Atemprobleme) bedingt sein.

  • Eine stoffwechselbedingte Azidose entsteht häufig durch eine übermäßige Anhäufung von Säuren oder durch eine gestörte Ausscheidung von Säuren über die Nieren.

Diagnose einer Übersäuerung

Um eine Übersäuerung zu diagnostizieren, ist die Messung des pH-Wertes und des Kohlendioxidgehaltes des Blutes in einer arteriellen Blutprobe erforderlich.

Dazu wird Blut aus der Arterie verwendet, da der pH-Wert des Körpers mit Blut aus der Vene nicht so zuverlässig gemessen werden kann.

Bei der Blutgasanalyse wird neben dem pH-Wert auch die Menge an Bikarbonat und Kohlendioxid im Blut bestimmt. Bikarbonat dient im Körper normalerweise dazu, Schwankungen des pH-Wertes chemisch auszugleichen.

Bei einer stoffwechselbedingten Azidose ist zu wenig Bikarbonat im Blut vorhanden. Bei einer atmungsbedingten Azidose ist der Bikarbonatgehalt im Blut erhöht, da der Körper versucht, die Übersäuerung auszugleichen.

Anzeichen und Symptome von Azidose

Die Symptome einer Azidose können variieren, von leichten Anzeichen wie Müdigkeit und Verwirrung bis hin zu schwerwiegenderen Zuständen wie Herzrhythmusstörungen und Koma.

Einige der häufigsten Anzeichen einer Azidose sind:

Mineralstoffmangel infolge chronischer Übersäuerung

Mineralien wie zum Beispiel Kalzium, Magnesium oder Kalium haben eine Pufferfunktion gegen Säuren.

Ist die Mineralstoffzufuhr über die Nahrung mangelhaft und kann eine chronische Übersäuerung nicht mehr ausgeglichen werden, entzieht der Körper dem Blut die benötigten Mineralstoffe aus Muskeln, Knochen und Zähnen.

Mangelerscheinungen wie Osteoporose, Muskelkrämpfe und Zahnschäden können die Folge sein.

Ursachen von Azidose

Eine Übersäuerung kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

Ungesunde Ernährung

Eine Ernährung, die reich an industriell verarbeiteten Lebensmitteln, zuckerhaltigen Getränken, Alkohol und tierischen Produkten (Lebensmittel mit einem hohen Anteil an tierischem Eiweiß wie Wurst- und Fleischprodukte, Milch, Käse, Milchprodukte, Eier, etc.) ist, kann zu einer Übersäuerung des Körpers beitragen.

Diabetes

Unbehandelte Diabetes kann zu einer Ansammlung von Säuren im Körper führen.

Nierenprobleme

Die Nieren spielen eine wichtige Rolle bei der Ausscheidung von Säuren. Nierenfunktionsstörungen können zu einer Übersäuerung führen.

Atembeschwerden und Atemwegserkrankungen

Atemprobleme oder Atemwegserkrankungen wie COPD können dazu führen, dass der Körper nicht genügend Kohlendioxid ausscheidet, wodurch sich der Säuregehalt im Blut erhöht.

Entsäuerung des Körpers

Die Entsäuerung des Körpers auf natürliche Weise zielt darauf ab, das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen. Hier einige bewährte Ansätze:

Richtige Ernährung

Eine gesunde Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Nüssen und Samen kann dazu beitragen, den Säuregehalt im Körper zu reduzieren. Besonders empfehlenswert sind Zitrusfrüchte, Gurken, Spinat und grünes Blattgemüse.

Flüssigkeitszufuhr

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützt die Nierenfunktion und hilft, Säuren auszuscheiden.

Atemübungen

Atemtechniken wie die tiefe Bauchatmung können helfen, überschüssiges Kohlendioxid aus dem Körper zu entfernen.

Körperliche Aktivität

Sport und/oder regelmäßige körperliche Aktivität jeder Art fördern den Stoffwechsel und die Ausscheidung von Säuren über den Schweiß.

Folgekrankheiten einer chronischen Übersäuerung

Von einer chronischen Übersäuerung des Körpers können alle Organsysteme betroffen sein.

Bleibt dieser Gesundheitszustand über einen längeren Zeitraum unerkannt, kann es zu Folgeerkrankungen kommen, da die einzelnen Organe nur noch unzureichend mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Auch die Ablagerung von so genannten „Schlacken“ wird als Ursache für Folgeerkrankungen diskutiert.

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die mit einer chronischen Übersäuerung in Zusammenhang gebracht werden:

Behandlung und Medikamente

Die Entsäuerung des Körpers erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der eine basische Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Atemübungen und regelmäßige Bewegung einschließt.

Der bewusste Verzicht auf säurebildende Nahrungsmittel und eine gesunde Lebensweise sind entscheidend, um den pH-Wert des Körpers im Gleichgewicht zu halten.

Bei einer Übersäuerung wird zunächst die ursächliche Erkrankung behandelt. Bei Menschen mit Atemwegserkrankungen wie COPD helfen bronchienerweiternde Medikamente.

Ist eine Überdosis von Opiaten wie Heroin die Ursache der Übersäuerung, kann ein Opiatantagonist eingesetzt werden.

Bei der akuten respiratorischen Azidose mit Sauerstoffmangel liegt der Schwerpunkt auf der Verabreichung von Sauerstoff. Ergänzend erfolgt eine Therapie mit Bikarbonaten. Diese Substanzen wirken im Blut als Puffer und gleichen pH-Schwankungen aus.

  • Auch bei stoffwechselbedingter Übersäuerung werden bikarbonathaltige Medikamente eingesetzt, um den Säure-Basen-Haushalt zu stabilisieren.

Hausmittel und Ernährungstipps bei Übersäuerung

Was hilft gegen eine Übersäuerung des Körpers, was sollte man essen und trinken, um den Körper zu entlasten und zu entsäuern?

Wenn der Körper übersäuert ist, empfiehlt es sich, Lebensmittel auszuwählen, die basisch auf den Körper wirken, um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen.

  • Grundlage für einen ausgeglichenen pH-Wert im Blut ist eine basenreiche Ernährung.

Im Folgenden sind einige Lebensmittel und Getränke aufgeführt, die Sie bevorzugen sollten:

1. Frisches Obst: Verschiedene Obstsorten wie Zitrusfrüchte (Zitronen, Limetten, Orangen), Beeren, Äpfel, Birnen und auch Wassermelonen wirken basisch und liefern außerdem wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Ballaststoffe.

2. Gemüse: Grünes Blattgemüse (Spinat, Grünkohl, Mangold), Gurken, Sellerie, Brokkoli, Karotten und andere nicht stärkehaltige Gemüsesorten sind reich an Nährstoffen und unterstützen den Entsäuerungsprozess.

3. Nüsse und Samen: Mandeln, Walnüsse, Leinsamen, Chiasamen und Kürbiskerne sind basische Eiweißquellen und liefern gesunde Fette und Ballaststoffe.

4. Vollkornprodukte: Vollkorngetreide wie Haferflocken, Quinoa und Vollkornreis wirken leicht basisch und sind gute Energielieferanten.

5. Pflanzliches Eiweiß: Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen, Erbsen und Sojaprodukte sind reich an Eiweiß und wirken basisch.

6. Gesunde Fette: Gesunde Fette aus Avocado, Olivenöl und Kokosöl sind nicht nur basisch, sondern unterstützen auch die allgemeine Gesundheit.

7. Kräutertees: Kräutertees wie Kamille, Pfefferminze oder Ingwer können helfen, den Körper zu basen und gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr zu erhöhen.

8. Zitronenwasser: Ein Glas lauwarmes Wasser mit frisch gepresstem Zitronensaft am Morgen kann die Alkalinität des Körpers unterstützen.

9. Grüne Smoothies: Grüne Smoothies, die aus einer Mischung von basischem Gemüse und Obst bestehen, können eine einfache Möglichkeit sein, das Säure-Basen-Gleichgewicht zu unterstützen.

10. Kokoswasser: Da Kokoswasser reich an Elektrolyten ist, kann es zur Hydratation und Entsäuerung beitragen.

Was sollte man bei einer Übersäuerung des Körpers nicht essen und trinken?

Wenn der Körper übersäuert ist (Azidose), sollten säurebildende Nahrungsmittel und Getränke reduziert oder vermieden werden, um das Säure-Basen-Gleichgewicht wiederherzustellen.

Nachfolgend einige Lebensmittel und Getränke, die bei einer Übersäuerung gemieden werden sollten:

1. Raffinierter Zucker: Zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke wie Süßigkeiten, Softdrinks, zuckerhaltige Fruchtsäfte und zuckerreiche Snacks können die Säureproduktion im Körper erhöhen.

2. Verarbeitete Lebensmittel: Stark verarbeitete Lebensmittel wie Fast Food, Fertiggerichte, Chips und künstliche Zusatzstoffe sind oft säurebildend und können das Säuregleichgewicht stören.

3. Fleisch und Wurstwaren: Rotes Fleisch, verarbeitetes Fleisch und Wurstwaren können den Säuregehalt im Körper erhöhen.

4. Milchprodukte: Einige Milchprodukte, insbesondere fettreiche Sorten, können die Säureproduktion fördern. Ein Wechsel zu pflanzlichen Alternativen wie Mandelmilch, Hafermilch oder Kokosjoghurt kann hier helfen.

5. Koffeinhaltige Getränke: Kaffee, schwarzer Tee und Energy-Drinks haben eine säurebildende Wirkung im Körper.

6. Alkohol: Alkoholische Getränke können die Säureproduktion erhöhen und die Fähigkeit des Körpers, Säuren auszuscheiden, beeinträchtigen.

7. Weißmehlprodukte: Weißbrot, weißer Reis und andere raffinierte Getreideprodukte können zur Übersäuerung beitragen.

8. zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten: Vermeiden Sie zuckerhaltige Zwischenmahlzeiten wie Kekse, Kuchen und Süßigkeiten, die große Mengen an raffiniertem Zucker enthalten.

9. Salz: Übermäßiger Salzkonsum kann zu Bluthochdruck führen.

10. Künstliche Zusatzstoffe: Lebensmittel mit künstlichen Farbstoffen, Konservierungsstoffen und Geschmacksverstärkern sollten reduziert oder vermieden werden, da sie den Säure-Basen-Haushalt beeinflussen können.

11. Konservierte Lebensmittel: Stark konservierte Lebensmittel, die oft große Mengen an Salz und Zusatzstoffen enthalten, können die Säureproduktion im Körper erhöhen.

Quellen

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vgt


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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