Zucker verkürzt die Lebenserwartung, aber nicht durch Fettleibigkeit

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 20. März 2020, Lesezeit: 4 Minuten

Unabhängig von Fettleibigkeit hat eine zuckerreiche Ernährung negative Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen, so das Ergebnis einer Studie unter der Leitung des MRC London Institute of Medical Sciences, Großbritannien.

Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die kürzere Überlebensdauer von Fruchtfliegen, die mit zuckerreicher Nahrung gefüttert wurden, nicht das Ergebnis ihrer diabetikerähnlichen Stoffwechselprobleme sind.

Die Ergebnisse, die in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht wurden, legen vielmehr den Schluß nahe, dass der frühzeitigere Tod durch zu viel Zucker mit der Ansammlung von Harnsäure zusammenhängt.

Jeder weiß, dass der Konsum von zu viel Zucker ungesund ist. Er erhöht das Risiko, Stoffwechselstörungen wie Übergewicht und Diabetes zu verursachen und kann die Lebenserwartung des Menschen um mehrere Jahre verkürzen. Während man allgemein davon ausgeht, dass diese Verkürzung der Lebenszeit durch Stoffwechseldefekte verursacht wird, zeigt die vorliegende Forschungsarbeit an Fruchtfliegen, dass dies möglicherweise nicht der Fall ist.

Genau wie der Mensch weisen Fliegen, die mit einer zuckerreichen Nahrung gefüttert werden, viele Merkmale von Stoffwechselkrankheiten auf. Sie werden zum Beispiel fett und Inselhormonresistent, so die Wissenschaftler. Fettleibigkeit und Diabetes sind dafür bekannt, dass sie die Sterblichkeit beim Menschen erhöhen.

Ebenso wie Salz verursacht auch Zucker eine Dehydrierung des Körpers. Tatsächlich kann Durst ein frühes Symptom für hohen Blutzucker und Diabetes sein. Wasser ist für unsere Gesundheit lebenswichtig, doch seine Bedeutung wird in Stoffwechselstudien oft übersehen, erklärt Dr. Helena Cochemé vom MRC London Institute of Medical Sciences und Leiterin der Studie. Deshalb waren die Forscher überrascht, dass Fliegen, die mit einer zuckerreichen Nahrung gefüttert wurden, keine verkürzte Lebensdauer aufweisen, wenn man ihnen zusätzliches Wasser zum Trinken zur Verfügung stellte. Unerwartet stellten zusätzliches Wasser fest, dass diese Fliegen immer noch die typischen Stoffwechseldefekte aufweisen.

Aufgrund dieses Wassereffekts beschloss das Forscherteam, sich auf das Nierensystem der Fliege zu konzentrieren. Es zeigte sich, dass ein Überschuss an Zucker in der Nahrung die Fliegen dazu veranlasste, Harnsäure anzuhäufen. Harnsäure ist ein Endprodukt aus dem Abbau von Purinen, die wichtige Bausteine unserer DNA sind.

Harnsäure neigt aber auch dazu, zu kristallisieren, wodurch Nierensteine in der Fliege entstehen. Diese Steine könnte man verhindern, indem entweder ihre Bildung durch Trinkwasser vermindert oder die Produktion von Harnsäure mit einem Medikament blockiert wird. Dadurch wiederum könnte man sich gegen eine verkürzte Lebensdauer schützen, die mit einer zuckerreichen Ernährung einhergehen kann.

Bedeute das also, dass wir alle zuckerhaltigen Süßigkeiten und Lebensmittel essen können, die wir wollen, solange wir viel Wasser und/oder Tee trinken? Leider nicht, so Dr. Cochemé. Die mit Zucker gefütterten Fliegen leben vielleicht länger, wenn man ihnen mehr Wasser gibt, aber dennoch sind sie krank. Und beim Menschen zum Beispiel erhöht Fettleibigkeit das Risiko von Herzerkrankungen.

Die Studie legt jedoch nahe, dass die Störung des Purin-Weges der entscheidende Faktor für das Überleben von Fliegen mit hohem Zuckergehalt ist. Das bedeutet, dass der frühe Tod durch Zucker nicht unbedingt eine direkte Folge der Fettleibigkeit selbst ist, so die Wissenschaftler.

Um den Einfluss von Nahrungszucker auf die menschliche Gesundheit zu verstehen, untersuchten Mitarbeiter der Universität Kiel in Deutschland den Einfluss der Ernährung bei gesunden Probanden. Auffallend war, dass die Aufnahme von Nahrungszucker beim Menschen, genau wie bei Fliegen, mit einer schlechteren Nierenfunktion und höheren Purinwerten im Blut in Verbindung gebracht wurde“, erklärt Prof. Christoph Kaleta, Mitautor der Studie.

Die Ansammlung von Harnsäure ist eine bekannte direkte Ursache für Nierensteine beim Menschen, ebenso wie Gicht, eine Form der entzündlichen Arthritis. Der Harnsäurespiegel neigt auch dazu, mit dem Alter zu steigen und kann den Beginn von Stoffwechselkrankheiten wie Diabetes vorhersagen.

Es wird sehr interessant sein, zu untersuchen, wie die Ergebnisse mit den Fliegen auf den Menschen übertragen werden und ob der Purinweg auch zur Regulierung des menschlichen Überlebens beiträgt. Nach Meinung der Wissenschaftler des MRC London Institute of Medical Sciences gibt es wesentliche Hinweise darauf, dass das, was wir essen, unsere Lebenserwartung und unser Risiko für altersbedingte Krankheiten beeinflusst. Durch die Fokussierung auf den Purin-Weg hoffen die Forscher neue therapeutische Ziele und Strategien zu finden, die zu einem gesunden Altern beitragen.

(Quelle: MRC London Institute of Medical Sciences / Cell Metabolism)

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