Brokkoli und Kohl helfen bei Darmerkrankungen

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 30. April 2024, Lesezeit: 8 Minuten

Chronische Entzündliche Darmerkrankungen (auch CED) sind eine chronische Erkrankung, die durch anhaltende Entzündungen, Magen-Darm-Beschwerden und schwere Gewebeschäden gekennzeichnet ist. Sie umfasst Erkrankungen wie Colitis ulcerosa  und Morbus Crohn, die den Dickdarm, das Rektum und den distalen Darm betreffen. Die Prävalenz von CED, insbesondere in Europa und Nordamerika, stellt eine große wirtschaftliche und soziale Herausforderung dar. Die Wirksamkeit der derzeitigen Behandlungen lässt häufig nach, was den Bedarf an kosteneffizienten Behandlungsstrategien und weiteren Forschungsarbeiten zu personalisierten Ernährungsmaßnahmen deutlich macht.

Das therapeutische Potenzial von Kreuzblütler-Gemüse

In einer kürzlich in der Zeitschrift Current Developments in Nutrition veröffentlichten Übersichtsarbeit bewerteten Forscher das therapeutische Potenzial von Kreuzblütlern und ihren bioaktiven Verbindungen bei der Behandlung von CED anhand von In-vitro-, In-vivo- und klinischen Modellen. Kreuzblütler, wie Brokkoli, Rosenkohl, Kohl und Grünkohl, gehören zur Familie der Brassicaceae und sind für ihren hohen Gehalt an Glucosinolaten (GSLs) bekannt. Diese schwefelhaltigen Verbindungen haben nachweislich einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit.

Beim Verzehr werden Glucosinolate durch das Enzym Myrosinase in Isothiocyanate (ITC), wie Sulforaphan (SFN), umgewandelt. SFN wurde ausgiebig auf sein Potenzial zur Beeinflussung von oxidativem Stress und Entzündungen, zwei wichtigen pathologischen Aspekten von CED, untersucht. Kreuzblütler enthalten auch andere wichtige bioaktive Verbindungen, darunter Flavonoide und Polyphenole. Flavonoide, wie Quercetin und Kaempferol, besitzen starke antioxidative Eigenschaften, die dazu beitragen, schädliche freie Radikale im Körper abzufangen. Polyphenole wie Ferulasäure und Sinapinsäure tragen zu weiteren antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen bei, die für die Behandlung chronischer Krankheiten wie CED entscheidend sind.

In-vitro-Wirksamkeitsnachweis

Umfangreiche In-vitro-Forschungen haben das therapeutische Potenzial von Kreuzblütlern im Zusammenhang mit CED unterstrichen. Studien mit Zellkulturen haben gezeigt, dass Extrakte aus diesen Gemüsesorten die Aktivierung von wichtigen Entzündungswegen in Immunzellen deutlich hemmen können. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass aus Brokkoli gewonnene Nanopartikel die Aktivierung dendritischer Zellen verhindern und die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine verringern. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Kreuzblütlergemüse die Immunreaktionen modulieren und so möglicherweise die Häufigkeit oder Schwere von Entzündungsprozessen im Darm verringern können.

Darüber hinaus wird die entzündungshemmende Wirkung durch die antioxidativen Eigenschaften des Gemüses ergänzt. Studien über Brokkolisprossen haben gezeigt, dass sie die Aktivität von Phase-II-Entgiftungsenzymen erhöhen und so die zellulären Abwehrmechanismen gegen oxidative Schäden stärken können. Dies ist besonders wichtig bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, bei denen oxidativer Stress eine entscheidende Rolle bei der Verschlimmerung von Darmentzündungen und -schäden spielt.

Tierstudien haben überzeugende Beweise für die positiven Auswirkungen von Kreuzblütlern auf CED geliefert. Untersuchungen an verschiedenen Colitis-Tiermodellen haben gezeigt, dass eine mit Kreuzblütlern angereicherte Ernährung die pathologischen Werte verringern und die mit CED verbundenen Symptome verbessern kann. Es wurde beobachtet, dass diese diätetischen Maßnahmen die Zusammensetzung der Darmmikrobiota positiv verändern, die Produktion kurzkettiger Fettsäuren erhöhen und die Integrität der Darmbarriere verbessern.

So wurde in Studien mit Mäusen, die mit SFN-reichen Brokkoli-Extrakten gefüttert wurden, eine verringerte Expression von Entzündungsmarkern wie Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)-alpha und Interleukin (IL)-6 sowie ein Anstieg der Schutzproteine der Darmbarriere wie Zonula Occludens-1 (ZO-1) festgestellt. Diese Ergebnisse deuten nicht nur auf eine Verringerung der Entzündung hin, sondern auch auf eine Verbesserung der strukturellen Komponenten der Darmschleimhaut, die bei CED-Patienten häufig geschädigt sind.

Zukünftige Forschungsrichtungen

Trotz solider In-vitro- und In-vivo-Beweise gibt es nur relativ wenige klinische Studien, die die Auswirkungen von Kreuzblütlern auf Menschen mit CED untersuchen. Die vorhandenen Studien zeigen, dass die Zubereitung des Gemüses und die Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe eine entscheidende Rolle bei der Bestimmung des gesundheitlichen Nutzens spielen. So wird beispielsweise die Wirksamkeit von SFN erheblich davon beeinflusst, wie Brokkoli zubereitet und verzehrt wird, da das Kochen das für die Freisetzung von SFN notwendige Enzym Myrosinase zerstören kann.

Daher sind weitere klinische Studien erforderlich, um die Auswirkungen dieser Gemüsesorten auf die chronische Darmerkrankung umfassend zu bewerten und zu untersuchen, wie sich diese Wirkungen von Labor- und Tiermodellen auf die menschliche Gesundheit übertragen lassen. Solche Studien sollten sich auf verschiedene Zubereitungsmethoden, Dosierungen und Verzehrsmuster konzentrieren, um die vorteilhaftesten Ansätze für die diätetische Behandlung von CED zu ermitteln.

Darüber hinaus sollte künftige Forschung darauf abzielen, die individuellen Reaktionen auf den Verzehr von Kreuzblütlern in verschiedenen Subpopulationen von CED-Patienten zu verstehen. Dies könnte dazu beitragen, die Ernährungsempfehlungen so zu gestalten, dass die individuellen Ergebnisse der Patienten verbessert werden, und personalisierte Ernährungstherapien zu entwickeln, die sowohl wirksam als auch langfristig kontrollierbar sind.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was sind Kreuzblütengemüse?

Kreuzblütengemüse, auch bekannt als Kreuzblütlergemüse oder Brassicaceae-Gemüse, ist eine Gruppe von Gemüsesorten, die zur Familie der Kreuzblütler gehören. Diese Gemüsesorten zeichnen sich durch ihre intensiven Aromen aus und sind reich an essentiellen Vitaminen, Mineralien, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen.

Zu den Kreuzblütlergemüsen gehören: Gemüsekohl: Blumenkohl, Grünkohl, Kohlrabi, Weißkohl, Spitzkohl, Rotkohl, Wirsing, Rosenkohl, Chinakohl, Pak Choi, aber auch Raps, Kresse, Rettiche, Meerrettich und Senf.

Diese Gemüsesorten sind vielseitig einsetzbar und können auf verschiedene Arten zubereitet werden. Sie können roh in Salaten, Smoothies oder als Snack gegessen werden. Sie eignen sich auch gut zum Kochen, Dämpfen, Braten oder als Zutat in Suppen und Eintöpfen. Kreuzblütlergemüse ist besonders gesund und bietet verschiedene gesundheitliche Vorteile, insbesondere während der Wechseljahre. Es enthält Glucosinolate, Verbindungen, die im Körper zu nützlichen Isothiocyanaten und Indol-3-Carbinol umgewandelt werden können. Diese Verbindungen schützen die Zellen vor DNA-Schäden, wirken antibakteriell und antiviral und aktivieren natürliche Entgiftungs- und Antioxidationsenzyme im Körper. Darüber hinaus senkt der Verzehr von Kreuzblütlergemüse das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wirkt sich positiv auf die Brustgesundheit aus und unterstützt die Gesundheit der Knochen.

Es wird empfohlen, täglich 2-3 große Handvoll Kreuzblütlergemüse zu essen, um von den gesundheitlichen Vorteilen zu profitieren. Dies entspricht etwa 1 Tasse gekochtem oder rohem Gemüse wie Brokkoli, Rosenkohl oder Blumenkohl oder 5-6 großen Radieschen oder 2 Tassen Blattgemüse wie Grünkohl oder Rucola.

Wie wirken sich Kreuzblütler auf die Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen (IBD) aus?

Kreuzblütler enthalten bioaktive Verbindungen wie Sulforaphan (SFN), Flavonoide und Polyphenole, die antioxidative und entzündungshemmende Wirkungen haben. Diese Verbindungen können dazu beitragen, oxidativen Stress und Entzündungen, zwei pathologische Schlüsselaspekte von CED, zu regulieren. Studien haben gezeigt, dass Kreuzblütlergemüse Entzündungsprozesse hemmen, die zellulären Abwehrmechanismen gegen oxidative Schäden verbessern und die mit CED verbundenen Symptome lindern kann.

Gibt es klinische Studien, die den Nutzen von Kreuzblütlergemüse bei CED belegen?

Während es solide In-vitro- und In-vivo-Beweise gibt, die den Nutzen von Kreuzblütlergemüse bei CED belegen, sind klinische Studien relativ begrenzt. Bestehende Studien unterstreichen die Bedeutung der Zubereitung des Gemüses und der Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe für den gesundheitlichen Nutzen. Es sind weitere klinische Studien erforderlich, um die Auswirkungen von Kreuzblütlern auf Menschen mit CED zu bewerten und die vorteilhaftesten Ansätze für das Ernährungsmanagement zu untersuchen.

Wie sollte Kreuzblütlergemüse zubereitet werden, um seinen gesundheitlichen Nutzen zu maximieren?

Die Wirksamkeit von Kreuzblütlergemüse, insbesondere von Sulforaphan, hängt davon ab, wie es zubereitet und verzehrt wird. Kochmethoden können sich auf die Freisetzung der Wirkstoffe auswirken, da das Kochen das für ihre Freisetzung notwendige Enzym Myrosinase zerstören kann. Es wird daher empfohlen, Kreuzblütler roh oder leicht gekocht zu verzehren, um ihre gesundheitlichen Vorteile zu maximieren.

Kann Kreuzblütlergemüse als alleinige Behandlung von CED verwendet werden?

Kreuzblütlergemüse sollte nicht als alleinige Behandlung von CED betrachtet werden. Sie können in eine ausgewogene Ernährung als Teil einer umfassenden Behandlungsstrategie integriert werden. Es ist wichtig, einen Arzt oder Ernährungsberater zu konsultieren, um einen individuellen Ernährungsplan zu erstellen, der die spezifischen Bedürfnisse und die medizinische Vorgeschichte jeder Person mit IBD berücksichtigt.

Fazit

Kreuzblütler mit ihrem Reichtum an bioaktiven Substanzen sind vielversprechend für die Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen. Das therapeutische Potenzial dieser Gemüsesorten, insbesondere bei der Beeinflussung von oxidativem Stress und Entzündungen, wurde in In-vitro- und In-vivo-Modellen eingehend untersucht. Auch wenn die klinischen Studien begrenzt sind, unterstreichen die vorhandenen Erkenntnisse die Bedeutung weiterer Forschungsarbeiten zur Erforschung der Auswirkungen von Kreuzblütlern auf Menschen mit CED. Wenn wir die optimalen Zubereitungsmethoden, Dosierungen und individuellen Reaktionen verstehen, können wir das volle Potenzial dieser Gemüsesorten in personalisierten Ernährungsmaßnahmen für verbesserte therapeutische Ergebnisse bei der Behandlung von CED erschließen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. TE Alaba, J.M. Holman, S.L. Ishaq, et al, Current knowledge on the preparation and benefits of cruciferous vegetables as relates to in vitro, in vivo, and clinical models of Inflammatory Bowel Disease., Current Developments in Nutrition, DOI – 1016/ j.cdnut.2024.102160
  2. Cruciferous_vegetables, Wikipedia 2024.

ddp


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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