Fingerarthrose: Lipofilling-Verfahren verbessert Schmerz und Handfunktion signifikant

Was hilft bei Schmerzen?

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 1. Februar 2023, Lesezeit: 4 Minuten

Was hilft bei Fingerarthrose?

Bei Menschen mit schmerzhafter Fingerarthrose führt ein nicht-chirurgisches Verfahren namens Lipofilling, bei dem Fett aus einem anderen Körperteil in die arthritischen Gelenke übertragen wird, zu einer dauerhaften Verbesserung der Handfunktion und insbesondere der Schmerzbelastung.

  • Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie, die in Plastic and Reconstructive Surgery, der offiziellen medizinischen Zeitschrift der American Society of Plastic Surgeons (ASPS), veröffentlicht wurde.

Auch im Langzeitverlauf scheint die Übertragung von Fettgewebe auf arthrotische Fingergelenke eine sichere und minimalinvasive Alternative zu herkömmlichen Operationen für Patienten mit Arthrose zu sein, kommentiert der Hauptautor Dr. Max Meyer-Marcotty vom Klinikum Lüdenscheid die Ergebnisse der Untersuchung.

Die Studienautoren berichteten in den Fachbeitrag über ihre Erfahrung mit 18 Patientinnen und Patienten, die sich einem Verfahren zum Fetttransfer bei Fingerarthrose unterzogen.

Langzeitergebnisse nach Lipofilling bei Fingergelenksarthrose

Bei dem Lipofilling-Verfahren wird eine Probe des eigenen Fettgewebes des Patienten durch Fettabsaugung an einer anderen Körperstelle gewonnen: am Oberschenkel oder im Hüftbereich.

Anschließend wurden winzige Mengen von Fettzellen – nicht mehr als ein Milliliter – in die arthrotischen Fingergelenke injiziert. Der Heilungsprozess war unkompliziert: Die Patientinnen und Patienten trugen eine Schiene um den behandelten Finger und erhielten eine Woche lang Schmerzmittel. Infektionen oder andere Komplikationen traten nicht auf.

Insgesamt analysierten die Forschenden die Resultate von 25 Fingergelenken, die mit Lipofilling behandelt wurden. Im Durchschnitt wurden die Handfunktion, die Schmerzwerte und die Patientenzufriedenheit 44 Monate (maximal 50 Monate) nach der Behandlung bewertet.

Das Ergebnis zeigte eine „hochsignifikante deutliche Verbesserung“ der Schmerzwerte: von einem Medianwert von 6 Punkten (auf einer 10-Punkte-Skala) vor der Behandlung auf 0,5 Punkte bei der Nachuntersuchung.

Laut den Forschern stellt für ihre Patientinnen und Patienten die Schmerzreduktion das auffälligste und wichtigste Ergebnis dar, das auch den ausgeprägtesten und hochsignifikanten Effekt hat.

Bei der funktionellen Bewertung verdoppelte sich die Greifkraft der behandelten Finger von durchschnittlich 2,0 Kilogramm (kg) vor dem Lipofilling auf 4,3 kg bei der Nachuntersuchung. Auch die Kraft des Faustschlusses und die Punktzahl bei einer Standardbewertung der Handfunktion bei alltäglichen Aufgaben verbesserten sich, wenngleich diese Unterschiede statistisch nicht signifikant waren.

Osteoarthritis ist eine weit verbreitete und potenziell stark beeinträchtigende Erkrankung. Bei schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff die ArthroseSchmerzen wirksam lindern, bringt aber potenzielle Komplikationen und eine lange Erholungszeit mit sich.

  • Das Interesse an minimalinvasiven Verfahren wie dem Lipofilling als Alternative zur Operation, bei der das betroffene Gelenk nicht zerstört wird, ist daher groß.

In den vergangenen Jahren wurden Fetttransferverfahren für immer mehr Zwecke in der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie eingeführt.

  • Untersuchungen an Tieren haben gezeigt, dass mesenchymale Stromazellen (eine Art Stammzellen), die im Fettgewebe vorkommen, in der Lage sind, Gewebe in arthritischen Gelenken zu regenerieren.

Die vorliegende Studie baut auf früheren Ergebnissen derselben Forschergruppe auf, die bis zu einem Jahr nach dem Fetttransfer vielversprechende Verbesserungen bei Schmerzen und anderen Ergebnissen zeigten.

Die Wissenschaftler weisen auf einige wichtige Einschränkungen ihres Ansatzes hin, unter anderem auf das Fehlen einer Kontrollgruppe von Patienten, die sich keinem Lipofilling unterzogen haben. Auch bleibt unklar, wie das Lipofilling genau zu einer Verbesserung der Ergebnisse beiträgt.

Zusätzlich zu einer möglichen langfristigen Knorpelregeneration durch mesenchymale Stromazellen könnten die mechanischen Eigenschaften des transplantierten Fettgewebes einen kurzfristigen Vorteil bieten.

Insbesondere in den frühen, wenn auch schmerzhaften Phasen der Fingerarthrose ist die Aussicht auf den Erhalt des Gelenks durch einen minimalinvasiven Eingriff von großem Interesse, erklärt Dr. Meyer-Marcotty weiter.

Da das Lipofilling-Verfahren zerstörungsfrei ist, kann bei Bedarf später auch weiterhin eine herkömmliche Gelenkoperation durchgeführt werden. Zur Bestätigung dieser ersten positiven Ergebnisse sind langfristige Folgestudien mit einer größeren Anzahl von Patienten erforderlich, so die Forscher.

Quellen

ddp

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