Hilft die MIND-Diät bei der Vorbeugung von Gedächtnisstörungen, Parkinson und Demenz?

Alzheimer-Demenz-Forschung, Ernährung und Gesundheit, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Harvard University

Torsten Lorenz, aktualisiert am 26. Juli 2023, Lesezeit: 9 Minuten

Kann die MIND-Diät die Gesundheit des Gehirns verbessern?

Der Verzehr bestimmter Lebensmittel kann dazu beitragen, die Gesundheit des Gehirns zu verbessern und seine Funktion zu erhalten.

  • Die wissenschaftlichen Belege mehren sich, dass die Einhaltung einer bestimmten Ernährungsweise, der so genannten MIND-Diät, das Risiko für kognitiven Verfall und Demenz, einschließlich der Alzheimer-Krankheit, verringern kann.

MIND steht für Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay. Es ist eine Kombination aus zwei anderen gesunden Diäten (Ernährungsformen): der Mittelmeerdiät und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension), die eine Reihe von Lebensmittel enthält, die sich positiv auf die Hirngesundheit auswirken.

Die MIND-Diät enthält eine Vielzahl von Lebensmitteln, die reich an bestimmten Vitaminen, Carotinoiden und Flavonoiden sind, die das Gehirn schützen sollen, indem sie oxidativen Stress und Entzündungen reduzieren.

Ursprung, Forschung und Studien zur MIND-Ernährung

Im Jahr 2015 veröffentlichten Dr. Martha Clare Morris und ihre Kollegen vom Rush University Medical Center und der Harvard Chan School of Public Health zwei wissenschaftliche Arbeiten, in denen sie die MIND-Diät vorstellten.

  • Sowohl die Mittelmeerdiät als auch die DASH-Diät wurden bereits mit dem Erhalt kognitiver Funktionen in Verbindung gebracht.

Dieser Zusammenhang ist wahrscheinlich auf ihre Schutzwirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückzuführen, was wiederum die Gesundheit des Gehirns erhält.

  • Das Forschungsteam beobachtete eine Gruppe älterer Erwachsener über einen Zeitraum von bis zu 10 Jahren im Rahmen des Rush Memory and Aging Project (MAP), einer Studie mit Bewohnern, die zum Zeitpunkt der Einschreibung nicht an Demenz litten.
  • Im Rahmen der Studie wurden über 1000 Personen befragt.

Die Ergebnisse der Studie ergaben fünfzehn Ernährungskomponenten, die entweder als „gehirngesund“ oder als „nicht gehirngesund“ eingestuft wurden.

  • Bei den Teilnehmern mit den höchsten MIND-Diät-Werten verschlechterte sich die kognitive Leistungsfähigkeit signifikant langsamer als bei den Teilnehmern mit den niedrigsten Werten.
  • Die Auswirkungen der MIND-Diät auf die kognitiven Fähigkeiten waren größer als die der Mittelmeerdiät oder der DASH-Diät allein.

Die Forschung sollte zeigen, ob die MIND-Diät, die teilweise auf der Mittelmeer- und der DASH-Diät basiert, direkt den Ausbruch oder das Fortschreiten einer Demenz verhindern kann.

Bei allen drei Ernährungsformen wird der Schwerpunkt auf pflanzliche Lebensmittel gelegt und der Verzehr von tierischen Lebensmitteln und Lebensmitteln mit einem hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren eingeschränkt.

Wie funktioniert die MIND-Diät?

Die MIND-Diät empfiehlt den Verzehr bestimmter Lebensmittel, die als gesund für das Gehirn gelten, sowie die Einschränkung des Verzehrs von fünf ungesunden Lebensmitteln, da diese Lebensmittel hohe Mengen an ungesunden gesättigten Fettsäuren und gesundheitsschädlichen Transfetten enthalten.

Zu den gesunden Lebensmitteln, die in den MIND-Diät-Richtlinien empfohlen werden, gehören:

Der Schwerpunkt dieser Diät liegt auf grünem Blattgemüse, Gemüse insgesamt, Fisch, Geflügel, Beeren, Getreide, Nüssen (z.B. Wallnüsse) und Olivenöl. Wein ist in geringen Mengen erlaubt.

  • Der Verzehr von Butter, Margarine, Käseprodukten, rotem Fleisch (einschließlich Wurstwaren), frittierten Produkten (Transfette), Backwaren und Süßigkeiten wird nur eingeschränkt empfohlen.

Die MIND-Ernährungsrichtlinien empfehlen folgende gesunde Lebensmittel:

  • 3+ Portionen Vollkornprodukte pro Tag
  • 1+ Portionen Gemüse pro Tag (ausgenommen grünes Blattgemüse)
  • 6+ Portionen grünes Blattgemüse pro Woche
  • 5+ Portionen Nüsse pro Woche
  • 4+ Portionen Bohnen pro Woche
  • 2+ Portionen Beeren pro Woche
  • 2+ Mahlzeiten pro Woche Geflügel
  • 1+ Mahlzeit pro Woche mit Fisch
  • Hauptsächlich Olivenöl, wenn Fett verwendet wird

Auf folgende ungesunde Lebensmittel mit einem hohen Gehalt an ungesunden gesättigten Fettsäuren und gesundheitsschädlichen Transfetten sollte möglichst verzichtet oder der Verzehr eingeschränkt werden:

  • Weniger als 5 Portionen Backwaren und Süßigkeiten pro Woche
  • Weniger als 4 Portionen rotes Fleisch pro Woche (einschließlich Rind, Schwein, Lamm und daraus hergestellte Produkte, wie z.B. Wurstwaren)
  • Weniger als 1 Portion Käse und frittierte Lebensmittel pro Woche
  • Weniger als 1 Esslöffel Butter/Margarine pro Tag

MIND-Diät verbessert Konzentration bei Schulkindern

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben in einer Studie die Auswirkungen der MIND-Diät und des Healthy Eating Index-2015, der auf den Ernährungsrichtlinien für Amerikaner basiert, auf Kinder untersucht.

  • Obwohl die MIND-Diät nachweislich positive Auswirkungen auf Erwachsene hat, wurden bislang nur sehr wenige Studien mit Kindern durchgeführt.

Dr. Shelby Keye, Doktorandin an der University of Illinois Urbana-Champaign, untersuchte, inwieweit die Einhaltung dieser Ernährungsweisen mit der Fähigkeit der Kinder zusammenhängt, ablenkenden Reizen zu widerstehen.

Die Forscherin stellte fest, dass nur die MIND-Diät einen positiven Zusammenhang mit der Leistung der Kinder bei einer Aufgabe zur Bewertung der Aufmerksamkeitshemmung aufwies.

Diese Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die MIND-Diät das Potenzial haben könnte, die kognitive Entwicklung von Kindern zu verbessern, was für den schulischen Erfolg wichtig ist.

  • Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der American Society for Nutrition in Boston vorgestellt.

Die Studie stützte sich auf Daten, die in einer früheren Querschnittsstudie unter der Leitung von Dr. Naiman Khan, Professor für Kinesiologie und Community Health an der University of Illinois Urbana-Champaign, erhoben wurden.

  • Die 85 teilnehmenden Kinder der Studie waren zwischen sieben und elf Jahre alt und füllten ein siebentägiges Ernährungsprotokoll aus, anhand dessen die Forschenden die HEI-2015- und MIND-Ernährungswerte berechneten.

Um die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitssteuerung (Konzentration) zu erfassen, bearbeiteten die Teilnehmer außerdem eine Testaufgabe, die räumliche Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle erforderte, und ihre Reaktionszeit und Genauigkeit wurde aufgezeichnet.

Es zeigte sich, dass die Ergebnisse der MIND-Diät, nicht aber die HEI-2015-Werte, positiv mit der Leistung der Studienteilnehmer bei der Aufgabe zusammenhingen, das heißt, Studienteilnehmer, die sich stärker an die MIND-Diät hielten, schnitten bei der Aufgabe besser ab.

Die Forscher weisen darauf hin, dass die Studie zwar einen Zusammenhang zeigt, aber eine Interventionsstudie erforderlich wäre, um kausale Schlussfolgerungen ziehen zu können.

MIND-Diät mit späterem Auftreten von Parkinson in Verbindung gebracht

Eine Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der University of British Columbia weist auf einen starken Zusammenhang zwischen der Einhaltung der MIND-Diät und der Mittelmeerdiät und dem späteren Auftreten der Parkinson-Krankheit hin.

Während die neuroprotektive Wirkung der MIND-Diät bei Krankheiten wie Alzheimer und Demenz seit langem bekannt ist, ist diese Studie die erste, die einen Zusammenhang zwischen dieser Diät und der Gesundheit des Gehirns bei Parkinson aufzeigt.

  • Die MIND-Diät kombiniert Aspekte zweier beliebter Ernährungsweisen, der Mittelmeerdiät und der DASH-Diät (Dietary Approaches to Stop Hypertension).

Die Studie zeigt, dass die Parkinson-Krankheit bei Menschen, die sich eng an die Mittelmeerdiät halten, deutlich später ausbricht.

Der in der Studie nachgewiesene Unterschied beträgt bis zu 17 Jahre bei Frauen und acht Jahre bei Männern, sagt Dr. Silke Appel-Cresswell vom Pacific Parkinson’s Research Centre der University of British Columbia.

Es gibt noch keine Medikamente, die die Parkinson-Krankheit verhindern oder hinauszögern können, aber wir sind optimistisch, dass diese neuen Erkenntnisse darauf hindeuten, dass die Ernährung den Ausbruch der Krankheit verzögern könnte.

  • Die Forschenden untersuchten in ihrer Studie mit 176 Teilnehmenden die Einhaltung dieser Ernährungsweise, die sich durch einen reduzierten Fleischkonsum und eine Konzentration auf Gemüse, Obst, Vollkornprodukte und gesunde Fette auszeichnet.

Es zeigte sich, dass die Einhaltung dieser Ernährungsform mit einem späteren Auftreten der Parkinson-Krankheit bei Frauen um bis zu 17,4 Jahre und bei Männern um bis zu 8,4 Jahre verbunden war.

Der Einfluss der MIND-Diät auf die Gesundheit der Frauen war signifikanter als der Einfluss der Mittelmeerdiät auf die Gesundheit der Männer.

  • Die Unterschiede zwischen diesen beiden Ernährungsweisen (Diäten) sind zwar gering, könnten aber Hinweise auf die Auswirkungen bestimmter Lebensmittel und Mikronährstoffe auf die Gesundheit des Gehirns geben.
  • Die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Einhaltung der Ernährungsregeln sind bemerkenswert, da etwa 60 Prozent der Parkinson-Patienten Männer sind.

Wenn es gelingt, die geschlechtsspezifischen Unterschiede zwischen der MIND-Diät und der Mittelmeerdiät zu verstehen, können vielleicht auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede, die der Parkinson-Krankheit zugrunde liegen, besser verstanden werden, so die leitende Forscherin Avril Metcalfe-Roach, Doktorandin an den Michael Smith Laboratories der UBC.

  • Diese Erkenntnisse führen zu weiteren Forschungsfragen, die das Verständnis der Parkinson-Krankheit erheblich beeinflussen könnten.

Laut Dr. Brett Finlay, Professor in den Abteilungen Biochemie und Molekularbiologie sowie Mikrobiologie und Immunologie an der University of British Columbia, wird dadurch die Verbindung zwischen Darm und Gehirn bei dieser Krankheit noch deutlicher. Es zeigt auch, dass eine gesunde Ernährung nicht nur eine, sondern mehrere dieser kognitiven Erkrankungen beeinflussen kann.

Quellen

vgt


Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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