Diabetes: Kartoffeln beeinflussen den Blutzuckerspiegel nicht negativ

American Heart Association, Diabetes-Forschung 2022, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 22. November 2022, Lesezeit: 9 Minuten

Kartoffeln stehen in dem Ruf, dass sie zu einer Gewichtszunahme und einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes führen.

  • Deshalb stehen sie oft auf der Liste der zu meidenden Lebensmittel, vor allem bei Menschen mit Insulinresistenz.

Eine Studie des Pennington Biomedical Research Center, die im Journal of Medicinal Food veröffentlicht wurde, zeigt jedoch, dass Kartoffeln dieses Risiko nicht erhöhen, sie enthalten viele wichtige Nährstoffe und haben viele gesundheitliche Vorteile.

Dr. Candida Rebello, Assistant Professor am Pennington Biomedical Research Center der Louisiana State University, war Mitautorin der Studie, in der die Auswirkungen einer kartoffelhaltigen Ernährung auf wichtige Gesundheitsfaktoren untersucht wurden.

Laut Rebello, die auch als Ernährungsberaterin tätig ist, konnte mit der vorliegenden Studie gezeigt werden, dass Kartoffeln entgegen der landläufigen Meinung den Blutzuckerspiegel nicht negativ beeinflussen.

  • Tatsächlich haben die Teilnehmenden an der Studie sogar Gewicht verloren, erklärte die Wissenschaftlerin.

Laut der Wissenschaftlerin neigen Menschen dazu, unabhängig vom Kaloriengehalt die gleiche Menge an Lebensmitteln zu essen, um sich satt zu fühlen.

Kartoffeln statt Fleisch

Durch den Verzehr von Lebensmitteln mit einem höheren Gewicht, die wenig Kalorien enthalten, kann die Anzahl der aufgenommenen Kalorien leicht reduziert werden.

Der entscheidende Aspekt dieser Studie ist, dass die Portionsgröße der Mahlzeiten nicht reduziert wurde, sondern der Kaloriengehalt durch die Einbeziehung von Kartoffeln gesenkt wurde. Jeder Studienteilnehmer erhielt eine auf seinen persönlichen Kalorienbedarf zugeschnittene Mahlzeit.

Durch das Ersetzen von Fleisch durch Kartoffeln wurden die Probanden jedoch schneller satt und beendeten ihre Mahlzeit oft nicht einmal. Man kann also mit wenig Aufwand abnehmen.

An der Untersuchung nahmen 36 Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 60 Jahren teil, die übergewichtig waren, an Fettleibigkeit (Adipositas) oder Insulinresistenz litten. Insulinresistenz wird mit Fettleibigkeit, Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

  • Die Teilnehmer/innen bekamen eine genau kontrollierte Ernährung mit weit verbreiteten Lebensmitteln, darunter entweder Bohnen, Erbsen und Fleisch oder Fisch oder weiße Kartoffeln mit Fleisch oder Fisch.

Beide Ernährungsformen enthielten viel Obst und Gemüse und ersetzten schätzungsweise 40 Prozent des typischen Fleischkonsums durch Bohnen und Erbsen oder Kartoffeln.

Vorangegangene wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass der Verzehr von Bohnen und Erbsen den Blutzuckerspiegel bei Personen mit neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes verbessert.

Um den Ballaststoffanteil der Kartoffeln zu erhöhen, wurden sie mit der Schale gekocht und anschließend zwischen 12 und 24 Stunden gekühlt.

Die Kartoffeln wurden in die Hauptgerichte des Mittag- und Abendessens integriert, wie beispielsweise Shepherd’s Pie und Creamy Shrimp and Potatoes, und zusammen mit Beilagen wie Kartoffelpüree, im Ofen gebratenen Kartoffelecken, Kartoffelsalat und überbackenen Kartoffeln zum Mittag- und Abendessen serviert.

Die Kartoffeln wurden so zubereitet, dass sie möglichst viele Ballaststoffe enthielten. Als ein Vergleich zwischen einer Ernährung mit Kartoffeln und einer Ernährung mit Bohnen und Erbsen angestellt wurde, stellte sich heraus, dass beide in Bezug auf die gesundheitlichen Vorteile gleichwertig sind, so Rebello.

In der Regel halten sich Menschen nicht an eine Ernährung, die sie nicht mögen oder die nicht abwechslungsreich genug ist. Die Ernährungspläne boten daher eine Vielzahl von Gerichten, und es konnte gezeigt werden, dass ein gesunder Ernährungsplan vielfältige Möglichkeiten für Menschen bietet, die sich gesund ernähren wollen.

Kartoffeln enthalten nahezu kein Fett, dafür aber Stärke, Ballaststoffe, Eiweiß, Vitamine, Mineralien und sekundäre Pflanzenstoffe. Kartoffeln bestehen zu etwa 80 Prozent aus Wasser und sind daher besonders kalorienarm. Außerdem sind Kartoffeln ein relativ preiswertes Gemüse, das in den Speiseplan integriert werden kann.

Ketogene Diät, Paleo-Diät: Welche Ernährung das Diabetes-Risiko senkt und welche es erhöht

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass eine tierische, kohlenhydratarme Ernährung mit einem höheren Diabetes Typ 2-Risiko verbunden ist, während eine pflanzliche, kohlenhydratarme Ernährung mit einem geringeren Diabetes-Risiko in Zusammenhang gebracht wird.

  • Nach Aussage von Studienautorin Yeli Wang, die an der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston forscht, ist die Menge der Kohlenhydrate weniger wichtig als die Qualität der Proteine, Fette und Kohlenhydrate, um das Risiko für Diabetes Typ 2 bei allgemein gesunden Menschen ohne Prädiabetes oder Diabetes zu senken.

Kohlenhydratarme Diäten und Ernährungsformen, wie zum Beispiel die ketogene Diät oder die Paleo-Diät sind beliebt, weil Untersuchungen zeigen, dass sie innerhalb von sechs bis 12 Monaten zu einer schnellen Gewichtsabnahme führen können.

  • Unklar ist jedoch, warum sie so effizient beim Abnehmen sind und wie sie sich langfristig auf die Gesundheit auswirken.

Eine der Theorien besagt, dass eine kohlenhydratreduzierte Ernährung zu einer Erhöhung des Fett- und Eiweißanteils führt, was wiederum das Hungergefühl reduziert.

Nach einer anderen These erhöht die Einschränkung von Kohlenhydraten den Stoffwechsel des Körpers und hilft, Kalorien zu verbrennen.

Auswirkung auf Blutzucker- und Cholesterinspiegel bei kohlenhydratarmer Diät

Es gibt mehr als ein Dutzend gängiger kohlenhydratarmer Diäten, darunter die ketogene Diät, bei der Kohlenhydrate stark eingeschränkt werden, und die Paleo-Diät, bei der Obst, Gemüse und mageres Fleisch im Vordergrund stehen und die sich an Lebensmitteln orientiert, die den Menschen in der Altsteinzeit zur Verfügung standen.

Es gibt wissenschaftliche Studien, die nahelegen, dass eine sehr kohlenhydratarme Ernährung den Blutzuckerspiegel von Menschen mit Prädiabetes oder Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) verbessern kann.

  • Allerdings variiert die Anzahl der Kohlenhydrate, die bei diesen Diäten verzehrt werden, und der Schwerpunkt auf dem Verzehr von Fetten gibt Anlass zu Bedenken, wie sich diese Diäten auf den Cholesterinspiegel und die Herzgesundheit auswirken können.

Laut Kristina Petersen, Assistant Professor in der Abteilung für Ernährung an der Texas Tech University in Lubbock, zeigt diese Studie, dass einige kohlenhydratarme Diäten beziehungsweise Ernährungsweisen besser sind als andere.

Die Forscher untersuchten in dieser Studie den Zusammenhang zwischen kohlenhydratarmer Ernährung und der Wahrscheinlichkeit, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, einem wichtigen Risikofaktor für Herzerkrankungen und Schlaganfälle.

  • Die Analyse umfasste die Ernährungs- und Gesundheitsdaten von mehr als 200.000 Erwachsenen aus drei großen nationalen Studien. Alle Studien erstreckten sich über einen Zeitraum von 1984 bis 2017.

Die Teilnehmenden füllten alle vier Jahre Fragebögen zu den Lebensmitteln aus, die sie zu sich nahmen, und wurden bis zu 30 Jahre lang beobachtet. Keiner der Studien-Teilnehmer hatte zu Beginn der Studie Diabetes.

Ob eine Person sich kohlenhydratarm ernährt, wurde in der Studie nicht anhand der genauen Menge an Kohlenhydraten definiert, die sie täglich zu sich nimmt.

Stattdessen ermittelten die Forscherinnen und Forscher eine Punktzahl, die auf dem prozentualen Anteil der Gesamtenergie aus der täglichen Aufnahme von Proteinen, Fetten und Kohlenhydraten basiert.

  • Mithilfe dieser Punktzahl wurden die teilnehmenden Frauen und Männer in fünf gleiche Gruppen eingeteilt.

In der Gruppe mit dem niedrigsten Kohlenhydratanteil stammten etwa 40 Prozent der täglichen Energie aus Kohlenhydraten, so Wang.

  • Im Gegensatz dazu empfehlen die US-Ernährungsrichtlinien, dass Kohlenhydrate 45 bis 65 Prozent der Energiezufuhr ausmachen sollten.

Um die Qualität der Ernährung zu bewerten, wurden die verzehrten Lebensmittel in 18 Gruppen eingeteilt: Vollkornprodukte, Obst, Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte, pflanzliche Öle, Tee und Kaffee, Fruchtsäfte, raffiniertes Getreide, Kartoffeln, zuckergesüßte Getränke, Süßigkeiten und Desserts, tierische Fette, Milchprodukte, Eier, Fisch oder Meeresfrüchte, Fleisch und verschiedene tierische Lebensmittel.

Die ersten Studiendaten zeigen, dass Menschen in der Gruppe mit den wenigsten Kohlenhydraten, die mehr Proteine und Fette aus pflanzlichen Quellen zu sich nahmen, ein um 6 Prozent geringeres Risiko hatten, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken – und wenn ihre Ernährung darüber hinaus Zucker und andere raffinierte Kohlenhydrate minimierte, war das Risiko um 15 Prozent geringer.

Im Gegensatz dazu hatte die Gruppe mit den wenigsten Kohlenhydraten, die sich vor allem von tierischen Proteinen und Fetten ernährte, ein um 35 Prozent höheres Risiko, an Diabetes Typ-2 zu erkranken – und ein um 39 Prozent höheres Risiko, wenn ihre Ernährung zudem nur einen geringen Anteil an Vollkornprodukten enthielt.

Laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist ein Schwachpunkt der Studie, dass die meisten der Teilnehmenden weiß waren. Es stellt sich daher die Frage, ob sich die Ergebnisse auf andere ethnische Gruppen übertragen lassen.

Die Ergebnisse dieser Studie, die in Chicago auf der Scientific Sessions Konferenz der American Heart Association vorgestellt wurde, gelten als vorläufig, bis sie in einer von Experten begutachteten Fachzeitschrift veröffentlicht werden.

Die American Heart Association empfiehlt eine Ernährung, die eine große Vielfalt an Obst (Äpfel, Birnen, Pflaumen, Weintrauben, Heidelbeeren/Blaubeeren, Himbeeren, etc.) und Gemüse (Spinat, Pak Choy, Rosenkohl, Grünkohl, Brokkoli, Feldsalat, Rucola, Avocados etc.) sowie gesunde Eiweißquellen wie Fisch (Lachs, Thunfisch, etc.) und Meeresfrüchte, Hülsenfrüchte (Bohnen, Erbsen, Linsen, etc.) und Nüsse (Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, etc.), fettarme oder fettfreie Milchprodukte und mageres Fleisch enthält.

  • Ferner empfiehlt die American Heart Association, minimal verarbeitete Nahrungsmittel gegenüber extrem verarbeiteten Lebensmitteln zu bevorzugen und Zucker, Salz (Natrium) und den Konsum von Alkohol einzuschränken.

Quellen

  • Louisiana State University, Pennington Biomedical Research Center
  • Candida J. Rebello et al, Low-Energy Dense Potato- and Bean-Based Diets Reduce Body Weight and Insulin Resistance: A Randomized, Feeding, Equivalence Trial, Journal of Medicinal Food (2022). DOI: 10.1089/jmf.2022.0072

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