Studie: Brustkrebsrisiko durch Milchkonsum bis zu 80 Prozent höher 

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 17.09.2023, Lesezeit: 5 Minuten

Gesund oder krebserregend: Kann Milch Brustkrebs auslösen? Forscher der Loma Linda University Health in Kalifornien haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass der Verzehr von Milch mit einem höheren Brustkrebsrisiko bei Frauen verbunden ist.

Sojamilch, Käse und Joghurt

Zwischen Sojaprodukten und Brustkrebs fanden die Wissenschaftler dagegen keinen Zusammenhang. Auch bei Käse und Joghurt wurden keine bedeutenden Zusammenhänge in Bezug auf ein erhöhtes Brustkrebsrisiko festgestellt.

Milchkonsum und Brustkrebsrisiko

Die im International Journal of Epidemiology veröffentlichte Studie zeigt, dass selbst ein relativ moderater Milchkonsum das Brustkrebsrisiko von Frauen erhöhen kann – je nach konsumierter Menge um bis zu 80 Prozent.

  • Laut Dr. Gary E. Fraser von der Loma Linda University Health und Erstautor der Studie liefert die Beobachtungsstudie ziemlich starke Beweise dafür, dass Milch oder ein anderer Faktor, der eng mit dem Milchkonsum zusammenhängt, eine Ursache für Brustkrebs bei Frauen ist.

Bereits der Verzehr von einer viertel bis einer drittel Tasse Milch pro Tag sei mit einem um 30 Prozent erhöhten Brustkrebsrisiko verbunden, so der Forscher.

  • Bei bis zu einer Tasse täglich steige das Risiko auf 50 Prozent, bei zwei bis drei Tassen täglich auf 70 bis 80 Prozent.

Die aktuellen US-Ernährungsrichtlinien empfehlen drei Tassen Milch pro Tag. Laut Dr. Gary E. Fraser legen die Ergebnisse dieser Studie nahe, dass diese Empfehlung mit Vorsicht zu genießen ist.

  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, das breite Angebot an Milchprodukten nach Belieben zu kombinieren und zum Beispiel täglich etwa 250 ml Milch, Buttermilch, Joghurt oder Kefir und 50 bis 60 Gramm Käse zu verzehren.

Ernährungsdaten von 53.000 Frauen ausgewertet

In dieser Studie wurde die Nahrungsaufnahme von fast 53.000 nordamerikanischen Frauen, die zu Beginn keine Krebserkrankung aufwiesen, über einen Zeitraum von fast acht Jahren untersucht.

Die Nahrungsaufnahme wurde anhand von Fragebögen zur Häufigkeit der Nahrungsaufnahme (Food Frequency Questionnaire – FFQ) bewertet, und ein Eingangsfragebogen enthielt Fragen zu Demografie, familiärer Brustkrebsbelastung, körperlicher Aktivität, Alkoholkonsum, Einnahme von Hormonen und anderen Medikamenten, Brustkrebsvorsorgeuntersuchungen sowie reproduktiver und gynäkologischer Anamnese.

Was fördert Brustkrebs?

Bis zum Ende des Untersuchungszeitraums traten während der Nachbeobachtungszeit 1.057 neue Brustkrebsfälle auf. Es konnte kein eindeutiger Zusammenhang zwischen Sojaprodukten und Brustkrebs gefunden werden, unabhängig vom Verzehr von Milchprodukten.

Im Vergleich zu einem geringen oder gar keinem Milchkonsum war jedoch eine höhere Aufnahme von Milchkalorien und Milch mit einem höheren Brustkrebsrisiko verbunden, unabhängig von der Sojaaufnahme.

  • Beim Vergleich des Verzehrs von Vollfettmilch mit dem von fettarmer oder fettfreier Milch ergaben sich nur geringfügige Unterschiede; für Käse und Joghurt konnte kein signifikanter Zusammenhang festgestellt werden.

Die Studienergebnisse zeigten jedoch, dass Milchprodukte, insbesondere Milch, mit einem erhöhten Risiko verbunden waren, und die Daten deuteten auf eine signifikante Verringerung des Risikos hin, wenn Milch durch Sojamilch ersetzt wurde. Dies deute darauf hin, dass Milchalternativen eine optimale Wahl sein könnten, so die Forscher.

Veganerinnen seltener Brustkrebs 

Eine gesundheitsgefährdende Wirkung von Milchprodukten steht im Einklang mit dem jüngsten AHS-2-Bericht (Adventist Health Study-2), der nahelegt, dass Veganerinnen, nicht aber Lakto-Ovo-Vegetarierinnen, seltener an Brustkrebs erkranken als Nicht-Vegetarierinnen.

Auslöser von Brustkrebs

Laut Dr. Gary E. Fraser von der Loma Linda University Health könnte der Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Milchprodukten auf den Gehalt an Sexualhormonen in der Milch zurückzuführen sein, da Kühe zum Zeitpunkt des Melkens laktieren und drei Viertel von ihnen trächtig sind. Das bedeutet, dass der Gehalt an Sexualhormonen in der Milch höher ist.

Brustkrebs bei Frauen ist eine Krebsart, die auf Hormone reagiert. Darüber hinaus gibt es Berichte, dass der Verzehr von Milch und anderen tierischen Proteinen mit höheren Blutspiegeln eines Hormons, des Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktors 1 (IGF-1), in Verbindung gebracht wird, von dem angenommen wird, dass er bestimmte Krebsarten fördert.

Zwar habe Milch einige positive ernährungsphysiologische Eigenschaften, so Fraser, doch müssten diese gegen andere mögliche, weniger positive Effekte abgewogen werden. Die Ergebnisse dieser Studien unterstreichen nach Ansicht der Forscher den dringenden Bedarf an weiterer Forschung.

Zusammenhang zwischen anderen Krebsarten und Milch

Der Konsum von Milch hat nach dem derzeitigen Stand der Forschung vor allem einen Einfluss auf die häufigsten Krebsarten – Prostatakrebs bei Männern und Brustkrebs bei Frauen.

Aber auch für andere Krebsarten wie Eierstockkrebs und Lungenkrebs wurde ein Zusammenhang mit dem Verzehr von Milch nachgewiesen.

Der Verzehr von Milch und Milchprodukten mit einem sehr hohen Hormongehalt aus einer gewinnorientierten Milchwirtschaft ist nach Ansicht von Forschenden der Harvard University ein eindeutiger Hinweis auf die Häufigkeit von hormonbedingten Krebserkrankungen.

Quellen

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Wie gesund sind Milchprodukte?

Quelle: Quarks


Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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