Lebertransplantation: Wartezeit, Erfolgsquote, Überlebensrate, Kliniken

Krankheiten und Krankheitsbilder

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 26. September 2023, Lesezeit: 11 Minuten

Die Leber ist das zentrale Entgiftungsorgan des menschlichen Körpers. Ist die Funktion der Leber gestört, wird der gesamte Organismus mit Giftstoffen überschwemmt und lebenswichtige körpereigene Stoffe, zum Beispiel für die Blutgerinnung, können nicht mehr gebildet werden.

  • Für Patientinnen und Patienten mit Leberversagen ist eine Lebertransplantation oft die einzige Behandlungsmöglichkeit und kann lebensrettend sein.

Bei einem akuten Leberversagen oder einem chronischen Funktionsverlust ist die Lebertransplantation bislang immer noch die einzige Behandlungsmöglichkeit, da sich die zahlreichen lebenswichtigen Körperfunktionen der Leber bisher nicht durch eine künstliche Ersatztherapie aufrechterhalten lassen.

Wartezeit auf eine Lebertransplantation

Die Wartezeit für eine Transplantation von einem verstorbenen Spender kann zwischen weniger als 30 Tagen und mehr als 5 Jahren betragen.

Die Dauer der Wartezeit hängt davon ab, wie dringend eine neue Leber benötigt wird.

Einflussfaktoren wie Alter, Blutgruppe, Körpergröße, allgemeiner Gesundheitszustand und Verfügbarkeit einer passenden Leber können die Wartezeit verlängern oder verkürzen.

Aufgrund des Organmangels beträgt die durchschnittliche Wartezeit auf eine Leber in Deutschland etwa zwei Jahre.

Zum Zeitpunkt der Transplantation liegt der durchschnittliche MELD-Score bei 35 Punkten. Die betroffenen Patientinnen und Patienten sind entsprechend schwer krank und liegen sehr häufig auf der Intensivstation.

  • Der MELD-Score kann zwischen 6 und 40 Punkten liegen. Je höher der Score, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient die nächsten 3 Monate ohne Lebertransplantation überlebt.

Erfolgsquote bei einer Lebertransplantation

In Deutschland wurden 2022 insgesamt 748 Lebertransplantationen durchgeführt, wovon 42 nach einer Lebendorganspende erfolgten.

Auf den Wartelisten für eine Lebertransplantation standen in Deutschland zum Ende des Jahres 2022 insgesamt 841 Patientinnen und Patienten. Im Jahresverlauf 2022 wurden von den Kliniken insgesamt 1.296 Patientinnen und Patienten neu gemeldet, die eine Lebertransplantation benötigten.

Verbesserte Operationsverfahren- und Techniken sowie Fortschritte in der medizinischen Versorgung verbessern die Erfolgsquoten von Lebertransplantationen. Heutzutage funktionieren von 100 transplantierten Organen ein Jahr nach der Transplantation noch 80, nach fünf Jahren noch etwa 68.

Diese Angaben basieren auf einer europaweiten Studie, die sich über einen Zeitraum von 1990 bis 2021 erstreckt.

Überlebensrate nach einer Lebertransplantation

Bei Patienten, die eine Leber von einem verstorbenen Spender erhalten haben, liegen nach Angeben des Organ Procurement and Transplantation Network (OPTN) die Überlebensraten bei circa:

  • 86 Prozent nach 1 Jahr
  • 78 Prozent nach 3 Jahren
  • 72 Prozent nach 5 Jahren

Die Überlebensrate nach 20 Jahren beträgt über 50 Prozent.

Die Erfolgsaussichten einer Lebertransplantation und das langfristige Überleben hängen von der individuellen Situation ab.

Ablauf einer Lebertransplantation

In einem ersten Schritt wird die Spenderleber für die Transplantation vorbereitet. Dabei werden die Gallenblase, sofern sie noch vorhanden ist, sowie das anhängende Gewebe entfernt und die Anschlussstellen für die Gefäße des Empfängers vorbereitet.

Nach Einleitung der Narkose wird der Patient steril abgedeckt. Die Bauchdecke wird geöffnet und die erkrankte Leber entfernt. Im Anschluss daran wird die gesunde Leber transplantiert und die versorgenden Gefäße werden miteinander verbunden. Der normale Gallefluss wird wiederhergestellt.

Dauer: Eine Lebertransplantation dauert in der Regel fünf bis acht Stunden, kann aber auch bis zu zwölf Stunden oder länger dauern.

Danach bleibt die Patientin oder der Patient zwei bis sieben Tage zur Überwachung auf der Intensivstation und anschließend noch gut zwei Wochen auf der Normalstation.

Die Rehabilitation nach einer Lebertransplantation in einer Rehabilitationsklinik dauert etwa drei bis fünf Wochen.

Probleme und Komplikationen bei der Lebertransplantation

Mögliche auftretende gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit einer Lebertransplantation sollten mit dem Chirurgen besprochen werden.

Einige mögliche Probleme, die auftreten können, sind u.a.:

Wann kann man nach einer Lebertransplantation nach Hause gehen?

Die Entscheidung, wann ein Patient nach einer Transplantation nach Hause entlassen werden kann oder ob noch eine Rehabilitationsmaßnahme notwendig ist, wird individuell getroffen.

  • In der Regel ist im Anschluss an eine Lebertransplantation mit einem stationären Aufenthalt von etwa zwei bis drei Wochen zu rechnen.

Was passiert nach einer Lebertransplantation?

Nach einer Lebertransplantation muss der Patient täglich sein Körpergewicht, seine Körpertemperatur und seinen Blutdruck messen, in der ersten Zeit sogar mehrmals täglich. Auf diese Weise können Infektionen und Veränderungen von Herz, Blutdruck und Nierenfunktion schnell erkannt werden.

Ab welchem Zeitpunkt kann man wieder normalen Aktivitäten nachgehen?

Normalerweise können die meisten Patienten nach einigen Monaten wieder ihren normalen Aktivitäten nachgehen.

Die meisten Menschen sind nach der Transplantation wieder in der Lage zu arbeiten, körperlich aktiv zu sein und auch ein normales Sexualleben zu führen.

Die Betroffenen müssen sich weiterhin regelmäßig ärztlich untersuchen lassen, um sicherzustellen, dass die Leber gut funktioniert und keine anderen gesundheitlichen Probleme vorliegen.

Ärztinnen und Ärzte empfehlen oft, dass Frauen mindestens ein Jahr nach der Transplantation warten sollten, bevor sie schwanger werden.

Obwohl die Genesungszeiten unterschiedlich sind, können die meisten Lebendspender ihre normalen Aktivitäten einen Monat nach der Operation wieder aufnehmen und nach vier bis sechs Wochen wieder arbeiten.

Leben mit einer transplantierten Leber

Nach einer Lebertransplantation müssen die Patienten regelmäßig zur Nachsorge zum Arzt gehen, um sicherzustellen, dass die neue Leber richtig funktioniert.

Dabei werden regelmäßig Blutuntersuchungen durchgeführt, um Anzeichen einer Organabstoßung und andere Probleme zu erkennen, die die neue Leber schädigen könnten.

Was ist eine Organabstoßung?

Eine Organabstoßung liegt vor, wenn das Immunsystem die transplantierte Leber als „fremd“ ansieht und versucht, sie zu zerstören. Das Risiko einer Organabstoßung ist in den ersten 3 bis 6 Monaten nach der Transplantation am höchsten.

Was sind die Anzeichen und Symptome einer Organabstoßung?

Auffällige Leberwerte können das erste Anzeichen einer Organabstoßung sein. Eine Abstoßung verursacht nicht immer Symptome, die von den Betroffenen bemerkt werden.

Symptome einer Abstoßung können sein:

Bei Symptomen einer Organabstoßung sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden. Um festzustellen, ob der Körper die neue Leber abstößt, wird in der Regel eine Leberbiopsie durchgeführt.

Wie kann man einer Organabstoßung vorbeugen?

Um zu verhindern, dass der Körper die neue Leber abstößt, müssen die Betroffenen so genannte Immunsuppressiva einnehmen.

Diese Arzneimittel verhindern und behandeln die Organabstoßung, indem sie die Reaktion des Immunsystems auf die neue Leber verringern.

  • Es kann erforderlich sein, zwei oder mehr Immunsuppressiva einzunehmen.
  • Die betroffenen Patienten müssen diese Medikamente für den Rest ihres Lebens einnehmen.

Eine Abstoßung kann immer dann auftreten, wenn die immunsuppressiven Medikamente die Reaktion des Immunsystems auf die neue Leber nicht kontrollieren können.

Wenn die transplantierte Leber aufgrund einer Abstoßung versagt, entscheidet das Transplantationsteam, ob eine weitere Transplantation möglich ist.

Welche Nebenwirkungen haben Immunsuppressiva?

Immunsuppressiva können viele schwerwiegende Nebenwirkungen haben.

Zum Beispiel können die Betroffenen leichter an Infektionen erkranken, weil die Medikamente das Immunsystem schwächen.

Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:

Die langfristige Einnahme dieser Medikamente kann das Risiko erhöhen, an Krebs zu erkranken.

Verschreibungspflichtige Medikamente, rezeptfreie Medikamente, Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Immunsuppressiva beeinflussen.

  • Wichtig: Sprechen Sie mit dem Arzt, bevor Sie rezeptfreie Medikamente, Vitamine, Nahrungsergänzungsmittel oder andere ergänzende oder alternative Medikamente oder medizinische Praktiken verwenden.

Was sollte man nach einer Lebertransplantation essen – und was sollte man meiden?

Nach einer Lebertransplantation sollte man sich gesund und ausgewogen ernähren, um sich zu erholen und gesund zu bleiben.

Ernährungsberater können den Betroffenen helfen, einen gesunden Ernährungsplan aufzustellen, der ihren Bedürfnissen entspricht.

Was darf man nach einer Lebertransplantation nicht essen?

Nach einer Lebertransplantation sollte zum Beispiel auf eine fettreiche Ernährung ( wie z.B. fettes Fleisch etc.) verzichtet werden.

Obst und Gemüse sind wichtig als Vitaminquelle.

  • Der Fettgehalt von Milchprodukten sollte möglichst gering gehalten werden.

Zucker sollte vermieden werden, da durch die Cortisongabe auch ein vorübergehender Diabetes ausgelöst werden kann.

Ebenso sollte der Salzkonsum eingeschränkt werden

Grapefruit und Grapefruitsaft können die Wirkung bestimmter Immunsuppressiva beeinträchtigen. Um Probleme mit einigen dieser Medikamente zu vermeiden, sollte man keine Grapefruit essen und keinen Grapefruitsaft trinken.

  • Auf Alkohol sollte gänzlich verzichtet werden.

Beste Klinik für eine Lebertransplantation finden

Wie findet man die beste Klinik für eine Lebertransplantation?

In Deutschland sind die Krankenhäuser gesetzlich verpflichtet, in Qualitätsberichten über ihre Arbeit und ihre Strukturen zu informieren.

Patientinnen und Patienten, die für eine bestimmte Behandlung oder Operation eine geeignete Klinik suchen, können sich anhand der Qualitätsberichte über das jeweilige Leistungsangebot der Kliniken informieren.

Die Qualitätsberichte der Krankenhäuser können im Internet eingesehen (Gemeinsamer Bundesausschuss) und verglichen werden (Weiße Liste, Portale der Krankenkassen).

Bei der Suche nach einer geeigneten Klinik gibt es neben den Qualitätsdaten der Krankenhäuser eine Vielzahl weiterer Informationsquellen, wie z.B:

Häufig werden – vor allem über die Medien – auch Ranglisten der vermeintlich „besten“ Kliniken und Ärzte publiziert. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale helfen diese Übersichten und Listen bei der Suche nach einer geeigneten Klinik nicht weiter.

  • Die Entscheidung sollten Betroffene, möglichst in Absprache mit dem behandelnden Arzt, nach ihren individuellen Bedürfnissen treffen.

Wann eine Lebertransplantation notwendig ist

Menschen benötigen eine Lebertransplantation, wenn ihre Leber aufgrund einer Krankheit oder Verletzung versagt.

Häufige Gründe für eine Lebertransplantation sind. u.a.:

Bei seltenen Erkrankungen wie Harnstoffzyklusstörungen und familiärer Hypercholesterinämie kann eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden.

Auch bei akutem Leberversagen kann eine Lebertransplantation erforderlich sein. Das akute Leberversagen ist eine seltene Störung, die am häufigsten durch die Einnahme von zu viel Paracetamol verursacht wird.

Arzneimitteltoxizität – Paracetamolintoxikation: Die Vergiftung ist in der Regel dosisabhängig und tritt nur sehr selten in therapeutischen Dosen auf.

Weitere Ursachen für akutes Leberversagen sind:

Welche Arten von Lebertransplantationen gibt es?

Transplantationen von verstorbenen Spendern

Bei den meisten Transplantationen wird die Leber eines kürzlich verstorbenen Menschen, eines so genannten Leichenspenders, verwendet.

Bei erwachsenen Patienten wird in der Regel die gesamte Leber eines verstorbenen Spenders transplantiert. Chirurgen können die Leber eines verstorbenen Spenders aber auch in zwei Teile teilen.

Der größere Teil kann einem Erwachsenen, der kleinere Teil einem kleineren Erwachsenen oder einem Kind eingepflanzt werden.

Lebendspende

In manchen Fällen kommt es vor, dass eine gesunde, lebende Person einen Teil ihrer Leber spendet, in der Regel für ein Familienmitglied, das für eine Lebertransplantation empfohlen wird. Diese Spender werden als Lebendspender bezeichnet.

Bei einer Lebendspende entfernen Chirurgen einen Teil der gesunden Leber des Lebendspenders.

Die Leber des Lebendspenders wächst schon bald nach der Operation wieder auf ihre normale Größe an. Der Teil der Leber, den der Patient erhält, wächst ebenfalls auf die normale Größe an. Transplantationen von lebenden Spendern sind im Vergleich zu Transplantationen von verstorbenen Spendern deutlich seltener.

Weiterführende Informationen

Informationen zum Thema Lebertransplantation sowie weitere geeignete Anlaufstellen finden Wartelistenpatienten, Lebertransplantierte und Angehörige unter anderem hier:

Quellen

vgt


 Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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