Studie: Pilates verbessert den Blutdruck und verringert die Arterienversteifung

Gesundheitstipps, Herzerkrankungen & Gefäßkrankheiten

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 29. Juni 2023, Lesezeit: 5 Minuten

Pilates könnte einer wissenschaftlichen Studie zufolge ein wirksame Behandlungsmethode zur Verbesserung der kardiovaskulären Gesundheit junger adipöser Frauen sein, einer Bevölkerungsgruppe mit erhöhtem Risiko für frühe Gefäßerkrankungen wie ischämischer Schlaganfall und Bluthochdruck.

  • Die Forschungsergebnisse wurden von Oxford University Press im American Journal of Hypertension veröffentlicht.

Mit Pilates-Übungen die Arterienversteifung und den Blutdruck signifikant reduzierten

In dieser Studie untersuchten die Forscher übergewichtige junge Frauen (im Alter von 19 bis 27 Jahren) mit erhöhtem Blutdruck und einem Body-Mass-Index (BMI) zwischen 30 und 40 über einen Zeitraum von 12 Wochen.

  • Die Teilnehmerinnen hatten keine chronischen Krankheiten, waren Nichtraucherinnen und bewegten sich weniger als 90 Minuten pro Woche.

Im Rahmen der Studie absolvierten die Versuchsteilnehmerinnen drei einstündige Pilates-Trainingseinheiten pro Woche, die in folgende Phasen unterteilt waren: Aufwärmen und Dehnen (10 Minuten), allgemeine Pilates-Übungen (40 Minuten) und abschließend eine 10-minütige Cool-Down-Phase.

  • Die Intensität des Trainings steigerte sich im Laufe der 12 Wochen. Alle Trainingseinheiten wurden von einem zertifizierten Pilates-Trainer überwacht.

Nach Angaben der Forschenden ist dies die erste Studie, die zeigt, dass Pilates-Übungen die Arteriensteifigkeit und den Blutdruck, einschließlich des zentralen (Aorten-) Blutdrucks, signifikant senken.

Die Forschungsergebnisse stützen die These der Wissenschaftler, dass Pilates das Risiko für Bluthochdruck bei jungen, übergewichtigen Frauen senken und die kardiovaskuläre Gesundheit (Herz-Kreislauf-System) fördern kann, indem es den Blutdruck, die Arteriensteifigkeit und die Körperfettmasse bei jungen, übergewichtigen Frauen mit erhöhtem Blutdruck senkt.

Die Prävalenz (Häufigkeit) von Adipositas bei jungen Erwachsenen ist zu einem wichtigen Thema der öffentlichen Gesundheit geworden. Obwohl hinreichend belegt ist, dass körperliche Aktivität ein Schlüsselfaktor bei der Vorbeugung und Behandlung von Herz-Kreislauf-Problemen ist, neigen adipöse Frauen dazu, traditionelle Trainingsroutinen nicht langfristig beizubehalten.

  • Pilates-Training könnte sich demnach als wirksame Behandlungsmaßnahme für die Prävention von Bluthochdruck und kardiovaskulären Erkrankungen bei jungen adipösen Erwachsenen erweisen, so die Forscher.

Welche Blutdruckwerte sind normal?

Unter normalen Bedingungen und ohne Berücksichtigung individueller Schwankungen beträgt der Blutdruck beim Erwachsenen etwa 120/80 mmHg. Der Ruhewert des systolischen Blutdrucks liegt bei 13,3-17,4 kPa (100-130 mmHg), der diastolische Wert bei 8,0-11,3 kPa (60-85 mmHg).

Wann spricht man von Bluthochdruck und wann von niedrigen Blutdruck?

Wenn der Blutdruck dauerhaft Werte von 140 bis 90 mmHg überschreitet, spricht man von Bluthochdruck (Hypertonie). In Deutschland sind etwa ein Drittel der Erwachsenen von hohem Blutdruck betroffen. Dabei sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen. Das Risiko, an Hypertonie zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter.

Bei Blutdruckwerten, die dauerhaft unter 105 zu 65 mmHg liegen, liegt eine arterielle Hypotonie (niedriger Blutdruck) vor. Im Vergleich zum Bluthochdruck ist der niedrige Blutdruck selten gefährlich.

Pilates wirkt sich positiv auf die Therapie der Herzinsuffizienz aus

Einer Studie zufolge, die in der Fachzeitschrift Cardiovascular Therapeutics veröffentlicht wurde, können Pilates-Übungen eine wirksame ergänzende Behandlung für Menschen mit Herzinsuffizienz sein, da sie die funktionelle Belastbarkeit verbessern.

Um die Wirksamkeit von Pilates bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz zu untersuchen, führten Guilherme Veiga Guimarães, M.D., von der Universidade de São Paulo in Brasilien und seine Kollegen eine Studie mit 16 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz der Klasse I oder II der New York Heart Association durch.

  • Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip 16 Wochen lang entweder einem 30-minütigen aeroben Training, gefolgt von einem 20-minütigen Pilates-Training auf der Matte, oder einem herkömmlichen Rehabilitationsprogramm für Herzpatienten zugeteilt.

Am Ende der 16 Wochen stellten die Forschenden fest, dass die Patientinnen und Patienten in beiden Gruppen eine signifikante Zunahme der körperlichen Aktivität aufwiesen, wobei die Zunahme in der Pilates-Gruppe grösser war.

Im Vergleich zu den Ausgangswerten zeigten sich nur in der Pilates-Gruppe signifikante Steigerungen der Lungenventilation (Ventilation), der maximalen Sauerstoffaufnahme (Peak Oxygen Consumption, VO2 max) und des Sauerstoffpulses (O2-Puls). Im Vergleich zur Kontrollgruppe verbesserte sich die VO2 max in der Pilates-Gruppe signifikant.

  • Nach Ansicht der Studienautorinnen und -autoren belegen die Forschungsergebnisse die praktische Durchführbarkeit einer kombinierten Methode aus aerobem Training und Pilates-Übungen zur sicheren Verbesserung der funktionellen Leistungsfähigkeit bei Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz.

Quelle

  • Alexei Wong and others, The Effects of Mat Pilates Training on Vascular Function and Body Fatness in Obese Young Women With Elevated Blood Pressure, American Journal of Hypertension, Volume 33, Issue 6, June 2020, Pages 563–569, https://doi.org/10.1093/ajh/hpaa026
  • Kloubec J. Pilates: how does it work and who needs it? Muscles Ligaments Tendons J. 2011 Dec 29;1(2):61-6. PMID: 23738249; PMCID: PMC3666467. https://doi.org/10.1111/j.1755-5922.2011.00285.x

 

vgt


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