Studie: Aspirin so wirksam wie Blutverdünner gegen Blutgerinnsel nach Knochenbruch-OP

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 17. Oktober 2022, Lesezeit: 6 Minuten

Blutgerinnsel vorbeugen

Patienten, die wegen eines Knochenbruchs operiert werden, erhalten in der Regel eine Art injizierbares Blutverdünnungsmittel, niedermolekulares Heparin, um lebensbedrohliche Blutgerinnsel zu verhindern.

  • Eine klinische Studie der University of Maryland School of Medicine ergab, dass frei verkäufliches Aspirin genauso wirksam ist, um Blutgerinnsel zu verhindern.

Die Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Orthopedic Trauma Association (OTA) in Tampa vorgestellt.

Es handelt sich bei der multizentrischen, randomisierten klinischen Studie mit mehr als 12.000 Patienten in 21 Unfallchirurgiezentren/Traumazentren in den USA und Kanada um die bisher größte Studie bei orthopädischen Traumapatienten (Patienten, bei denen Bein-, Arm-, oder Beckenbrüche operiert werden mussten).

  • Was ist Traumatologie? In der Traumatologie (Frakturen)/Unfallchirurgie geht es um die Akutversorgung, die Behandlung und die Prävention von Verkehrs-, Sport- und Arbeitsunfällen. Im Mittelpunkt stehen dabei Verletzungen des Bewegungsapparats wie Knochen, Bänder, Sehen und Gelenke.

Geleitet wurde die Studie von der Abteilung für Orthopädie der University of Maryland School of Medicine und dem Major Extremity Trauma Research Consortium an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health.

Die Ergebnisse dieser groß angelegten Studie werden sich voraussichtlich stark auf die klinische Praxis auswirken und möglicherweise sogar den Behandlungsstandard verändern, sagte der Leiter der Studie, Professor Dr. Robert V. O’Toole von der University of Maryland School of Medicine.

Orthopädische Traumapatienten bekommen in der Regel blutverdünnendes niedermolekulares Heparin verschrieben, um Blutgerinnsel über Wochen nach der Operation zu verhindern.

  • Das Präparat muss nicht nur gespritzt werden, sondern kann im Vergleich zu Aspirin auch ziemlich teuer sein.

Laut den U.S. Centers for Disease Control (CDC) verursachen Blutgerinnsel jedes Jahr bis zu 100.000 Todesfälle in den USA.

Bei Patientinnen und Patienten mit Knochenbrüchen, die operiert werden müssen (allein circa 1 Million Menschen pro Jahr in den USA) besteht ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln in den Venen, einschließlich einer tödlichen Lungenembolie durch ein Blutgerinnsel in der Lunge.

Die derzeitigen Richtlinien empfehlen die Verschreibung von niedermolekularem Heparin, obwohl Forschungsergebnisse bei Gelenkersatzoperationen auf einen möglichen Nutzen von Aspirin als kostengünstigere und weithin verfügbare Behandlungsoption hinweisen.

Aspirin und niedermolekulares Heparin im Vergleich

Bei der Studie wurden insgesamt 12.211 Patienten mit Bein- oder Armbrüchen, die eine Operation erforderten, oder mit Beckenbrüchen unabhängig von der spezifischen Behandlung untersucht.

Die Hälfte der Patienten wurde nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und erhielt zweimal täglich 30 mg injizierbares niedermolekulares Heparin.

Die andere Hälfte erhielt zweimal täglich 81 mg Aspirin. Die Nachbeobachtungszeit nach der Operation betrug 90 Tage.

  • Das wichtigste Ergebnis der Studie war, dass Aspirin im Vergleich zu niedermolekularem Heparin nicht schlechter war, wenn es darum ging, Todesfälle jeglicher Art zu verhindern – 47 Patienten in der Aspirin-Gruppe starben im Vergleich zu 45 Patienten in der Heparin-Gruppe.

In Bezug auf nicht-tödliche Lungenembolien wurden keine Unterschiede festgestellt. Das Auftreten von Blutungskomplikationen und alle anderen Sicherheitsergebnisse waren in beiden Gruppen ähnlich.

Der einzige potenzielle Unterschied zwischen den untersuchten Ergebnissen war die geringere Anzahl von Blutgerinnseln in den Beinen in der niedermolekularen Heparin-Gruppe.

Dieser verhältnismäßig geringe Unterschied war auf Blutgerinnsel im unteren Teil des Beins zurückzuführen, deren klinische Bedeutung unklar ist.

Anhand der vorliegenden Daten von mehr als 12.000 Patienten liefert diese Studie nach Aussage von Prof. Dr. Andrew Pollak von der University of Maryland School of Medicine eindeutige Beweise dafür, dass Aspirin eine wirksame Option ist, um Blutgerinnsel in der Lunge und den Tod von Patienten zu verhindern, die wegen eines orthopädischen Traumas (Verkehrs-, Sport- und Arbeitsunfälle) operiert werden müssen.

Absetzen von Aspirin während der Einnahme von Blutverdünnern senkt das Risiko von Blutungen

Das Risiko von Blutungen sinkt deutlich, wenn Patientinnen und Patienten, die einen häufig verordneten Blutverdünner einnehmen, die Einnahme von Aspirin beenden, so eine Studie der Michigan Medicine.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten mehr als 6.700 Menschen, die in Kliniken in Michigan wegen venöser Thromboembolien (Blutgerinnsel) und Vorhofflimmern (ein unregelmäßiger Herzrhythmus, der einen Schlaganfall verursachen kann) behandelt wurden.

  • Die Patientinnen und Patienten wurden mit einem gängigen Blutverdünner behandelt, nahmen aber auch Aspirin ein, obwohl sie keine Vorgeschichte von Herzerkrankungen hatten.

Während der Studie ging die Einnahme von Aspirin bei den Patienten um 47 Prozent zurück.

Durch die geringere Verwendung von Aspirin sank das Risiko einer Blutungskomplikation um 32 Prozent – das entspricht einem verhinderten schweren Blutungskomplikationen pro 1.000 Patienten, die kein Aspirin mehr nehmen.

Die Ergebnisse zeigen, dass eine beschleunigte Reduzierung der Einnahme schwere Blutungskomplikationen verhindert, was wiederum für die Patienten lebensrettend sein kann, so die Forscher.

Laut den Autoren der Studie ist es wichtig, dass Ärzte und Gesundheitseinrichtungen mehr darüber wissen, wann Patienten, die Blutverdünner einnehmen, Aspirin verwenden sollten und wann nicht.

Diese Verringerung der Aspirineinnahme basiert auf mehreren Studien, die einen Zusammenhang zwischen der gleichzeitigen Einnahme von Aspirin und verschiedenen Blutverdünnern festgestellt haben.

Aus einer Studie ging beispielsweise hervor, dass bei Patienten, die zur Behandlung von Vorhofflimmern und venöse Thromboembolie gerinnungshemmendes Medikament und Aspirin einnahmen, mehr schwerwiegende Blutungen auftraten und mehr Notaufnahmen wegen Blutungen aufgesucht wurden als bei Patienten, die nur ein gerinnungshemmendes Medikament einnahmen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam es bei Menschen, die Aspirin und direkte orale Antikoagulanzien einnahmen – bei ihnen war die Wahrscheinlichkeit einer Blutung höher, aber nicht geringer, ein Blutgerinnsel zu bekommen.

Bei manchen Menschen kann Aspirin lebensrettend sein. Viele Betroffene, die bereits einen ischämischen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt erlitten haben oder denen ein Stent zur Verbesserung der Durchblutung eingesetzt wurde, sowie Menschen mit einer Vorgeschichte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen profitieren von Aspirin, so die Wissenschaftler.

Diese Forschungsergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, Aspirin nur auf Anweisung eines Arztes oder deiner Ärztin einzunehmen und nicht mit der Einnahme von rezeptfreien Medikamenten wie Aspirin zu beginnen, bevor Nutzen und Risiken abgewogen wurden.

  • Die Resultate der Studie wurden im Fachmagazin JAMA Network Open veröffentlicht.

Quellen

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