Forschung: Nicotinamid-Ribosid erhöht Risiko für Krebs und Hirnmetastasen

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 14. November 2022, Lesezeit: 9 Minuten

Studie zur Wirkung von Nicotinamid-Ribosid

  • In früheren Studien wurde die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln wie Nicotinamid-Ribosid (NR), einer Form von Vitamin B3, mit gesundheitlichen Vorteilen für die Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel– und neurologische Gesundheit in Verbindung gebracht.

Steigendes Krebsrisiko durch NR

Eine neue Studie der University of Missouri hat jedoch herausgefunden, dass die Wirkung von Nicotinamid-Ribosid (NR) das Risiko für ernsthafte Krankheiten, einschließlich Krebs, erhöhen kann.

Unter der Leitung von Elena Goun, einer Associate Professorin für Chemie an der University of Missouri, haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausgefunden, dass ein hoher Nicotinamid-Ribosid-Spiegel im Blut nicht nur das Risiko erhöht, an dreifach-negativem Brustkrebs zu erkranken, sondern auch dazu führen kann, dass der Krebs Metastasen bildet oder sich im Gehirn ausbreitet.

  • Hat der Krebs erst einmal das Gehirn erreicht, sind die Folgen tödlich, da es derzeit keine geeigneten Behandlungsmöglichkeiten gibt, so Elena Gouon von der University of Missouri.

Laut der Wissenschafterin gibt es Menschen, die Vitamine und Nahrungsergänzungsmittel einnehmen und dabei davon ausgehen, dass diese Präparate nur positive Wirkungen auf die Gesundheit haben, aber es ist nur sehr wenig darüber bekannt, wie sie tatsächlich wirken.

Nach dem Tod von Elena Gouns Vater (59), der nur drei Monate nach der Diagnose Dickdarmkrebs verstorben war, entschloss sich die Forscherin, den Tumor-Stoffwechsel, also die Energie, durch die sich Krebs im Körper ausbreitet, wissenschaftlich besser zu verstehen.

Wie wirkt Nicotinamid?

Da Nicotinamid-Ribosid (NR) ein bekanntes Nahrungsergänzungsmittel ist, das die Zellenergie erhöht, und Krebszellen sich durch ihren erhöhten Stoffwechsel von dieser Energie ernähren, wollten die Forschenden die Rolle von Nicotinamid-Ribosid (NR) bei der Entstehung und Ausbreitung von Krebs untersuchen.

  • Laut Goun ist diese Forschungsarbeit besonders wichtig, da Nicotinamid-Ribosid (NR) im Handel erhältlich ist und zahlreiche klinische Studien durchgeführt werden, um die Nebenwirkungen von Krebstherapien bei Patienten zu lindern.

Obwohl Nicotinamid-Ribosid (NR) bereits auf breiter Basis bei Menschen eingesetzt wird und in vielen laufenden klinischen Studien für weitere Anwendungen untersucht wird, ist die Funktionsweise von Nicotinamid-Ribosid eine Blackbox – sie ist den Studienautoren zufolge nicht verstanden.

Aus diesem Grund haben die Forscherinnen und Forscher ein neuartiges bildgebendes Verfahren entwickelt, das auf der ultrasensitiven Biolumineszenz basiert und die Quantifizierung des Nicotinamid-Ribosid-Spiegels in Echtzeit auf nicht-invasive Weise ermöglicht.

  • Der Nicotinamid-Ribosid-Spiegel wird durch Licht angezeigt, und je heller das Licht ist, desto mehr Nicotinamid-Ribosid ist vorhanden.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzten diese Technologie, um zu vergleichen und zu untersuchen, wie viel Nicotinamid-Ribosid in Krebszellen, T-Zellen und gesundem Gewebe vorhanden ist.

Nach Ansicht von Goun unterstreichen die Ergebnisse der Studie, wie wichtig es ist, mögliche Nebenwirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln wie Nicotinamid-Ribosid sorgfältig zu untersuchen, bevor sie bei Menschen mit unterschiedlichen Gesundheitszuständen eingesetzt werden.

Nach Aussage der Wissenschaftler sind nicht alle Krebserkrankungen bei jedem Menschen gleich, insbesondere, was die Stoffwechselsignaturen angeht. Oftmals können Krebserkrankungen ihren Stoffwechsel sogar vor oder nach einer Chemotherapie verändern.

Die vorliegende Studie wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Biosensors and Bioelectronics veröffentlicht.

Sind Nahrungsergänzungsmittel für eine gute Gesundheit notwendig?

Und was ist mit den Risiken?

Laut Carol Haggans, Ernährungswissenschaftlerin und Beraterin bei den US-amerikanischen Gesundheitsbehörden (NIH), können die meisten Menschen ihren Nährstoffbedarf durch eine Vielzahl von Lebensmitteln decken.

  • Einige Menschen brauchen jedoch mehr, als sie durch ihre tägliche Ernährung erhalten. Der individuelle Bedarf hängt vom Alter, dem Gesundheitszustand und der Art der Ernährung ab.

Nach Ansicht von Haggans missverstehen viele, wozu Nahrungsergänzungsmittel dienen. Manche Menschen glauben oder hoffen, dass Nahrungsergänzungsmittel Krankheiten vorbeugen oder behandeln können, aber das ist nicht der Sinn der Sache, sagt sie. Sie dienen dazu, die Ernährung zu ergänzen.

Wer braucht Nahrungsergänzungsmittel?

Der menschliche Organismus braucht zu verschiedenen Zeiten seines Lebens unterschiedliche Mengen an bestimmten Nährstoffen. Mit zunehmendem Alter nimmt beispielsweise die Fähigkeit, bestimmte Nährstoffe aufzunehmen und zu verarbeiten, ab.

Auch Menschen, die bestimmte Lebensmittel meiden, brauchen unter Umständen zusätzliche Nährstoffe. Vitamin B12 ist zum Beispiel nur in tierischen Produkten enthalten. Bei einer veganen Ernährung kann es daher sein, dass man nicht genügend Vitamin B12 mit der Nahrung aufnimmt.

Schwangere oder Frauen, die schwanger werden könnten, benötigen eine bestimmte Menge Folsäure. Dadurch wird eine Form des Geburtsfehlers, der Neuralrohrdefekt, verhindert. Außerdem benötigen Säuglinge möglicherweise mehr Vitamin D als die Menge, die in der Muttermilch enthalten ist.

Auch Menschen mit chronischen Krankheiten benötigen möglicherweise mehr von einigen Vitaminen und Mineralstoffen. Dazu gehören Herzkrankheiten, Diabetes Mellitus Typ 2, Krebs, HIV/AIDS und einige Autoimmunkrankheiten.

Ob und welche Nahrungsergänzungsmittel man benötigt, lässt sich jedoch nicht erraten. Welche Nahrungsergänzungsmittel und in welcher Dosierung, man einnimmt, sollte man mit einem Arzt oder einer Ärztin besprochen werden. Bluttests können oft dabei helfen, festzustellen, ob ein Nährstoffmangel vorliegt.

Risiken, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen

Wer Nahrungsergänzungsmittel einnimmt, sollte dies seinem Arzt oder seiner Ärztin mitteilen. Einige Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinträchtigen. Andere bergen Risiken für bestimmte Personengruppen.

  • Zahlreiche Nährstoffe können in großen Mengen gesundheitsschädlich sein. Für diese Nährstoffe gibt es eine so genannte obere Aufnahmemenge.

Wer regelmäßig mehr als diese Menge zu sich nimmt, kann ernsthafte gesundheitliche Probleme bekommen. Zu den Vitaminen und Mineralstoffen mit einer Obergrenze gehören Kalzium, Eisen, Zink und die Vitamine A, B6, C und D.

Andere Arten von Nahrungsergänzungsmitteln, wie beispielsweise pflanzliche Wirkstoffe, können noch komplexer sein. Pflanzenextrakte werden auch als pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel bezeichnet. Sie enthalten einen oder mehrere Teile einer Pflanze.

  • Beispiele sind Ginseng, Echinacea und Johanniskraut. Pflanzliche Präparate gibt es in vielen Formen, zum Beispiel als Kapseln, getrocknete Tees oder flüssige Zubereitungen.
  • Die Inhaltsstoffe von pflanzlichen Produkten können sich von Hersteller zu Hersteller unterscheiden. Daher kann ihre Wirkung im Körper unterschiedlich sein. Sie können auch mit Medikamenten wechselwirken und Nebenwirkungen haben.

Dr. Ikhlas Khan, ein von den NIH unterstützter Naturproduktforscher an der Universität von Mississippi, weist darauf hin, dass einige pflanzliche Produkte mit gesundheitsbezogenen Aussagen werben, die zu weit gehen. Beispiele dafür sind „besser schlafen“ oder „abnehmen„.

  • Einige Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Ergänzungsmittel haben bei wissenschaftlichen Untersuchungen keinen erkennbaren gesundheitlichen Nutzen gezeigt.

Mehrere große Studien über die Heilpflanze Echinacea haben zum Beispiel keinen Nutzen bei Erkältungskrankheiten gezeigt.

Ginkgo-Studien, darunter eine große Studie mit mehr als 3.000 älteren Erwachsenen, ergaben, dass Ginkgo-Präparate nicht dazu beitragen, Demenz oder kognitiven Abbau zu verhindern oder zu verlangsamen.

Die auf den Inseln des Südpazifiks beheimatete Kava-Pflanze, die oft als Nahrungsergänzungsmittel gegen Angstzustände eingesetzt wird, kann zu schweren Leberschäden führen.

  • Ephedra, eine Pflanze, die seit Jahrhunderten gegen Erkältungen, Fieber und andere Beschwerden eingesetzt wird, wird mit Herzproblemen und einem erhöhten Sterberisiko in Verbindung gebracht.

Im Jahr 2004 hat die US Food and Drug Administration den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln, die Ephedrin-Alkaloide enthalten, aus Sicherheitsgründen verboten.

Einige chemische Stoffe sind schädlich. Toxische Chemikalien sind Stoffe, die umweltschädlich oder gesundheitsgefährdend sein können, wenn sie eingeatmet, eingenommen oder über die Haut aufgenommen werden.

Chlor und Isopropylalkohol sind Beispiele für giftige Chemikalien, die in bestimmten Branchen häufig verwendet werden. Aber es gibt auch viele giftige Chemikalien, die in der Natur vorkommen – Quecksilber, Schlangengift, Arsen und Ricin aus Rizinusbohnen.

  • Andere Chemikalien, wie Eisen und Sauerstoff, sind lebensnotwendig, aber in hohen Dosen giftig und können sogar zum Tod führen.

Auch natürliche Arzneimittel wie Kräuter und Nahrungsergänzungsmittel bestehen aus Chemikalien, genau wie alles andere.

Es ist wichtig zu verstehen, dass, obwohl viele pflanzliche oder Nahrungsergänzungsmittel (und einige verschreibungspflichtige Medikamente) aus natürlichen Quellen stammen, „natürlich“ nicht immer bedeutet, dass sie sicherer oder besser für deine Gesundheit sind.

Ein pflanzliches Nahrungsergänzungsmittel kann Dutzende von chemischen Verbindungen enthalten, und es kann sein, dass nicht alle seine Inhaltsstoffe bekannt sind.

Stärken Nahrungsergänzungsmittel das Immunsystem?

Das wohl häufigste Versprechen für Nahrungsergänzungsmittel ist, dass sie das Immunsystem stärken. Forscherinnen und Forscher haben untersucht, ob sie helfen können.

Nach Aussage von Haggerty sind viele Nährstoffe wie Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E, Zink, Selen und Magnesium wichtig für ein gesundes Immunsystem. Aber bisher scheint die Zufuhr von mehr als der empfohlenen Menge eines Nährstoffs das menschliche Immunsystem nicht zu stärken.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen auch die Wirkung von Nahrungsergänzungsmittel auf verschiedene Viren. Khan und seine Kollegen erforschen einen Pflanzenextrakt, der aus einer Algenart namens Spirulina gewonnen wird.

Studien an Mäusen haben gezeigt, dass die darin enthaltenen Wirkstoffe die Immunreaktion steigern und vor Virusinfektionen schützen können. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen überprüfen, ob der Pflanzenextrakt auch eine antivirale Wirkung besitzt und somit zum Schutz vor Grippe eingesetzt werden kann.

Quellen

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