Bauchspeicheldrüsenkrebs – Lebensqualität nach der Operation laut Patienten ausgezeichnet

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 1. September 2023, Lesezeit: 9 Minuten

Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) gilt als die tödlichste Krebsart im menschlichen Körper.

Neue Behandlungsmethoden verbessern jedoch die Ergebnisse für die Patienten und machen ein langfristiges Überleben möglich.

Obwohl es immer mehr Patienten gibt, die nach einer Bauchspeicheldrüsenkrebs-Operation langfristig überleben, sind die Daten über die Lebensqualität dieser Patienten noch immer begrenzt.

Bauchspeicheldrüsenkrebs – Patienten berichten von ausgezeichneter Lebensqualität nach der Operation

In einer Studie, die in der Fachzeitschrift Annals of Surgery veröffentlicht wurde, analysierten Forschende der Mayo Clinic die Ergebnisse einer Querschnittserhebung unter den Patienten, die den Bauchspeicheldrüsenkrebs nach einer Operation überlebt hatten.

  • Sie fanden heraus, dass die Patienten – im Durchschnitt fünf Jahre nach der Operation – über eine ausgezeichnete Lebensqualität berichteten.

Die Studie konzentrierte sich auf Patientinnen und Patienten, die zwischen 2011 und 2019 an der Mayo Clinic wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs operiert wurden (Pankreatoduodenektomie oder Whipple-Verfahren).

  • Bei dieser komplexen Operation werden der Kopf der Bauchspeicheldrüse, der erste Teil des Dünndarms, die Gallenblase und der Gallengang entfernt. In einer Befragung wurde die Lebensqualität und die Magen-Darm-Beschwerden Jahre nach dem Eingriff bewertet.
  • Die Befragten waren überwiegend Weiße (93 Prozent), und etwa die Hälfte war männlich (54 Prozent). Die Forscher fordern weitere Studien, die eine größere Rassenvielfalt einschließen.

Das moderne Behandlungskonzept der Bauchspeicheldrüsenchirurgie erfordert häufig, dass Patienten mit mehreren Therapieverfahren behandelt werden, darunter Chemotherapie, Bestrahlung und einer Operation, erklärt Cornelius Thiels, chirurgischer Onkologe an der Mayo Clinic und Chirurg für hepatobiliäre Erkrankungen und Bauchspeicheldrüsen.

Während die kurzfristigen Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen dieser Behandlungen bekannt sind, sind die langfristigen Auswirkungen dieser Behandlungsmethoden auf die Patienten noch nicht vollständig bekannt.

  • Die Forschenden verglichen die Lebensqualitätswerte der teilnehmenden Patientinnen und Patienten mit den Durchschnittswerten der US-Bevölkerung.

Bei fast allen von den Patienten angegebenen Kriterien, die wir untersuchten, hatten die operierten Patienten drei bis zehn Jahre nach der Operation die gleichen oder sogar bessere Lebensqualitätswerte als der Durchschnitt der Bevölkerung, sagt Dr. Thiels.

  • Dr. Thiels räumt jedoch ein, dass dies durch eine Verzerrung der Überlebensrate beeinflusst werden kann.

In ihrer Analyse untersuchten die Forscher auch langfristige gastrointestinale Symptome, die häufig nach einer Bauchspeicheldrüsenkrebs-Operation auftreten können.

Nach der Operation kann es bei einigen Patienten zu einer Pankreasinsuffizienz kommen, bei der die Bauchspeicheldrüse nicht mehr genügend Enzyme produziert, um die Nahrung vollständig zu verdauen.

Die Patienten können auch Diabetes entwickeln, bei dem die Bauchspeicheldrüse nicht die richtige Menge Insulin produziert, um die Glukose aus dem Blut in die Zellen zu transportieren.

  • Die Mediziner befürchteten nach Aussage der Erstautorin Chi Zhang, Fachärztin für Allgemeinchirurgie an der Mayo Clinic, dass die Patienten aufgrund der Veränderungen, die diese großen Operationen an ihrem Verdauungstrakt bewirken, anhaltende gastrointestinale Beschwerden haben könnten.

Zwar berichteten die meisten Patienten über leichte gastrointestinale Symptome wie Veränderungen der Stuhlgewohnheiten und der Nahrungsverträglichkeit, doch fast alle Patienten gaben an, dass diese Symptome ihre Lebensqualität insgesamt wenig bis gar nicht beeinträchtigten.

  • Auch die Rate der insulinpflichtigen Diabetesfälle war in der Studiengruppe überraschend niedrig.

Die Leber– und Bauchspeicheldrüsenchirurgen der Mayo Clinic nutzen die in der Studie gewonnenen Informationen über die Langzeitsymptome und die Häufigkeit postoperativer Komplikationen, um die Patienten bei der Besprechung der Operation aufzuklären und ihre Nachsorgeplanung zu unterstützen.

  • Die Überwachung spezifischer Symptome während der Nachsorge kann dazu beitragen, Patienten zu identifizieren, bei denen das Ergebnis möglicherweise nicht optimal ausfällt. Dies kann einen früheren postoperativen Eingriff und ein besserer Umgang mit den Symptomen ermöglichen.

Laparoskopie zur Bestimmung des Krebs-Stadiums wirkt sich positiv auf die Prognose aus

Frühzeitige Bestimmung des Stadiums von Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) durch minimalinvasive Chirurgie wirkt sich laut den forschenden Medizinern der Mayo Clinic positiv auf die Prognose der Patienten aus.

Ein kleiner chirurgischer Eingriff bei Patientinnen und Patienten mit neu diagnostiziertem Bauchspeicheldrüsenkrebs trägt dazu, die Ausbreitung des Krebses frühzeitig zu erkennen und das Stadium des Krebses zu bestimmen.

  • Den Forschern zufolge sollte der Eingriff idealerweise durchgeführt werden, bevor der Patient mit einer Chemotherapie beginnt.

Laut Mark Truty, M.D., chirurgischer Onkologe am Mayo Clinic Comprehensive Cancer Center, der die Studie leitete, ist diese Forschungsarbeit von großer Bedeutung, da sie belegt, dass eine Laparoskopie zur Stadienbestimmung dazu beitragen kann, die Prognose eines Patienten zu bestimmen und die Behandlung besser zu informieren, so dass Patienten eine nicht hilfreiche oder potenziell gesundheitsschädigende chirurgische Therapie vermeiden.

  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom) ist die Krebsart mit der geringsten Überlebensrate, und er breitet sich schnell aus. Die Information, ob der Krebs gestreut hat, kommt also den Patienten zugute und hilft den Ärzten, so schnell wie möglich die richtige Behandlung für den Patienten festzulegen.

Bei dem minimalinvasiven chirurgischen Verfahren, das als Staging-Laparoskopie bezeichnet wird, führt der Chirurg durch kleine, dünne Schlitze Licht und eine Kamera (Laparoskop) in den Bauchraum ein, um visuell festzustellen, ob sich der Krebs in der Bauchhöhle ausgebreitet hat.

Der Chirurg kann dies auch mit einer Bauchfellspülung kombinieren, bei der Flüssigkeit in die Bauchhöhle eingebracht wird, die dann entfernt und unter dem Mikroskop auf Krebszellen untersucht wird.

Während der fünfjährigen Studie werteten die Autorinnen und Autoren die Daten von mehr als 1.000 Patienten aus. Dabei zeigte sich, dass bei einem von fünf Patienten, die sich wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs einer Staging-Laparoskopie unterzogen, der Krebs in die Leber oder die Bauchhöhle (Peritoneum) gestreut hatte.

Darüber hinaus fanden die Forscher eine Reihe von Faktoren, die Aufschluss darüber gaben, bei welchen Patienten die Wahrscheinlichkeit einer Krebsausbreitung höher war.

  • Zu diesen Faktoren gehörten das Alter des Patienten, die Lage des Tumors und Tumormarker (CA 19-9) im Blut.
  • Je mehr Risikofaktoren vorhanden sind, desto höher ist das Risiko, dass sich der Krebs ausbreitet, so die Forscher.

Auf der Grundlage dieser Ergebnisse empfehlen die Studienautoren, dass bei den meisten Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskarzinom), die für eine Operation in Frage kommen, vor Beginn der Chemotherapie eine Staging-Laparoskopie durchgeführt werden sollte.

Die Ergebnisse der Laparoskopie zur Stadieneinteilung können nach Aussage der Forschenden dabei helfen, die beste Behandlungsoption für jeden Patienten zu finden, wie zum Beispiel eine chirurgische Entfernung oder eine Chemotherapie.

  • Die Forschungsergebnisse wurden im Journal of the American College of Surgeons veröffentlicht.

Bauchspeicheldrüsenkrebs – unspezifische Symptome und Früherkennung

Es gibt zwei Arten von Zellen in der Bauchspeicheldrüse, von denen Bauchspeicheldrüsenkrebs ausgehen kann: exokrine Zellen und neuroendokrine Zellen wie die Inselzellen.

Der exokrine Typ ist häufiger und wird meist im fortgeschrittenen Stadium gefunden. Neuroendokrine Pankreastumoren (Inselzelltumoren) sind seltener, haben aber eine bessere Prognose.

Was sind die ersten Anzeichen und Symptome für Bauchspeicheldrüsenkrebs?

Das Pankreaskarzinom gehört zu den Krebsarten, die im Frühstadium nur selten Beschwerden verursachen.

Die Symptome sind zudem unspezifisch, das heißt, sie können auch andere, vergleichbar harmlose Ursachen haben.

In den meisten Fällen lassen die Symptome auch nicht sofort auf Bauchspeicheldrüsenkrebs schließen.

Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs berichten häufig über folgende unspezifische Symptome und Beschwerden:

Meistens treten die Symptome bei Bauchspeicheldrüsenkrebs erst auf, wenn der Tumor so groß geworden ist, dass er die Produktion von Verdauungsenzymen oder deren Abfluss in den Zwölffingerdarm behindert, oder wenn er bereits in andere Organe wie den Magen, den Zwölffingerdarm, die Leber oder das Bauchfell (Peritoneum) übergegriffen hat.

Bauchspeicheldrüsenkrebs – Diagnostik

Häufig wird ein Pankreaskarzinom durch Zufall bei einer medizinischen Untersuchung ( zum Beispiel einer Ultraschall-Untersuchung des Bauches) diagnostiziert.

  • Wenn sich der Verdacht auf Bauchspeicheldrüsenkrebs ergibt, leitet die Ärztin oder der Arzt die notwendigen diagnostischen Schritte ein.

Dabei muss geklärt werden, ob es sich tatsächlich um einen bösartigen Tumor handelt und falls ja, wo sich der Tumor in der Bauchspeicheldrüse befindet und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist.

Zur Erkennung und zum Nachweis oder Ausschluss eines Pankreaskarzinoms sind folgende Untersuchungen erforderlich:

Risikofaktoren für Bauchspeicheldrüsenkrebs

Die persönliche Lebensweise und bestimmte Vorerkrankungen können das Risiko für die Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs erhöhen. Zu den Risikofaktoren gehören:

Genetische Faktoren

Eine erbliche Veranlagung kann bei der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs eine Rolle spielen.

Ist ein Verwandter oder eine Verwandte ersten Grades (Eltern, Geschwister, Kinder) an einem Pankreaskarzinom erkrankt, ist die Wahrscheinlichkeit, selbst an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, entsprechend erhöht.

  • Darüber hinaus tritt Bauchspeicheldrüsenkrebs gehäuft im Zusammenhang mit so genannten Tumordispositionssyndromen wie dem hereditären Ovarialkarzinom auf.

Quellen

Mayo Clinic

National Cancer Institute at the National Institutes of Health

Chi Zhang et al, Quality of Life and Gastrointestinal Symptoms in Long-term Survivors of Pancreatic Cancer Following Pancreatoduodenectomy, Annals of Surgery (2023). DOI: 10.1097/SLA.0000000000006053

Hallbera Gudmundsdottir et al, Yield of Staging Laparoscopy for Pancreatic Cancer in the Modern Era: Analysis of More than 1,000 Consecutive Patients, Journal of the American College of Surgeons (2023). DOI: 10.1097/XCS.0000000000000704

Leitlinienprogramm Onkologie: S3-Leitlinie zum exokrinen Pankreaskarzinom, Langversion, Version 1.0 – Oktober 2013. Online verfügbar unter https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Pankreaskarzinom/LL_Pankreas_OL_Langversion.pdf

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