Reizdarmsyndrom: Neues Verfahren hilft Patientin nach 50 Jahren Durchfall und Bauchschmerzen

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 8. Dezember 2022, Lesezeit: 9 Minuten

Wie stellt man fest, ob man ein Reizdarmsyndrom hat?

Lang anhaltender Durchfall oder Verstopfung, starke Bauchschmerzen und ständig niedergeschlagen – wenn diese Symptome zunehmend und schubweise innerhalb eines kurzen Zeitraums auftreten, liegt die Diagnose chronisch entzündliche Darmerkrankung nahe.

Dennoch sind die Symptome der betroffenen Patientinnen und Patienten oft nicht eindeutig, und es dauert manchmal sehr lange, bis sie endlich eine eindeutige Diagnose erhalten.

  • Viele vom Reizdarmsyndrom (RDS) betroffene Menschen haben eine lange Krankheitsgeschichte.

Erfahrungsbericht: Reizdarmsyndron – Der lange Leidensweg einer Betroffenen

Eine Patientin im Helios Klinikum Schwelm ahnte nicht, dass sie an einer chronischen, unheilbaren Krankheit leidet.

  • Seitdem die 52-jährige Patientin denken kann, spielt ihr Stuhlgang verrückt. Ein Leben ohne Bauchschmerzen war für sie unbekannt.

Die Schmerzen im Bauch waren nach den Mahlzeiten manchmal unerträglich, jeder Bissen wurde zur Qual, jeder Schritt war zu viel. Die Lebensqualität nahm weiter ab, die Einschränkungen nahmen zu.

Die Patientin lebte jahrzehntelang mit wiederkehrenden Verdauungsstörungen und hatte immer wieder Bauchschmerzen, die ihren Alltag begleiteten. Die Verdauung kündigte sich nie an, und in Hochphasen musste sie bis zu 14 Mal am Tag auf die Toilette gehen.

  • Im Alter von 20 Jahren stellten die Ärzte die Diagnose einer Laktoseintoleranz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Patientin keinerlei Erfahrung mit Schulmedizin.

Durch den Verzicht auf Milchzucker konnte sie den Beschwerden teilweise entgegenwirken. Im Laufe der Zeit wurde zusätzlich eine Glutenunverträglichkeit und eine Zottenatrophie diagnostiziert, die im Rahmen einer Zöliakie und anderer Darmerkrankungen auftritt.

Bei einer Zottenatrophie schrumpfen die Zotten des Dünndarms, die die Darmschleimhaut schützen sollen. Es folgten unzählige medizinische Untersuchungen.

Die Patientin war zu der Zeit untergewichtig, hatte keine Energie, war immer schwach, müde und erschöpft. Egal, was sie aß – auch eigentlich sättigende Speisen – wenige Minuten nach dem Essen fiel das Essen buchstäblich durch ihren Körper und sie musste auf die Toilette gehen.

Sie hatte von allem ein bisschen, aber auch nie etwas Konkretes. Es begann ein streng glutenfreies Leben. Zur damaligen Zeit war das noch wesentlich schwieriger als heute, denn das Thema war im Lebensmittelhandel noch nicht etabliert.

Sie stand vor der Wahl: entweder die strenge Glutendiät einhalten oder sich mit unter 40 Jahren einen künstlichen Darmausgang legen lassen. Die Patientin lebte daraufhin viele Jahre glutenfrei und auch vegan. Ihre Gesundheit profitierte, und ihr Darm dankte es ihr.

  • Nach weiteren medizinischen Untersuchungen und Beratungen waren selbst die Ärzte überrascht, dass sich der Darm schließlich erholte.

Trotz ihrer ständigen Beschwerden trieb die Patientin immer wieder Sport (Bodenturnen, Schwimmen, Radfahren, Yoga und Wandern). Doch mit Mitte 40 nahmen die Beschwerden wieder zu.

Begleitende Krankheiten machten ihr das Leben noch schwerer. Diesmal nahm sie in kurzer Zeit unnatürlich viel an Gewicht zu. Innerhalb von drei Jahren zeigte die Waage über 25 Kilogramm mehr an. Im Darm war nichts mehr in Ordnung.

Die Patientin unterzog sich daraufhin einer umstrittenen, hochdosierten Antibiotikatherapie. Über einen Zeitraum von neun Wochen nahm sie täglich Antibiotika, andere Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel ein.

Es war ein Leben nach der Uhr. Die Symptome wurden tatsächlich sukzessive besser. Dennoch war es ein weiterer Versuch, der aber keine langfristige Hilfe darstellte.

Heute weiß sie, dass das Reizdarmsyndrom, das schwer zu diagnostizieren ist, fortwährend Beschwerden verursacht.

Neue Reizdarm-Diagnostik

Ein Zufall führte sie schließlich zu Dr. Carsten Meibaum, Chefarzt der Medizinischen Klinik/Gastroenterologie am Helios Klinikum Schwelm. Das Krankenhaus an der Dr.-Moeller-Straße 15 in Schwelm sollte schließlich der Wendepunkt für ihre lebenslangen Darmbeschwerden sein.

Chefarzt Dr. Meibaum, der auf Darmerkrankungen spezialisiert ist, untersuchte die Patientin nach dem so genannten Ausschlussprinzip.

Der Darm der betroffenen Patientin ist weder entzündet noch verstopft, aber er sendet Schmerzsignale und ist für ständigen Stuhlgang oder ein schmerzhaftes Druckgefühl verantwortlich, so Meibaum.

Beim Reizdarmsyndrom gibt das Nervensystem fehlerhafte Anweisungen an die Darmmuskulatur. Dr. Meibaum erlebt nach eigenen Angaben täglich Menschen, die sich wegen vermuteter Unverträglichkeiten oder Allergien in einer Art Dauerschleife von ärztlichen Untersuchungen und selbstgewählten Diäten befinden.

  • Ob eine bestimmte Körperreaktion allergisch ist oder eine andere Ursache hat, muss zunächst differenziert abgeklärt werden.

Die ärztlichen Voruntersuchungen finden ambulant und je nach Befund auch während eines kurzen stationären Aufenthaltes im Krankenhaus statt.
Konfokale Laser-Endomikroskopie (CLE)

Auf das Anamnesegespräch folgt eine umfassende Diagnostik des Magen-Darm-Traktes, die organische Erkrankungen ausschließt, bevor eine neue Untersuchungsmethode in der Gastroenterologie, die konfokale Laserendomikroskopie (CLE), zum Einsatz kommt.

Verträglichkeit/Unverträglichkeit von Lebensmitteln bei Reizdarm

Die konfokale Laserendomikroskopie (CLE) ist eine neue Endoskopietechnik und die erste endoskopische Bildgebungstechnik, die Echtzeit-Ansichten der Schleimhaut des gesamten Magen-Darm-Trakts ermöglicht.

  • Vorher festgelegte, potenziell beschwerdeauslösende Nahrungsmittel können während einer Endoskopie direkt auf die Dünndarmschleimhaut aufgebracht werden.

So kann man laut Dr. Meibaum direkt sehen, ob eine Verträglichkeit besteht oder ob die Schleimhaut empfindlich reagiert, ohne dass eine Gewebeprobe über ein gut verträgliches Kontrastmittel genommen werden muss.

Die Reaktion der geschädigten Dünndarmschleimhaut äußert sich in einer Durchlässigkeit des Darms, einer Ablösung von Schleimhautzellen und einem vermehrten Einstrom von Gewebewasser, was auch als „Leaky-Gut-Syndrom“ bezeichnet wird.

Dies kann lange Zeit nach der Exposition gegenüber den auslösenden Nahrungsbestandteilen bestehen bleiben und Symptome auslösen und begründen.

Die konfokale Laserendomikroskopie (CLE) der Patientin verglich der Chefarzt mit vulkanischen Eruptionen. Deutliche Unverträglichkeiten zeigten sich unter anderem bei Glutamat, Tintenfisch und Sellerie.

Die Patientin war verblüfft, da Sellerie in vielen Ersatzprodukten enthalten ist. Jahrelang hatte sie Selleriekuren gemacht, da sie annahm, er würde ihrem Darm helfen.

Was macht die Diagnose so schwierig?

Das Reizdarmsyndrom (RDS) beschreibt ein Krankheitsbild des Verdauungssystems, das verschiedene wiederkehrende Beschwerden verursacht: Unverträglichkeitsreaktionen, Veränderungen des Immunsystems, Veränderungen der Darmflora (des Darmmikrobioms).

Diese Vielfalt an Symptomen macht laut Dr. Carsten Meibaum die Diagnose so schwierig. Mit Hilfe der so genannten konfokalen Laserendomikroskopie können Nahrungsmittelunverträglichkeiten laut Meibaum direkt auf der Darmschleimhaut nachgewiesen werden.

Im Anschluss an die Diagnose beraten Dr. Meibaum und Oberarzt Marc Nolzen die Patienten in der zusammengefassten Darstellung aller Befunde schließlich in einem umfassenden Aufklärungsgespräch, ob und welche Lebensmittel strikt oder nur vorübergehend gemieden werden sollten. Dabei werden auch individuelle Therapiemöglichkeiten besprochen.

Wie sich entzündliche Darmerkrankungen und Reizdarmsyndrom unterscheiden

Entzündliche Darmerkrankungen sind laut Dr. Daisy Batista, Gastroenterologin am Mayo Clinic Health System-La Crosse eine Gruppe von Autoimmunkrankheiten, zu denen auch Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gehören.

  • Bei entzündlichen Darmerkrankungen greift das Immunsystem den Darm an und verursacht eine Entzündung, sagt Dr. Batista.

Entzündliche Darmerkrankungen sind eine Gruppe von Autoimmunkrankheiten, zu denen auch Colitis ulcerosa und Morbus Crohn gehören. Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen greift das Immunsystem den Darm an und verursacht eine Entzündung, erklärt Dr. Batista.

Eine entzündliche Darmerkrankung kann durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung und einer Krankheit oder einer Umweltbelastung ausgelöst werden, die das Immunsystem veranlasst, den Darm anzugreifen und eine Entzündung hervorzurufen. Bei Erwachsenen gibt es zwei Hauptzeiten für die Diagnose: Menschen im Alter von Anfang 20 bis Anfang 30 und Menschen im Alter von 50 bis 60 Jahren.

Häufige Symptome einer entzündlichen Darmerkrankung sind:

  • Durchfall,
  • rektale Blutungen
  • Blähungen
  • gelegentliche Verstopfung
  • dringender Stuhlgang
  • Krämpfe und Schmerzen im Unterleib

Die Symptome einer entzündlichen Darmerkrankung treten regelmäßig auf und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Die Therapie besteht gewöhnlich aus immunsuppressiven Medikamenten, die das Immunsystem daran hindern, den Darm anzugreifen. Eine Umstellung der Ernährung kann die Entzündung verringern.

Beim Reizdarmsyndrom handelt es sich um eine Darmerkrankung, bei der die Verdauungsorgane zwar normal aussehen, aber nicht normal funktionieren. Für die meisten Menschen ist das Reizdarmsyndrom eine chronische Erkrankung, die von leichten bis hin zu schweren Symptomen reichen kann, und manchmal verschwinden die Symptome auch wieder.

Zwar kann das Reizdarmsyndrom fast jeden treffen, aber es gibt Risikofaktoren. Laut Dr. Batista besteht ein höheres Risiko für junge Menschen, Frauen, Menschen mit einer familiären Vorbelastung oder Menschen, die an Angstzuständen oder Depressionen leiden.

Das Reizdarmsyndrom kann zwar nicht geheilt werden, aber es schädigt den Darm nicht dauerhaft, so die Medizinerin.

Nach dem gegenwärtigen Verständnis des Reizdarmsyndroms wird angenommen, dass die Symptome durch eine Überempfindlichkeit im Darm verursacht werden. Dadurch wird die Art und Weise beeinflusst, wie der Körper Reize im Zusammenhang mit der Darmfunktion wahrnimmt.

Laut Dr. Batista liegt der Schwerpunkt der therapeutischen Maßnahmen auf der Linderung der Symptome, damit die Betroffenen so normal wie möglich leben können.

Bei leichten Symptomen des Reizdarmsyndroms kann die Behandlung in den meisten Fällen dadurch erfolgen, dass man lernt, mit Stress umzugehen, und seine Ernährung und seinen Lebensstil auf gesunde Weise umstellt.

Dies beinhaltet, dass man regelmäßig Sport treibt, viel Flüssigkeit zu sich nimmt und genügend Schlaf bekommt.

  • Möglicherweise verordnet das medizinische Fachpersonal weitere spezifische Ernährungsumstellungen, Medikamente und ergänzende Behandlungen.

Nahrungsmittel, die Darmstörungen auslösen

Nicht alle Menschen mit Darmbeschwerden haben Probleme mit denselben Lebensmitteln. Aber einige Lebensmittel, die häufig Darmbeschwerden verursachen, sind:

Quellen

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Leaky-Gut-Syndrom: Eine Ursache für Reizdarm | Lebensmittel-Unverträglichkeiten

Quelle: Youtube/Bayerischer Rundfunk

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