Frauengesundheit: Ärztinnen erzielen bessere Resultate

Diabetes-Forschung 2024, Ernährung und Gesundheit, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 27. April 2024, Lesezeit: 8 Minuten

In der Medizin ist die Auswirkung des Geschlechts auf die Patientenergebnisse ein interessantes Thema und Gegenstand der Forschung. Eine kürzlich von der University of California – Los Angeles Health Sciences durchgeführte Studie deutet darauf hin, dass Ärztinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen bessere Behandlungsergebnisse erzielen können. Diese Erkenntnis hat wichtige Auswirkungen für Gesundheitsdienstleister und Patienten gleichermaßen.

Die Studie

Die Studie, die in der Fachzeitschrift Annals of Internal Medicine veröffentlicht wurde, analysierte Medicare-Forderungsdaten aus den Jahren 2016 bis 2019. Die Forscher untersuchten die Sterblichkeitsraten und Krankenhausrückübernahmequoten von über 458.100 weiblichen Patienten und fast 319.800 männlichen Patienten. Ungefähr 31 % der weiblichen und männlichen Patienten wurden von Ärztinnen behandelt.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass weibliche Patienten, die von weiblichen Ärzten behandelt wurden, eine niedrigere Sterblichkeitsrate aufwiesen als Patienten, die von männlichen Ärzten behandelt wurden. Konkret lag die Sterblichkeitsrate bei weiblichen Patienten bei 8,15 %, wenn sie von weiblichen Ärzten behandelt wurden, während sie bei männlichen Ärzten 8,38 % betrug. Dieser Unterschied mag zwar gering erscheinen, wird aber als klinisch bedeutsam angesehen. Bei männlichen Patienten war der Unterschied in der Sterblichkeitsrate geringer, wobei die Sterblichkeitsrate bei weiblichen Ärzten 10,15 % betrug, während sie bei männlichen Ärzten bei 10,23 % lag.

Die Studie ergab auch ein ähnliches Muster bei der Untersuchung der Rückübernahmequoten im Krankenhaus. Weibliche Patienten, die von weiblichen Ärzten behandelt wurden, hatten niedrigere Rückübernahmequoten als Patienten, die von männlichen Ärzten behandelt wurden. Diese Ergebnisse unterstreichen die potenziellen Vorteile einer Behandlung durch weibliche Ärzte, insbesondere für weibliche Patienten.

Mögliche Gründe für die Unterschiede

Die Forscher hinter der Studie vermuten mehrere Faktoren, die zu den beobachteten Unterschieden bei den Patientenergebnissen beitragen könnten. Eine mögliche Erklärung ist, dass männliche Ärzte den Schweregrad der Krankheiten ihrer Patientinnen unterschätzen könnten. Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass männliche Ärzte dazu neigen, den Schmerzgrad, die gastrointestinalen und kardiovaskulären Symptome sowie das Schlaganfallrisiko bei weiblichen Patienten zu unterschätzen. Diese Unterschätzung könnte zu einer verzögerten oder unvollständigen Behandlung führen, was sich letztlich auf die Ergebnisse der Patienten auswirkt.

Ein weiterer Faktor, der zu den Unterschieden beitragen kann, ist der Kommunikationsstil zwischen Ärztinnen und ihren Patientinnen. Es wird angenommen, dass Ärztinnen besser mit ihren Patientinnen kommunizieren können, was zu einem besseren Informationsaustausch und genaueren Diagnosen führt. Möglicherweise fühlen sich Patientinnen auch wohler, wenn sie heikle Themen ansprechen und sich auf ausführliche Gespräche mit Ärztinnen einlassen, was ebenfalls zu besseren Ergebnissen beitragen kann.

Die Bedeutung weiterer Forschung

Diese Studie wirft zwar ein Licht auf die potenziellen Vorteile weiblicher Ärzte bei der Verbesserung der Patientenergebnisse, doch sind weitere Forschungsarbeiten erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen und Gründe für diese Unterschiede vollständig zu verstehen. Zu verstehen, wie und warum männliche und weibliche Mediziner unterschiedlich praktizieren, ist entscheidend für die Entwicklung von Maßnahmen, die die Patientenversorgung wirksam verbessern können.

Darüber hinaus unterstreicht die Studie, wie wichtig es ist, die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Bezahlung von Ärzten zu beseitigen. Es ist wichtig, die Beiträge von Ärztinnen, die eine qualitativ hochwertige Versorgung leisten, anzuerkennen und zu würdigen. Die Erhöhung des Anteils von Ärztinnen im medizinischen Bereich kann sich aus gesellschaftlicher Sicht positiv auf die Patientenversorgung auswirken.

Was versteht man unter Frauengesundheit und wie wird diese gefördert?

Frauengesundheit bezieht sich auf die spezifischen gesundheitlichen Bedürfnisse und Herausforderungen, die Frauen im Laufe ihres Lebens haben. Neben den biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern spielen auch psychosoziale Faktoren eine Rolle bei der gesundheitlichen Situation von Frauen. Dazu gehören die Vorstellung von Gesundheit, die Wahrnehmung des eigenen Gesundheitszustands, das Gesundheits- und Risikoverhalten sowie die Inanspruchnahme von Früherkennungsmaßnahmen. Um die Frauengesundheit zu fördern, wurden verschiedene Maßnahmen ergriffen.

Gesetzliche Grundlagen: Im Jahr 2015 wurde das Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention (Präventionsgesetz – PrävG) verabschiedet. Dieses Gesetz legt fest, dass bei den Leistungen der Krankenkassen geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt werden müssen. Die Krankenkassen müssen daher die entsprechenden geschlechtsspezifischen Forschungsergebnisse in ihre Leistungen einbeziehen, nicht nur bei Prävention und Gesundheitsförderung, sondern auch bei Diagnose und Therapie.

Forschungsförderung: Die gesundheitlichen Besonderheiten des Geschlechts sind Teil der Ressortforschung des Bundes. Es werden gezielte Forschungsvorhaben gefördert, die geschlechtsbedingte gesundheitliche Ungleichheiten identifizieren und die Qualität der Versorgungsangebote verbessern sollen. Dies geschieht im Rahmen des Förderschwerpunkts „Spezifische Besonderheiten in der Gesundheitsversorgung, Prävention und Gesundheitsförderung“.

Nationale Gesundheitsziele: Die „Nationalen Gesundheitsziele“ sind ein Steuerungsinstrument im Gesundheitswesen. Sie werden konsensual entwickelt und berücksichtigen auch geschlechtsspezifische Themen. Ein Ziel ist beispielsweise die Verminderung der Mortalität und die Erhöhung der Lebensqualität bei Brustkrebs. Ein weiteres Ziel ist die Förderung einer gesunden Schwangerschaft.

Informationsangebote: Das Frauengesundheitsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet fachlich geprüfte frauenspezifische Gesundheitsinformationen zu verschiedenen Themenbereichen. Dort finden Frauen Informationen zu gynäkologischen Erkrankungen, Herz-Kreislaufproblemen, psychischer Gesundheit und vielen weiteren Themen. Zusätzlich werden regelmäßig Frauengesundheitskonferenzen veranstaltet, um den Austausch von Informationen und die Vernetzung der Akteure auf diesem Gebiet zu fördern.

Was sind die Gründe für Defizite im Bereich der Frauengesundheit?

Die Gründe für Defizite im Bereich der Frauengesundheit in der Vergangenheit sind vielfältig und können sowohl biologische als auch soziale und strukturelle Ursachen haben. Die Männlichkeit der Medizin hat dabei eine bedeutende Rolle gespielt. Die Männlichkeit der Medizin hat sich in verschiedenen Bereichen ausgewirkt.

Biologische Unterschiede

Frauen und Männer haben unterschiedliche biologische Merkmale und Bedürfnisse, die sich auf ihre Gesundheit auswirken können. Beispielsweise haben Frauen ein anderes Hormonsystem, das sie anfälliger für bestimmte Erkrankungen wie Osteoporose oder Brustkrebs machen kann. Diese biologischen Unterschiede erfordern eine geschlechtsspezifische Herangehensweise an die Gesundheitsversorgung.

Soziale und kulturelle Faktoren

Frauen haben oft unterschiedliche soziale und kulturelle Lebensumstände als Männer, die sich auf ihre Gesundheit auswirken können. Zum Beispiel sind Frauen oft stärker von Armut betroffen, haben weniger Zugang zu Bildung und Berufsmöglichkeiten und sind häufiger von Gewalt betroffen. Diese Faktoren können zu einem erhöhten Risiko für gesundheitliche Probleme führen.

Stereotype, Vorurteile und Rollenbilder

Geschlechterstereotype und Rollenbilder können dazu führen, dass bestimmte gesundheitliche Probleme bei Frauen übersehen oder bagatellisiert werden. Zum Beispiel werden psychische Erkrankungen bei Frauen oft als „normale“ Stimmungsschwankungen abgetan, während sie bei Männern ernster genommen werden. Dies kann dazu führen, dass Frauen nicht die angemessene Unterstützung und Behandlung erhalten. Stereotype und Vorurteile über Frauen und ihre Gesundheit haben dazu geführt, dass bestimmte gesundheitliche Probleme bei Frauen nicht ernst genommen oder falsch interpretiert wurden. Zum Beispiel wurden Schmerzen bei Frauen oft als „nur“ psychisch bedingt abgetan, anstatt sie als mögliche Symptome einer ernsthaften Erkrankung zu betrachten.

Mangelnde Forschung und Daten

In der Vergangenheit wurden Frauen in medizinischen Studien oft vernachlässigt oder ausgeschlossen. Dies führte zu einem Mangel an geschlechtsspezifischen Daten und Erkenntnissen über die Gesundheit von Frauen. Die medizinische Forschung und Praxis waren daher oft auf Männer ausgerichtet, was zu einer unzureichenden Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Frauen führte.

Geschlechterbias

Die medizinische Forschung und Praxis waren oft von einem männlichen Bias geprägt, bei dem die Bedürfnisse und Erfahrungen von Frauen nicht angemessen berücksichtigt wurden. Dies führte zu einer Unterrepräsentation von Frauen in Studien und einer unzureichenden Kenntnis ihrer spezifischen Gesundheitsprobleme.

Mangelnde Sensibilität und Empathie

Die männliche Dominanz in der Medizin hat dazu geführt, dass Frauen oft mit mangelnder Sensibilität und Empathie behandelt wurden. Dies kann dazu führen, dass Frauen ihre gesundheitlichen Bedenken nicht offen ansprechen oder dass ihre Symptome nicht ernst genommen werden.

Es ist wichtig anzumerken, dass sich die medizinische Praxis und Forschung in den letzten Jahren weiterentwickelt haben und zunehmend geschlechtsspezifische Ansätze berücksichtigen. Dennoch gibt es immer noch Verbesserungsbedarf, um die Defizite im Bereich der Frauengesundheit zu beheben und eine gerechtere und geschlechtssensible Gesundheitsversorgung zu gewährleisten.

Fazit

Die von der University of California – Los Angeles Health Sciences durchgeführte Studie deutet darauf hin, dass weibliche Ärzte im Vergleich zu männlichen Ärzten bessere Ergebnisse für die Patienten erzielen können. Die Ergebnisse unterstreichen die potenziellen Vorteile einer Betreuung durch Ärztinnen, insbesondere für weibliche Patienten. Faktoren wie die Unterschätzung der Krankheitsschwere und eine bessere Kommunikation zwischen Ärztinnen und Patientinnen könnten zu diesen Unterschieden beitragen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Mechanismen hinter diesen Ergebnissen vollständig zu verstehen und Maßnahmen zu entwickeln, die die Patientenversorgung verbessern. Die Beseitigung der geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Bezahlung von Ärzten ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung, um den Wert von Ärztinnen anzuerkennen und eine gerechte Gesundheitsversorgung zu fördern.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Miyawaki, A., et al. (2024) Comparison of Hospital Mortality and Readmission Rates by Physician and Patient Sex. Annals of Internal Medicine. doi.org/10.7326/M23-3163.
  2. Frauengesundheit, 2021.
  3. BZgA: Frauengesundheit, 2024.
  4. Frauengesundheitsportal, 2024.

ddp


⊕ Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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