Zugegebene Milchbestandteile in Nahrung bringen kognitive Vorteile für Babys

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 09.09.2023, Lesezeit: 11 Minuten

Muttermilch gilt bislang als die beste Ernährung für Säuglinge. Allerdings stehen viele Familien vor Herausforderungen beim Stillen, sei es aus medizinischen oder praktischen Gründen.

  • Laut den Centers for Disease Control (CDC) werden in den USA nur noch 45 Prozent der Säuglinge im Alter von drei Monaten ausschließlich mit Muttermilch gestillt.

Zu welchen Ergebnissen gelangt die Studie?

Seit vielen Jahren suchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nach einer brauchbaren Ergänzung oder Alternative zur Muttermilch, um Kindern einen gesunden Start ins Leben zu ermöglichen.

Forschungsergebnisse der Universität von Kansas legen nahe, dass ein spezifischer Bestandteil der Milch, der zu Säuglingsnahrung hinzugefügt werden kann, langfristige kognitive Vorteile mit sich bringt. Diese Vorteile zeigen sich unter anderem in der Intelligenzmessung und den exekutiven Funktionen bei Kindern.

Die von John Colombo, Leiter des KU Life Span Institute, und seinen Kollegen von Mead Johnson Nutrition und aus Shanghai, China, durchgeführte Forschungsarbeit unterstützt die wachsende wissenschaftliche Erkenntnis über die Bedeutung der Inhaltsstoffe der Milchfettkügelchenmembran (MFGM) für die frühkindliche Entwicklung.

Die im Journal of Pediatrics veröffentlichte Studie ergab, dass das Füttern von Säuglingen mit Milchfettkügelchenmembran und Lactoferrin über einen Zeitraum von 12 Monaten den IQ im Alter von 5 ½ Jahren um 5 Punkte erhöhte. Besonders deutlich waren die Auswirkungen auf Tests zur Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit und visuell-räumlichen Fähigkeiten der Kinder.

  • Darüber hinaus wurden auch signifikante Unterschiede in den Leistungen der Kinder bei Tests zur sogenannten Exekutivfunktion festgestellt. Dazu gehören komplexe Fähigkeiten wie das Erlernen von Regeln und die Hemmung von Impulsen.

Alle Arten von Säugetiermilch enthalten große Fettkügelchen. Diese sind von einer Membran umgeben. Diese Membran besteht aus einer Vielzahl von Nährstoffen, die für die menschliche Ernährung und die Entwicklung des Gehirns wichtig sind, erklärt Colombo. Bei der Herstellung von Säuglingsnahrung auf Milchbasis wird diese Membran normalerweise während der Verarbeitung entfernt.

  • „Niemand dachte viel über diese Membran nach“, sagt Colombo, „bis chemische Analysen zeigten, dass sie außerordentlich komplex und voller Komponenten ist, die möglicherweise zur Gesundheit und Entwicklung des Gehirns beitragen.“

Die im Jahr 2023 veröffentlichte Studie ist eine Folgeuntersuchung einer vorherigen Studie, die Colombo zusammen mit Kollegen in Shanghai, China, durchgeführt und 2019 im Journal of Pediatrics veröffentlicht wurde. Schon diese frühere Studie zeigte, dass Säuglinge, die mit Milchfettkügelchenmembran (MFGM) aus Rinderquellen und Laktoferrin gefüttert wurden, im ersten Lebensjahr bei Tests zur neurologischen Entwicklung und in einigen sprachbezogenen Aspekten im Alter von 18 Monaten bessere Ergebnisse erzielten.

Frühere Studien zu Milchfettkügelchenmembran

Colombo zufolge beschäftigt sich die weltweite Ernährungsforschung seit etwa einem Jahrzehnt mit der Membran der Milchfettkügelchen (MFGM). Da die Membran aus verschiedenen Komponenten besteht, ist jedoch nicht bekannt, ob eine bestimmte Komponente für diese Vorteile verantwortlich ist oder ob das gesamte Nährstoffpaket zusammenwirkt, um die Entwicklung des Gehirns und des Verhaltens zu verbessern.

Diese Vorteile wurden bei den Kindern auch lange nach dem Ende der Beikosternährung im Alter von 12 Monaten beobachtet.

„Dies stimmt mit der Vorstellung überein, dass eine frühe Exposition gegenüber diesen Nahrungsbestandteilen zur langfristigen Struktur und Funktion des Gehirns beiträgt“, so Colombo, der einen Großteil seiner Karriere damit verbracht hat, die Bedeutung früher Erfahrungen für die spätere Entwicklung zu erforschen.

Welche weiteren Ergänzungen und Alternativen für Muttermilch gibt es?

Muttermilch wird in der Tat als die optimale Ernährung für Säuglinge angesehen, da sie alle notwendigen Nährstoffe enthält und zahlreiche gesundheitliche Vorteile bietet. Jedoch gibt es Situationen, in denen das Stillen nicht möglich ist oder Herausforderungen mit sich bringt. Hier sind einige Ergänzungen und Alternativen zur Muttermilch:

  • Säuglingsanfangsnahrung (Säuglingsmilch): Säuglingsanfangsnahrung ist eine speziell entwickelte Milch, die als Ersatz für Muttermilch verwendet werden kann. Sie enthält eine ausgewogene Mischung aus Nährstoffen, die den Bedürfnissen von Säuglingen entsprechen. Es gibt verschiedene Arten von Säuglingsanfangsnahrung, wie z.B. Kuhmilch-basierte, Sojabasierte oder hypoallergene Formeln. Es ist wichtig, eine geeignete Formel in Absprache mit einem Kinderarzt auszuwählen.
  • Abgepumpte Muttermilch: Wenn das Stillen direkt an der Brust nicht möglich ist, kann Muttermilch mit einer Milchpumpe abgepumpt und dann über eine Flasche oder einen Becher gefüttert werden. Abgepumpte Muttermilch enthält weiterhin die Vorteile der Muttermilch und kann eine gute Alternative sein.
  • Spendermilch: Manche Mütter sind nicht in der Lage, genügend Muttermilch für ihr Baby zu produzieren. In solchen Fällen kann Spendermilch von anderen Müttern verwendet werden. Diese Milch wird von gesunden, gescreenten Spendern gesammelt und kann nach sorgfältiger Aufbereitung und Pasteurisierung verwendet werden.
  • Teilweise Stillen und teilweise Säuglingsnahrung: In einigen Fällen kann eine Kombination aus Stillen und Säuglingsnahrung die beste Option sein. Das Baby erhält dabei sowohl Muttermilch als auch ergänzende Säuglingsnahrung.

Es ist wichtig zu beachten, dass jede Situation individuell ist und es ratsam ist, mit einem Kinderarzt oder einer Stillberaterin zu sprechen, um die beste Lösung für die spezifischen Bedürfnisse der Familie zu finden.

Welche Vorteile hat abgepumpte Muttermilch im Vergleich zur Säuglingsanfangsnahrung?

Abgepumpte Muttermilch bietet mehrere Vorteile im Vergleich zur Säuglingsanfangsnahrung:

  • Nährstoffe und Antikörper: Abgepumpte Muttermilch enthält eine einzigartige Kombination von Nährstoffen, die speziell auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt sind. Sie enthält Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Vitamine und Mineralstoffe, die für das Wachstum und die Entwicklung des Säuglings wichtig sind. Darüber hinaus enthält Muttermilch auch Antikörper und andere Immunfaktoren, die dem Baby helfen, Infektionen abzuwehren und ein gesundes Immunsystem aufzubauen.
  • Verdaulichkeit: Muttermilch ist leicht verdaulich und gut auf die noch unreifen Verdauungssysteme von Säuglingen abgestimmt. Im Vergleich dazu kann es für manche Babys schwieriger sein, Säuglingsanfangsnahrung zu verdauen, da sie aus anderen Inhaltsstoffen besteht.
  • Anpassungsfähigkeit: Die Zusammensetzung der Muttermilch kann sich im Laufe der Zeit ändern, um den spezifischen Bedürfnissen des wachsenden Babys gerecht zu werden. Sie passt sich beispielsweise an die Bedürfnisse des Frühgeborenen oder des kranken Babys an. Säuglingsanfangsnahrung hingegen hat eine konstante Zusammensetzung.
  • Beziehungsaufbau: Das Stillen, sei es direkt an der Brust oder mit abgepumpter Milch, ermöglicht den Aufbau einer engen Bindung und emotionalen Verbindung zwischen der Mutter und dem Baby. Es bietet auch Trost und Sicherheit für das Baby.
  • Kosten und Verfügbarkeit: Abgepumpte Muttermilch ist in der Regel kostengünstiger als Säuglingsanfangsnahrung und steht in unbegrenzter Menge zur Verfügung, solange die Mutter genügend Milch produziert.

Es ist wichtig zu beachten, dass abgepumpte Muttermilch nicht immer die beste Option ist und dass Säuglingsanfangsnahrung in bestimmten Situationen erforderlich sein kann.

Wie kann eine Mutter sicherstellen, dass sie genügend Muttermilch produziert, um ihr Baby zu versorgen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie eine Mutter sicherstellen kann, dass sie genügend Muttermilch produziert, um ihr Baby zu versorgen. Hier sind einige Tipps:

  • Häufiges und effektives Stillen: Regelmäßiges und häufiges Anlegen des Babys an die Brust ist wichtig, um die Milchproduktion anzuregen. In den ersten Wochen nach der Geburt sollte das Baby idealerweise alle 2-3 Stunden oder nach Bedarf gestillt werden. Eine gute Positionierung und ein korrektes Anlegen des Babys an der Brust können dabei helfen, eine effektive Stillroutine zu etablieren.
  • Nachfrage und Angebot: Die Milchproduktion basiert auf dem Prinzip von Angebot und Nachfrage. Je häufiger und effektiver das Baby gestillt wird, desto mehr Milch wird produziert. Wenn das Baby Anzeichen von Hunger zeigt, wie z.B. Suchbewegungen mit dem Mund, sollte es angelegt werden, um die Nachfrage zu erhöhen.
  • Beidseitiges Stillen: Beim Stillen von beiden Brüsten bei jeder Fütterung wird die Stimulation der Milchproduktion maximiert. Das Wechseln der Brust während einer Fütterung kann dazu beitragen, dass das Baby mehr Milch bekommt und die Milchproduktion angeregt wird.
  • Ausreichende Ernährung und Flüssigkeitszufuhr: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig für die Milchproduktion. Eine Mutter sollte darauf achten, genügend Kalorien, Nährstoffe und Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um ihre eigene Gesundheit und die Milchproduktion zu unterstützen.
  • Stressreduktion: Stress kann sich negativ auf die Milchproduktion auswirken. Es ist wichtig, dass die Mutter sich ausreichend ausruht, Stress abbaut und Unterstützung erhält, um eine positive Stillumgebung zu schaffen.
  • Pumpen zwischen den Mahlzeiten: Das Abpumpen von Muttermilch zwischen den Mahlzeiten kann die Nachfrage und somit die Milchproduktion erhöhen. Dies kann hilfreich sein, wenn das Baby nicht effektiv trinkt oder wenn zusätzliche Milch für spätere Fütterungen benötigt wird.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Milchproduktion von Frau zu Frau unterschiedlich sein kann. Wenn eine Mutter Schwierigkeiten hat, genügend Milch zu produzieren, sollte sie sich an eine Stillberaterin oder einen Kinderarzt wenden, um individuelle Unterstützung und Ratschläge zu erhalten.

Welche Vorteile hat das Stillen durch die Mutter über den Aufbau einer engen Bindung zum Baby hinaus?

Das Stillen bietet eine Vielzahl von Vorteilen für das Baby und die Mutter jenseits des Aufbaus einer engen Bindung. Hier sind einige davon:

Vorteile für das Baby

  • Optimale Nährstoffversorgung: Muttermilch ist perfekt auf die Bedürfnisse des Babys abgestimmt und bietet eine optimale Mischung aus Nährstoffen, die für das Wachstum und die Entwicklung wichtig sind. Sie enthält lebende Zellen, Hormone, Enzyme und Antikörper, die das Immunsystem des Babys stärken und es vor Infektionen schützen.
  • Schutz vor Krankheiten: Das Stillen reduziert das Risiko von verschiedenen Krankheiten und Infektionen bei Säuglingen. Muttermilch enthält Antikörper, die dem Baby helfen, Krankheitserreger abzuwehren. Gestillte Babys haben ein geringeres Risiko für Atemwegsinfektionen, Magen-Darm-Infektionen, Mittelohrentzündungen, Allergien und andere Erkrankungen.
  • Förderung der gesunden Gewichtszunahme: Studien haben gezeigt, dass gestillte Babys ein geringeres Risiko für Übergewicht und Adipositas im späteren Leben haben. Das Stillen ermöglicht eine selbstregulierende Nahrungsaufnahme, die dem natürlichen Hunger- und Sättigungsgefühl des Babys entspricht.
  • Verbesserte kognitive Entwicklung: Eine wachsende Anzahl von Studien legt nahe, dass das Stillen mit einer verbesserten kognitiven Entwicklung verbunden ist. Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass gestillte Kinder möglicherweise höhere IQ-Werte und bessere kognitive Fähigkeiten aufweisen als nicht gestillte Kinder.

Vorteile für die Mutter

  • Schnellere Erholung nach der Geburt: Das Stillen setzt Hormone frei, die den Uterus dazu anregen, sich schneller zurückzubilden. Es kann helfen, Blutungen nach der Geburt zu reduzieren und den Körper der Mutter schneller zu regenerieren.
  • Verringert das Risiko einiger Erkrankungen: Das Stillen ist mit einem verringerten Risiko für bestimmte Erkrankungen bei der Mutter verbunden, darunter Brustkrebs und Eierstockkrebs, Typ-2-Diabetes und Osteoporose.
  • Kosten- und zeitsparend: Das Stillen ist im Vergleich zur Verwendung von Säuglingsnahrung kostengünstig und erfordert keine Vorbereitungszeit oder Flaschenreinigung. Die Muttermilch ist immer verfügbar und auf der richtigen Temperatur.
  • Stärkung der emotionalen Bindung: Das Stillen fördert den Aufbau einer engen emotionalen Bindung zwischen der Mutter und dem Baby. Der Hautkontakt, die Nähe und der Austausch von Blicken beim Stillen können das Gefühl der Verbundenheit und des Wohlbefindens verstärken.

Es ist wichtig zu beachten, dass das Stillen nicht in allen Fällen möglich oder die beste Wahl ist. 

Quellen

  1. John Colombo, Cheryl L. Harris, Jennifer L. Wampler, Weihong Zhuang, D. Jill Shaddy, Bryan Y. Liu, Steven S. Wu. Improved Neurodevelopmental Outcomes at 5.5 Years of Age in Children Who Received Bovine Milk Fat Globule Membrane and Lactoferrin in Infant Formula Through 12 Months: A Randomized Controlled TrialThe Journal of Pediatrics, 2023; 261: 113483 DOI: 10.1016/j.jpeds.2023.113483
  2. Muttermilch, German Wikipedia, 2023

Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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