Zwangsstörungen: Antikörper und OCD obsessive-compulsive disorder

Zwangsstörungen: Antikörper könnten neue Behandlungsmöglichkeiten für OCD bieten

Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 21. April 2020

Kann man eine Zwangsstörung behandeln oder heilen? Psychische Erkrankungen wie Zwangsstörungen (OCD bzw. obsessive-compulsive disorder) könnten künftig mit Medikamenten behandelt werden, die auf das Immunsystem abzielen.

Wissenschaftler der Queen Mary University of London und der University of Roehampton, London, haben entdeckt, dass Patienten, die an einer Zwangsstörung oder Zwangserkrankung (OCD bzw. obsessive-compulsive disorder) leiden, in ihren Lymphozyten, einer Immunzellenart, erhöhte Werte eines Proteins namens Immuno-Moodulin (Imood) aufweisen.

Bei Labormäusen mit hohen Konzentrationen dieses Proteins konnten außerdem Verhaltensweisen nachgewiesen werden, die für Angst und Stress charakteristisch sind, wie zum Beispiel Graben und übermäßiges Putzen. Als die Forscher die Labormäuse mit einem Antikörper behandelten, der Immuno-Moodulin (Imood) neutralisierte, verringerten sich die Angstzustände der Tiere. De Wissenschaftler haben den Antikörper zum Patent angemeldet und arbeiten nun daran, eine Behandlungsmethode für Menschen mit Zwangsstörungen zu entwickeln.

Es gibt immer mehr Belege dafür, dass das Immunsystem bei psychischen Störungen eine wichtige Rolle spielt. Beispielsweise ist bekannt, dass Menschen mit Autoimmunkrankheiten überdurchschnittlich häufig an psychischen Störungen wie Angst, Depression und Zwangsstörungen (OCD) leiden, so die Forscher.

Fulvio D’Acquisto, Professor für Immunologie an der Universität Roehampton und Honorarprofessor für Immunpharmakologie an der Queen Mary University of London, der die Forschung leitete, identifizierte das Protein Immuno-Moodulin (Imood) zunächst durch Zufall, als er ein anderes Protein namens Annexin-A1 und die Rolle, die es bei Autoimmunkrankheiten wie Multipler Sklerose und Lupus spielt, untersuchte.

Dabei stellte er fest, dass die Mäuse größere Angstzustände zeigten als normal. Als er und sein Team die in den T-Zellen der Tiere exprimierten Gene analysierten, stellten sie fest, dass ein Gen besonders aktiv war. Das von diesem Gen produzierte Protein war das, das sie schließlich Immuno-Moodulin oder Imoodulin nannten. Als den ängstlichen Mäusen ein Antikörper verabreicht wurde, der Imood blockierte, normalisierte sich ihr Verhalten nach ein paar Tagen wieder.

Die Forscher testeten die Immunzellen von 23 Patienten mit OCD und 20 gesunden Versuchspersonen. Dabei stellten sie fest, dass die Expression von Imood bei den OCD-Patienten etwa sechsmal höher war.

Andere Wissenschaftler haben herausgefunden, dass dasselbe Protein möglicherweise auch bei ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-/Hyperaktivitätsstörung) eine Rolle spielt.

Professor D’Acquisto ist der Ansicht, dass Immuno-Moodulin oder Imoodulin die Gehirnfunktionen nicht direkt auf klassische Weise reguliert, zum Beispiel durch Veränderung des Niveaus der chemischen Signale in den Neuronen. Stattdessen könnte es Gene in Gehirnzellen beeinflussen, die mit psychischen Störungen wie OCD in Verbindung gebracht wurden.

Um die genaue Rolle von Imood zu verstehen ist noch wertere Forschung nötig. In der Zwischenzeit arbeiten Professor D’Acquisto und Dr. Dianne Cooper, Senior Lecturer an der Queen Mary University of London, mit einem biopharmazeutischen Unternehmen zusammen, um Antikörper gegen Imood zu entwickeln, die beim Menschen eingesetzt werden können, und um zu verstehen, wie diese zur Behandlung von Patienten mit psychischen Störungen wie einer Zwangsstörung (OCD) verwendet werden könnten.

Noch ist es zu früh, aber die Entdeckung von Antikörpern – anstelle der klassischen chemischen Medikamente – für die Behandlung von psychischen Störungen, wie beispielsweise einer Zwangsstörung (OCD), könnte das Leben dieser Patienten grundlegend verändern, da die Forscher geringere Nebenwirkungen erwarten. Sie schätzen, dass es bis zu fünf Jahre dauern könnte, bis eine Behandlung in klinische Studien aufgenommen werden kann. Die Ergebnisse der Studie wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Brain Behavior and Immunity veröffentlicht.

(Quelle: Brain Behavior and Immunity / Queen Mary University of London)

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