Studie: Diese Ernährung ist weltweit mit erhöhter Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen verbunden

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M.A. Dirk de Pol, Veröffentlicht am: 10.07.2023, Lesezeit: 9 Minuten

Eine von Forschern der McMaster University und der Hamilton Health Sciences unter Leitung des Population Research Health Institute (PHRI) durchgeführte Studie hat ergeben, dass der unzureichende Verzehr von sechs wichtigen Lebensmitteln in Kombination mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Erwachsenen verbunden ist.

Um was geht es in der Ernährung-Studie?

Der Konsum von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Vollfettmilchprodukten spielt eine entscheidende Rolle bei der Senkung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Herzinfarkten und Schlaganfällen. Die Studie hat auch gezeigt, dass eine gesunde Ernährung auf verschiedene Weisen erreicht werden kann, zum Beispiel durch den moderaten Verzehr von Vollkornprodukten oder unverarbeitetem Fleisch. Bisherige ähnliche Forschungen haben sich hauptsächlich auf westliche Länder konzentriert und untersuchten Ernährungsweisen, die schädliche, ultra-verarbeitete Lebensmittel mit nährstoffreichen Lebensmitteln kombinieren. Diese Studie hingegen hatte einen globalen Ansatz und legte den Fokus auf Lebensmittel, die allgemein als gesund angesehen werden.

Im Jahr 2019 sind weltweit fast 18 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben

Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind im Jahr 2019 weltweit fast 18 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben, was etwa 32 Prozent aller Todesfälle ausmachte. Davon entfielen 85 Prozent auf Herzinfarkte und Schlaganfälle. Die Forscher des PHRI und ihre globalen Kooperationspartner haben Daten von 245.000 Menschen aus 80 Ländern analysiert, die in mehreren Studien erhoben wurden. Die Ergebnisse wurden am 6. Juli im European Heart Journal veröffentlicht.

Welchen Ansatz verfolgten die Forscher?

Die Forscher haben einen Ernährungs-Score aus der laufenden, groß angelegten globalen Prospective Urban and Rural Epidemiological (PURE)-Studie des PHRI entwickelt und diesen in fünf unabhängigen Studien repliziert, um die Auswirkungen auf die Gesundheit in verschiedenen Weltregionen sowie bei Personen mit und ohne vorherige Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu messen.

„Frühere Diät-Scores, wie zum Beispiel der EAT-Lancet Planetary Diet und die Mediterranean Diet, haben hauptsächlich den Zusammenhang zwischen Ernährung und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Tod in westlichen Ländern untersucht. Der PURE Healthy Diet Score hingegen berücksichtigt in guter Weise Länder mit hohem, mittlerem und niedrigem Einkommen“, erklärte Salim Yusuf, Seniorautor und Hauptforscher der PURE-Studie.

Der PURE Healthy Diet Score zeichnet sich nicht nur durch seine globale Relevanz aus, sondern konzentriert sich auch ausschließlich auf schützende oder natürliche Lebensmittel.

„Wir waren einzigartig in diesem Fokus. Andere Diät-Scores kombinieren Lebensmittel, die als schädlich angesehen werden, wie verarbeitete und ultra-verarbeitete Lebensmittel, mit Lebensmitteln und Nährstoffen, von denen angenommen wird, dass sie der Gesundheit förderlich sind“, betonte Andrew Mente, Erstautor der Studie, PHRI-Wissenschaftler und Assistenzprofessor am Department of Health Research Methods, Evidence and Impact der McMaster University.

„In jüngster Zeit liegt ein stärkerer Fokus auf einem erhöhten Verzehr schützender Lebensmittel zur Prävention von Krankheiten. Neben einer erhöhten Menge an Obst, Gemüse, Nüssen und Hülsenfrüchten haben die Forscher gezeigt, dass Mäßigung beim Konsum natürlicher Lebensmittel von großer Bedeutung ist“, ergänzte Mente.

Moderate Mengen an Fisch und Vollfettmilchprodukten sind, so die Forscher, mit einem geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mortalität verbunden. Die gleichen gesundheitlichen Ergebnisse können dabei durch den moderaten Konsum von Vollkornprodukten und Fleisch erzielt werden, solange es sich um unverarbeitetes Vollkorn und nicht verarbeitetes Fleisch handelt.

Der PURE Healthy Diet Score empfiehlt eine durchschnittliche tägliche Aufnahme von: zwei bis drei Portionen Obst, zwei bis drei Portionen Gemüse, eine Portion Nüsse und zwei Portionen Milchprodukte. Zudem sollten drei bis vier wöchentliche Portionen Hülsenfrüchte und zwei bis drei wöchentliche Portionen Fisch verzehrt werden. Als mögliche Alternativen werden eine tägliche Portion Vollkornprodukte sowie eine tägliche Portion unverarbeitetes rotes Fleisch oder Geflügel genannt.

Für die Ernährungsstudie gab es keine spezifische Finanzierung, obwohl jede Studie, die Daten beigesteuert hat, separat finanziert und über einen Zeitraum von 25 Jahren durchgeführt wurde.

Wie sieht eine herzgesunde Ernährung aus?

Eine herzgesunde Ernährung ist von großer Bedeutung, wenn es um die Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen geht, denn sie kann das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle signifikant reduzieren. Die in der Studie der McMaster University und der Hamilton Health Sciences identifizierten sechs Lebensmittelgruppen – Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse, Fisch und Vollfettmilchprodukte – haben sich als besonders wirkungsvoll bei der Förderung einer gesunden Herzfunktion erwiesen. Was sind die genauen Vorteile jeder dieser Lebensmittel?

Obst

Obst ist nicht nur köstlich, sondern auch reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien. Ballaststoffe helfen dabei, den Cholesterinspiegel zu senken und die Darmgesundheit zu verbessern, während Antioxidantien Entzündungen bekämpfen und die Bildung von Plaque in den Arterien reduzieren können. Zudem sind bestimmte Obstsorten wie Beeren, Äpfel und Trauben besonders reich an Flavonoiden, die sich positiv auf die Herzgesundheit auswirken können.

Gemüse

Gemüse ist eine wahre Schatzkammer an Nährstoffen. Dunkelgrünes Blattgemüse wie Spinat und Grünkohl enthält hohe Mengen an Vitamin K, das für die Blutgerinnung wichtig ist, sowie an Nitraten, die den Blutdruck senken können. Gemüsesorten wie Brokkoli, Karotten und Paprika liefern wichtige Antioxidantien und Ballaststoffe, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken können.

Hülsenfrüchte

Hülsenfrüchte wie Bohnen, Linsen und Kichererbsen sind eine hervorragende pflanzliche Proteinquelle. Sie enthalten zudem Ballaststoffe, die den Cholesterinspiegel senken können. Hülsenfrüchte haben einen niedrigen glykämischen Index, was bedeutet, dass sie den Blutzuckerspiegel stabilisieren können. Darüber hinaus enthalten sie wichtige Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium, die die Herzgesundheit unterstützen.

Nüsse

Nüsse sind kleine Kraftpakete, vollgepackt mit ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Sie sind eine hervorragende Quelle für Omega-3-Fettsäuren, die entzündungshemmende Eigenschaften haben und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern können. Studien haben gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Nüssen mit einem niedrigeren Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle verbunden ist. Beachten Sie jedoch, dass Nüsse einen hohen Kaloriengehalt haben, daher ist eine moderate Portionierung wichtig.

Fisch

Fettreiche Fischsorten wie Lachs, Makrele und Hering sind reich an Omega-3-Fettsäuren. Diese Fettsäuren haben entzündungshemmende Eigenschaften und können den Blutdruck senken. Sie tragen auch zur Aufrechterhaltung der Elastizität der Blutgefäße bei und reduzieren das Risiko für Blutgerinnsel. Der Verzehr von zwei bis drei Portionen Fisch pro Woche kann dazu beitragen, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu verringern.

Vollfettmilchprodukte

Vollfettmilchprodukte wie Joghurt, Käse und Butter enthalten wichtige Nährstoffe wie Kalzium und Vitamin D. Obwohl diese Produkte einen höheren Fettgehalt haben, wurde gezeigt, dass sie nicht mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung stehen. Im Gegenteil, moderate Mengen an Vollfettmilchprodukten können sogar einen schützenden Effekt auf das Herz haben.

Es ist wichtig zu beachten, dass eine herzgesunde Ernährung nicht nur aus diesen sechs Lebensmittelgruppen besteht, sondern auch aus einer Vielzahl anderer gesunder Lebensmittel wie Vollkornprodukten, magerem Fleisch, gesunden Fetten und einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr. Die Reduzierung des Konsums von gesättigten Fettsäuren, Transfetten, Zucker und Salz ist ebenfalls von Bedeutung.

Eine bewusste Ernährung, die reich an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen, Fisch und Vollfettmilchprodukten ist, kann einen wesentlichen Beitrag zur Herzgesundheit leisten. Kombiniert mit regelmäßiger körperlicher Aktivität und einem gesunden Lebensstil kann dies das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich reduzieren. Denken Sie daran, dass eine gesunde Ernährung kein kurzfristiger Trend ist, sondern eine langfristige Verpflichtung für Ihre Gesundheit.

Die Ergebnisse der Studie zur grünen Mittelmeerdiät

In diesem Zusammenhang sind auch die Ergebnisse der Studie zur grünen Mittelmeerdiät interessant. Die Studie zeigte, dass sich die proximale Aortensteifigkeit bei Teilnehmern, die eine grüne Mittelmeerdiät befolgten, um 15 % verringerte. Im Vergleich dazu betrug die Verringerung bei Teilnehmern, die eine traditionelle Mittelmeerdiät oder eine Diät nach den Richtlinien für gesunde Ernährung befolgten, 7,3 % bzw. 4,8 %. Die Studie wurde im renommierten Journal of the American College of Cardiology (JACC) veröffentlicht und bestätigt den starken Einfluss der Ernährung auf die altersbedingte proximale Aortensteifigkeit.

Die DIRECT PLUS-Studie, an der 300 Teilnehmer über einen Zeitraum von 18 Monaten teilnahmen, zeigte, dass die grüne Mittelmeerdiät mit einem höheren Polyphenolgehalt positive Auswirkungen auf die kardiometabolische Gesundheit hat. Die Ernährung bestand aus Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten, Fisch, Olivenöl und spezifischen Lebensmitteln wie Walnüssen, grünem Tee und der Wasserpflanze Wolffia globosa (Mankai). Die grüne Mittelmeerdiät führte zu einer signifikanten Verringerung der Aortensteifigkeit und zeigte positive Auswirkungen auf Gewicht, Cholesterinspiegel und Entzündungswerte.

Die grüne Mittelmeerdiät stellt eine Weiterentwicklung der traditionellen Mittelmeerdiät dar. Sie legt den Schwerpunkt auf pflanzliche Lebensmittel, reduziert den Verzehr von tierischen Produkten und enthält eine erhöhte Menge an Polyphenolen. Studien haben gezeigt, dass die grüne Mittelmeerdiät positive Auswirkungen auf die Gewichtsabnahme, Cholesterinwerte und Entzündungswerte hat. Darüber hinaus ist sie umweltfreundlicher und nachhaltiger.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine gesunde Ernährung, insbesondere eine grüne Mittelmeerdiät, eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der kardiometabolischen Gesundheit spielt. Die Verwendung von Polyphenolen und pflanzlichen Proteinen anstelle von rotem Fleisch bietet vielversprechende Ansätze für eine gesündere Ernährung. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine gesunde Ernährung nur ein Teil eines gesunden Lebensstils ist, der regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Lebensweise umfasst.

Quellen

  1. Andrew Mente, Mahshid Dehghan, Sumathy Rangarajan, Martin O’Donnell, Weihong Hu, Gilles Dagenais, Andreas Wielgosz, Scott A Lear, Li Wei, Rafael Diaz u.a. Ernährung, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Mortalität in 80 Ländern . European Heart Journal , 2023 DOI: 10.1093/eurheartj/ehad269
  1. Effect of Lifestyle Modification and Green Mediterranean Diet on Proximal Aortic Stiffness, Gal Tsaban, Aryeh Shalev, Alon Kaplan, et al., Journal of the American College of Cardiology, April 2023.
  2. The Green Mediterranean Diet Modifies the Bacterial Population In Our Gut, With Specific Bacteria Mediating Weight Loss and Cardiac Risk Reduction, Ben-Gurion University of the Negev, 03/2022.
  3. The effect of green Mediterranean diet on cardiometabolic risk; a randomised controlled trial.Tsaban G, Yaskolka Meir A, Rinott E, et al. Heart, 2020.

Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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