Studie: Gesundheitliche Wirkung von Matcha-Tee auf Körper, Gehirn und Psyche

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 19. März 2023, Lesezeit: 10 Minuten

Matcha, ein traditioneller japanischer Tee, ist für seine gesundheitsfördernde Wirkung bekannt. Das Matcha Pulver ist reich an der Aminosäure L-Theanin, die sowohl Entspannung und Stressabbau fördern als auch die Aufmerksamkeit nachhaltig steigern kann.

  • Außerdem kann Matcha-Tee die Leistungsfähigkeit des Gehirns, die Konzentration, das Gedächtnis und die Stimmung verbessern. Neben den Vitaminen A, B, C und E enthält der Tee auch Catechine und Carotine.
  • Die genaue Wirkungsweise muss allerdings noch genauer erforscht werden.

Besserung von depressiven Verstimmungen

Forscher aus Japan haben beispielsweise die antidepressive Wirkung von Matcha-Teepulver an Mäusen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Matcha-Pulver dopaminerge neuronale Schaltkreise aktiviert und bei bestimmten Mäusen Depressionen lindert, je nachdem, in welchem psychischen Zustand sich die betroffenen Versuchstiere zuvor befanden.

  • Weitere Studien dieser Art könnten dazu beitragen, bessere Antidepressiva zu entwickeln, so die Wissenschaftler.

Auch wenn die Entstehung von Depressionen von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist, geht die Forschung davon aus, dass die Krankheit in der Regel auf eine Verringerung des Dopaminspiegels im Gehirn zurückzuführen ist.

Dopamin, ein Neurotransmitter und Hormon, spielt eine wichtige Rolle dabei, die Stimmung zu heben und dafür zu sorgen, dass sich Menschen glücklich, leistungsfähig und motiviert fühlen.

  • Zwar wurden verschiedene Antidepressiva zur Behandlung von Dopaminmangel entwickelt, doch haben diese Medikamente zahlreiche Nebenwirkungen.

Darüber hinaus können Menschen eine Resistenz gegen Antidepressiva entwickeln, so dass mit der Zeit höhere Dosen eingenommen oder die Medikamente häufig gewechselt werden müssen. Angesichts dieser Probleme wird nach natürlichen Produkten mit antidepressiver Wirkung gesucht.

Matcha ist ein solches Produkt, das zunehmend an Popularität gewinnt. Matcha-Pulver wird aus den Blättern der Kamelie (Camellia sinensis) gewonnen, die reich an stimmungsaufhellenden Substanzen sind.

Es konnte gezeigt werden, dass der Verzehr dieses Tees das Angstverhalten von Mäusen verbessert, indem die Dopaminfunktion über den Dopamin-D1-Rezeptor aktiviert wird.

Der dadurch ausgelöste Dopaminschub könnte auch die Symptome von Depressionen lindern. Ein Forscherteam um Dr. Yuki Kurauchi von der Universität Kumamoto untersuchte in diesem Zusammenhang die Wirkung von Matcha-Teepulver auf sozial isolierte Mäuse.

  • Für die Experimente verwendeten die Forschenden stressresistente Mäuse und stressanfällige Mäuse, die sozialem Isolationsstress ausgesetzt waren. Die orale Verabreichung einer Matcha-Tee-Suspension schien das Ausmaß der Depression bei den stressempfindlichen Mäusen zu verringern.

Dies zeigte sich in der Leistung der Mäuse im so genannten Tail Suspension Test (TST), der üblicherweise zur Beurteilung von Depressionen bei Mäusen eingesetzt wird.

Laut Dr. Kurauchi verringerte Matcha-Tee die Zeit der Bewegungslosigkeit nur bei den stressempfindlichen Mäusen, die durch die soziale Isolation mehr Stress erlebten und ein depressionsähnliches Verhalten zeigten, im Vergleich zu den stressresistenten Mäusen.

Wie konnte das passieren?

Eine Analyse der Gehirne der Mäuse zeigte eine Aktivierung des präfrontalen Kortex und des Nucleus accumbens bei den stressanfälligen Mäusen, nachdem sie die Matcha-Teesuspension getrunken hatten. Diese Regionen bilden einen wichtigen Teil des dopaminergen Schaltkreises und sind entscheidend für die Kontrolle des Dopaminspiegels im Gehirn.

  • Ihre Aktivierung – angezeigt durch eine erhöhte Anzahl von Zellen, die c-Fos, einen wichtigen Indikator für neuronale Aktivität, exprimieren – würde normalerweise den Dopaminspiegel erhöhen, was die Stimmung hebt.

Bei stressempfindlichen Mäusen mit kürzerer Bewegungslosigkeit fanden sich auch mehr c-Fos-positive Zellen in dem Bereich ihres Gehirns, der die dopaminerge Aktivität initiiert, sowie im präfrontalen Kortex und im Nucleus accumbens, was auf eine erhöhte neuronale Aktivität und Dopaminproduktion hindeutet. Bei stresstoleranten Mäusen wurden dagegen keine dieser Effekte beobachtet.

Diese Forschungsergebnisse wurden durch einen weiteren Befund der Wissenschaftler untermauert: Die Verabreichung eines Dopamin-D1-Rezeptorblockers an stressempfindliche Mäuse hob die antidepressive Wirkung der Matcha-Teesuspension auf.

Laut Dr. Kurauchi von der Universität Kumamoto deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Matcha-Teepulver eine antidepressive Wirkung hat, indem es das dopaminerge System des Gehirns aktiviert, und dass diese Wirkung durch den mentalen Zustand des Individuums beeinflusst wird.

Die Autoren der Studie sind der Ansicht, dass bei der Bewertung von Antidepressiva bei Einzelpersonen der unterschiedliche psychische Zustand berücksichtigt werden sollte, da stressanfällige Mäuse empfindlicher auf die Wirkung der Matcha-Teesuspension reagierten als stressresistente Mäuse.

Auch die Einbeziehung von Matcha in Programme zur Gesundheitsförderung hat das Potenzial, den allgemeinen Nutzen zu verbessern, so die Wissenschaftler.

  • Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlicht.

Matcha-Tee reduziert Ängste und Angstgefühle

Bereits in einer früheren Studie konnten Forscher der Universität Kumamoto nachweisen, dass der Verzehr von Matcha-Pulver oder Matcha-Extrakt bei Mäusen Ängste und Angstgefühle reduziert.

Die beruhigende Wirkung scheint den Autoren der Studie zufolge auf Mechanismen zurückzuführen zu sein, die Dopamin-D1-Rezeptoren und Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren aktivieren, die beide eng mit ängstlichem Verhalten verbunden sind.

  • Das „Elevated Plus Labyrinth“ (ein spezieller Angsttest) ist eine erhöhte, plusförmige, schmale Plattform mit zwei ummauerten Armen, die dem Versuchstier, in der Regel einer Maus, Sicherheit bietet.
  • Er wird als Angsttest für Nagetiere verwendet, da man davon ausgeht, dass Tiere mit größerer Angst mehr Zeit in den sichereren, abgetrennten Bereichen verbringen.

In diesem Experiment stellten die Forscher fest, dass die Angst der Mäuse nach der Einnahme von Matcha-Pulver oder Matcha-Extrakt abnahm.

Bei der Bewertung der angstlösenden Wirkung verschiedener Matcha-Extrakte zeigte sich zudem, dass der mit 80 Prozent Ethanol hergestellte Extrakt stärker wirkte als der nur mit heißem Wasser hergestellte.

  • Mit anderen Worten: Eine schwer wasserlösliche Matcha-Komponente hat eine stärkere angstlösende (anxiolytische) Wirkung als eine leicht wasserlösliche.

Eine verhaltenspharmakologische Analyse (Wirkung von Arzneimitteln auf das Verhalten von Tieren) ergab außerdem, dass Matcha und Matcha-Extrakte durch Aktivierung von Dopamin-D1- und Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren Angst reduzieren.

Laut Dr. Yuki Kurauchi von der Kumamoto Universität in Japan zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass Matcha, das seit vielen Jahren als Heilmittel verwendet wird, für den menschlichen Körper sehr nützlich sein könnte.

Matcha-Grüntee zerstört Krebsstammzellen in Tests

In einer weiteren Studie, die in der Fachzeitschrift Aging veröffentlicht wurde, untersuchten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Biomedical Research Centre der Universität Salford die Stoffwechselphänotypen von Brustkrebsstammzellen.

  • Dabei stellten sie fest, dass Matcha die Krebszellen bereits in relativ geringer Konzentration (0,2 mg/ml) in einen ruhigen Stoffwechselzustand versetzt und ihre Ausbreitung stoppt.

Zudem fanden die Forschenden heraus, dass die Signalwege, die Krebsstammzellen fördern, darauf hindeuten, dass Matcha „die mTOR-Signale stark beeinflusst und Komponenten des 40S-Ribosoms schwächt“. Daraus ergeben sich Ansatzpunkte für den Einsatz von Matcha anstelle von Medikamenten.

Laut Michael Lisanti, Professor für Translationale Medizin am Zentrum, ist Matcha-Grüntee ein natürliches Produkt, das als Nahrungsergänzungsmittel verwendet wird und ein großes Potenzial für eine Reihe von Behandlungen hat. Der molekulare Mechanismus, der all dem zugrunde liegt, ist jedoch noch weitgehend unbekannt.

Mit Hilfe der metabolischen Phänotypisierung fanden die Forscher heraus, dass der Tee den oxidativen mitochondrialen Stoffwechsel unterdrückt, d.h. die Zellen daran hindert, Energie zu tanken“, so dass sie inaktiv werden und absterben.

Die Wirkung auf menschliche Brustkrebszellen war sehr beeindruckend, da die Inhaltsstoffe des Matcha fast chirurgisch wirken, indem sie bestimmte Signalwege unterdrücken.

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass Matcha ein beträchtliches therapeutisches Potenzial besitzt, indem es die metabolische Umprogrammierung von Krebszellen vermittelt.

Das Forscherteam, das sich auf die Suche nach nicht-toxischen Methoden zur Abtötung von Krebsstammzellen spezialisiert hat, fand kürzlich heraus, dass ein Inhaltsstoff des Earl Grey Tees, die Bergamotte, Krebszellen abtötet und als Cholesterinsenker wirkt.

Schadstoffe: Matcha-Tee kann Aluminium und Blei enthalten

Matcha ist kein lebensmittelrechtlich geschützter Begriff. Das bedeutet, dass nicht vorgeschrieben ist, welche Eigenschaften und herstellungstechnischen Merkmale Matcha-Tee oder in Produkten enthaltener Matcha aufweisen muss und was ihn von „herkömmlichen“ Grüntee-Produkten unterscheidet.

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen warnt davor, dass Matcha-Grünteepulver Aluminium und Blei enthalten kann – damit zubereitete Getränke sollten daher nur in geringen Maßen genossen werden.

  • Im Gegensatz zu anderen Tees wird Matcha beim Trinken nicht gefiltert. Vielmehr wird er in Pulverform mit heißem Wasser oder Milch verrührt oder geschlagen und verbleibt so als Ganzes im jeweiligen Getränk.

Dadurch können neben den vermeintlich gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen auch unerwünschte Stoffe aufgenommen werden, warnt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Bei regelmäßigem Verzehr von Matcha-Grüntee-Pulver kann es zur Aufnahme von Aluminium kommen, das immer wieder in Matcha-Grünteepulver nachgewiesen wird.

Je nach Anbaugebiet können Teepflanzen Aluminium aus dem Boden aufnehmen. Zudem können ältere Teeblätter mehr Aluminium enthalten als jüngere.

Ein hoher Gehalt des Leichtmetalls kann langfristig das Nervensystem, die Fortpflanzungsfähigkeit und die Knochenentwicklung schädigen.

Außerdem kann Matcha Spuren von Blei enthalten. Blei kann die Nieren, das Herz-Kreislauf-System sowie das Nervensystem des ungeborenen Kindes und des Kindes nach der Geburt schädigen.

Verbraucherinnen und Verbraucher, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nicht mehr als dreimal täglich 1 Gramm Matcha-Grünteepulver pro Tasse oder Glas umgerührt zu sich nehmen.

Ein weiterer Ratschlag, um eine einseitige Belastung mit Schadstoffen zu vermeiden, lautet, regelmäßig Produkte und Marken zu wechseln.

Matcha: Herkunft und Herstellung

Matcha gilt als der wertvollste Grüntee Japans. Im Allgemeinen spricht man eher von Matcha als von Tencha. Tencha ist das Rohprodukt, das speziell für die Verarbeitung zu Grünteepulver namens Matcha hergestellt wird.

  • Matcha („gemahlener Tee“) ist das fein gemahlene Pulver.

Vier Wochen vor der Herstellung des Grüntee-Pulvers wird die Teepflanze abgedeckt, damit sich mehr Chlorophyll bildet. Bei der Ernte werden nur die beiden obersten Blätter von Hand gepflückt.

Anschließend werden die rohen Tencha-Teeblätter für die Matcha-Herstellung gedämpft und getrocknet, wobei die Inhaltsstoffe erhalten bleiben. Die Blätter werden ohne Stängel zu einem feinen Pulver vermahlen.

Der Ursprung des Matcha liegt in China, doch vor Jahrhunderten brachte ein Zen-Mönch das Wissen um diesen edlen Tee nach Japan. Dort wurden Herstellung und Zubereitung perfektioniert und in die japanische Teezeremonie integriert.

  • Zu den wichtigsten Teeanbaugebieten gehören heute Kyoto und Kagoshima.

In Japan wurde Matcha in der Vergangenheit unter anderem zur Entspannung, zur Vorbeugung von Übergewicht, Fettleibigkeit (Adipositas) und zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt.

Quellen

  • Kumamoto University (熊本大学)
  • University of Salford (Vereinigtes Königreich)
  • Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen
  • Yuki Kurauchi et al, Matcha Tea Powder’s Antidepressant-like Effect through the Activation of the Dopaminergic System in Mice Is Dependent on Social Isolation Stress, Nutrients (2023). DOI: 10.3390/nu15030581
  • Yuki Kurauchi et al, Anxiolytic activities of Matcha tea powder, extracts, and fractions in mice: Contribution of dopamine D1 receptor- and serotonin 5-HT1A receptor-mediated mechanisms, Journal of Functional Foods (2019). DOI: 10.1016/j.jff.2019.05.046
  • Gloria Bonuccelli et al. Matcha green tea (MGT) inhibits the propagation of cancer stem cells (CSCs), by targeting mitochondrial metabolism, glycolysis and multiple cell signalling pathways, Aging (2018). DOI: 10.18632/aging.101483

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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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