Studie: Wirkung von Ketaminbehandlungen bei Depressionen

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 26. Dezember 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Was tun bei einer Depression? Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung hat eine Ketamintherapie eine schnelle kurzfristige Wirkung auf die Verringerung der Symptome von Depressionen und Selbstmordgedanken.

Behandlung von schweren und bipolaren Depressionen

Im Rahmen einer systematischen Überprüfung der Universität Exeter in Großbritannien wurden die Ergebnisse von 83 veröffentlichten Forschungsarbeiten analysiert.

Die deutlichsten Anhaltspunkte ergaben sich für den Einsatz von Ketamin zur Behandlung von schweren und bipolaren Depressionen. Die Symptome konnten bereits eine bis vier Stunden nach einer einzigen Behandlung gelindert werden und hielten bis zu zwei Wochen an.

Demnach gibt es Hinweise darauf, dass eine wiederholte Anwendung die Wirkung verlängern kann. Allerdings sind weitere qualitativ hochwertige Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, wie lange die Wirkung anhält.

Rasche Linderung der Symptome

Analog dazu führten einzelne oder mehrere Dosen Ketamin zu einer mäßigen bis starken Verringerung von Selbstmordgedanken. Diese Verbesserung konnte bereits vier Stunden nach dem Beginn der Ketaminbehandlung festgestellt werden und hielt im Durchschnitt drei Tage bis zu einer Woche an.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse der University of Exeter legen nahe, dass Ketamin eine rasche Linderung von Depressionen und Selbstmordgedanken bewirken kann.

Auf diese Weise wird ein Zeitfenster geschaffen, in dem weitere therapeutische Maßnahmen wirksam eingesetzt werden können.

Dabei ist zu beachten, dass in dieser Studie die Verabreichung von Ketamin in sorgfältig kontrollierten klinischen Umgebungen untersucht wurde, in denen etwaige Risiken von Ketamin sicher beherrscht werden können.

Auch für andere psychiatrische Störungen, darunter Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörungen und Zwangsstörungen, gibt es erste Hinweise auf den potenziellen Nutzen einer Ketaminbehandlung.

Bei Personen mit Suchterkrankungen führte die Behandlung mit Ketamin außerdem zu einer kurzfristigen Verringerung von Verlangen, Konsum und Entzugssymptomen.

Die vorliegende Studie, die im British Journal of Psychiatry Open veröffentlicht wurde, fasst die Erkenntnisse aus einem wachsenden Forschungsbereich über die potenziellen positiven Auswirkungen von Ketamin bei Erkrankungen zusammen, für die es bislang nur wenige wirksame Behandlungen gibt.

In die Auswertung wurden 33 systematische Übersichtsarbeiten, 29 randomisierte Kontrollstudien sowie 21 Beobachtungsstudien einbezogen.
Die Wirkung von Ketamin auf eine Depression, depressive Symptome und Selbstmordgedanken wird durch zahlreiche systematische Übersichten und Meta-Analysen gestützt, die einen umfassenden Überblick über die Forschung zu einem bestimmten Thema bieten.

Im Vergleich zu anderen Arten von Studien gelten diese als besonders aussagekräftig, was das Vertrauen in die Aussagekraft der antidepressiven und antisuizidalen Wirkung von Ketamin erhöht.

In Bezug auf die therapeutischen Wirkungen von Ketamin bei anderen psychiatrischen Erkrankungen als Depressionen und Suizidgedanken liegen jedoch nur wenige Studien vor, bei denen die Teilnehmer nicht nach dem Zufallsprinzip in verschiedene Behandlungsgruppen eingeteilt wurden.

Diese Wirkungsweisen müssen erst noch im Rahmen von größeren randomisierten, placebokontrollierten Studien, die als Goldstandard gelten, bestätigt werden.

Eine Reihe von Fragen sind in der Forschung noch unbeantwortet, darunter die optimale Dosis, die Art der Verabreichung und die Anzahl der Ketaminbehandlungen. Auch der zusätzliche und wechselwirkende Nutzen einer Psychotherapie neben einer Ketaminbehandlung muss weiter untersucht werden.

Auch die Bedeutung der akuten subjektiven Wirkungen von Ketamin für seinen therapeutischen Nutzen ist noch nicht vollständig erforscht.
Die vorliegende Studie der University of Exeter entstand in Zusammenarbeit mit der University of British Columbia und wurde von der Society for the Study of Addiction unterstützt.

Quellen

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