Diabetischer Fuß und Fußschäden vorbeugen und behandeln

Krankheiten und Krankheitsbilder

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 14. September 2023, Lesezeit: 12 Minuten

Diabetischer Fuß: Das diabetische Fußsyndrom ist eine Erkrankung der Füße als Folge eines erhöhten Blutzuckerspiegels (Hyperglykämie), bei der Nerven und Blutgefäße in den Beinen und Füßen geschädigt werden.

  • Es handelt sich dabei um eine häufige Folgeerkrankung des Diabetes mellitus.
  • Menschen mit Diabetes laufen Gefahr, einen Zeh, einen Fuß oder ein Bein aufgrund ihrer Diabeteserkrankung zu verlieren.

Die Wahrscheinlichkeit, diabetesbedingte Fußprobleme zu entwickeln, kann jedoch durch tägliche Fußpflege verringert werden.

Auch die Kontrolle des Blutzuckerspiegels sowie die Behandlung von hohen Blutfettwerten und hohem Blutdruck kann zur Gesunderhaltung der Füße beitragen.

Heilungschancen: Kann ein diabetischer Fuß geheilt werden? Die Schädigung der Nervenbahnen ist nicht mehr rückgängig zu machen (irreversibel). Bei frühzeitiger Erkennung kann eine diabetische Fußwunde jedoch vollständig abheilen. Das Risiko für Diabetikerinnen und Diabetiker bleibt jedoch bestehen. Die Wundheilung des diabetischen Fußes dauert etwa 4 Monate.

Wie kann sich Diabetes auf die Füße auswirken?

Diabetes kann im Laufe der Zeit zu Nervenschäden führen, die auch als diabetische Neuropathie bezeichnet werden.

Diese Nervenschäden können unter anderem Kribbeln, Schmerzen und Gefühlsverlust in den Füßen verursachen.

Wenn die Betroffenen das Gefühl in den Füßen verlieren, können sie einen Stein in der Socke oder eine Blase am Fuß nicht mehr spüren, was zu Schnittwunden und Verletzungen führen kann. Diese Wunden können sich entzünden oder infizieren.

Diabetes kann auch die Durchblutung der Füße verringern. Wenn Beine und Füße nicht ausreichend durchblutet werden, kann die Heilung einer Wunde oder Infektion erschwert sein.

Manchmal heilt eine schwere Infektion nicht ab. Die Infektion kann sich zu einer Gangrän (Gewebsnekrose) entwickeln.

Unter Gangrän (Gewebsnekrose) versteht man das Absterben von Gewebe infolge einer länger andauernden Durchblutungsstörung. Sie tritt besonders häufig an den unteren Gliedmaßen auf, zum Beispiel bei der diabetischen Mikroangiopathie oder der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK).

Gangrän (Wundbrand) und Fußgeschwüre, die sich durch Behandlung nicht bessern, können zur Amputation der Zehe, des Fußes oder eines Teils des Beines führen.

Ein Chirurg kann eine Amputation vornehmen, um die Ausbreitung einer schweren Infektion auf den Rest des Körpers zu verhindern und das Leben des Patienten zu retten. Eine gute Fußpflege ist sehr wichtig, um schwere Infektionen und Wundbrand zu vermeiden.

Diabetesbedingte Nervenschäden können, wenn auch selten, zu Veränderungen der Fußform wie dem Charcot-Fuß führen. Der Charcot-Fuß kann mit Rötung, Überwärmung und Schwellung beginnen.

Später können sich die Knochen in den Füßen und Zehen verschieben oder brechen, was zu einer seltsamen Form der Füße führen kann, wie zum Beispiel einem „Wackelfuß“.

Diabetischer Fuß vorbeugen und Fuß-Schäden vermeiden

Wie lassen sich Fußschäden bei Menschen mit Diabetes vorbeugen?

Menschen mit Diabetes und oder einem diabetischen Fuß können einige Dinge tun, um ihre Füße möglichst gesund zu halten.

Besonders wichtig ist unter anderen:

Durch folgende Maßnahmen können Druckstellen und Verletzungen an den Füßen vermieden werden:

  • Schuhe, die ausreichend Platz bieten
  • ein weiches Fußbett
  • keine scheuernden Nähte oder Riemen
  • orthopädische Maßschuhe und Einlagen
  • Reparatur oder Austausch verschlissener Schuhe
  • Kontrolle der Schuhe vor dem Anziehen, zum Beispiel ob Steine oder Sandkörner im Schuh sind

Tipps zur Fußpflege bei Diabetes und diabetischen Fuß

Es empfiehlt sich, gemeinsam mit dem behandelnden Mediziner einen Diabetes-Selbsthilfeplan zu erstellen, der einen Handlungsplan für den Umgang mit der Diabeteserkrankung enthält. Dieser Plan sollte auch die Fußpflege beinhalten. Gegebenenfalls sollte ein Podologe aufgesucht/hinzugezogen werden.

Folgende Maßnahmen sollten in den Fußpflegeplan aufgenommen werden:

  • Tägliche Kontrolle der Füße.
  • Tägliches Waschen der Füße.
  • Hühneraugen und Hornhaut sanft glätten.
  • Zehennägel gerade schneiden.
  • Immer Schuhe und Strümpfe tragen.
  • Füße vor Hitze und Kälte schützen.
  • Die Durchblutung der Füße aufrecht erhalten.
  • Bei jedem Arztbesuch die Füße untersuchen lassen.

Tägliche Kontrolle der Füße

Es gibt Menschen, die Probleme mit den Füßen haben, aber keine Schmerzen in den Füßen spüren. Eine tägliche Kontrolle der Füße hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich verschlimmern. Eine gute Möglichkeit, sich daran zu erinnern, ist, jeden Abend beim Ausziehen der Schuhe die Füße zu untersuchen.

Dabei sollte man auch zwischen den Zehen nachsehen. Wenn es für die Betroffenen schwierig ist, sich zu bücken, um sich die Füße anzusehen, können sie einen Spiegel benutzen oder eine andere Person bitten, sich die Füße anzusehen.

Auf Veränderungen und Probleme an den Füßen achten, wie zum Beispiel:

Auf warme Stellen an den Füßen untersuchen lassen

Bei bestimmten Fußproblemen, die das Risiko eines Fußgeschwürs erhöhen, können Mediziner empfehlen, die Hauttemperatur an verschiedenen Stellen der Füße zu messen. Eine „heiße Stelle“ kann ein erstes Anzeichen für eine Blase oder ein Geschwür sein.

Was bei der tägliche Reinigung der Füße beachtet werden sollte

Die Füße mit Seife in warmem, aber nicht heißem Wasser waschen. Das Wasser darf nicht zu heiß sein. Die Wassertemperatur kann mit einem Thermometer (32° bis 35° C sind sicher) oder mit dem Ellbogen getestet werden. Die Füße sollten nicht eingeweicht werden, da die Haut sonst zu trocken wird.

Nach dem Waschen und Abtrocknen der Füße kann etwas Talkum oder Babypuder zwischen die Zehen gegeben werden. Die Haut zwischen den Zehen neigt dazu, feucht zu bleiben. Das Puder hält die Haut trocken und beugt so Infektionen vor.

Hühneraugen und Hornhaut sanft glätten

An den Füßen können sich dicke Hautstellen bilden, die Hühneraugen oder Schwielen genannt werden. Bei solchen Hühneraugen oder Schwielen sollte man mit dem Podologen besprechen, wie diese Fußprobleme am besten behandelt werden können. Hühneraugen und Schwielen können sich zu Geschwüren entwickeln.

Wenn der Arzt es empfiehlt, können Hühneraugen und Schwielen nach dem Baden oder Duschen mit einem Bimsstein geglättet werden. Ein Bimsstein ist eine Art Stein, mit dem man die Haut glättet.

  • Die Haut sollte nur in einer Richtung vorsichtig abgerieben werden, damit sie nicht einreißt.

Was man NICHT tun sollte

  • Hühneraugen und Hornhaut abschneiden,
  • Hühneraugenpflaster verwenden, das heißt Pflaster, die mit Medikamenten behandelt wurden,
  • flüssige Hühneraugen- und Schwielenentferner verwenden.

Das Ausschneiden von Hühneraugen und die Verwendung von frei verkäuflichen Produkten zur Entfernung von Hühneraugen können die Haut verletzen und zu Infektionen führen.

Um die Haut glatt und geschmeidig zu halten, können die Füße oben und unten dünn mit einer Lotion, Creme oder Vaseline eingerieben werden.

Zwischen den Zehen sollte keine Lotion oder Creme aufgetragen werden, da die Feuchtigkeit zu Infektionen führen kann.

Zehennägel gerade schneiden

Nach dem Waschen und Abtrocknen der Füße sollten die Zehennägel bei Bedarf geschnitten werden. Die Nägel mit einer Nagelschere gerade schneiden. Die Ecken der Zehennägel nicht abschneiden. Die Nägel mit einer Polierfeile oder einer nicht zu harten Nagelfeile leicht glätten. Dadurch wird verhindert, dass die Nägel in die Haut einwachsen und diese verletzen.

Betroffene sollten sich die Zehennägel von einem Podologen schneiden lassen (medizinischen Fußpflege (Podologie), wenn:

  • man seine Füße nicht sehen, fühlen oder erreichen kann
  • wenn die Zehennägel dick oder vergilbt sind
  • die Nägel gekrümmt sind und in die Haut einwachsen.

Wer eine Pediküre machen lassen möchte, sollte sein eigenes Nagelwerkzeug mitbringen, um Infektionen zu vermeiden.

  • Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt nach weiteren Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um eine Infektion zu vermeiden.

Schuhe und Socken tragen

Betroffene sollten immer Schuhe und Socken tragen. Nicht barfuß oder nur mit Socken herumlaufen – auch nicht drinnen. Man könnte auf etwas treten und sich die Füße verletzen. Man spürt vielleicht keinen Schmerz und merkt nicht, dass man sich verletzt hat.

Vor dem Schuhe anziehen sollte man sich vergewissern, dass das Innenfutter glatt und frei von Steinen oder anderen Fremdkörpern ist.

Um Blasen und Wunden zu vermeiden, sollten zu den Schuhen Socken, Strümpfe oder Nylonstrümpfe getragen werden. Die Socken sollten sauber, leicht gepolstert und eng anliegend sein. Am besten sind nahtlose Socken. Die Schuhe müssen gut sitzen und die Füße schützen.

Hier einige Tipps für die Wahl der richtigen Schuhe:

1. Wander- und Sportschuhe eignen sich gut für den täglichen Gebrauch. Sie stützen die Füße und lassen sie „atmen“.

2. Schuhe aus Vinyl oder Kunststoff sollten nicht getragen werden, da sie sich nicht dehnen und nicht „atmen“ können.

3. Beim Kauf von Schuhen ist darauf zu achten, dass sie bequem sind und genügend Platz für die Zehen bieten. Schuhe sollten am Ende des Tages gekauft werden, wenn die Füße am größten sind, damit sie am besten passen.

4. Wer Ballen- oder Hammerzehen hat, also Zehen, die sich unter den Füßen krümmen, braucht unter Umständen extra breite oder tiefe Schuhe.

5. Schuhe mit spitzen Zehen oder hohen Absätzen sollten nicht getragen werden, da sie zu viel Druck auf die Zehen ausüben.

Wenn sich die Form der Füße verändert hat, zum Beispiel durch den Charcot-Fuß, benötigen Betroffene eventuell spezielle orthopädische Schuhe oder Einlagen, sogenannte Orthesen.

Einlagen können auch bei Ballen- und Hammerzehen oder anderen Fußproblemen erforderlich sein.

Zur Druckentlastung können bei bestimmten Auffälligkeiten orthopädische Schuhe oder Gehstützen notwendig sein.

Beim Einlaufen neuer Schuhe sollten diese zunächst nur einige Stunden getragen werden.

Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob sie die Kosten für entsprechende Schuhe oder Einlagen übernimmt.

Füße vor Hitze und Kälte schützen

Wenn die Nerven durch Diabetes geschädigt sind, kann es passieren, dass man sich die Füße verbrennt, ohne es zu merken. Mit den folgenden Maßnahmen können die Füße vor Hitze geschützt werden:

  • Am Strand und auf heißen Pflastersteinen Schuhe tragen.
  • Die Füße von Heizkörpern und offenem Feuer fernhalten.
  • Die Füße nicht mit einer Wärmflasche oder einem Heizkissen bedecken.
  • Im Bett bei kalten Füßen Socken tragen. Im Winter gefütterte, wasserdichte Stiefel tragen, um die Füße warm und trocken zu halten.

Durchblutung der Füße fördern

Die folgenden Tipps können helfen, die Durchblutung der Füße zu verbessern:

  • Beim Sitzen die Füße hochlegen.
  • Während des Tages einige Minuten mit den Zehen wackeln. Die Knöchel auf und ab und hin und her bewegen, um die Durchblutung der Füße und Beine zu fördern.
  • Keine engen Socken oder Gummistrümpfe tragen. Lockere Socken sollten nicht mit einem Gummiband zusammengehalten werden.
  • Mehr Bewegung: Es sollten Aktivitäten gewählt werden, die die Füße schonen, zum Beispiel Gehen, Tanzen, Yoga oder Stretching, Schwimmen oder Radfahren.
  • Mit dem Rauchen aufhören: Rauchen kann die Durchblutung der Füße vermindern.

Bei jedem Arztbesuch die Füße untersuchen lassen

Mindestens einmal im Jahr sollte eine gründliche Fußuntersuchung durchgeführt werden, bei der auch das Empfinden, die Empfindsamkeit und der Puls in den Füßen überprüft werden.

Bei jedem Arztbesuch sollten die Füße gründlich untersucht werden:

Wann sollte bei Fußproblemen ein Arzt aufgesucht werden?

Bei folgenden Beschwerden sollte sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden:

  • eine Schnittwunde, Blase oder ein blauer Fleck am Fuß, der nicht nach einigen Tagen abheilt,
  • Haut am Fuß, die rot, warm oder schmerzhaft wird – Anzeichen einer möglichen Infektion,
  • Hornhaut mit eingetrocknetem Blut – oft ein erstes Anzeichen für eine Wunde unter der Hornhaut,
  • eine Infektion am Fuß, die sich schwarz verfärbt und übel riecht – ein Anzeichen für Wundbrand (Gangrän).

Quellen

  • MedizinDoc mit Material von National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK), NHS (UK)
  • American Diabetes Association. Microvascular complications and foot care. Diabetes Care. 2016;39(Suppl. 1)

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 Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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