Studie: Warum Diabetes Blasenentzündungen begünstigt – und was helfen kann

Diabetes-Forschung, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Karolinska Institutet

Torsten Lorenz, aktualisiert am 15. Juni 2023, Lesezeit: 4 Minuten

Eine geschwächte Immunabwehr und wiederkehrende Infektionen sind häufige Begleiterscheinungen von Diabetes Typ 1 und Typ 2.

Kann Diabetes Blasenentzündungen verursachen?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karolinska Institutet in Schweden konnten zeigen, dass die Immunabwehr von Menschen mit Diabetes niedrigere Spiegel des antimikrobiellen Peptids Psoriasin aufweist.

Was verschlimmert eine Blasenentzündung?

Eine Folge von Diabetes ist die Beeinträchtigung des angeborenen Immunsystems, was bei vielen Menschen zu einer erhöhten Anfälligkeit für wiederkehrende Infektionen wie zum Beispiel Harnwegsinfektionen durch E. coli-Bakterien führt.

  • Diese führen bei Diabetikern eher zu einer allgemeinen Blutvergiftung (Sepsis), die von den Harnwegen ausgeht.

Rolle des körpereigenen Antibiotikum Psoriasin

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karolinska Institutset haben nun analysiert, ob der Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes (Typ 1, Typ 2 oder Prädiabetes) mit dem körpereigenen Antibiotikum Psoriasin zusammenhängt, das ein Teil des angeborenen Immunsystems ist.

Die Forschenden untersuchten anhand von Urin, Harnblasenzellen und Blutserumproben von Patientinnen und Patienten den Gehalt an Psoriasin und anderen Peptiden, die dafür sorgen, dass die Blasenschleimhaut intakt bleibt und vor Infektionen schützt. 

Anschließend wurden die Forschungsergebnisse an Mäusen und Harnblasenzellen mit und ohne Infektion überprüft.

Zu niedriger Psoriasinspiegel

Nach Aussage von Annelie Brauner, Professorin in der Abteilung für Mikrobiologie, Tumor- und Zellbiologie am Karolinska Institutet und Leiterin der Studie, stellte sich heraus, dass hohe Glukosekonzentrationen den Spiegel des antimikrobiellen Peptids Psoriasin senken, während die Inselhormonwirkung ausbleibt. 

Diabetespatienten haben einen niedrigeren Psoriasinspiegel, der die schützende Barrierefunktion der Zellen schwächt und das Risiko einer Blasenentzündung (Blaseninfektion) bzw. Harnwegsinfektion erhöht.

Östrogen-Therapie reduziert Bakterienpopulation

Wiederherstellung der Schutzfunktion: Das Forscherteam um Prof. Brauner hatte bereits gezeigt, dass eine Behandlung mit Östrogen die Schutzfunktion der Blasenzellen bei Mensch und Maus wiederherstellt und so dazu beiträgt, die Immunantwort auf eine Harnwegsinfektion zu regulieren.

  • Die Forscherinnen und Forscher untersuchten deshalb die Wirkung einer Östrogenbehandlung auf infizierte Zellen, die hohen Glukosekonzentrationen ausgesetzt waren.

Sie stellten fest, dass die Behandlung den Psoriasin-Spiegel erhöhte und die Bakterienpopulation verringerte, was darauf hindeutet, dass die Behandlung auch bei Patienten mit Diabetes wirksam sein könnte.

Laut Soumitra Mohanty, der in derselben Abteilung des Karolinska Institutet forscht, müssen die zugrunde liegenden Mechanismen von Infektionen bei Diabetikern nun weiter erforscht werden.

Letztlich geht es darum, das Infektionsrisiko in dieser wachsenden Patientengruppe zu senken.

  • Die Studie wird in Zusammenarbeit mit dem Karolinska Universitätskrankenhaus, der Universität Uppsala in Schweden und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Deutschland durchgeführt.
  • Die vorliegenden Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Anzeichen und Symptome von Diabetes Typ 2

Diabetes erkennen

Anders als bei Diabetes Typ 1 treten bei Diabetes Typ 2 die typischen Diabetessymptome im Allgemeinen weniger häufig auf und werden daher häufig erst spät diagnostiziert. 

Oft sind es unspezifische Symptome wie etwa Schwäche und Leistungsabfall sowie Erschöpfung, Müdigkeit (Fatigue), insbesondere nach einer Mahlzeit.

Des Weiteren können häufiges Wasserlassen (Harndrang) und ständiger Durst auf eine Diabeteserkrankung hinweisen. Überschüssiger Blutzucker (Glukose) wird ab einer bestimmten Blutzuckerkonzentration über den Urin ausgeschieden (Nierenschwelle).

  • Dadurch bindet der zuckerhaltige Urin mehr Wasser als normal, und die betroffenen Personen müssen viel häufiger urinieren als zuvor. Den Verlust an Flüssigkeit gleicht der Körper durch ein starkes Durstgefühl aus.

Andere mögliche Symptome für Diabetes können außerdem sein:

Diabetes Typ 2 kann sich praktisch auf nahezu alle Bereiche des menschlichen Körpers negativ auswirken. Daher ist es notwendig, den Blutzuckerspiegel (Glukosespiegel) zu kontrollieren.

Die Kontrolle des Blutzuckerspiegels (HbA1c, Langzeitblutzucker-Wert), des Blutdrucks und des Cholesterinspiegels kann dazu beitragen, gesundheitliche (körperliche und psychische) Schäden und Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus zu vermeiden.

Quellen

vgt"

Werden Typ-2-Diabetes-Patientinnen und Patienten falsch behandelt?


Quelle: ZS Verlag

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Ältere Frau liest Buch – kognitiver Schutz gegen Alzheimer durch lebenslanges Lernen

Lebenslanges Lernen senkt das Alzheimer-Risiko um 38 Prozent

Eine neue Studie belegt, dass lebenslanges Lernen das Alzheimer-Risiko um 38 Prozent senkt. Entdecken Sie die faszinierenden Ergebnisse....

Studierende beim Ausdauertraining vor Prüfung, kognitive Leistung und Stressreduktion

30 Minuten Ausdauersport reduzieren Prüfungsangst und stärken die kognitive Leistung

Entdecken Sie, wie 30 Minuten Ausdauersport Prüfungsangst abbaut und die Hemmkontrolle für bessere Leistungen stärkt....

Rindertalg und Gesundheit: Was die Wissenschaft wirklich sagt

Was sagt die Wissenschaft über Rindertalg und Gesundheit? Erfahren Sie mehr über gesättigte Fette und deren Auswirkungen....

Frische Eier auf Holztisch – Nährstoffe für Gehirngesundheit und Alzheimer-Prävention

Eier und Alzheimer: Regelmäßiger Konsum senkt das Erkrankungsrisiko deutlich

Eier und Alzheimer: Lernen Sie, wie eine ei-reiche Ernährung das Risiko der Erkrankung deutlich senken kann. Informationen zur Langzeitstudie....

ADHS Diagnose Erwachsene klinische Studie Fehldiagnose Psychopathologie

ADHS-Studien bei Erwachsenen: Werden die richtigen Patienten untersucht?

Die Überprüfung von ADHS-Studien bei Erwachsenen zeigt, dass viele keine ausreichende Diagnoseverifizierung bieten. Was bedeutet das?...