Forschung: Warum Diabetes Blasenentzündungen begünstigt – und was helfen kann

Diabetes-Forschung 2023, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Karolinska Institutet

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 20. September 2022, Lesezeit: 3 Minuten

Ein schwacher Immunschutz und wiederkehrende Infektionen sind bei Diabetes Typ 1 und Typ 2 eine häufige Begleiterscheinung.

Kann Diabetes Blasenentzündung auslösen?

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karolinska Institutet in Schweden ist es gelungen, zu zeigen, dass die Immunabwehr von Menschen mit Diabetes niedrigere Werte des antimikrobiellen Peptids Psoriasin aufweist, das die Zellbarriere der Harnblase beeinträchtigt und damit das Risiko einer Harnwegsinfektion, wie zum Beispiel eine Blasenentzündung, erhöht.

Was verschlimmert eine Blasenentzündung?

Eine Folge von Diabetes ist die Beeinträchtigung des angeborenen Immunsystems, was bei vielen Menschen zu einer erhöhten Anfälligkeit für regelmäßige Infektionen führt, wie beispielsweise Harnwegsinfektionen, die durch E. coli-Bakterien verursacht werden.

  • Bei Diabetikern führen diese mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einer allgemeinen Blutvergiftung (Sepsis), die ihren Ursprung in den Harnwegen hat.

Rolle des körpereigenen Antibiotikum Psoriasin

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karolinska Institutset haben nun analysiert, ob der Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Diabetes (Typ 1, Typ 2 oder Prädiabetes) mit dem körpereigenen Antibiotikum Psoriasin zusammenhängt, das ein Teil des angeborenen Immunsystems ist.

Die Forschenden untersuchten anhand von Urin, Harnblasenzellen und Blutserumproben von Patientinnen und Patienten den Gehalt an Psoriasin und anderen Peptiden, die dafür sorgen, dass die Blasenschleimhaut intakt bleibt und vor Infektionen schützt.

Anschließend wurden die Forschungsergebnisse an Mäusen und Harnblasenzellen mit und ohne Infektion überprüft.

Zu niedriger Psoriasinspiegel

Nach Aussage von Annelie Brauner, Professorin in der Abteilung für Mikrobiologie, Tumor- und Zellbiologie am Karolinska Institutet und Leiterin der Studie, stellte sich heraus, dass hohe Glukosekonzentrationen den Spiegel des antimikrobiellen Peptids Psoriasin senken, während die Inselhormonwirkung ausbleibt.

Diabetespatienten haben einen niedrigeren Psoriasinspiegel, der die schützende Barrierefunktion der Zellen schwächt und das Risiko einer Blasenentzündung (Blaseninfektion) bzw. Harnwegsinfektion erhöht.

Östrogen-Therapie reduziert Bakterienpopulation

Wiederherstellung der Schutzfunktion: Das Forscherteam von Prof. Brauner hatte bereits gezeigt, dass eine Behandlung mit Östrogen die Schutzfunktion der Blasenzellen bei Menschen und Mäusen wiederherstellt und so dazu beiträgt, die Immunantwort auf eine Harnwegsinfektion zu regulieren.

Daher testeten die Forscher, wie sich eine Östrogenbehandlung auf infizierte Zellen auswirkt, die hohen Glukosekonzentrationen ausgesetzt sind.

  • Dabei entdeckten sie, dass die Behandlung den Psoriasinspiegel erhöhte und die Bakterienpopulationen verringerte, was darauf hindeutet, dass die Behandlung auch bei Patienten mit Diabetes wirken könnte.

Laut Soumitra Mohanty, Forscher in derselben Abteilung des Karolinska Institutet, sollen die zugrunde liegenden Mechanismen von Infektionen bei Diabetikern sollen nun weiter erforscht werden.

Letztendlich geht es darum, das Infektionsrisiko in dieser wachsenden Patientengruppe zu verringern.

Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Karolinska Universitätsklinik, der Universität Uppsala in Schweden und dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Deutschland durchgeführt.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Communications veröffentlicht.

Quellen

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Werden Typ-2-Diabetes-Patientinnen und Patienten falsch behandelt?


Quelle: ZS Verlag

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