Forscher identifizieren 10 Risikofaktoren für Alzheimer

Alzheimer-Demenz, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 26. Juni 2022, Lesezeit: 5 Minuten

Alzheimer-Demenz vorbeugen: Ein Team von Wissenschaftlern in China hat 10 Risikofaktoren für Alzheimer ermittelt.

Es handelt sich um Diabetes, einen ungesunden Body-Mass-Index (BMI), geringe Bildung, Bluthochdruck in der Lebensmitte, niedriger Blutdruck, Schädel-Hirn-Trauma, hoher Homocysteinspiegel, geringe kognitive Aktivität, Stress und Depression.

Die Ergebnisse wurden im Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry veröffentlicht.

Die Ursache für Demenz ist eine Reihe von körperlichen Erkrankungen des Gehirns, von denen Alzheimer die häufigste ist.

Erkrankungen wie Alzheimer werden laut Dr. Rosa Sancho, Leiterin der Forschungsabteilung von Alzheimer’s Research UK durch eine komplexe Mischung aus Alter, Genetik und Lebensstil verursacht.

Alzheimer und Homocystein

In einem richtungsweisenden Bericht aus dem Jahr 2017 wurden neun modifizierbare Risikofaktoren für Demenz festgestellt, und wie in diesem Bericht haben die Wissenschaftler auch in dieser Studie die Ergebnisse einer großen Anzahl bestehender Studien überprüft, so Sancho.

Erstaunlicherweise fanden die Forscher heraus, dass ein Schädel-Trauma und hohe Werte der Verbindung Homocystein mit dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verbunden sind.

Die Ermittlung solcher Risikofaktoren ist ein wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Erforschung von Möglichkeiten, ihre Auswirkungen zu begrenzen und den Menschen zu helfen, länger frei von Demenz zu leben.

Der beste Weg, das Gehirn im Alter gesund zu erhalten, besteht laut Dr. Rosa Sancho darin, körperlich und geistig aktiv zu bleiben, sich gesund und ausgewogen zu ernähren, nicht zu rauchen, nur innerhalb der empfohlenen Grenzen zu trinken und Gewicht, Cholesterin und Blutdruck unter Kontrolle zu halten.

Migräne und Demenzrisiko

Bei älteren Erwachsenen ist Demenz die häufigste neurologische Erkrankung, während Kopfschmerzen, einschließlich Migräne, die häufigste neurologische Störung in allen Altersgruppen sind.

In einer Studie der University of Waterlo, die im International Journal of Geriatric Psychiatry veröffentlicht wurde und an der 679 Erwachsene im Alter von 65 Jahren und älter teilnahmen, erwies sich Migräne als signifikanter Risikofaktor für Demenz, einschließlich der Alzheimer-Krankheit. Hauptautorin der Studie ist Dr. Suzanne L. Tyas von der University of Waterloo in Kanada.

Die Bestimmung eines Risikofaktors für Demenz in der Lebensmitte, wie etwa Migräne, wird es ermöglichen, gefährdete Personen früher zu erkennen. Es könnte auch dazu beitragen, dass die Forscher die biologischen Mechanismen der Alzheimer-Krankheit und Demenz besser verstehen.

Demenz vorbeugen

Unter einer Demenzerkrankung versteht man den Rückgang der geistigen Fähigkeiten. Alzheimer ist die häufigste Form der Demenz, aber auch die vaskuläre Demenz ist recht häufig.

Irrtümlicherweise wird Demenz oft als „Senilität“ bezeichnet und als normaler Teil des Alterns angesehen. Dabei handelt es sich in Wirklichkeit um einen erheblichen geistigen Abbau, der die Fähigkeit eines Menschen, alltägliche Aufgaben zu erfüllen, beeinträchtigen kann.

Demenz ist eine komplexe Krankheit, und Alter und Genetik können das Risiko beeinflussen. Diese Faktoren können wir zwar nicht ändern, aber es lassen sich Maßnahmen ergreifen, um das Risiko zu verringern.

Was kann man tun um Demenz vorbeugen? Zu den wichtigsten Maßnahmen gehört laut Wissenschaftlern der University of Kentucky, dass man sein Herz und seine Blutgefäße gesund hält.

Vaskuläre Demenz steht im Zusammenhang mit einem Mangel an Sauerstoff und lebenswichtigen Nährstoffen für das Gehirn. Man kann das Blutgefäßsystem des Gehirns schützen, indem man mit dem Rauchen aufhört und seinen Blutdruck und Cholesterinspiegel durch eine Ernährung mit Vollkornprodukten, Obst, Fisch und gesunden Fetten unter Kontrolle hält.

Auch ein aktiver Geist und Körper können das Risiko verringern. Regelmäßige körperliche Betätigung kann das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, verringern und sogar den geistigen Verfall bei Menschen verlangsamen, die bereits Probleme mit dem Gedächtnis haben.

Durch das Erlernen einer neuen Fertigkeit wie Tanzen, Holzarbeiten, Kunst, eine Fremdsprache oder auch Puzzles und Spiele kann das Risiko verringert werden. Ein weiterer Aspekt ist, sozial aktiv zu bleiben, indem man sich regelmäßig mit Freunden trifft oder sich ehrenamtlich in der Gemeinde engagiert.

Es gibt zwar keine Heilung oder sichere Vorbeugung gegen Demenz, aber die Beibehaltung eines gehirngesunden Lebensstils kann das Risiko erheblich verringern oder sogar Gedächtnisprobleme verlangsamen oder umkehren.

Quellen

  • Alzheimer Research UK / Jin-Tai Yu et al. Evidence-based prevention of Alzheimer’s disease: systematic review and meta-analysis of 243 observational prospective studies and 153 randomized controlled trials, Journal of Neurology, Neurosurgery & Psychiatry (2020). DOI: 10.1136/jnnp-2019-321913
  • University of Kentucky
  • University of Waterlo / Wiley / Rebecca E. Morton et al, Migraine and the risk of all‐cause dementia, Alzheimer’s disease, and vascular dementia: A prospective cohort study in community‐dwelling older adults, International Journal of Geriatric Psychiatry (2019). DOI: 10.1002/gps.5180

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