Studie: Wie sich Migräne und Kopfschmerzen verringern lassen

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 3. Juli 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Was hilft bei Migräne und Kopfschmerzen? Eine neue Studie von Wissenschaftlern der University of North Carolina Health Care (UNC Health Care, North Carolina) über Kopfschmerzen bei Patienten zeigt, wie eine Ernährungsumstellung auf Basis bestimmter Fettsäureklassen die Kopfschmerzen über einen Zeitraum von 16 Wochen verringert.

Migräne gehört weltweit zu den häufigsten Ursachen für gesundheitliche Beschwerden. Bestehende Behandlungen reichen oft nicht aus, um die Patienten vollständig von den Schmerzen zu befreien.

Neue Behandlung bei Migräne und Kopfschmerzen

Eine neue Forschungsarbeit der UNC Health Care, die in der Fachzeitschrift The BMJ veröffentlicht wurde, zeigt eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit auf, die Betroffene nutzen können, um weniger Migräne und Kopfschmerzen zu bekommen – eine Umstellung der Ernährung.

Unsere Vorfahren haben sehr unterschiedliche Mengen und Arten von Fetten gegessen, im Vergleich zu unserer heutigen Ernährung, erklärt Dr. Daisy Zamora, Assistenzprofessorin in der UNC-Abteilung für Psychiatrie an der UNC School of Medicine. Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die der menschliche Körper nicht produziert, haben in unserer Ernährung durch den Zusatz von Ölen wie Mais, Soja und Baumwollsamen zu vielen verarbeiteten Lebensmitteln wie Chips, Cracker und Müsli erheblich zugenommen, so die Forscherin.

Die Klassen der mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die in der vorliegenden wissenschaftlichen Forschungsarbeit untersucht wurden, sind Omega-6 (n-6) und Omega-3 (n-3). Beide haben wichtige Funktionen in unserem Körper, müssen aber im Gleichgewicht sein, da n-3-Fettsäuren nachweislich Entzündungen verringern und einige Derivate von n-6 nachweislich Schmerzen fördern. Aufgrund der großen Menge an verarbeiteten Lebensmitteln, die heutzutage konsumiert werden, nehmen die meisten Menschen in den USA jedoch wesentlich mehr n-6 und weniger n-3 Fettsäuren zu sich.

Um zu untersuchen, ob die Menge dieser Fettsäuren in der Ernährung eines Menschen einen Einfluss auf die Schmerzen bei Kopfschmerzen haben könnte, wurden insgesamt 182 Patienten, bei denen eine Migräne diagnostiziert wurde und die sich in Behandlung befanden, in die randomisierte, kontrollierte Studie unter der Leitung von Doug Mann, Professor für Neurologie und Innere Medizin an der UNC School of Medicine aufgenommen.

Zusätzlich zu ihren aktuellen Behandlungsmaßnahmen hielten sich die Patienten über einen Zeitraum von 16 Wochen an eine von drei Diäten: eine Kontrolldiät, bei der die durchschnittliche Menge an n-6- und n-3-Fettsäuren, die eine in den USA lebende Person zu sich nimmt, beibehalten wurde, eine Diät, bei der die n-3-Fettsäuren erhöht und die n-6-Fettsäuren beibehalten wurden, sowie eine Diät, bei der die n-3-Fettsäuren erhöht und die n-6-Fettsäuren verringert wurden.

Die Teilnehmer erhielten zwei Drittel ihres täglichen Nahrungsmittelbedarfs. Außerdem bekamen sie ein elektronisches Tagebuch, in dem sie festhielten, wie viele Stunden pro Tag sie Kopfschmerzen hatten.

Die Ergebnisse sind den Forschern zufolge sehr vielversprechend. Die Patienten, die eine der beiden Diäten befolgten, hatten weniger Schmerzen als die Kontrollgruppe. Diejenigen, die der Diät mit einem hohen Anteil an n-3 und einem niedrigen Anteil an n-6 Fettsäuren folgten, erlebten die größte Verbesserung, so die Wissenschaftler.

Die Studienteilnehmer berichteten von weniger Tagen im Monat mit Kopfschmerzen, und einige konnten die Dosis der Medikamente, die sie gegen ihre Schmerzen benötigten, verringern. Allerdings berichteten die Teilnehmer der Studie nicht über eine Veränderung der Lebensqualität.

Die Studienautoren sind der Ansicht, dass diese Ernährungsumstellung eine große Wirkung haben könnte. Der Effekt, der bei der Reduzierung der Kopfschmerzen beobachtet werden konnte, ist ähnlich dem, den die Forscher bei einigen Medikamenten beobachtet haben.

Der Vorbehalt ist, dass, obwohl die Teilnehmer über weniger Kopfschmerzen berichteten, sich bei einigen der Studienteilnehmer die Wahrnehmung, wie Kopfschmerzen sie beeinträchtigen, nicht änderte, so die Forscher.

Die vorliegende Studie testete speziell n-3-Fettsäuren aus Fisch und nicht aus Nahrungsergänzungsmitteln. Die Forschungsergebnisse gelten demnach nicht für die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln, wie die Autoren der Studie betonen.

(Quellen: University of North Carolina Health Care / The BMJ 2021 ; 374 doi: https://doi.org/10.1136/bmj.n1448 (Veröffentlicht 01. Juli 2021); BMJ 2021;374:n1448)

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