Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom – Ursachen, Symptome und Krankheitsbild

Seltene Erkrankungen

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 21. September 2023, Lesezeit: 5 Minuten

Seltene Erkrankungen: Das Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom (AMRF) verursacht Schübe von unwillkürlichen Muskelzuckungen (Myoklonus) und nicht selten eine Nierenerkrankung.

  • Obwohl sich der Name der Krankheit auf eine Nierenerkrankung bezieht, hat nicht jeder Betroffene Probleme mit der Nierenfunktion.

Krankheitsbild des Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom

Die mit dem Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom verbundenen Bewegungsprobleme beginnen typischerweise mit einem unwillkürlichen rhythmischen Zittern (Tremor) in den Fingern und Händen.

Das Zittern tritt im Ruhezustand auf und macht sich vor allem dann bemerkbar, wenn man versucht, kleine Bewegungen auszuführen, beispielsweise beim Schreiben. Im Laufe der Zeit kann sich das Zittern auch auf andere Teile des Körpers auswirken, beispielsweise auf den Kopf, den Oberkörper, die Beine und die Zunge.

  • Schließlich verschlimmert sich das Zittern zu myoklonischen Zuckungen, die durch willentliche Bewegungen oder die Absicht, sich zu bewegen, ausgelöst werden können (Aktionsmyoklonus).

Diese myoklonischen Zuckungen treten typischerweise im Bereich des Oberkörpers, der oberen und unteren Gliedmaßen und des Gesichts auf, insbesondere der Muskeln um den Mund und der Augenlider.

Angst, Aufregung, Stress oder extreme Müdigkeit (Erschöpfung) können den Myoklonus verschlimmern. Bei einigen der betroffenen Personen kommt es zu Krampfanfällen, Gefühlsverlust und Schwäche in den Gliedmaßen (periphere Neuropathie) oder Hörverlust aufgrund von Anomalien im Innenohr (sensorineuraler Hörverlust). Schwere Krampfanfälle oder Myoklonus können lebensbedrohlich sein.

Anzeichen und Symptome des Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom

Ein frühes Anzeichen für Nierenprobleme ist überschüssiges Eiweiß im Urin (Proteinurie). Die Nierenfunktion verschlechtert sich mit der Zeit, bis die Nieren nicht mehr in der Lage sind, Flüssigkeiten und Abfallprodukte wirksam aus dem Körper zu filtern (Nierenerkrankung im Endstadium).

Die ersten Symptome des Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndroms treten typischerweise im Alter zwischen 15 und 25 Jahren auf, können aber auch in jüngeren oder älteren Jahren auftreten.

Das Alter des Ausbruchs und der Verlauf der Erkrankung sind unterschiedlich. Selbst bei Mitgliedern ein und derselben Familie ist dies der Fall. Entweder treten die Bewegungsstörungen oder die Nierenerkrankung zuerst auf, oder sie können gleichzeitig beginnen.

Vererbung und Häufigkeit von AMRF

Diese Erkrankung wird autosomal rezessiv vererbt, das heißt, beide Kopien des Gens in jeder Zelle weisen Mutationen auf. Die Eltern einer Person mit einer autosomal rezessiven Erkrankung tragen jeweils eine Kopie des mutierten Gens, zeigen aber in der Regel keine Anzeichen und Symptome der Erkrankung.

Das Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom ist eine seltene Erkrankung. Es kommt weltweit vor. Die genaue Häufigkeit dieser Erkrankung ist unbekannt. In der medizinischen Fachliteratur sind mindestens 38 Personen mit dieser Erkrankung beschrieben worden.

Ursachen des Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndroms

Das Aktionsmyoklonus-Nierenversagen-Syndrom wird durch Mutationen im SCARB2-Gen verursacht. Dieses Gen liefert Anweisungen für die Herstellung des LIMP-2-Proteins, das ein Enzym namens Beta-Glukozerebrosidase zu den Zellstrukturen, den Lysosomen, transportiert.

Lysosomen sind spezialisierte Kompartimente, die Materialien verdauen und recyceln. In diesen Kompartimenten baut die beta-Glukozerebrosidase eine Fettsubstanz namens Glukozerebrosid ab.

Nach dem Transport der beta-Glukozerebrosidase verbleibt das LIMP-2-Protein im Lysosom und ist wichtig für die Stabilität dieser Strukturen.

SCARB2-Genmutationen, die mit dem AMRF-Syndrom assoziiert sind, führen zur Produktion eines veränderten LIMP-2-Proteins, das nicht zum Lysosom gelangen kann.

Dadurch ist die Bewegung von beta-Glukozerebrosidase zu den Lysosomen beeinträchtigt. Es wird angenommen, dass die mangelnde Funktion der beta-Glukozerebrosidase in diesen Strukturen zu den Anzeichen und Symptomen des AMRF-Syndroms beiträgt, obwohl der Mechanismus unklar ist.

  • Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen arbeiten daran, die Ursachen zu verstehen, warum manche Menschen mit SCARB2-Genmutationen Nierenprobleme haben und andere nicht.

Uromodulin-Werte können Risiko für Nierenversagen anzeigen

Frühere Forschungsarbeiten über Uromodulin, das am häufigsten im Urin vorkommende Protein, und Nierenerkrankungen konzentrierten sich auf den Uromodulin-Spiegel im Urin.

Eine Studie, die im American Journal of Kidney Diseases (AJKD) veröffentlicht wurde, untersuchte den Zusammenhang zwischen dem Uromodulin-Spiegel im Blut und dem Risiko einer Nierenerkrankung im Endstadium sowie der Sterblichkeit bei einer Patientengruppe afroamerikanischer Erwachsener mit Bluthochdruck und chronischer Nierenerkrankung.

Die Forschungsergebnisse zeigten, dass Teilnehmende mit einem niedrigeren Ausgangswert von Uromodulin ein höheres Risiko für eine Nierenerkrankung im Endstadium hatten, selbst wenn die Nierenwerte zu Beginn der Studie berücksichtigt wurden.

Außerdem hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, bei denen der Uromodulin-Wert jährlich stärker abnahm, ein höheres Risiko für Nierenversagen. Weder der Ausgangswert noch die jährliche Veränderung des Uromodulin-Spiegels waren mit der Sterblichkeit assoziiert.

Der Uromodulin-Spiegel kann durch konventionelle Behandlungen wie intensive Blutdruckkontrolle und Ramipril-Therapie (ACE-Hemmer) beeinflusst werden.

Die Messung der Blutwerte von Uromodulin ist den Forschern zufolge ein viel versprechender Biomarker (Hinweis, Indikator) für die Nierengesundheit.

Quellen

  • MedizinDoc mit Material von National Institutes of Health (NIH) / NHS / The National Library of Medicine / American Journal of Kidney Diseases (AJKD) / National Kidney Foundation
  • Teresa K. Chen et al, Associations of Baseline and Longitudinal Serum Uromodulin With Kidney Failure and Mortality: Results From the African American Study of Kidney Disease and Hypertension (AASK) Trial, American Journal of Kidney Diseases (2023). DOI: 10.1053/j.ajkd.2023.05.017

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