Konversionsstörung: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Gesundheitstipps, Psychische Gesundheit

Dirk de Pol, aktualisiert am 12. August 2023, Lesezeit: 10 Minuten

Eine Konversionsstörung, auch als funktionelle neurologische Symptomstörung oder Konversionsstörung nach ICD-11 bezeichnet, ist eine psychische Erkrankung, bei der physische Symptome auftreten, die jedoch keine nachweisbare organische Ursache haben. Die Symptome können motorischer, sensorischer oder kognitiver Natur sein und beeinflussen normalerweise die motorische Kontrolle, die Sinneswahrnehmung oder die Koordination.

Was ist eine Konversionsstörung?

Die genauen Ursachen einer Konversionsstörung sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass eine Kombination von psychologischen, sozialen und biologischen Faktoren eine Rolle spielt. Traumatische Ereignisse, wie physischer oder sexueller Missbrauch, können ein Risikofaktor sein. Es wird angenommen, dass die Konversionsstörung eine Art Bewältigungsmechanismus ist, bei dem psychischer Stress oder Konflikte in körperliche Symptome umgewandelt werden.

Die Symptome einer Konversionsstörung können vielfältig sein und reichen von Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen, Anfällen, Taubheit bis hin zu Koordinationsproblemen. Diese Symptome können plötzlich auftreten und sich oft schnell ändern. Es ist wichtig zu beachten, dass die Symptome nicht absichtlich vorgetäuscht werden, sondern dass das Individuum tatsächlich unter ihnen leidet.

Die Behandlung der Konversionsstörung umfasst in der Regel einen multidisziplinären Ansatz, der medizinische, psychologische und soziale Aspekte umfasst. Eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachleuten wie Psychologen, Psychiatern, Neurologen und Physiotherapeuten ist oft notwendig.

Psychotherapie, insbesondere eine spezialisierte Form der Psychotherapie namens Konversionsstörungsbehandlung, kann hilfreich sein. In der Psychotherapie wird versucht, die psychischen Ursachen der Symptome zu identifizieren und zu behandeln. Dazu gehören Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie und Traumatherapie.

Physiotherapie und Ergotherapie können eingesetzt werden, um die Funktion und Beweglichkeit zu verbessern und dem Individuum dabei zu helfen, die Symptome zu bewältigen. Unterstützende Maßnahmen wie Entspannungstechniken, Stressmanagement und Schmerzbewältigung können ebenfalls Bestandteil der Behandlung sein.

Die Prognose für Menschen mit Konversionsstörung ist unterschiedlich. Einige Menschen erholen sich vollständig, während andere langfristige oder wiederkehrende Symptome haben können. Eine frühzeitige Diagnose, ein angemessenes Behandlungsmanagement und eine ganzheitliche Herangehensweise können jedoch dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Welche Rolle spielen psychologische Faktoren bei der Entstehung einer Konversionsstörung?

Psychologische Faktoren spielen eine wichtige Rolle bei der Entstehung einer Konversionsstörung. Es wird angenommen, dass psychischer Stress, traumatische Ereignisse, emotionale Konflikte und unbewusste psychologische Mechanismen an der Entwicklung der Symptome beteiligt sind. Hier sind einige psychologische Faktoren, die eine Rolle spielen können:

  1. Psychischer Stress: Hoher psychischer Stress kann das Risiko einer Konversionsstörung erhöhen. Dieser Stress kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, wie zum Beispiel traumatische Ereignisse, schwierige Lebenssituationen, Beziehungsprobleme, Verluste oder berufliche Belastungen.
  2. Traumatische Ereignisse: Traumatische Ereignisse wie physischer oder sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse oder schwere Unfälle können zu einer Konversionsstörung beitragen. Diese Ereignisse können zu einer Überlastung des psychischen Systems führen und als Auslöser für die Umwandlung von psychischem Stress in körperliche Symptome dienen.
  3. Emotionale Konflikte: Unbewusste emotionale Konflikte, die mit ungelösten inneren Spannungen verbunden sind, können eine Rolle spielen. Diese Konflikte können auf tief verwurzelten Ängsten, Schuldgefühlen, unbewussten Wünschen oder verdrängten Emotionen beruhen. Die Konversion von psychischem Stress in körperliche Symptome kann eine unbewusste Bewältigungsstrategie sein, um mit diesen Konflikten umzugehen.
  4. Somatisierung: Menschen mit Konversionsstörungen haben oft Schwierigkeiten, ihre Emotionen angemessen auszudrücken oder zu verarbeiten. Anstatt ihre Emotionen bewusst wahrzunehmen oder zu verbalisieren, manifestieren sich diese in Form von körperlichen Symptomen. Die Konversion dient als unbewusster Ausdruck für psychischen Stress oder emotionale Spannungen.
  5. Aufmerksamkeit und Ablenkung: Eine Konversionsstörung kann auch als eine Art Ablenkungsmechanismus fungieren. Die körperlichen Symptome lenken von unangenehmen Emotionen oder Konflikten ab und können dazu führen, dass das Individuum sich weniger mit den zugrunde liegenden psychischen Problemen auseinandersetzt.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle psychologischen Faktoren bei jeder Person mit einer Konversionsstörung gleich sind. Die Entstehung einer Konversionsstörung ist ein komplexer Prozess und kann von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Eine umfassende psychologische Bewertung und Behandlung kann helfen, die zugrunde liegenden psychologischen Faktoren zu identifizieren und bei der Bewältigung der Erkrankung zu unterstützen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es für Konversionsstörungen?

Die Behandlung von Konversionsstörungen umfasst in der Regel einen multidisziplinären Ansatz, der medizinische, psychologische und soziale Aspekte berücksichtigt. Hier sind einige Behandlungsmöglichkeiten:

  1. Psychotherapie: Psychotherapie ist eine zentrale Behandlungsform bei Konversionsstörungen. Spezialisierte Therapieansätze, wie die Konversionsstörungsbehandlung, zielen darauf ab, die psychologischen Ursachen der Symptome zu identifizieren und zu behandeln. Dies kann verschiedene Formen von Psychotherapie umfassen, wie z.B. kognitive Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie, Traumatherapie oder hypnotherapeutische Ansätze. Das Ziel ist es, die emotionalen Konflikte zu erkennen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und alternative Wege des Umgangs mit Stress und emotionalen Belastungen zu erlernen.
  2. Physiotherapie und Ergotherapie: Physiotherapie und Ergotherapie können eingesetzt werden, um die Funktion und Beweglichkeit zu verbessern und dem Individuum dabei zu helfen, die Symptome zu bewältigen. Durch gezielte Übungen, wie Bewegungstherapie, Gleichgewichtstraining und funktionelle Rehabilitation, können körperliche Fähigkeiten wiedererlangt werden. Ergotherapie kann helfen, den Alltag zu strukturieren und Techniken zur Selbstversorgung zu erlernen.
  3. Familien- und soziale Unterstützung: Die Einbeziehung von Familienmitgliedern und anderen wichtigen Bezugspersonen kann hilfreich sein, um das Verständnis für die Erkrankung zu fördern und Unterstützung im Umgang mit den Symptomen zu bieten. Familientherapie oder psychosoziale Beratung können dazu beitragen, die Kommunikation und die familiären Beziehungen zu verbessern und das soziale Umfeld des Betroffenen zu stärken.
  4. Selbsthilfegruppen und Peer-Unterstützung: Der Austausch mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann hilfreich sein. Selbsthilfegruppen oder Peer-Unterstützung bieten die Möglichkeit, Erfahrungen zu teilen, Unterstützung zu erhalten und von den Bewältigungsstrategien anderer Betroffener zu lernen.

Die Prognose für Menschen mit Konversionsstörungen variiert. Einige Menschen erholen sich vollständig, während andere langfristige oder wiederkehrende Symptome haben können. Eine frühzeitige Diagnose, ein angemessenes Behandlungsmanagement und eine ganzheitliche Herangehensweise können jedoch dazu beitragen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Eine kontinuierliche Betreuung und Unterstützung sind oft erforderlich, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Welche Rolle spielt die medikamentöse Behandlung bei der Behandlung von Konversionsstörungen?

Die medikamentöse Behandlung spielt bei Konversionsstörungen eine begrenzte Rolle und wird hauptsächlich zur Behandlung begleitender Symptome oder psychischer Erkrankungen eingesetzt, die mit der Konversionsstörung einhergehen können. Der Fokus der Behandlung liegt jedoch in der Regel auf psychotherapeutischen Ansätzen und anderen nicht-medikamentösen Interventionen. Hier sind einige Punkte zur medikamentösen Behandlung von Konversionsstörungen:

  1. Begleitende Symptome: Konversionsstörungen können von verschiedenen Begleitsymptomen begleitet werden, wie zum Beispiel Angstzuständen, Depressionen oder Schlafstörungen. In solchen Fällen kann eine medikamentöse Behandlung erwogen werden, um diese Symptome zu lindern. Beispielsweise können Antidepressiva bei begleitender Depression oder Angststörung verschrieben werden.
  2. Schmerzmanagement: Konversionsstörungen können mit Schmerzen und körperlichen Beschwerden einhergehen. In einigen Fällen können schmerzlindernde Medikamente, wie beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Antikonvulsiva, zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt werden. Die Verwendung von Schmerzmitteln sollte jedoch sorgfältig abgewogen werden, da eine langfristige Verwendung zu Abhängigkeit oder anderen Nebenwirkungen führen kann.
  3. Psychopharmaka: Es gibt keine spezifischen Medikamente zur Behandlung von Konversionsstörungen selbst. In einigen Fällen können Psychopharmaka wie Antidepressiva, Anxiolytika oder Antiepileptika verschrieben werden, insbesondere wenn begleitende psychische Störungen wie Depressionen oder Angststörungen vorliegen. Diese Medikamente können dazu beitragen, die Stimmung zu stabilisieren und Begleitsymptome zu reduzieren, haben jedoch keinen direkten Einfluss auf die Konversionsstörung selbst.

Es ist wichtig zu beachten, dass die medikamentöse Behandlung bei Konversionsstörungen kontrovers diskutiert wird und keine einheitlichen Empfehlungen bestehen. Die Verwendung von Medikamenten sollte immer in Absprache mit einem Facharzt erfolgen, der die individuelle Situation und die spezifischen Bedürfnisse des Patienten berücksichtigt. Die medikamentöse Behandlung sollte in der Regel als Teil eines umfassenden Behandlungsplans betrachtet werden, der auch psychotherapeutische Interventionen, Physiotherapie und soziale Unterstützung umfasst.

Welche anderen unbewussten Bewältigungsstrategien können bei Konversionsstörungen auftreten?

Bei Konversionsstörungen können verschiedene unbewusste Bewältigungsstrategien auftreten. Diese Strategien dienen dazu, mit psychischem Stress, emotionalen Konflikten und belastenden Situationen umzugehen. Hier sind einige Beispiele für solche Strategien:

  1. Somatisierung: Somatisierung bezieht sich auf die Umwandlung von psychischem Stress in körperliche Symptome. Menschen mit Konversionsstörungen können körperliche Beschwerden oder Funktionsstörungen entwickeln, die nicht durch eine organische Ursache erklärt werden können. Diese Symptome können verschiedene Formen annehmen, wie zum Beispiel Lähmungen, Taubheitsgefühle, Sehstörungen, Anfälle, Blindheit oder Sprachstörungen.
  2. Verdrängung: Verdrängung ist ein psychodynamischer Mechanismus, bei dem unangenehme Gedanken, Erinnerungen oder Emotionen aus dem Bewusstsein gedrängt werden. Bei Konversionsstörungen können verdrängte Konflikte oder traumatische Erfahrungen zu einem Verlust des Bewusstseins über die zugrunde liegenden psychischen Ursachen führen und sich stattdessen als körperliche Symptome manifestieren.
  3. Verschiebung: Verschiebung bezieht sich auf die Übertragung von emotionalen Reaktionen oder Konflikten von einer Person oder Situation auf eine andere. Bei Konversionsstörungen können ungelöste Konflikte oder negative Emotionen auf den Körper „verschoben“ werden, wodurch körperliche Symptome entstehen, die als Ablenkung von den eigentlichen emotionalen Problemen dienen.
  4. Projektion: Projektion ist ein Mechanismus, bei dem unerwünschte Eigenschaften, Gedanken oder Emotionen auf andere Personen projiziert werden. Bei Konversionsstörungen können Betroffene unangenehme oder bedrohliche Aspekte ihrer eigenen Persönlichkeit oder ihrer Gefühle auf ihren Körper projizieren, was zu körperlichen Symptomen führen kann.
  5. Primäre Gewinne: Primäre Gewinne beziehen sich auf die unbewussten psychischen Vorteile, die eine Person durch die Entwicklung von körperlichen Symptomen oder einer Konversionsstörung erhält. Diese Vorteile können Aufmerksamkeit, Fürsorge, Entlastung von Verantwortung oder Vermeidung unangenehmer Situationen sein. Die körperlichen Symptome dienen als Kommunikationsmittel oder als Möglichkeit, mit stressigen oder belastenden Umständen umzugehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese unbewussten Bewältigungsstrategien individuell variieren können. Die Identifizierung und das Verständnis dieser Strategien können im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung dazu beitragen, die zugrunde liegenden psychischen Konflikte und Spannungen anzugehen und alternative Bewältigungsmechanismen zu entwickeln.

Quellen


Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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