Kaffee und Diabetes: Welchen Einfluß Kaffee auf Diabetes und Gewicht (BMI) hat

Diabetes-Forschung 2024, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 15. Juni 2023, Lesezeit: 9 Minuten

Einfluss und Wirkung von Kaffee auf Diabetes Typ 2:

Studien zeigen, dass Kaffee mit einem um etwa 25 Prozent verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist.

Ein Forschungbericht des Institute for Scientific Information on Coffee mit dem Titel „Coffee and type 2 diabetes: A review of the latest research“ (Kaffee und Typ-2-Diabetes: Ein Überblick über die neueste Forschung) zeigt die mögliche Rolle des Kaffeekonsums bei der Verringerung des Risikos, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, sowie die damit verbundenen möglichen Mechanismen auf.

Diabetes-Typ-2-Risiko senken mit Kaffee

Diabetes-Experten trafen sich auf einem Symposium, das vom Institute for Scientific Information on Coffee im Rahmen der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes in Berlin, organisiert wurde, um die Erkenntnisse zum Kaffeekonsum und Typ-2-Diabetes zu diskutieren.

In einem Symposium präsentierte Professor Mattias Carlström, Karolinska Institutet, Schweden, die neuesten wissenschaftlichen Studien und Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für Typ-2-Diabetes.

Dazu gehörte auch seine eigene Studie (Meta-Analyse) mit dem Titel „Coffee consumption and reduced risk of developing type 2 diabetes“, die 30 prospektive Studien mit insgesamt 1.185.210 Teilnehmende umfasste.

Zu den wichtigsten Forschungsergebnissen in Bezug auf Kaffee und Typ-2-Diabetes zählen:

Die Studien haben gezeigt, dass der Konsum von drei bis vier Tassen Kaffee pro Tag mit einem um etwa 25 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes verbunden ist.

  • Der umgekehrte Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Typ-2-Diabetes zeigte sich sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Welcher Kaffee ist für Diabetiker geeignet? Aus einer Reihe von Forschungsarbeiten (Metaanalysen) geht hervor, dass sowohl koffeinhaltiger als auch entkoffeinierter Kaffee mit einem verringerten Risiko für Typ-2-Diabetes assoziiert ist (in Verbindung steht).

Kaffee enthält eine Reihe potenziell klinisch relevanter Inhaltsstoffe: Koffein, Hydroxycinnamsäuren, insbesondere Chlorogensäure, Trigonellin, Diterpene wie Cafestol und Kahweol sowie Kaffeesäure.

Professor Kjeld Hermansen, Universitätsklinikum Aarhus, Dänemark, untersuchte die möglichen mechanistischen Perspektiven hinter dem umgekehrten Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Diabetes Typ 2 und fasste die Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet zusammen.

Die Forschungsarbeiten deuten darauf hin, dass eine Reihe von Faktoren beteiligt sein könnten, darunter eine antioxidative Wirkung, eine entzündungshemmende Wirkung, eine thermogene Wirkung oder eine Modulation der Vielfalt des Mikrobioms. Professor Hermansen stützte sich in seinem Vortrag auch auf seine eigene Forschung zu Kaffeebestandteilen wie Kaffeesäure und Cafestol.

Wie viel Kaffee am Tag?

Ein moderater Kaffeekonsum kann als 3 bis 5 Tassen Kaffee pro Tag (bis zu 400 mg Koffein) definiert werden, basierend auf der Überprüfung der Koffeinsicherheit durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit.

  • Bei schwangeren oder stillenden Frauen sollte der Koffeinkonsum auf 200 mg pro Tag reduziert werden.
  • Eine durchschnittliche Tasse Kaffee enthält etwa 70 bis 150 mg Koffein.

Hoher Koffeingehalt im Blut könnte Risiko für Übergewicht und Diabetes Typ-2 senken

Ein hoher Koffeingehalt im Blut könnte die Menge an Körperfett und das Risiko, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken, verringern.

  • Dies geht aus weiteren Forschungsergebnissen von Wissenschaftlern des Karolinska Institutet in Schweden hervor, die in der Fachzeitschrift BMJ Medicine veröffentlicht wurden.

Die Forschenden des Karolinska Institutet nutzten für ihre Studie die Mendel’sche Randomisierung, um zu untersuchen, wie sich ein höherer Koffeingehalt im Blut auf den Körperfettanteil und das langfristige Risiko für Typ-2-Diabetes und die wichtigsten Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirkt: Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern).

Die Mendel’sche Randomisierung ist eine Methode, bei der genetische Varianten als Proxy für einen bestimmten Risikofaktor – in diesem Fall den Koffeingehalt im Blut – verwendet werden, um genetische Beweise für ein bestimmtes Ergebnis zu erhalten – in dieser Studie für das Gewicht (BMI) und das Risiko für Diabetes Typ-2.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten die Rolle von zwei häufigen genetischen Varianten der Gene CYP1A2 und AHR bei fast 10 000 Personen überwiegend europäischer Abstammung, die an sechs Langzeitstudien teilgenommen hatten.

  • Die Gene CYP1A2 und AHR sind mit der Geschwindigkeit des Koffeinstoffwechsels im Körper verbunden.

Personen mit Genvarianten, die mit einem langsameren Koffeinstoffwechsel einhergehen, trinken im Durchschnitt weniger Kaffee, haben aber einen höheren Koffeinspiegel im Blut als Personen, die das Koffein schnell verstoffwechseln, um die für die anregende Wirkung erforderliche Menge zu erreichen oder aufrechtzuerhalten.

Die Auswertung der Daten ergab, dass ein höherer genetisch vorhergesagter Koffeingehalt im Blut mit einem niedrigeren Körpergewicht (BMI) und Körperfettanteil verbunden war.

Höhere genetisch vorhergesagte Koffeinspiegel im Blut waren auch mit einem geringeren Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden. 

Anschließend untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Hilfe der Mendel’schen Randomisierung, inwieweit die Wirkung von Koffein auf das Typ-2-Diabetes-Risiko vor allem auf die gleichzeitige Gewichtsabnahme zurückzuführen sein könnte.

Die Ergebnisse zeigten, dass fast die Hälfte (43 Prozent) der Wirkung von Koffein auf das Typ-2-Diabetes-Risiko auf die Gewichtsabnahme zurückzuführen ist.

Zwischen den genetisch vorhergesagten Koffeinspiegeln im Blut und dem Risiko für eine der untersuchten Herz-Kreislauf-Erkrankungen gab es keinen starken Zusammenhang.

Die Forschergruppe räumt ein, dass ihre Ergebnisse durch mehrere Faktoren eingeschränkt sind, darunter die Verwendung von nur zwei Genvarianten und die ausschließliche Einbeziehung von Personen europäischer Abstammung.

Außerdem wird geschätzt, dass eine tägliche Einnahme von 100 mg den Energieverbrauch um etwa 100 Kalorien pro Tag erhöht, was das Risiko der Entwicklung von Fettleibigkeit verringern könnte.

Die Ergebnisse der Mendel’schen Randomisierung legen den Schluss nahe, dass Koffein zumindest teilweise den umgekehrten Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und dem Risiko für Typ-2-Diabetes erklären könnte, schreiben die Forschenden des Karolinska Institutet.

Auswirkungen einer zusätzlichen Tasse Kaffee auf Entzündungen und Diabetesrisiko

In einer weiteren wissenschaftlichen Studie untersuchten Forscher Entzündungen und Insulinresistenz bei regelmäßigen Kaffeetrinkern, um zu verstehen, wie Kaffee über entzündliche Biomarker im Körper das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann.

In zwei großen Studien war der Konsum von nur einer zusätzlichen Tasse Kaffee pro Tag mit einem um 4 bis 6 Prozent geringeren Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus verbunden, was zum Teil auf niedrigere Entzündungswerte zurückzuführen war.

Diese Ergebnisse bestätigen frühere Forschungsergebnisse über den Zusammenhang zwischen einem höheren gewohnheitsmäßigen Kaffeekonsum und einem geringeren Risiko für Diabetes Typ 2, insbesondere bei Kaffeetrinkern, die Filterkaffee oder Espresso trinken, und bei Nichtrauchern.

Die in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition veröffentlichte Studie zeigt, dass Kaffeekonsum das Risiko für Diabetes Typ 2 aufgrund von Unterschieden bei den Entzündungs-Biomarkern im Körper senken kann.

Die Forschenden untersuchten die zugrundeliegenden Mechanismen, durch die Kaffeekonsum zur Senkung des Risikos für Diabetes Typ 2 beitragen kann, und stellten fest, dass eine geringere Entzündung im subklinischen Stadium diesen Zusammenhang teilweise erklären könnte.

Diabetes Typ 2 wird zum Teil als Entzündungskrankheit angesehen. Durch die Untersuchung der Wirkung von Kaffee auf Entzündungs-Biomarker wie das C-reaktive Protein (CRP), das bei Entzündungen im Körper ansteigt, hat die Studie die zugrundeliegenden Mechanismen, die einen höheren Kaffeekonsum mit einem geringeren Diabetes-Risiko in Verbindung bringen, genauer untersucht.

  • Anhand von Daten von mehr als 150.000 Probanden aus zwei Studien bestätigten die Forscherinnen und Forscher, dass eine Erhöhung des Kaffeekonsums um eine Tasse pro Tag mit einem um 4 bis 6 Prozent geringeren Risiko für Diabetes mellitus verbunden ist.

Darüber hinaus wurden weitere mögliche positive Effekte wie eine geringere Insulinresistenz, niedrigere CRP-Werte (C-reaktives Protein), niedrigere Leptin– und höhere Adiponektin-Konzentrationen bei den Studienteilnehmern vorhergesagt.

Adiponektin ist ein Hormon, das den Glukosestoffwechsel und den Fettstoffwechsel reguliert und entzündungshemmende und insulinsensibilisierende Wirkungen hat, während Leptin ein Hormon ist, das die Nahrungsaufnahme und die Energiehomöostase reguliert.

  • Die Erhöhung des täglichen Kaffeekonsums um eine Tasse wurde anhand des schwankenden Tageskonsums der Probanden und nicht anhand eines festen Ausgangswertes gemessen.

Der tägliche Kaffeekonsum der Studienteilnehmerinnen und -Teilnehmer reichte von 0 bis ~6 Tassen Kaffee pro Tag, und die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine zusätzliche Tasse Kaffee pro Tag Vorteile bringt, unabhängig davon, ob die Teilnehmenden am unteren oder oberen Ende dieser Spanne liegen.

  • Die Forschungsergebnisse zeigen auch, dass die Art der Kaffeezubereitung einen Einfluss auf die gesundheitlichen Vorteile haben kann.

Der Konsum von Filterkaffee oder Espresso war am stärksten mit einem geringeren Risiko für Diabetes mellitus und niedrigeren CRP-Werten (C-reaktives Protein) verbunden, ebenso wie Nichtrauchen.

Die Forschung wurde von einem wissenschaftlichen Team unter der Leitung von Dr. Trudy Voortman, Associate Professor am Erasmus University Medical Centre Rotterdam, und Dr. Carolina Ochoa-Rosales, Postdoktorandin am selben Institut, durchgeführt.

Quellen

  • Karolinska Institutet, Schweden
  • Universitätsklinikum Aarhus, Dänemark
  • Carlström M., Larsson S.C. (2018) Coffee consumption and reduced risk of developing type 2 diabetes: a systematic review with meta-analysis. Nutr Rev, 76(6):395-417, DOI: 10.1093/nutrit/nuy014
  • Huxley R. et al. (2009) Coffee, Decaffeinated Coffee, and Tea Consumption in Relation to Incident Type 2 Diabetes Mellitus. Arch Int Med, DOI: 10.1001/archinternmed.2009.439
  • Ding M. et al. (2014) Caffeinated and decaffeinated coffee consumption and risk of type 2 diabetes: A systematic review and dose response meta-analysis. Diab Care, 37(2):569-586.
  • EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA) (2015) Scientific Opinion on the safety of caffeine. EFSA Journal, 13(5):4102.
  • Larsson SC, Woolf B, Gill D. Appraisal of the causal effect of plasma caffeine on adiposity, type 2 diabetes, and cardiovascular disease: two sample mendelian randomisation study. BMJ Medizin 2023 Jan 31;2(1):1-8. DOI: 10.1136/bmjmed-2022-000335
  • Ochoa-Rosales C. et al. (2023) C-reactive protein partially mediates the inverse association between coffee consumption and risk of type 2 diabetes: the UK Biobank and the Rotterdam Study cohorts. Clinical Nutrition. Published online: https://doi.org/10.1016/j.clnu.2023.02.024

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Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

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