Studie: Spät essen ist ungesund, verringert die Kalorienverbrennung und verändert das Fettgewebe

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 12. Oktober 2022, Lesezeit: 6 Minuten

Welche Risikofaktoren begünstigen Adipositas?

Fettleibigkeit (Adipositas) trägt wesentlich zur Entstehung von chronischen Krankheiten wie Diabetes, Krebs und anderen Erkrankungen bei.

  • Eine neue Untersuchung zeigt die unterschiedlichen Auswirkungen von spätem und frühem Essen auf den menschlichen Organismus und das Risiko von Fettleibigkeit.

Warum spätes Essen das Fettleibigkeitsrisiko erhöht

Die Studie von Wissenschaftlern des Brigham and Women’s Hospital ergab, dass der Zeitpunkt der Einnahme von Mahlzeiten einen erheblichen Einfluss auf den Energieverbrauch, den Appetit und die molekularen Prozesse im Fettgewebe, und damit auf das Adipositasrisiko hat.

Laut Dr. Frank A. J. L. Scheer, Direktor des Medical Chronobiology Program am Brigham and Women’s Hospital, ging es bei der Studie um die Frage, warum spätes Essen das Fettleibigkeitsrisiko erhöht.

Bereits in früheren Untersuchungen hatten die Forscher gezeigt, dass spätes Essen mit einem erhöhten Adipositas-Risiko, einem erhöhten Körperfettanteil und schlechteren Erfolgen beim Abnehmen verbunden ist.

In dieser Studie ging es um die Frage, welche Rolle die jeweilige Uhrzeit spielt, zu der wir essen, wenn alles andere gleich bleibt, so Dr. Nina Vujovic, Forscherin im Medical Chronobiology Program in der Brigham’s Division of Sleep and Circadian Disorders.

Welchen Unterschied bereits vier Stunden machen

Es stellte sich heraus, dass eine vier Stunden spätere Essenszeit einen erheblichen Einfluss auf unser Hungergefühl, die Art und Weise, wie wir nach dem Essen Kalorien verbrennen, und wie wir Fett speichern, hat.

Die Wissenschaftler untersuchten 16 Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) im Bereich von Übergewicht oder Fettleibigkeit.

Alle Probanden durchliefen zwei Laborversuche: eine mit einer streng geplanten frühen Mahlzeit und eine andere mit genau denselben Mahlzeiten, die jeweils etwa vier Stunden später am Tag stattfanden.

  • Die Forscher ließen 16 übergewichtige Patienten genau dieselben Mahlzeiten nach zwei Zeitplänen essen: einmal mit Mahlzeiten zu Beginn des Tages und einmal mit Mahlzeiten etwa vier Stunden später am Tag (Die Teilnehmer der frühen Gruppe aß beispielsweise um 9, 13 und 17 Uhr, die andere Gruppe um 13, 17 und 21 Uhr).

In den letzten zwei bis drei Wochen vor Beginn der Laborversuche hielten die Teilnehmer feste Schlaf- und Wachzeiten ein und hielten sich in den letzten drei Tagen vor dem Laboraufenthalt strikt an die gleichen Ernährungsweisen und Essenszeiten wie zu Hause.

Im Labor dokumentierten die Teilnehmenden regelmäßig ihren Hunger und Appetit, gaben über den Tag verteilt mehrmals kleine Blutproben ab und ließen ihre Körpertemperatur und ihren Kalorienverbrauch (Energieverbrauch) messen.

Beeinflussung von Sättigungsgefühl, Stoffwechsel und Kalorienverbrauch

Um zu messen, wie sich die Essenszeiten auf die molekularen Stoffwechselwege auswirken, die an der Adipogenese, also der Fettspeicherung im Körper, beteiligt sind, entnahmen die Wissenschaftler während der Labortests Biopsien des Fettgewebes von einer Teilmenge der Probanden, die sowohl früh als auch spät gegessen hatten, um die Genexpressionsmuster und -werte zwischen diesen beiden Ernährungssituationen vergleichen zu können.

Es zeigte sich, dass das späte Essen tiefgreifende Auswirkungen auf den Hunger und die appetitregulierenden Hormone Leptin und Ghrelin hatte, die das Verlangen nach Essen beeinflussen.

  • Insbesondere der Leptinspiegel, der das Sättigungsgefühl signalisiert, war beim späten Essen über 24 Stunden hinweg niedriger als beim frühen Essen.

Wenn die Teilnehmerinnen und Teilnehmer später aßen, verbrannten sie auch weniger Kalorien und wiesen eine Genexpression im Fettgewebe auf, die auf eine verstärkte Fettbildung (Adipogenese) und eine verringerte Lipolyse hindeutet, die das Fettwachstum fördern.

Diese Erkenntnisse verdeutlichen, dass die physiologischen und molekularen Mechanismen, die dem Zusammenhang zwischen spätem Essen und erhöhtem Fettleibigkeitsrisiko zugrunde liegen, zusammenlaufen.

Laut Vujovic stimmen diese Ergebnisse nicht nur mit einer Vielzahl von Forschungsergebnissen überein, die nahelegen, dass späteres Essen die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Fettleibigkeit erhöht, sondern sie werfen auch ein neues Licht darauf, wie es dazu kommen könnte.

Die Ergebnisse wurden in der wissenschaftlichen Zeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.

Verringerung der Gesundheitsrisiken von Nachtschichten

Nachtschichtarbeit erhöht das Risiko, an Diabetes, Herzkrankheiten und Fettleibigkeit zu erkranken.

Schichtarbeit stört den zirkadianen Rhythmus des Körpers – die 24-stündige innere „Uhr“, die steuert, wann du schläfst und aufwachst.

In Studien wurde nachgewiesen, dass das Essen in der Nacht den Stoffwechsel des Körpers durcheinander bringt. Insbesondere beeinträchtigt es die Fähigkeit, den Blutzucker (Glukose) zu verarbeiten.

  • Eine andere Studie von Wissenschaftlern der Universität Köln weist darauf hin, dass es einen Weg geben könnte, diese Auswirkungen der Nachtschichtarbeit entgegenzuwirken, indem man das Essen auf den Tag beschränkt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden heraus, dass das Essen am Tag den hohen Blutzuckerwert verhindert, der mit der Nachtschichtarbeit verbunden ist.

An der Studie nahmen neunzehn Personen teil. Sie wurden zwei Wochen lang einer simulierten Nachtarbeit unterzogen. Alle Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip einem von zwei Essensplänen zugewiesen.

Die eine Gruppe nahm sowohl tagsüber als auch nachts Mahlzeiten zu sich. Dieses Verhalten ist typisch für Nachtschichtarbeiter. Die zweite Gruppe hingegen aß nur tagsüber.

Bei der Studie wurde festgestellt, dass das nächtliche Essen den Blutzuckerspiegel in die Höhe trieb. Ein hoher Blutzucker ist ein Risikofaktor für Diabetes.

  • Das nächtliche Essen erhöhte den Blutzuckerspiegel im Durchschnitt um 6,4 Prozent. Die Mahlzeiten, die nur tagsüber eingenommen wurden, verhinderten dagegen diesen Effekt.

Laut Dr. Sarah Chellappa von der Universität Köln, die die Studie leitete, bekräftigt diese Studie die Auffassung, dass der Zeitpunkt des Essens für gesundheitliche Auswirkungen wie den Blutzuckerspiegel von Bedeutung ist, was wiederum speziell für Nachtschichtarbeiter/innen wichtig ist, da sie in der Regel während ihrer Schicht nachts essen.

  • Herz-Kreislauferkrankungen, erhöhtes Adipositasrisiko, erhöhtes Dibabetesrisiko, erhöhte Blutzuckerwerte: Die beiden Studien zeigen, wie ungesund spät essen ist.

Quellen

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