Neue Forschung zu Asthma, Ekzemen, Hausstaubmilben und Atemwegsinfektionen

Allergien, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 18. Juni 2022, Lesezeit: 1 Minuten

Chronische Atemwegserkrankungen: Bei Asthmatikern, deren Atemwege mit Hausstaubmilben in Berührung kommen, ist die Immunreaktion weniger effektiv, was zu einer Schwächung des Immunsystems führen kann.

Bei Menschen, die an Asthma in Verbindung mit einer Infektion leiden, kann dies zu einer erhöhten Anfälligkeit für sekundäre virale oder bakterielle Infektionen führen.

Bereits in einer früheren Studie haben Professor Lena Uller und ihr Forschungsteam an der Lund University gezeigt, dass Hausstaubmilben im Vergleich zu anderen häufigen Allergenen eine stärkere Entzündungsreaktion in den Epithelzellen der Lunge von Asthmatikern hervorrufen.

Bei diesen Epithelzellen handelt es sich um eine Barriere, die die Lunge vor schädlichen Mikroben und Partikeln, die wir einatmen, schützen soll.

Asthmatiker, Hausstaubmilben und Hyposensibilisierung

Neueste Studienergebnisse legen nach Ansicht der Forschenden an der Lund University nahe, dass Asthmatiker Hausstaubmilben meiden sollten.

Patienten, die auch auf Milben allergisch reagieren, sollten eine so genannte Hyposensibilisierung in Betracht ziehen. Die Studie wurde kürzlich in der Zeitschrift Allergy veröffentlicht.

Aus klinischen Daten geht hervor, dass Asthmatiker mit Allergien häufiger Antibiotika verschrieben bekommen als nicht-allergische Asthmatiker, erklärt Samuel Cerps, Erstautor der Studie.

Daraus lässt sich schließen, dass Allergien ein Risikofaktor für bakterielle Infektionen sind, und das veranlasste die Forscher zu untersuchen, wie sich die Exposition gegenüber Hausstaubmilben auf das Immunsystem von Asthmatikern auswirkt.

Die Forschergruppe sammelte und kultivierte Epithelzellen von Asthmatikern mit und ohne Hausstaubmilbenallergie mit Hilfe von Bronchialbürsten.

Anschließend wurden die Zellen 24 Stunden lang Hausstaubmilben ausgesetzt, bevor sie mit einem Virus in Kontakt kamen. Damit konnten die Forschenden untersuchen, wie sich eine Virusinfektion auf das Immunsystem auswirkt, und zwar sowohl bei viralen als auch bei bakteriellen Infektionen.

Aus den Studienergebnissen ging hervor, dass eine Allergie gegen Hausstaubmilben an sich ein Faktor ist, der den Schutz der Asthmatiker gegen Viren verringert, das heißt, dass die Epithelzellen weniger effektiv antivirale Interferone produzieren.

Laut Samuel Cerps zeigte sich außerdem, dass die direkte Exposition gegenüber Hausstaubmilben, unabhängig vom Allergiestatus des Patienten, die Produktion von antiviralen und antibakteriellen Proteinen in den Atemwegszellen bei Virusinfektionen verringerte, erklärt Samuel Cerps.

Die Behandlung von Ekzemen könnte auch Asthma lindern

Forschende des VIB-UGent Center for Inflammation Research haben neue Erkenntnisse über eine mögliche neue Therapie für Ekzeme gewonnen, die auch den Schweregrad von Asthma reduziert.

Die Befunde sind ein wichtiger nächster Schritt zum Verständnis der Beziehung zwischen den beiden entzündlichen Erkrankungen und zur Entwicklung wirksamer Therapien. Die Forschungsergebnisse wurden im Journal of Investigative Dermatology veröffentlicht.

Das Risiko, im späteren Leben an Asthma zu erkranken, ist bei Kindern mit atopischer Dermatitis, einer Art von Hautekzem, erhöht. Dieses Phänomen, das auch als atopischer Marsch bezeichnet wird, gibt Anlass zu der Frage, ob Therapien entwickelt werden können, die nicht nur gegen atopische Dermatitis wirken, sondern auch das Auftreten anderer allergischer Erkrankungen verhindern.

Hausstaubmilben, atopische Dermatitis und Asthma

Der Kontakt mit Hausstaubmilben ist bekanntermaßen für die Entstehung von atopischer Dermatitis und Asthma verantwortlich, da die Milben eine Entzündung auslösen. Dr. Julie Deckers, Prof. Karolien De Bosscher und Prof. Hamida Hammad (beide vom VIB-UGent Center for Inflammation Research) entwickelten ein Mausmodell, um die Beziehung zwischen den beiden Krankheiten genauer zu untersuchen.

Wie von den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erwartet zeigte der Test, dass eine durch Hausstaubmilben ausgelöste Hautentzündung zu einer verstärkten Entzündung der allergischen Atemwege führte.

Allerdings, so Dr. Julie Deckers, unterschied sich diese Reaktion zu unserer Überraschung deutlich von der Reaktion auf eine direkte Exposition mit Hausstaubmilben in der Lunge ohne vorherige Hautentzündung. Diese Ergebnisse vermittelten den Forschenden ein tieferes Verständnis für die Komplexität des atopischen Marsches.

Das eigentliche Problem bestand jedoch darin, zu untersuchen, ob die Linderung der Hautentzündung die spätere Entwicklung von Asthma beeinflussen könnte. Das Team kombinierte daher zwei entzündungshemmende Wirkstoffe – Kortikosteroide und PPARƴ-Agonisten – zu einer potenziellen Behandlung bei Mäusen.

Die Kombi-Therapie linderte die atopische Dermatitis wirksam, war aber laut Dr. Julie Deckers vom VIB-UGent Center for Inflammation Research, unzureichend, um die allergische asthmatische Reaktion in der Lunge zu verhindern.

Allerdings verringerte die Behandlung den Schweregrad des Asthmas erheblich, indem sie einem spezifischen Teilaspekt der Immunreaktion in der Lunge entgegenwirkte. Damit stellt die Therapie ein wirksames Mittel gegen allergische Hautentzündungen und die Verschlimmerung des atopischen Marsches dar, so die Forscherin.

Quellen

  • Lund University / Samuel Cerps et al, House dust mite sensitization and exposure affects bronchial epithelial anti‐microbial response to viral stimuli in patients with asthma, Allergy (2022). DOI: 10.1111/all.15243
  • VIB (Flanders Institute for Biotechnology) / Julie Deckers et al. Co-activation of GR and PPARγ in murine skin prevents worsening of atopic march, Journal of Investigative Dermatology (2017). DOI: 10.1016/j.jid.2017.12.023

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