Hautallergien: Kurzkettige Fettsäuren können bei atopischer Dermatitis helfen

Allergien, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 14. Juni 2022, Lesezeit: 4 Minuten

Allergische Hautreaktionen: Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes reagieren mehr als zehn Millionen Menschen in Deutschland auf mindestens einen Stoff mit einer allergischen Reaktion.

Bei etwa sechs Millionen der betroffenen Menschen sind bereits akute Symptome dieser Sensibilisierung in Form einer Kontakt-Allergie aufgetreten.

Schutz vor Hautallergien

Laut einer Studie von Forschern der Monash University in Australien und des Schweizer Universitätsspitals Lausanne kann die mikrobielle Fermentation von Nahrungsfasern im Darm vor allergischen Hauterkrankungen wie atopischer Dermatitis schützen.

Die Ergebnisse dieser Forschungsarbeit könnten möglicherweise zu neuen Behandlungsmöglichkeiten zur Vorbeugung oder Behandlung von Allergien führen.

Zusammen mit Schweizer Forschern vom Universitätsspital Lausanne konnte Professor Ben Marsland von der Monash University zeigen, dass die Fermentation von Ballaststoffen im Darm durch Bakterien und die anschließende Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs), insbesondere Butyrat, vor atopischer Dermatitis bei Mäusen schützt.

Darmmikrobiota und Darm-Haut-Achse

Es ist zwar bekannt, dass das Darmmikrobiom das Immunsystem maßgeblich beeinflusst, der Einfluss auf die Haut ist bislang jedoch weniger erforscht.

In früheren Forschungsprojekten von Professor Marsland und Untersuchungen von anderen Forschern lag der Schwerpunkt auf den lokalen gesundheitlichen Vorteilen von kurzkettigen Fettsäuren im Darm sowie an anderen Stellen wie der Lunge und dem Herz-Kreislauf-System.

Deshalb fragten sich Marsland und Kollegen, ob dies auch auf die Haut zutrifft, einem Bereich, der bisher nicht wirklich untersucht wurde.

Zwar wird vermutet, dass die Ernährung einen Einfluss auf die Gesundheit der Haut haben kann, doch ist dies wissenschaftlich nicht sehr gut belegt.

In der vorliegenden Studie fütterten die Forscher Mäuse mit einer faserreichen Ernährung oder gaben ihnen gereinigte kurzkettige Fettsäuren. Laut Professor Marsland schützte diese Behandlung in hohem Maße vor allergischen Hautentzündungen.

Die Wissenschaftler markierten das Butyrat mit Isotopen und verfolgten es im Körper – es dauerte nur wenige Minuten, bis es die Haut erreichte, wo es den Stoffwechsel der Keratinozyten anregte und sie dazu brachte, zu reifen und die für eine gesunde Hautbarriere erforderlichen strukturellen Schlüsselkomponenten zu produzieren.

Das Resultat war, dass die Hautbarriere gegen Allergene – wir verwendeten Hausstaubmilbenallergene – gestärkt wurde, die normalerweise die Hautbarriere durchdringen, das Immunsystem aktivieren und eine allergische Reaktion in diesen Modellen auslösen würden, sagte er.

Rolle des Immunsystems

Wie sich zeigte, war das Immunsystem für diese Hautbarrierefunktion sekundär. Eine aktive Verbesserung der Hautbarriere könnte Schutzwirkungen gegen Umwelteinflüsse haben, die Allergien und vielleicht sogar andere Hautkrankheiten auslösen, denen eine beschädigte oder schwache Hautbarriere zugrunde liegt.

Kurzkettige Fettsäuren könnten oral oder als Creme direkt auf die Haut aufgetragen werden, wodurch der Darm umgangen würde, so die Forscher.

Der Umstand, dass kurzkettige Fettsäuren auf die Haut aufgetragen werden können und gut verträglich sind, eröffnet Möglichkeiten für die Entwicklung präventiver Strategien oder krankheitsverändernder Eingriffe – dies stellt das wichtigste translationale Potenzial unserer Forschung dar.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes, das über mehr als fünf Jahre lief, wurde in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Mucosal Immunology veröffentlicht; Hauptautor der Studie ist Aurélien Trompette vom Lausanne University Hospital (Centre hospitalier universitaire vaudois) in der Schweiz.

Quellen

  • Monash University / Trompette, A., Pernot, J., Perdijk, O. et al. Gut-derived short-chain fatty acids modulate skin barrier integrity by promoting keratinocyte metabolism and differentiation. Mucosal Immunol (2022). DOI: 10.1038/s41385-022-00524-9

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