Abzocke mit Bioresonanz- und Zell-Check-Messungen

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 21. Juli 2024, Lesezeit: 8 Minuten

Viele Menschen suchen nach Möglichkeiten, ihren Körper und ihre Gesundheit optimal zu unterstützen. Leider gibt es jedoch auch schwarze Schafe, die versuchen, die gutgläubigen Verbraucher auszunutzen. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind Messungen mit sogenannten Bioscannern, die in einigen Apotheken angeboten werden. Diese Geräte sollen angeblich Mangelerscheinungen im Körper feststellen können. Doch Experten warnen vor der Abzocke mit Bioresonanz- und Zell-Check-Messungen.

Die fragwürdige Funktionsweise der Bioresonanz-Geräte

Unter Namen wie „Bioscan“, „medX-Vitalscan“, „Zell-Check“, „SO/Check“ oder „Oligoscan“ werden die Bioresonanz-Geräte vermarktet. Die Hersteller und Vertriebsfirmen behaupten, dass diese Geräte in der Lage sind, das energetische Feld der menschlichen Zellen zu messen und dadurch Gesundheitszustände und Mikronährstoffbedarfe bestimmen können. Doch diese Behauptungen stehen auf wackeligen Beinen.

Für die Messung halten die Patienten einen oder zwei stabförmige Sensoren in der Hand, die über einen kleinen Kasten an einen Computer angeschlossen sind. Das Programm des Geräts gibt vor, nach und nach einzelne Organe und Körperfunktionen zu überprüfen. Dabei werden Geschlecht, Geburtsdatum, Größe und Gewicht des Patienten eingegeben. Am Ende der Messung erstellt das Programm ein Protokoll, das mehr als 200 Einzelwerte enthält. Diese reichen von Angaben zu den Herz-Kreislauf-Funktionen über die Knochenmineraldichte bis hin zum Immunsystem, den Blutzuckerwerten und dem Gehalt an Vitaminen und Spurenelementen.

Zweifelhafte Messergebnisse und falsche Empfehlungen

Bei genauerer Betrachtung der Messergebnisse kommen jedoch Zweifel auf. In einem Experiment unter Aufsicht eines Ernährungsmediziners wurden Messungen mit dem „Bioscan“ durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass die Ergebnisse offenbar auf den zuvor eingegebenen Merkmalen wie Geschlecht, Geburtsdatum, Größe und Gewicht basierten und nicht auf medizinischen Parametern. So zeigten die Messprotokolle beispielsweise Werte zu Prostata und männlichen Sexualhormonen an, obwohl eine Frau den Sensorstab gehalten hatte.

Noch bedenklicher ist, dass in einigen Apotheken nach einer Bioscan-Analyse konkrete Therapie-Empfehlungen auf Basis der vermeintlichen Messwerte gegeben wurden. So wurde beispielsweise die dauerhafte Einnahme eines Eisenpräparats empfohlen, obwohl eine Blutanalyse keinen Eisenmangel zeigte.

Haftstrafen und Geldstrafen wegen Betrugs

Die unseriösen Praktiken im Zusammenhang mit Bioresonanz- und Zell-Check-Messungen sind nicht nur ethisch fragwürdig, sondern auch illegal. In einem Prozess vor dem Amtsgericht Reutlingen wurden die beiden Geschäftsführer eines Bioscan-Herstellers wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Verstößen gegen das Heilmittelwerbegesetz zu Haftstrafen von drei beziehungsweise zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Zudem müssen sie die Brutto-Umsätze aus dem Verkauf der Geräte seit 2015 zurückzahlen – eine Summe von mehr als vier Millionen Euro. Die Vertriebsleiterin kam mit einer Geldstrafe davon.

Fragwürdige Technologie beim Zell-Check

Ähnlich zweifelhaft ist auch die Funktionsweise der Zell-Check-Geräte. Diese arbeiten angeblich auf Basis einer Technologie namens Spektralphotometrie Der Zell-Check arbeitet angeblich auf Basis der Spektralphotometrie. Dabei werden die Handflächen an vier Punkten mit dem Gerät abgetastet. Allerdings gibt es auch hier Zweifel an der Funktionsweise und Wirksamkeit dieser Technologie.

FAQ zur Bioresonanztherapie

Was ist Bioresonanztherapie?

Bioresonanztherapie ist eine Form der alternativen Medizin, die darauf abzielt, Störungen im Körper durch die Nutzung elektromagnetischer Wellen zu diagnostizieren und zu behandeln. Sie basiert auf der Annahme, dass der menschliche Körper elektromagnetische Schwingungen aussendet und dass Krankheiten durch Störungen dieser Schwingungen verursacht werden.

Wie funktioniert Bioresonanz?

Bei der Bioresonanztherapie werden Elektroden, die an einem Bioresonanzgerät befestigt sind, auf der Haut des Patienten angebracht. Diese Geräte messen die Frequenzen der elektromagnetischen Wellen, die vom Körper ausgehen, und sollen in der Lage sein, Ungleichgewichte zu identifizieren und zu korrigieren, indem sie modifizierte Frequenzen zurück an den Körper senden.

Für welche Beschwerden wird Bioresonanz eingesetzt?

Bioresonanz wird für eine Vielzahl von Zuständen und Beschwerden eingesetzt, darunter Allergien, Hautprobleme, Schmerzzustände und sogar zur Raucherentwöhnung. Die Wirksamkeit der Bioresonanztherapie in diesen Bereichen ist jedoch wissenschaftlich umstritten und nicht eindeutig durch Studien belegt.

Ist Bioresonanz wissenschaftlich anerkannt?

Die Bioresonanztherapie wird in der wissenschaftlichen Medizin größtenteils skeptisch betrachtet, da es an fundierten, wissenschaftlichen Beweisen für ihre Wirksamkeit mangelt. Viele Studien zu Bioresonanz sind von geringer Qualität oder zeigen keine signifikanten Ergebnisse.

Gibt es Nebenwirkungen bei der Bioresonanztherapie?

Bioresonanztherapie gilt im Allgemeinen als nicht-invasiv und ist frei von schwerwiegenden Nebenwirkungen. Einige Patienten berichten über Müdigkeit oder leichte Unwohlsein nach den Sitzungen, was oft als Teil des „Heilungsprozesses“ interpretiert wird.

Wie lange dauert eine Behandlungssitzung und wie viele sind nötig?

Eine typische Sitzung dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Die Anzahl der benötigten Sitzungen kann stark variieren, abhängig von der Art und Schwere der Beschwerden sowie der individuellen Reaktion des Patienten auf die Therapie.

Kann Bioresonanz eine Behandlung durch einen Arzt ersetzen?

Es wird dringend empfohlen, Bioresonanz nicht als Ersatz für konventionelle medizinische Behandlungen zu verwenden, besonders bei ernsthaften oder lebensbedrohlichen Zuständen. Es ist wichtig, vor Beginn einer Bioresonanztherapie einen qualifizierten Mediziner zu konsultieren.

Wie wähle ich einen seriösen Bioresonanztherapeuten aus?

Es ist wichtig, einen Therapeuten zu wählen, der eine fundierte Ausbildung in Bioresonanztherapie hat und idealerweise auch in anderen Bereichen der Medizin oder Heilkunde qualifiziert ist. Überprüfen Sie die Zertifizierungen und sprechen Sie mit früheren Patienten, um Erfahrungen und Ergebnisse zu bewerten.

Gibt es Studien zur Wirksamkeit von Bioresonanz-Geräten und den entsprechenden Behandlungen?

Ja, es gibt Studien zur Wirksamkeit von Bioresonanz-Geräten und den entsprechenden Behandlungen. Eine Studie mit dem Titel „Einfache Testverfahren zur Überprüfung der Aussagekraft von Bioresonanz-basierten medizinischen Befunden – der Leberkäse-Test“ wurde durchgeführt. In dieser Studie wurden zwei moderne Bioresonanzgeräte untersucht, und es wurde festgestellt, dass diese Geräte nicht in der Lage waren, zwischen verschiedenen Testmaterialien zu unterscheiden. Die Ergebnisse zeigten, dass die Befunde mit relativen Standardabweichungen von über 200 % variieren konnten.

Eine weitere Studie ergab, dass Bioresonanz-Geräte nicht in der Lage sind, Gesundheitsprobleme oder Mangelerscheinungen innerhalb von Minuten festzustellen. Es wurde festgestellt, dass das Geschäftsmodell hinter diesen Geräten fragwürdig ist und dass es keine wissenschaftlichen Nachweise für ihre Wirksamkeit gibt.

Die Bioresonanztherapie ist eine alternative medizinische Methode, die zur Behandlung verschiedener Krankheiten eingesetzt wird. Es gibt jedoch keinen wissenschaftlichen Nachweis für eine Wirksamkeit, die über Placeboeffekte hinausgeht. Die Bioresonanztherapie wird von der wissenschaftlichen Medizin nicht anerkannt und als Pseudowissenschaft betrachtet.

Zahlreiche wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass die Bioresonanztherapie nicht wirksam zur Behandlung von Allergien ist. Es wurden auch Studien durchgeführt, in denen Bioresonanzgeräte getestet wurden, und es wurde festgestellt, dass sie nicht in der Lage waren, zwischen lebender und toter Materie zu unterscheiden.

Die Bioresonanztherapie basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch ein individuelles Energiefeld mit einer eigenen Frequenz hat, anhand dessen Erkrankungen und Belastungen erkannt werden können. Die Wirksamkeit dieser Methode konnte jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden.

Die Bioresonanztherapie leitet sich von der Radionik ab, die in den 1920er Jahren von Albert Abrams entwickelt wurde. Abrams wurde von der American Medical Association als „Dekan der Quacksalber des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Die Bioresonanzverfahren wurden 1977 von Franz Morell und Erich Rasche als MORA-Therapie eingeführt. Aufgrund der Verbindung zu Scientology benannten sich einige Therapeutenvereinigungen in den 1990er Jahren um und verwendeten andere Namen wie Biokommunikations-, Bicom-, Multicom- und Multiresonanztherapie.

Bei der Bioresonanztherapie berührt der Patient mindestens zwei Elektroden eines Geräts, dessen Funktionsweise von den Herstellern nicht offengelegt wird. Es wird vermutet, dass der Hautwiderstand gemessen wird, ähnlich einem Lügendetektor oder der Elektroakupunktur nach Voll. Einige Geräte verstärken elektrische Signale im Niederfrequenzbereich und behaupten, dass Krankheiten als Störungen im Frequenzmuster erkennbar sind. Es gibt jedoch keine wissenschaftlichen Nachweise für die Existenz solcher Frequenzmuster oder für die Wirksamkeit der Bioresonanztherapie.

Die Bioresonanztherapie wird von der wissenschaftlichen Medizin nicht anerkannt und als Pseudowissenschaft betrachtet. Es gibt keine kontrollierten Studien, die eine Wirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus belegen. Im Gegenteil, es besteht die Gefahr, dass Patienten in die Irre geführt werden und eine wirksame Therapie verhindert wird. Die Behandlung von vermeintlichen Krankheiten, die der Patient gar nicht hat, oder das Nichterkennen von tatsächlichen Krankheiten können die Gesundheit gefährden.

Die Bioresonanztherapie wird von den gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland nicht erstattet, da es keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis gibt. Auch private Krankenversicherer lehnen in der Regel eine Kostenübernahme ab. In der Schweiz wird die Bioresonanztherapie von einigen Krankenkassen im Rahmen einer Zusatzversicherung finanziert.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. NDR Ratgeber – Abzocke mit Bioresonanz- und Zell-Check-Messungen, 2022.
  2. Reutlingen – Urteil gegen Bioscan-Hersteller
  3. Einfache Testverfahren zur Überprüfung der Aussagekraft von Bioresonanz-basierten medizinischen Befunden – der Leberkäse-Test | Allergo Journal
  4. Bioresonanz-Messungen: Nutzlos, nicht nachvollziehbar und potenziell betrügerisch | QUALITAS
  5. Bioresonanztherapie – Wikipedia, 2024

ddp


⊕ Dieser Beitrag wurde auf der Grundlage wissenschaftlicher Fachliteratur und fundierter empirischer Studien und Quellen erstellt und in einem mehrstufigen Prozess überprüft.

Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. Gilt dieses Ergebnis nur für bestimmte Bevölkerungsgruppen Die analysierten Zwillingskohorten stammen aus spezifischen Studienpopulationen. Die Autoren selbst stellen offen, ob die Ergebnisse vollständig auf alle ethnischen Gruppen und Weltregionen übertragbar sind, was in weiteren Studien untersucht werden muss. Wie unterscheidet sich die neue Schätzung von bisherigen Werten Bisherige Schätzungen lagen bei 6 bis 25 Prozent. Die neue Studie kommt auf über 50 Prozent, wenn ausschließlich intrinsische, also biologisch-genetisch bedingte Sterblichkeit betrachtet wird. --- ## Quellen Shenhar, B., Pridham, G., De Oliveira, T. L., Raz, N., Yang, Y., Deelen, J., Hägg, S., & Alon, U. (2026). Heritability of intrinsic human life span is about 50% when confounding factors are addressed. Science, 391(6784), 504–510. httpsdoi.org10.1126science.adz1187 Hjelmborg, J. V., Iachine, I., Skytthe, A., Vaupel, J. W., McGue, M., Koskenvuo, M., Kaprio, J., Pedersen, N. L., & Christensen, K. (2006). 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