Ekzeme: Risiko von Hautinfektionen bei atopischer Dermatitis im Kindesalter

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, aktualisiert am 7. Juni 2022, Lesezeit: 3 Minuten

Infektionsrisiko mit dem Zeitpunkt des Auftretens der pädiatrischen atopischen Dermatitis (atopisches Ekzem oder Neurodermitis)

Die Häufigkeit und Prävalenz von Hautinfektionen ist bei Kindern und Jugendlichen je nach Zeitpunkt des Auftretens der atopischen Dermatitis (chronische, juckende Entzündung der oberen Hautschichten) sehr unterschiedlich.

Atopische Dermatitis bei Kindern

Aufgrund der gestörten Hautbarriere und der immunologischen Dysfunktion sind Hautinfektionen bei atopischer Dermatitis (atopisches Ekzem) häufig. 

Frühe und späte pädiatrische atopische Dermatitis (atopisches Ekzem) sind unterschiedliche Erscheinungsbilder, die sich in der Krankheitsausdauer und dem Risiko für andere atopische Begleiterkrankungen (Typ-I-Überempfindlichkeitsstörungen) unterscheiden. 

Es ist jedoch nicht bekannt, ob das Infektionsrisiko mit dem Zeitpunkt des Auftretens der atopischen Dermatitis in Zusammenhang steht. 

Auf der Grundlage bevölkerungsbezogener, elektronischer Krankenakten aus dem Vereinigten Königreich untersuchten Forschende der Thomas Jefferson University, der University of Pennsylvania Perelman School of Medicine und der Johns Hopkins University School of Medicine eine Patientengruppe von knapp 200.000 Kindern, die innerhalb des ersten Lebensjahres aufgenommen wurden und bei denen eine atopische Dermatitis vor dem Alter von 18 Jahren diagnostiziert wurde.

Wahrscheinlichkeit von infektiösen Hauterkrankungen

Bei Kindern mit früher (≤ 2 Jahre), mittlerer (3-7 Jahre) und später (8-17 Jahre) auftretender atopischen Dermatitis war die Wahrscheinlichkeit, an Molluskum, Varizellen/Gürtelrose (Herpes zoster), Impetigo und Herpes simplex Virus zu erkranken, bei Kindern mit später auftretenden atopischen Dermatitis deutlich geringer.

Die Patientengruppe mit später (8-17 Jahre) auftretender atopischen Dermatitis hatte auch eine 10 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit für Zellulitis und Warzen. 

Bei pädiatrischer atopischer Dermatitis (atopisches Ekzem oder Neurodermitis) im Alter von drei bis sieben Jahren (mittleres Stadium) war die Häufigkeit von Infektionen ähnlich bis leicht höher als bei pädiatrischer atopischer Dermatitis im frühen Stadium (≤ 2 Jahre).

Häufigkeit infektiöser Hauterkrankungen

Bei der Untersuchung der Häufigkeit infektiöser Vorfälle bei Kindern mit mindestens einem Infekt (Zellulitis, Herpes-simplex-Virus, Impetigo, Molluskum, Tinea, Varizellen/Gürtelrose oder Warzen) unterschied sich atopische Dermatitis im Spätstadium jedoch nicht von atopischer Dermatitis im Frühstadium. 

Im Vergleich zu atopischer Dermatitis im Frühstadium war atopische Dermatitis im mittleren Stadium mit einer etwas geringeren Häufigkeit von Zellulitis und Varizellen/Herpes-Zoster-Episoden verbunden. 

Zusammengefasst deuten die Forschungsergebnisse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler darauf hin, dass das Alter bei Beginn der atopischen Dermatitis zwar in umgekehrtem Verhältnis zum Gesamtrisiko für verschiedene Hautinfektionen steht, der Zeitpunkt des Auftretens einer atopischen Dermatitis jedoch weniger Einfluss auf die Anfälligkeit für wiederholte Infektionen hat. 

Es bedarf daher weiterer Untersuchungen, um die Verschiedenartigkeit des Hautinfektionsrisikos bei Kindern mit atopischer Dermatitis zu verstehen und die unterschiedlichen Erscheinungsformen von atopischer Dermatitis (atopisches Ekzem oder Neurodermitis), die durch wiederholte Infektionen kompliziert werden, zu unterscheiden.

Quellen

Society for Investigative Dermatology / S. Shah, Thomas Jefferson University / D. J. Margolis und N. Mitra, University of Pennsylvania Perelman School of Medicine / J. Wan, Johns Hopkins University School of Medicine, Baltimore, Maryland

vgt"

Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

Virale Infektionen und Hirnnebel: Auswirkungen auf Gedächtnis und Kognition

Wie virale Infektionen Gedächtnis und Denkfähigkeiten beeinträchtigen

Wie virale Infektionen Gedächtnis und Denkfähigkeiten beeinträchtigen: Erforschen Sie die Rolle von Immunreaktionen und Entzündungen....

Leberfibrose-Risiko bei Frauen mit kardiometabolischen Risikofaktoren

Studie alarmiert: Bei Frauen steigt Leberfibrose-Risiko durch CMRFs bis zu 13-fach stärker

Leberfibrose steigt weltweit an. Frauen sind stärker betroffen durch kardiometabolische Faktoren. Lesen Sie mehr dazu....

Multivitamine verlangsamen epigenetisches Altern bei Senioren

Tägliche Multivitamine verlangsamen biologisches Altern bei Älteren

Die tägliche Einnahme von Multivitaminen verlangsamt nach einer neuen Studie das biologische Altern bei älteren Menschen signifikant....

β-Hydroxybutyrat boostet CAR-T-Zelltherapie bei Krebs

Ketonkörper β-Hydroxybutyrat stärkt CAR-T-Zellen gegen Krebs

Eine neue Studie belegt, dass β-Hydroxybutyrat CAR-T-Zellen gegen Krebs stärkt und die Antitumoraktivität steigert....

Virtuelle Immunfärbung bei Schilddrüsenkrebs-Detektion

Virtuelle Immunfärbung verbessert Detektion vaskulärer Invasion bei Schilddrüsenkrebs

Virtuelle Immunfärbung verbessert die Diagnostik von Schilddrüsenkrebs durch präzise Detektion vaskulärer Invasion mit Deep Learning....