Studie: Demenz mit spielerischen Training entgegenwirken

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Medizin Doc Redaktion, Beitrag vom 11. April 2021

Demenz Forschung: Alle Bestrebungen, ein Medikament zur Heilung dieser Krankheit zu finden, sind bislang gescheitert. Demenz, darunter auch Alzheimer – die häufigste von mehreren Formen der Demenz – ist nach wie vor unheilbar.

Neue Behandlungsmöglichkeit für Demenzkranke

Eine klinische Studie in Belgien unter Beteiligung des Forschers Eling de Bruin von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich hat nun erstmals gezeigt, dass ein kognitiv-motorisches Training sowohl die kognitiven als auch die körperlichen Fähigkeiten von stark beeinträchtigten Demenzpatienten verbessert. Für die vorliegende Studie wurde ein vom ETH-Spin-off Dividat entwickeltes Fitness-Spiel, das sogenannte „Exergame“, angewendet.

Verbesserung der kognitiven Fähigkeiten dank Training

Bereits 2015 zeigte ein Wissenschaftlerteam um ETH-Forscher Patrick Eggenberger, dass ältere Menschen, die Körper und Geist gleichzeitig trainieren, bessere kognitive Leistungen zeigen und damit auch kognitiven Beeinträchtigungen vorbeugen können. Allerdings wurde diese Studie nur an gesunden Probanden durchgeführt.

Dass körperliches und kognitives Training auch eine positive Wirkung auf Demenz hat, wird schon länger vermutet, so die Forscher. Allerdings war es bisher schwierig, Demenzpatienten zu motivieren, sich über längere Zeit körperlich zu betätigen.

Spielerisches Training für Demenzkranke

Um diese Problematik zu lösen, entwickelten die Forscher ein massgeschneidertes Trainingsprogramm, das das Leben älterer Menschen verbessert. Um auch Menschen mit körperlichen und kognitiven Beeinträchtigungen zum Training zu bewegen, wurden spielerische Übungen entwickelt, und die Senso-Trainingsplattform war das Ergebnis.

Die Plattform besteht aus einem Bildschirm mit der Spielesoftware und einer Bodenplatte mit vier Feldern, die Schritte, Gewichtsverlagerung und Gleichgewicht messen. Die Benutzer versuchen, mit ihren Füßen eine Bewegungsfolge zu absolvieren, die auf dem Bildschirm angezeigt wird, und trainieren so gleichzeitig die körperliche Bewegung und die kognitive Funktion. Dass das Fitness-Spiel zudem Spaß macht, erleichtert es, die Probanden zum regelmäßigen Training zu motivieren.

Acht Wochen Training für Demenzkranke

Die Forscher rekrutierte 45 Probanden für die Studie. Die Probanden waren Bewohner von zwei belgischen Pflegeheimen, zum Zeitpunkt der Studie im Durchschnitt 85 Jahre alt und alle mit schweren Demenzsymptomen.

Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe trainierte acht Wochen lang dreimal wöchentlich 15 Minuten lang mit dem Dividat Senso, während die zweite Gruppe sich lediglich Musikvideos ihrer Wahl anhörte und ansah. Im Anschluss an das achtwöchige Trainingsprogramm wurde die körperliche, kognitive und mentale Leistungsfähigkeit aller Probanden im Vergleich zum Beginn der Studie gemessen.

Regelmäßiges Spielen zeigt Wirkung

Die Ergebnisse geben Demenzkranken und ihren Angehörigen Hoffnung: Das Training mit dem Gerät verbesserte tatsächlich kognitive Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Konzentration, Gedächtnis und Orientierung. Zum ersten Mal besteht den Forschern zufolge die Hoffnung, dass durch gezieltes Spielen die Symptome von Demenz nicht nur verzögert, sondern auch abgeschwächt werden können.

Besonders auffällig war, dass sich der Zustand Kontrollgruppe über den Zeitraum von acht Wochen weiter verschlechterte, während in der Trainingsgruppe deutliche Verbesserungen zu verzeichnen waren. Diese sehr ermutigenden Ergebnisse stehen im Einklang mit der Erwartung, dass sich der Gesundheitszustand von Demenzpatienten ohne Training eher verschlechtert, so die Forscher.

Das spielerische Training wirkte sich aber nicht nur positiv auf die kognitiven Fähigkeiten aus – die Forscher konnten auch positive Effekte auf die körperlichen Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Reaktionszeit, messen.

Bereits nach acht Wochen reagierten die Probanden der Trainingsgruppe deutlich schneller, während sich die Kontrollgruppe verschlechterte. Das ist insofern ermutigend, als die Geschwindigkeit, mit der ältere Menschen auf Reize reagieren, entscheidend dafür ist, ob sie einen Sturz vermeiden können. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie wurden in der Fachzeitschrift Alzheimer’s Research & Therapy veröffentlicht.

Ein besseres Verständnis der Gehirnprozesse

Die Forschergruppe um de Bruin arbeitet derzeit daran, die Ergebnisse dieser Pilotstudie mit Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung – einer Vorstufe der Demenz – zu wiederholen. Dabei sollen mithilfe von MRT-Scans die neuronalen Prozesse im Gehirn, die für die kognitive und körperliche Verbesserung verantwortlich sind, genauer untersucht werden.

(Quellen: ETH Zürich / Alzheimer’s Research & Therapy)

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