Demenz: Medikamente die das zentrale Nervensystem beeinflussen

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 19. Oktober 2021, Lesezeit: 4 Minuten

Etwa 14 Prozent der älteren Menschen mit Demenz erhalten Rezepte für mehrere Medikamente, die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) beziehungsweise das Gehirn und das Rückenmark wirken.

Die Einnahme mehrerer Medikamente, die so genannte Polypharmazie, kann das Risiko schwerer Nebenwirkungen erhöhen. Die Einnahme mehrerer Medikamente mit Wirkstoffen die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) beziehungsweise das Gehirn wirken zu einem erhöhten Sturzrisiko, Atemproblemen und Herzproblemen führen.

Darüber hinaus können einige Medikamente die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) beziehungsweise das Gehirn wirken das Denken und das Gedächtnis beeinträchtigen – eine Nebenwirkung, die besonders bei Menschen mit Demenz problematisch ist.

Die vorliegende Studie, wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität Michigan geleitet und in JAMA veröffentlicht.

Medikamente, die das zentrale Nervensystem beeinflussen, werden zur Behandlung von Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen, zur Verhinderung von Krampfanfällen und zur Schmerzlinderung eingesetzt.

Ältere Erwachsene, die an Demenz erkrankt sind, haben manchmal Verhaltens- und psychologische Symptome, wie zum Beispiel Unruhe oder Wahnvorstellungen. Zur Behandlung dieser Symptome können Mediziner Medikamente die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirken verschreiben, doch gibt es nur wenige Belege für die Wirksamkeit der Medikamente bei diesen Symptomen.

Um besser zu verstehen, wie viele Demenzkranke eine Kombination dieser Medikamente erhielten, untersuchten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen die Medicare-Antragsdaten von mehr als 1 Million Erwachsenen im Alter von 77 bis 88 Jahren, die an Demenz erkrankt waren.

Die Forscher analysierten die Anzahl und den Zeitpunkt der Verschreibungen, um die Anzahl der Personen zu schätzen, die wahrscheinlich Kombinationen dieser Medikamente einnahmen.

Dabei stellte sich heraus, dass 13,9 Prozent dieser Personen an mehr als 30 aufeinanderfolgenden Tagen drei oder mehr Medikamente die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirken einnahmen. Mehr als die Hälfte dieser Erwachsenen nahm die Medikamente mehr als 180 Tage lang ein.

Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen fanden außerdem heraus, dass Menschen, denen eine Kombination von ZNS-Wirkstoffen verschrieben wurde, häufiger an Schlaflosigkeit, psychischen Erkrankungen und Schmerzen litten, die nicht mit Krebs und Anfallsleiden in Verbindung gebracht wurden. Allerdings konnten die Forscher auf der Grundlage der Leistungsdaten nicht feststellen, ob die Medikamente zur Behandlung dieser Erkrankungen verschrieben wurden.

Die vorliegende Untersuchung hat einige Einschränkungen: Die Studie könnte die Zahl der Personen, die die Medikamente tatsächlich einnahmen, überschätzt haben, da sie die ausgefüllten Rezepte zählte. In der Studie wurde nicht untersucht, aus welchen Gründen die Medikamente verschrieben wurden oder in welcher Dosierung.

Es wurde auch nicht untersucht, ob die Erwachsenen, die eine Kombination von Medikamenten einnahmen, die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirken, gesundheitliche Probleme hatten, die die Medikamente verursachen könnten, wie beispielsweise Stürze.

Diese vorliegende Studie ist die erste, die die Anzahl der Erwachsenen mit Demenz untersucht, die nicht im Pflegeheim leben und eine Kombination von Medikamenten einnehmen, die auf das zentrale Nervensystem (ZNS) wirken. Da die Zahl der Erwachsenen, die mit Demenz leben, zunimmt, könnte ein besseres Verständnis der Verwendung dieser Medikamente, ihrer Wirkungen und der damit verbundenen Risiken dazu beitragen, dass Gesundheitsdienstleister und Demenzpatienten sicherere, gut informierte Pflegeentscheidungen treffen können.

Quellen und Autoren: University of Michigan / JAMA / National Institute on Aging / Maust DT, et al. Prevalence of central nervous system-active polypharmacy among older adults with dementia in the US. JAMA. 2021;325(10):952-961. doi: 10.1001/jama.2021.1195.

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