Psychose, Schizophrenie: Studie entdeckt den neurobiologischen Mechanismus für Halluzinationen und Wahnvorstellungen

Psychose und Schizophrenie: Studie entdeckt Mechanismus für Halluzinationen und Wahnvorstellungen

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Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 9. November 2020

Wissenschaftler der Columbia University des Vagelos College of Physicians and Surgeons haben in einer Studie Belege für einen potenziellen neurobiologischen Mechanismus für Halluzinationen und Wahnvorstellungen gefunden, der in das hierarchische Modell der Psychose passt und ihre klinische Erscheinungsform erklären kann.

Symptome einer Schizophrenie: Halluzinationen und Wahnvorstellungen

Die Forscher untersuchten die neurobiologischen Ursachen von zwei Symptomen einer Schizophrenie: Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Beide Symptome bilden das Syndrom der Psychose, einer immens beeinträchtigenden psychiatrischen Erkrankung, bei der die Patienten ihre Fähigkeit zur Wahrnehmung der Realität verlieren.

Üblicherweise haben Patienten mit schwereren Halluzinationen auch schwerere Wahnvorstellungen und beide Symptome sprechen in ähnlicher Weise auf antipsychotische Medikamente an. Doch das ist nicht immer der Fall. Ein Teil der Patienten hat sehr ausgeprägte Halluzinationen, aber weniger schwere Wahnvorstellungen und umgekehrt, so die Autoren der Studie.

Das legt den Wissenschaftlern zufolge den Schluss nahe, dass diese Symptome einen gemeinsamen neurobiologischen Mechanismus haben können, während sie gleichzeitig von symptomspezifischen Verläufen abhängen.

Die Mechanismen hinter einer Psychose

Nach Meinung einiger Experten auf diesem Gebiet kann ein hierarchisches Wahrnehmungsstörungsmodell die Mechanismen hinter einer Psychose erklären.

Die Studienautoren sind der Ansicht, in seiner einfachsten Form hat das hierarchische Modell zwei Ebenen der Hierarchie: eine niedrige und eine hohe. Die niedrige Ebene erlaubt Rückschlüsse auf grundlegende Merkmale von Stimuli und die hohe Ebene auf deren Ursachen.

Psychose: Halluzinationen als Folge von Funktionsstörungen

Ein intuitives Beispiel dafür ist die Abschätzung des Wetters. In diesem Szenario müssen eine Person entscheiden, ob sie einen Regenschirm mitnimmt, wenn sie die Wohnung verlässt. Der Reiz in diesem Szenario ist das, was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut. Sagen wir, es ist bewölkt. Der Rahmen in diesem Szenario ist, wie man das Wetter an einem bestimmten Tag in der Stadt, in der man sich befindet, einschätzt.

Nehmen wir beispielsweise an, wir befinden uns in Seattle. Obwohl es gegenwärtig nicht regnet, weil es bewölkt ist und man sich in einer Stadt befindet, in der es oft regnet, kann es sein, dass man sich entscheidet, einen Regenschirm mitzunehmen. Das hierarchische Modell der Psychose stellt Halluzinationen als Folge von Funktionsstörungen auf den unteren Hierarchieebenen und Wahnvorstellungen als Folge von Funktionsstörungen auf den höheren Hierarchieebenen dar.

Entscheidend ist, dass diese Folgerungsebenen unterschiedlich, aber miteinander verbunden sind, so dass sich eine Störung auf einer Ebene wahrscheinlich nach oben oder unten auf andere Ebenen ausbreiten würde. Was wiederum erklärt, warum diese Symptome tendenziell gleichzeitig auftreten, do die Forscher.

Untersuchung der neurobiologischen Mechanismen von Halluzinationen und Wahnvorstellungen

Zur Untersuchung der neurobiologischen Mechanismen von Halluzinationen und Wahnvorstellungen im Rahmen des hierarchischen Modells verwendeten die Forscher die funktionelle Magnetresonanztomographie, um die intrinsischen neuronalen Zeitskalen im gesamten Gehirn zu messen.

Diese neuronalen Zeitskalen spiegeln wider, wie lange Informationen in einer bestimmten Hirnregion integriert sind. Am wichtigsten ist, dass diese neuronalen Zeitskalen hierarchisch organisiert sind, was es zu einer geeigneten Maßnahme macht, um das hierarchische Modell einer Psychose zu testen.

Die Wissenschaftler erfassten Daten von 127 Patienten mit Schizophrenie aus verschiedenen Online-Datenbanken und ermittelten, wie die neuronalen Zeitskalen einer Person mit dem Schweregrad ihrer Halluzinationen und Wahnvorstellungen zusammenhängen.

Dabei stellten sie fest, dass die neuralen Zeitskalen in den unteren Ebenen der Hierarchie bei Patienten mit schwereren Halluzinationen tendenziell länger waren, während die neuralen Zeitskalen in den höheren Ebenen bei Patienten mit schwereren Wahnvorstellungen tendenziell länger waren.

Damit liefern die vorliegenden Forschungsergebnisse den ersten direkten Beweis für einen potenziellen neurobiologischen Mechanismus für Halluzinationen und Wahnvorstellungen, der in das hierarchische Modell der Psychose passt und ihre klinische Erscheinungsweise erklären kann.

Der gemeinsame neurobiologische Mechanismus für beide Symptome könnte zu erhöhten neuronalen Zeitskalen führen, aber die symptomspezifischen Pfade sind die Ebene der Hierarchie, auf der die neuronalen Zeitskalen erhöht sind.

Neue Behandlungsmethoden, die auf spezifische Symptome einer Psychose abzielen

Die Erkenntnisse der Studie öffnen, den Autoren zufolge die Tür für die Entwicklung von Behandlungsmethoden, die auf spezifische Symptome einer Psychose in Abhängigkeit vom Symptomprofil eines einzelnen Patienten abzielen, im Einklang mit dem aktuellen Drang nach einer individualisierten medizinischen Behandlung.

Die Studie mit dem Titel „Distinct Hierarchical Alterations of Intrinsic Neural Timescales Account for Different Manifestations of Psychosis” wurde in der Fachzeitschrift eLife veröffentlicht. Autoren der Studie sind: Autoren: Kenneth Wengler, Andrew T Goldberg , George Chahine , Guillermo Horga / Columbia University, New York State Psychiatric Institute, Yale University.

Die Psychiatrische Fakultät der Columbia University gehört zu den führenden psychiatrischen Fakultäten in den USA und hat wesentlich zum Verständnis und zur Behandlung von Hirnerkrankungen beigetragen. Die Columbia Psychiatrie ist das Zentrum angesehener Kliniker und Forscher, die für ihre klinischen und wissenschaftlichen Fortschritte bei der Diagnose und Behandlung von Depressionen, Selbstmord, Schizophrenie, bipolaren Störung, Angststörungen, Essstörungen, Störungen des Drogenkonsums und psychiatrischen Störungen im Kindesalter bekannt sind.

(Quellen: eLive / Columbia University)

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