University College London: Schlechte körperliche Fitness steht mit höheren Depressions- und Angstrisiko in Verbindung

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung

Torsten Lorenz, Beitrag vom 11. November 2020

Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen mit geringer Fitness in Bezug auf Aerobie und Muskulatur an Depressionen leiden, ist fast doppelt so hoch. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie unter der Leitung von Forschern des University College London (UCL).

Bei einem niedrigen Fitness-Level wird nach den in BMC Medicine veröffentlichten Ergebnissen auch eine um bis zu 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit von Angstzuständen über einen Zeitraum von sieben Jahren vorhergesagt.

Mit der Studie haben die Forscher weitere Beweise für einen Zusammenhang zwischen körperlicher und geistiger Gesundheit gefunden. Strukturierte Übungen zur Verbesserung verschiedener Arten von Fitness sind nicht nur gut für die körperliche Gesundheit, sondern können auch Vorteile für die geistige Gesundheit haben, so Aaron Kandola (UCL-Psychiatrie), Hauptautor der Studie.

98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Depressionen bei schlechter körperlicher Fitness

An der Untersuchung nahmen 152.978 Teilnehmer im Alter von 40 bis 69 Jahren teil. Die Grundfitness zu Beginn des Studienzeitraums wurde mit einem stationären Fahrrad mit zunehmendem Widerstand getestet, während die Muskelkraft mit einem Griffkrafttest gemessen wurde. Des Weiteren füllten die Studienteilnehmer einen Fragebogen zur Erfassung und Messung von Depressionen und Angstsymptomen aus.

Nach sieben Jahren wurden die Teilnehmer erneut auf Depressions- und Angstsymptome getestet. Dabei stellten die Forscher fest, dass eine hohe Ausdauer und muskuläre Fitness zu Beginn der Studie mit einer besseren psychischen Gesundheit sieben Jahre später einherging.
Menschen mit der niedrigsten kombinierten körperlichen Fitness (Ausdauer und Kraft) hatten eine um 98 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Depressionen, eine um 60 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für Angstzustände sowie eine um 81 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an einer der häufigen psychischen Störungen zu erkranken, als Menschen mit einem hohen Grad an allgemeiner Fitness.

Die Wissenschaftler berücksichtigten zu Beginn der Studie potenziell verzerrende Einflussfaktoren wie Ernährung, sozioökonomischer Status, chronische Krankheiten und Symptome psychischer Erkrankungen.

Aus früheren Studien geht hervor, dass Menschen, die sich mehr bewegen, seltener an psychischen Erkrankungen leiden. Die meisten Studien beruhen jedoch darauf, dass die Teilnehmer ihr Aktivitätsniveau selbst angeben, was weniger zuverlässig sein kann als die hier verwendeten objektiven Messungen der körperlichen Fitness.

Die Ergebnisse legen nahe den Forschern zufolge den Schluss nahe, dass die Förderung von mehr Bewegung für die öffentliche Gesundheit von großem Nutzen sein und nicht nur die körperliche, sondern auch die geistige Gesundheit verbessern könnte. Die Verbesserung der körperlichen Fitness durch eine Kombination aus Herz-Kreislauf-Training und Kraft- und Ausdauertraining scheint vorteilhafter zu sein, als sich nur auf aerobe oder muskuläre Fitness zu konzentrieren, so Dr. Joseph Hayes, UCL Psychiatry und leitender Autor der Studie. Körperliche Aktivität ist ein wichtiger Teil unseres Lebens und kann eine Schlüsselrolle bei der Prävention psychischer Störungen spielen.

Dieser Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

(Quellen: University College London, UCL / BMC Medicine)


ANTI AGING FORSCHUNG
– Umkehr der Alterserscheinungen und 8 bis 18 Jahre höhere Lebenserwartung möglich? Jetzt lesen:
– GlyNAC kann Alterserscheinungen umkehren
– Glucosamin kann Lebensdauer steigern

Studie: Angst und Depression bei Schwindel und Morbus Menière deutlich höher

Studie: Angst und Depression bei Schwindel und Morbus Menière deutlich höher

Laut einer Studie zeigen Menschen mit Schwindel und Morbus Menière im Vergleich zu gesunden Menschen höhere Angst- und Depressionswerte ......

Studie: Welche Kinder weniger Angst und Depressionen haben

Studie: Welche Kinder weniger Angst und Depressionen haben

Die Wissenschaftler befragten dazu knapp 2.500 Eltern von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren. Dabei beantworteten sie Fragen zum ......

Studie: Omega-3-Fettsäuren haben bei Depressionen und Angststörungen keine nachweisbare Wirkung-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel

Studie: Omega-3-Fettsäuren haben bei Depressionen und Angststörungen keine nachweisbare Wirkung

Omega-3-Fettsäuren und ihre Wirkung: Eine Studie der University of East Anglia kommen zu dem Schluss, dass Omega-3-Fettsäuren bei ......

Yoga gegen Depressionen

Studie: Wie man Depressionen und Ängste mit Yoga lindern kann

Depressionen: Angesichts der hohen Erkrankungsrate von Depressionen wurden umfangreiche Forschungsarbeiten über wirksame Behandlungsmethoden durchgeführt ......

Studie: Verbindung zwischen Schmerzempfindlichkeit und zirkadianen Rhythmus gefunden

Studie: Verbindung zwischen Schmerzempfindlichkeit und zirkadianen Rhythmus gefunden

Wann sind Menschen besonders schmerzempfindlich? Zirkadiane Rhythmen oder die innere Uhr verleihen dem menschlichen Organismus eine ......

Wann sind Menschen besonders schmerzempfindlich? Zirkadiane Rhythmen oder die innere Uhr verleihen dem menschlichen Verhalten und dem Organismus eine zeitliche Struktur, um die homöostatischen Prozesse an die vorhersehbaren Veränderungen in der Umwelt anzupassen. Die Störung dieser Rhythmen kann sich auf das Wohlbefinden und die Gesundheit auswirken.…
Laut einer wissenschaftlichen Studie der Joan C. Edwards School of Medicine der Marshall University können niedrige Cortisolwerte zu Beginn einer Suchtbehandlung ein Indikator für den Therapieerfolg sein. Cortisolspiegel, ACE-Score und Beziehungsstatus In der prospektiven Beobachtungsstudie wurden die Cortisolwerte im Speichel, die Stressbelastung, negative Kindheitserfahrungen und der…