Alzheimer-Forschung: Was dem altersbedingten kognitiven Rückgang und Demenz entgegenwirkt

Alzheimer-Forschung: Was dem altersbedingten kognitiven Rückgang und Demenz entgegenwirkt

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Ein Beitrag der Medizin Doc Redaktion vom 16. November 2020

Alzheimer-Demenz-Forschung: Das Beherrschen von mehr als einer Sprache bereichert uns und ermöglicht den Zugang zu anderen Kulturen. Ein aktiver Gebrauch von zwei oder mehr Sprachen bietet zudem neurologische Vorteile und schützt vor dem altersbedingten kognitiven Abbau, wie ein Team von Wissenschaftlern unter der Leitung von Forschern der Offenen Universität von Katalonien (UOC) und der Universität Pompeu Fabra (UPF) herausfand.


Die Forscher kommen in ihrer Studie zu dem Schluss, dass das regelmäßige Sprechen von zwei Sprachen – und zwar das ganze Leben lang – zur kognitiven Reserve beiträgt. Dadurch wird das Auftreten von Symptomen verzögert, die mit kognitivem Abbau und Demenz einhergehen.

Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass die Häufigkeit von Demenz in Ländern, in denen mehr als eine Sprache gesprochen wird, um 50 Prozent niedriger ist als in Regionen, in denen die Bevölkerung nur eine Sprache zur Kommunikation verwendet.

Bereits in früheren Arbeiten war festgestellt worden, dass der lebenslange Gebrauch von zwei oder mehr Sprachen ein Schlüsselfaktor für die Erhöhung der kognitiven Reserven und die Verzögerung des Ausbruchs von Demenz sein kann. Außerdem brachte er Vorteile für das Gedächtnis und die ausführenden Funktionen mit sich.

Den Wissenschaftlern ging es darum, den Mechanismus herauszufinden, durch den Zweisprachigkeit zur kognitiven Reserve im Hinblick auf leichte kognitive Beeinträchtigungen und Alzheimer beiträgt. Außerdem wollten sie herausfinden, ob es Unterschiede im Hinblick auf den Nutzen der Zweisprachigkeit zwischen den verschiedenen Graden der Zweisprachigkeit gibt.

Im Gegensatz zu anderen Studien haben die Forscher also eine Skala der Zweisprachigkeit definiert: von Menschen, die eine Sprache sprechen, aber passiv einer anderen ausgesetzt sind, bis hin zu Personen, die beide Sprachen hervorragend beherrschen und sie im Alltag austauschbar anwenden. Für die Erstellung dieser Skala berücksichtigten sie mehrere Variablen, wie zum Beispiel das Alter des Erwerbs der zweiten Sprache, den Gebrauch jeder dieser beiden Sprachen oder ob sie alternativ im gleichen Kontext verwendet werden, um nur einige der Parameter zu nennen.

Die Untersuchungen konzentrierten sich auf die Bevölkerung von Barcelona, wo es eine starke Variation im Gebrauch der katalanischen und spanischen Sprache gibt. In einigen Bezirken wird überwiegend Katalanisch und in anderen hauptsächlich Spanisch gesprochen.

Alzheimer-Demenz und Zweisprachigkeit

In vier Krankenhäusern in Barcelona und im Großraum rekrutierten die Forscher insgesamt 63 gesunde Menschen, 135 Patienten mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnisverlust und 68 Menschen mit Alzheimer, der häufigsten Form der Demenz. Anhand eines Fragebogens erfassten sie ihre Katalanisch- und Spanischkenntnisse und ermittelten den Grad der Zweisprachigkeit der einzelnen Probanden.

Um die Ursache des kognitiven Vorteils besser zu verstehen, baten sie die Studienteilnehmer, verschiedene kognitive Aufgaben durchzuführen, wobei sie sich vorrangig auf das exekutive Kontrollsystem (Exekutive Funktionen) konzentrierten, da vorangegangene Studien nahelegten, dass dies der Ursprung des Vorteils war. Die Teilnehmer führten in zwei Sitzungen insgesamt fünf Aufgaben durch, darunter Gedächtnis– und kognitive Kontrolltests.

Die Forscher konnten beobachten, dass bei Menschen mit einem höheren Grad an Zweisprachigkeit die Diagnose einer leichten kognitiven Beeinträchtigung später gestellt wurde als bei Menschen, die passiv zweisprachig waren, für die wahrscheinlich das Sprechen von zwei Sprachen und der häufige Wechsel von der einen zur anderen Sprache ein lebenslanges Gehirntraining darstellt.

Den Autoren der Studie zufolge hängt diese Sprachgymnastik mit anderen kognitiven Funktionen wie der exekutiven Kontrolle zusammen, die ausgelöst wird, wenn wir gleichzeitig mehrere Handlungen ausführen, beispielsweise beim Autofahren, um relevante Informationen filtern zu können.

Das exekutive Kontrollsystem des Gehirns (Exekutive Funktionen) ist mit dem Kontrollsystem der beiden Sprachen verwandt: Es muss sie abwechseln und das Gehirn dazu bringen, sich auf die eine und dann auf die andere Sprache zu konzentrieren, damit beim Sprechen nicht eine Sprache in die andere eingreift.

Dieses System, so die Studienautoren, könnte im Zusammenwirken mit neurodegenerativen Krankheiten die Symptome ausgleichen: Wenn also etwas als Folge einer Erkrankung nicht richtig funktioniert, verfügt das Gehirn dank der Zweisprachigkeit über effiziente alternative Systeme, um das Problem zu lösen.

Die Forscher konnten beobachten, dass der neuroprotektive Vorteil umso größer ist, je mehr eine Person zwei Sprachen benutzt und je besserer die Sprachkenntnisse sind. Eine aktive Zweisprachigkeit ist demnach ein wichtiger Gradmesser für das verzögerte Einsetzen der Symptome einer leichten kognitiven Beeinträchtigung, einer präklinischen Phase von Alzheimer, denn sie trägt zur kognitiven Reserve bei.

Als nächstes planen die Wissenschaftler prüfen, ob die Zweisprachigkeit auch für andere Krankheiten wie Parkinson oder Huntington von Vorteil ist.

Die Ergebnisse der vorliegenden Forschungsarbeit wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Neuropsychologia veröffentlicht.

Zusammenfassung: Aktives Sprechen zweier Sprachen schützt vor kognitivem Abbau. Wissenschaftler der Open University of Catalonia und der Pompeu Fabra University kommen zu dem Schluss, dass das regelmäßige Sprechen von zwei Sprachen zur kognitiven Reserve beiträgt und den Ausbruch der Symptome verzögert, die mit kognitivem Rückgang und Alzheimer-Demenz einhergehen.

(Quellen: Open University of Catalonia (UOC) / Pompeu Fabra University (UPF) / Journal Neuropsychologia)

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