Forschung: Schilddrüsenprobleme erhöhen Demenzrisiko

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 8. Juli 2022, Lesezeit: 1 Minuten

Was sind die Risikofaktoren für eine Demenz? Laut einer Studie von Forschenden der Brown University besteht für ältere Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion ein erhöhtes Risiko, an Demenz zu erkranken. 

Bei Menschen, deren Schilddrüsenerkrankung eine medikamentöse Behandlung mit Schilddrüsenhormonen erforderlich machte, war das Demenzrisiko sogar noch höher. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden in der in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht.

Schilddrüsenprobleme und Demenzrisiko

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) liegt vor, wenn die Schilddrüse nicht genügend Schilddrüsenhormone produziert. Dadurch kann sich der Stoffwechsel verlangsamen. Zu den typischen Symptomen gehören Müdigkeit, Gewichtszunahme und Empfindlichkeit gegenüber Kälte.

Nach Angaben des Studienautors Dr. Chien-Hsiang Weng von der Brown University in Providence wurden Schilddrüsenstörungen in einigen Fällen mit Demenzsymptomen in Verbindung gebracht, die mit einer Behandlung wieder rückgängig gemacht werden können. 

Auch wenn weitere Studien erforderlich sind, um diese Ergebnisse zu bestätigen, sollten man sich der Schilddrüsenprobleme als möglichem Risikofaktor für Demenz und der Therapien bewusst sein, die einen unumkehrbaren kognitiven Verfall verhindern oder verlangsamen könnten.

Für ihre Studie untersuchten die Forschenden die Gesundheitsakten von 7.843 Menschen, bei denen in Taiwan neu Demenz diagnostiziert wurde, und verglichen sie mit der gleichen Anzahl von Menschen, die nicht an Demenz erkrankt waren. 

Das durchschnittliche Alter dieser Teilnehmer lag bei 75 Jahren. Die Wissenschaftler untersuchten, bei welchen Personen eine Hypothyreose oder Hyperthyreose vorlag. 

Eine Schilddrüsenüberfunktion, auch Hyperthyreose genannt, liegt vor, wenn die Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Dadurch kann sich der Stoffwechsel erhöhen. 

Zu den typischen Symptomen gehören ungewollter Gewichtsverlust, schneller oder unregelmäßiger Herzschlag sowie Nervosität oder Angstzustände.

Schilddrüsenunterfunktion und Demenzrisiko

Bei insgesamt 102 Personen lag eine Hypothyreose und bei 133 eine Hyperthyreose vor. Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen Hyperthyreose und Demenz.

Bei den Menschen mit Demenz hatten 68 Personen bzw. 0,9 Prozent eine Hypothyreose, bei den Menschen ohne Demenz waren es 34 bzw. 0,4 Prozent. 

Nach Berücksichtigung anderer Faktoren, die sich auf das Demenzrisiko auswirken könnten, wie Geschlecht, Alter, Bluthochdruck und Diabetes, stellten die Forschenden fest, dass bei Menschen über 65 Jahren mit einer Schilddrüsenunterfunktion die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, um 80 Prozent höher war als bei Menschen gleichen Alters, die keine Schilddrüsenprobleme hatten. 

Bei Menschen, die jünger als 65 Jahre sind, war eine Hypothyreose in der Vorgeschichte nicht mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden.

Bei Menschen, die Medikamente gegen eine Schilddrüsenunterfunktion einnahmen, war die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, dreimal so hoch wie bei Menschen, die keine Medikamente einnahmen. 

Nach Ansicht von Dr. Weng könnte dies darauf zurückzuführen sein, dass bei diesen Menschen die Symptome der Schilddrüsenunterfunktion stärker ausgeprägt sind und eine Behandlung erforderlich ist.

Der Wissenschaftler betonte, dass die Beobachtungsstudie nicht beweist, dass eine Schilddrüsenunterfunktion eine Ursache für Demenz ist; sie zeigt lediglich einen Zusammenhang auf.

Eine Einschränkung der Studie bestand darin, dass die Forscher nicht feststellen konnten, wie schwer die Hypothyreose bei den Teilnehmern war.

Hyperthyreose vs. Hypothyreose – was ist der Unterschied?

Bei der Schilddrüse handelt es sich um ein schmetterlingsförmiges Organ, das sich im Hals befindet und Hormone ausschüttet, die die Funktionen von Herz, Gehirn, Muskeln und anderen Organen regulieren. 

Wenn im Körper etwas nicht stimmt, kann die Schilddrüse über- oder unterkompensieren, was Auswirkungen auf den Stoffwechsel hat.

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann dazu führen, dass der Stoffwechsel übermäßig viel arbeitet, was als Hyperthyreose bezeichnet wird, erklärt die Endokrinologin Dr. Pauline Camacho, ehemalige präsidentin der American Association of Clinical Endocrinologists. Das Gegenteil ist die Hypothyreose, bei der sich der Stoffwechsel verlangsamt.

Zu den typischen Symptomen einer Schilddrüsenüberfunktion gehören unter anderem gesteigerter Appetit, plötzlicher Gewichtsverlust, Angstzustände, Schlafstörungen, dünner werdendes Haar, dünne Haut, Wärmeempfindlichkeit und hervorquellende Augen.

Zu den Symptomen der Hypothyreose gehören Gewichtszunahme, Lethargie, trockene Haut, Muskelschwäche und Depressionen.

Wenn diese Symptome bei Patienten auftreten, empfiehlt Dr. Camacho ein Gespräch mit dem Hausarzt, der entscheidet, ob ein Bluttest der Schilddrüsenhormone erforderlich ist.

Es gibt unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten für Hyperthyreose und Hypothyreose. Eine Schilddrüsenüberfunktion kann mit Medikamenten behandelt werden, die die Produktion von Schilddrüsenhormonen drosseln. Andere Behandlungen umfassen eine radioaktive Therapie und eine Operation.

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird in der Regel mit Medikamenten behandelt, wobei die richtige Dosierung gemeinsam mit dem Arzt festgelegt wird.

Häufig gibt es eine familiäre Vorbelastung für Schilddrüsenerkrankungen, so Dr. Camacho. Bei Autoimmunkrankheiten gibt es eine genetische Veranlagung, die uns vor der Möglichkeit einer Erkrankung warnen kann.

Schilddrüsenerkrankungen betreffen sowohl Männer als auch Frauen, aber bei Frauen sind die Raten von Hyperthyreose und Hypothyreose um fast 40 Prozent höher.

Quellen

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