Zöliakie: Was eine Kombination von Tryptophan mit Probiotika bewirken kann

Ernährung und Gesundheit

Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 19. Januar 2023, Lesezeit: 4 Minuten

Ursachen und Symptome von Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) behandeln:

Wissenschaftler der McMaster University in Hamilton, Kanada, haben herausgefunden, dass Tryptophan, eine Aminosäure, die zum Beispiel in Sojabohnen, Parmesankäse, Fisch und Fleisch vorkommt, zusammen mit bestimmten Probiotika bei der Heilung von Zöliakie helfen und die Verträglichkeit einer glutenfreien Diät verbessern kann.

Veränderung des Tryptophanstoffwechsels

Die vorliegenden Forschungsergebnisse der McMaster University unterstreichen den potenziellen therapeutischen Wert einer gezielten Beeinflussung des Tryptophanstoffwechsels im Darm bei Menschen mit der Autoimmunerkrankung Zöliakie (Glutenunverträglichkeit), um die Symptome trotz glutenfreier Ernährung besser zu kontrollieren und des Heilungsprozess des Darms zu beschleunigen.

Bislang ist den Forschern zufolge die einzige Behandlungsmethode bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) die konsequente Einhaltung einer glutenfreien Ernährungsweise, die allerdings nur schwer einzuhalten ist und nicht immer zu einer vollständigen Genesung des Darms oder zur Beseitigung der Symptome führt.

Wirkung von Tryptophan und Probiotika bei Zöliakie

Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure, die vom Körper nicht produziert werden kann und über Nahrungsmittel wie Geflügel, Lachs, Thunfisch, Cashewnüsse, Bananen, Kakao und Gemüsesorten wie Brokkoli, Kohl und Blumenkohl aufgenommen wird.

Tryptophan ist für viele Funktionen im menschlichen Körper unerlässlich und kann von Bakterien im Darm abgebaut werden, die bioaktive Moleküle (Metaboliten) produzieren, die mit Rezeptoren in der Darm-Schleimhaut interagieren, welche die Entzündung kontrollieren.

Einer dieser Rezeptoren ist der Arylkohlen-Wasserstoff-Rezeptor (AhR). Eine suboptimale Aktivierung dieses Rezeptors wurde bei chronischen Darmentzündungen, einschließlich entzündlicher Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, in Betracht gezogen.

Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) ist eine chronische Entzündung der oberen Darmschleimhaut beziehungsweise des oberen Dünndarms, wenn eine Person mit bestimmten prädisponierenden Genen mit der Nahrung Gluten zu sich nimmt. Allerdings wird nicht jeder mit Zöliakie-Genen, der Gluten zu sich nimmt, Symptome zeigen und daran erkranken.

  • Ziel der Studie war es, herauszufinden, ob der Abbau von Tryptophan durch Darmbakterien bei Menschen mit Zöliakie verändert ist und ob dieser Weg als mögliche Therapie in Frage kommen könnte.

Der Vorteil einer tryptophanreichen Ernährung

Die Forschenden untersuchten drei Gruppen: Patienten mit aktiver Zöliakie, Patienten zwei Jahre nach einer glutenfreien Ernährung und gesunde Menschen.

Bei Zöliakie-Patienten gab es Hinweise auf einen geringeren bakteriellen Tryptophanstoffwechsel und ihre Darmmikrobiota stimulierten den AhR-Signalweg, der die Entzündung kontrolliert und die Darmbarriere schützt, nicht im ausreichenden Maße.

Diese Veränderungen hatten sich bei der Patienten-Gruppe, die eine zweijährige glutenfreie Ernährung hinter sich hatte, teilweise verbessert. Anhand von Mäusen, die die Gene für Zöliakie exprimieren, konnten die Autoren der Studie zeigen, dass zwei Stämme von Laktobazillen-Bakterien, von denen bekannt ist, dass sie Tryptophan abbauen, die AhR aktivierten und die durch Gluten ausgelöste Entzündungen im Darm reduzierten.

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie verdeutlichen den potenziellen therapeutischen Wert einer gezielten Beeinflussung des Tryptophan-Stoffwechsels im Darm bei Zöliakie-Patienten zur besseren Kontrolle der Symptome.

  • Die Zöliakie ist eine chronische Erkrankung, die sich nicht auf den Darm beschränkt, sondern verschiedenste Organsysteme betreffen kann. Sie wird daher auch als Systemerkrankung bezeichnet. Es handelt sich um eine lebenslange Autoimmunreaktion auf das Klebereiweiß Gluten beziehungsweise dessen Bestandteil Gliadin.
  • Auch wenn 40 Prozent der Weltbevölkerung Zöliakie-Gene in sich tragen, erkrankt nur 1 Prozent an der Krankheit, was darauf hindeutet, dass Umweltfaktoren, einschließlich der Darmmikrobiota, eine Rolle spielen.
  • Die Ergebnisse der Forschungsarbeit wurden in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Science Translational Medicine veröffentlicht.

Quellen

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