Brustkrebsrisiko senken – Maßnahmen gegen Wiederauftreten von Brustkrebs

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Medizin Doc Redaktion, aktualisiert am 1. November 2022, Lesezeit: 9 Minuten

Die Brustkrebsspezialistin und Genetikexpertin Dr. Michelle Shayne vom University of Rochester Medical Center sprach bei der Breast Cancer Coalition of Rochester über die Verringerung des Risikos eines Wiederauftretens von Brustkrebs.

  • Dabei behandelte die Brustkrebsspezialistin eine Reihe von Maßnahmen und Themen – von körperlicher Bewegung und Ernährung bis hin zu Parabenen und Haarfärbemitteln.

Brustkrebsrisiko: Das Alter, der Lebensstil und das Umfeld

Aus wissenschaftlichen Studien geht hervor, dass 90 Prozent der Brustkrebsfälle umweltbedingt sind, aber die Hauptursache ist unbekannt.

  • Zur „Umwelt“ gehören der Lebensstil (zum Beispiel Ernährung, körperliche Betätigung oder Bewegungsmangel und Rauchen), Giftstoffe in Innenräumen und im Freien sowie Verbrauchsgüter und Verpackungen.

Die Wissenschaftlerin empfiehlt, die Etiketten von Produkten zu lesen, die man regelmäßig verwendet und sich von Chemikalien oder Konservierungsstoffen (beispielsweise Parabenen, Phthalaten und Petrolatum) fernzuhalten, die das Hormonsystem stören.

  • Brustkrebs wird oft durch das Hormon Östrogen begünstigt.

Risikofaktor Alter

Das Rezidivrisiko für Brustkrebs hängt eher von der Tumorbiologie als vom Alter ab.

Nach Aussage von Shayne haben allgemein betrachtet jüngere Patientinnen tendenziell aggressivere Tumorarten.

Bei älteren Patientinnen sind die Tumore eher langsam wachsend. Es gibt allerdings viele Ausnahmen, fügt die Brustkrebsspezialistin hinzu, und die Behandlung muss auf die persönlichen Risikofaktoren, das genetische Profil und die Tumoreigenschaften abgestimmt werden.

Alkoholkonsum und Brustkrebsrisiko

Ein Großteil der wissenschaftlichen Studien der letzten zwei Jahrzehnte hat immer wieder einen Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Brustkrebsrisiko aufgezeigt.

  • Drei bis vier alkoholische Getränke pro Woche werden mit einem höheren Brustkrebsrisiko in Verbindung gebracht und je mehr darüber hinaus getrunken wird, desto größer ist das Risiko.

Forschungsergebnisse haben gezeigt: Alkohol verändert die menschliche DNA und erhöht den zirkulierenden Östrogenspiegel, unabhängig vom Menopausenstatus, was östrogenempfindliche Krebsarten fördern kann.

Frauen, die Alkohol konsumieren, wird daher empfohlen, weniger als drei Drinks pro Woche zu sich zu nehmen. Die Art des Alkohols hat keinen Einfluss auf das Risiko.

Giftstoffe und Krebsrisiko

Aufgrund vieler Variablen ist die Untersuchung dieses Bereichs sehr komplex: Zeitpunkt der Exposition (zum Beispiel in der Gebärmutter, während der Brustentwicklung oder in der Stillzeit), Art der Chemikalien und Gesundheitszustand der betroffenen (exponierten) Personen (das Krebsrisiko kann zum Beispiel bei Rauchern höher sein).

  • In einer Studie, die in Long Island durchgeführt wurde, wurde ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und dem Einsatz von Pestiziden in Wohngebieten festgestellt, so Dr. Michelle Shayne.

Auf der Grundlage der Ergebnisse dieser Studie empfiehlt die Brustkrebsspezialistin, den Einsatz von chemischen Substanzen für den Rasen einzuschränken und Dünger mit wenig oder gar keinem Phosphor zu verwenden.

Sport und körperliche Betätigung

Die American Society of Clinical Oncology empfiehlt, nach der Diagnose einer Krebserkrankung wöchentlich 150 Minuten Sport zu treiben, also etwa eine halbe Stunde pro Tag an fünf Tagen in der Woche.

  • Wie Shayne betonte, sollten 150 Minuten das absolute Minimum für Frauen sein, die Brustkrebs überwunden haben. Man muss aber nicht für einen Marathon trainieren, sondern kann auch zügig spazieren gehen oder Yoga oder Tai Chi machen.

Es ist nie zu spät, damit anzufangen.

Warum reduziert Sport das Krebsrisiko?

Sport kann die Expression von Genen verändern, was Wissenschaftler als positive epigenetische Veränderungen bei Krebspatienten bezeichnen.

Sport trägt auch dazu bei, den Insulinspiegel und das Körpergewicht zu kontrollieren, und kann dazu beitragen, dass weniger Fettgewebe entsteht.

Die Wissenschaft hat außerdem gezeigt, dass körperliche Aktivität nach der Diagnose das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, verringern kann.

Brustkrebsrisiko und Ernährung

Ungesunde Ernährungsgewohnheiten können für mindestens 30 Prozent aller Krebserkrankungen in den westlichen Ländern verantwortlich sein.

  • Es gibt verschiedene gesunde Ernährungsweisen, wie beispielsweise die mediterrane Ernährung und die pflanzliche Ernährung, die man ausprobieren kann, um herauszufinden, was das Richtige für einen ist.

Diese Maßnahmen sind gesund und nachhaltig. Ernährung und Krebsrisiko ist ein fortlaufender und komplizierter Forschungsbereich, der sich oft darauf verlässt, dass die Befragten ihre eigene Ernährungsweise beschreiben.

Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass eine pflanzliche oder mediterrane Ernährung (wenig oder kein rotes Fleisch und viel natives Olivenöl extra) mit einem um 62 Prozent geringeren Brustkrebsrisiko verbunden ist als bei Menschen, die sich nicht so gesund ernähren.

Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, sollten bedenken, was realistisch ist, sagt sie. Sie sollten versuchen, öfter frisches Gemüse zu essen, verarbeitete Lebensmittel möglichst meiden und sich auf Lebensmittel in ihrer natürlichen, unverarbeiteten, Form zu konzentrieren.

Soja und Brustkrebs

Die Forschungsergebnisse zu der Frage, ob Soja Brustkrebs begünstigt oder davor schützt, sind widersprüchlich und nicht schlüssig.

  • In den meisten Forschungsdaten wird natürliches Soja nicht mit einem erhöhten Risiko für das Wiederauftreten von Brustkrebs in Verbindung gebracht.

Jedoch empfiehlt die Brustkrebsspezialistin Dr. Michelle Shayne Soja in Maßen zu konsumieren und auf Sojazusätze und verarbeitetes Soja zu verzichten.

Zucker und Krebsrisiko

Der übermäßige Konsum von verarbeitetem Zucker kann zu einer Insulinresistenz führen.

  • Da Insulin ein Wachstumsfaktor ist, kann ein höherer Insulinspiegel zum Zellwachstum und möglicherweise zum Wachstum von Krebszellen beitragen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen einen Zusammenhang zwischen einer Ernährung mit einem hohen glykämischen Index und dem Brustkrebsrisiko, unabhängig von der Menopause, dem Alkoholkonsum und der körperlichen Aktivität.

Doch das Prinzip, dass „Zucker Krebs nährt“, ist nicht sinnvoll, sagt Shayne. Tumore können auch ohne Glukose existieren, und selbst wenn man Zucker aus der Ernährung streicht, stellt der Körper Zucker aus anderen Quellen wie Proteinen und Fetten her.

  • Wenn man Zucker essen möchte, empfiehlt sie, ihn mit komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und Eiweiß zu kombinieren, um die Insulinproduktion zu begrenzen.

Shayne empfiehlt: Verzicht auf zuckerhaltige/kohlensäurehaltige Getränke und Fruchtgetränke. Natürlich vorkommenden Zucker (Fruchtzucker) in Obst und Gemüse sollte bevorzugt werden.

Vitamin D

In Bezug auf Vitaminpräparate sagt Shayne: Mäßigung, Mäßigung, Mäßigung. Im bewölkten Regionen neigen Menschen dazu, den Vitamin-D-Spiegel bei Brustkrebspatientinnen zu erhöhen, aber die Expertin weist darauf hin, dass es sich in den Fettzellen anreichert und in größeren Mengen giftig sein kann.

Chemikalien in Kosmetikprodukten, Parfüm, Plastik und Kunststoffen

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat folgende Chemikalien aus Lebensmitteln verbannt, aber sie werden immer noch in Parfüms verwendet: Styrol, Benzophenon, Ethylacrylat, Methyleugenol, Myrcen, Pilegon und Pyridin.

Die Hersteller dürfen die Inhaltsstoffe von Parfüms verschweigen, um Betriebsgeheimnisse zu schützen. Bei Duftstoffen gibt es viele Unbekannt, so die Forscherin.

Haarfarben

  • Es gibt unterschiedliche Studienergebnisse. Eine große Studie der National Institutes of Health, die 2019 veröffentlicht wurde, hat gezeigt, dass Frauen, die permanente Haarfarben und Haarglätter verwenden, ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben können.

Zu beachtende Fakten: Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Bleiacetat (das mit Neurotoxizität in Verbindung gebracht wird) im Jahr 2018 aus Haarfärbemitteln verbannt.

  • Laut dem National Cancer Institute werden in Haarfärbemitteln mehr als 5.000 verschiedene Chemikalien verwendet, von denen einige bei Tieren mit Krebs in Verbindung gebracht wurden.

Dunklere Haarfarben enthalten eine Chemikalie namens PPD (Para-Phenylendiamin), die aus Steinkohlenteer hergestellt wird, einem Erdölderivat, das weitere schädliche Chemikalien enthält.

Chemikalien in Kunststoffen

Kunststoffe sollten vor Hitze geschützt werden (auch vor Sonnenlicht und in heißen Autos), um zu verhindern, dass die Chemikalien in Lebensmittel und Getränke übergehen.

Parabene, Phthlate, Petrolatum

Die schädlichen Inhaltsstoffe Parabene, Phthlate und Petrolatum werden in Tausenden von Körperpflegeprodukten, Lebensmitteln, Arzneimitteln, Verpackungen und Kunststoffen verwendet.

Jedes dieser schädlichen Substanzen wird mit Genen oder hormonellen Aktivitäten im Körper in Verbindung gebracht, die mit Brustkrebs in Verbindung gebracht werden, obwohl noch weitere Untersuchungen erforderlich sind.

  • Besonders besorgt sind Wissenschaftler über Parabene, die Brustkrebszellen stimulieren können. Jedes Paraben, egal in welcher Form, sollte Anlass zur Sorge geben.
  • Auf den Etiketten von Produkten werden Parabene als Methylparaben, Ethylparaben, Propylparaben, Butylparaben, Isopropylparaben und Isobutylparaben aufgeführt).

Antitranspirantien

Es gibt laut Shayne ein paar aufschlussreiche Beobachtungen, die einen Zusammenhang mit Brustkrebs vermuten lassen.

  • Zum Beispiel ist die Häufigkeit von Brustkrebs im oberen, äußeren Quadranten der Brust unverhältnismäßig hoch.

Aluminiumchlorhydrat ist der Wirkstoff in Antitranspirantien, und Aluminium ist dafür bekannt, dass es die DNS verändert und damit die Gene schädigt.

Die Brustkrebsspezialistin rät ihren Patientinnen nicht, auf Antitranspirantien zu verzichten, sagt aber, dass die vorliegenden Forschungsergebnisse „zum Nachdenken anregen“.

Sonnenschutzmittel

Die amerikanische Gesundheitsbehörde (FDA) Sonnenschutzmittel untersucht, weil sie Bedenken wegen der chemischen Inhaltsstoffe hat, die sich bei kontinuierlicher Anwendung im Körper anreichern, wenn Sonnenschutzmittel wie vorgeschrieben aufgetragen werden.

Gegenwärtig gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Sonnenschutzmittel schädlich sind; jeder muss selbst die Risiken von Sonnenbrand und Hautkrebs gegen die Risiken abwägen, die die Chemikalien für ein Wiederauftreten von Brustkrebs darstellen könnten.

Sonnenschutzmittel auf der Basis von Zinkoxid und/oder Titandioxid werden nicht in den Körper aufgenommen, sondern reflektieren die schädlichen Sonnenstrahlen, indem sie auf der Haut sitzen.

Gewicht und Überlebensrate

Auch Übergewicht wird mit einer schlechteren Überlebensrate nach einer Brustkrebsdiagnose in Verbindung gebracht.

  • Bislang gibt es keine klinischen Studien, die das Gegenteil beweisen: dass eine Gewichtsabnahme nach einer Brustkrebsdiagnose die Überlebenschancen verbessern kann.

Nach der Behandlung von Brustkrebs kommt es häufig zu einer Gewichtszunahme. Die Ursachen dafür sind komplex und zusätzliches Körpergewicht kann einige der Nebenwirkungen der Behandlung verschlimmern.

Eine Studie der University of Queensland, School of Public Health, die mit Frauen nach einer Brustkrebsbehandlung durchgeführt wurde, hat ergeben, dass Frauen, die dabei unterstützt wurden, etwas Gewicht zu verlieren (5 Prozent ihres Körpergewichts), ihre körperliche Lebensqualität verbessert und ihre Schmerzen reduziert haben.

  • Außerdem verringerten sie ihr Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes.

Quellen

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Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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