Reizdarmsyndrom: Mehrere neue Therapien in Sicht

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Medizin Doc Redaktion, Beitrag vom 26. November 2020

Forscher an der Universität Göteborg konnten einen Zusammenhang zwischen Brachyspira, einer krankheitsverursachenden Bakteriengattung und dem Reizdarmsyndrom nachweisen – insbesondere bei Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe.

Auch wenn dieser Befund noch in größeren Studien bestätigt werden muss, besteht die Hoffnung, dass er für viele Menschen mit Reizdarmsyndrom zu neuen Heilmitteln führen könnte.

Die pathogene (krankheitsverursachende) Bakteriengattung Brachyspira ist in der menschlichen Darmflora für gewöhnlich nicht vorhanden. Die neue Studie bringt das Bakterium mit dem Reizdarmsyndrom in Verbindung, insbesondere der Form mit Durchfall (Diarrhoe). Es konnte gezeigt werden, dass sich das Bakterium unter der Schleimschicht verbirgt.

An Darmzellen angeheftet

Für den Nachweis von Brachyspira waren die Auswertungen von Stuhlproben – die routinemäßig zur Untersuchung der Darmflora verwendet werden – unzureichend. Deshalb analysierten die Wissenschaftler stattdessen bakterielle Proteine in Schleim aus Biopsien, die aus dem Darm entnommen wurden.

Anders als die meisten anderen Darmbakterien steht Brachyspira in direktem Kontakt mit den Zellen und bedeckt deren Oberfläche. Die Forscher waren außerordentlich überrascht, als sie bei immer mehr Patienten mit Reizdarmsyndrom Brachyspira fanden, aber nicht bei gesunden Menschen.

Ursache für Reizdarmsyndrom

Insgesamt weisen zwischen 5 und 10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung Symptome auf, die mit dem Reizdarmsyndrom einhergehen. Die Erkrankung verursacht Bauchschmerzen und Durchfall (Diarrhoe), Verstopfung oder abwechselnd Durchfall und Verstopfung. Menschen mit einer leichten Form des Reizdarmsyndroms können meist ein weitgehend normales Leben führen. Wenn sich die Symptome jedoch stärker bemerkbar machen, kann das zu einer erheblichen Verschlechterung der Lebensqualität führen.

Es gibt noch eine Reihe offener Fragen, aber Karolina Sjöberg Jabbar, die an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg promoviert hat, ist zuversichtlich, dass mit der Studie zumindest bei einigen Patienten eine behandelbare Ursache für das Reizdarmsyndrom gefunden wurde.

Brachyspira: Bakterium in knapp einem Drittel der Fälle gefunden

Die Studie basierte auf Dickdarmgewebeproben (Biopsien) von 62 Patienten mit Reizdarmsyndrom und 31 gesunden Testpersonen (Kontrollgruppe). Bei 19 der 62 Patienten mit Reizdarmsyndrom (31 Prozent) konnte nachgewiesen werden, dass sie Brachyspira im Darm hatten. Dagegen wurde das Bakterium in keiner der Proben der gesunden Studienteilnehmer gefunden. Besonders häufig war Brachyspira bei Patienten, die an Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe (Durchfall) leiden, zu finden.

Die Ergebnisse der vorliegenden Forschungsarbeit legen den Schluss nahe, dass das Bakterium bei etwa einem Drittel der Personen mit Reizdarmsyndrom vorkommen kann. Nun wollen die Forscher sehen, ob dieser Befund in einer größeren Studie bestätigt werden kann. Außerdem soll untersucht werden, ob und wie Brachyspira Symptome beim Reizdarmsyndrom verursacht.

Behandlung und Heilung von Reizdarmsyndrom

Die Ergebnisse dieser Forschung könnten nach Auffassung von Magnus Simrén, Professor für Gastroenterologie an der Sahlgrenska-Akademie der Universität Göteborg, völlig neue Möglichkeiten für die Behandlung und vielleicht sogar Heilung einiger Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) eröffnen. Dies gilt insbesondere für Patienten mit Durchfall.

Reizdarmsyndrom: Mehrere mögliche Therapien

Im Rahmen einer Pilotstudie, bei der Patienten mit Reizdarmsyndrom (RDS) und Brachyspira mit Antibiotika behandelt wurden, gelang es den Forschern nicht, das Bakterium abzutöten.

Brachyspira schien sich in die Zellen des Darmkolbens zu flüchten, die Schleim absondern. Es scheint ein bisher unbekannter Weg für Bakterien zu sein, Antibiotika zu überleben. Dies könnte zu einem besseren Verständnis anderer Infektionen führen, die schwer zu behandeln sind, so die Autoren der Studie.

Sollte sich der Zusammenhang zwischen Brachyspira und den Symptomen des Reizdarmsyndroms in umfangreicheren Studien bestätigen, könnten in Zukunft auch andere Antibiotika-Schemata sowie Probiotika zu möglichen Behandlungen führen.

Da die Untersuchung zeigt, dass Patienten mit dem Bakterium eine Darmentzündung haben, die einer allergischen Reaktion ähnelt, könnten Allergiemedikamente oder Ernährungsumstellungen weitere mögliche Behandlungsoptionen sein. Die Forscher der Universität Göteborg planen, dieses Problem in weiteren Studien zu untersuchen. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie wird in der Zeitschrift Gut veröffentlicht.

(Quelle: University of Gothenburg / Journal GUT)

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