Prämenstruelle Störungen können Risiko für perinatale Depression erhöhen

Frauengesundheit, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Krankheiten und Krankheitsbilder, Psychische Gesundheit

M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 14. April 2024, Lesezeit: 8 Minuten

In einer Studie, die in der Zeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht wurde, haben Forscher einen starken bidirektionalen Zusammenhang zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen aufgedeckt. Die von Qian Yang und Kollegen vom Karolinska Institutet in Schweden und der Universität Island durchgeführte Studie wirft ein Licht auf das komplexe Zusammenspiel dieser beiden Erkrankungen und deutet auf das Vorhandensein eines gemeinsamen zugrunde liegenden Mechanismus hin. Diese Entdeckung hat erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen und zeigt, wie wichtig es ist, diese Anfälligkeiten in der klinischen Praxis zu erkennen und zu behandeln.

Perinatale Depression und prämenstruelle Störungen verstehen

Unter perinataler Depression versteht man depressive Symptome, die bei Frauen während der Schwangerschaft und bis zu 12 Monate nach der Entbindung auftreten. Sie betrifft etwa 11 % der Mütter und kann tiefgreifende Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Mutter und Kind haben. Prämenstruelle Störungen hingegen sind durch schwer zu beherrschende Symptome von Niedergeschlagenheit und Depression gekennzeichnet, die bei einigen Frauen während ihres Menstruationszyklus auftreten. Man schätzt, dass zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Frauen von diesen Störungen betroffen sind.

Die bidirektionale Beziehung

Die von Yang et al. durchgeführte Studie nutzte landesweite schwedische Register von 2001 bis 2018 und identifizierte 84.949 Frauen mit perinataler Depression und 849.482 nicht betroffene Frauen. Die Forscher fanden heraus, dass Frauen, die von prämenstruellen Störungen betroffen waren, ein höheres Risiko für eine perinatale Depression hatten als Frauen, die nicht an diesen Störungen litten. Interessanterweise wirkte sich der Zusammenhang in beide Richtungen aus, da Frauen mit perinataler Depression auch nach der Schwangerschaft und der Geburt eher prämenstruelle Störungen entwickelten.

Gemeinsame biologische Mechanismen und Risikofaktoren

Diese Studie liefert überzeugende Beweise dafür, dass perinatale Depressionen und prämenstruelle Störungen möglicherweise gemeinsame biologische Mechanismen und/oder Risikofaktoren aufweisen. Die zyklischen Hormonschwankungen, die menstruierende Frauen während der Pubertät, des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft und der Menopause erleben, spielen bei beiden Erkrankungen eine entscheidende Rolle. Durch das Verständnis dieses bidirektionalen Zusammenhangs können Gesundheitsdienstleister die Unterstützung und Maßnahmen besser auf die Frauen ausrichten, die am ehesten davon betroffen sind.

Implikationen für die klinische Praxis

Die Ergebnisse dieser Studie haben wichtige Implikationen für die klinische Praxis. Die Anerkennung des bidirektionalen Zusammenhangs zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen ermöglicht es Gesundheitsdienstleistern, einen umfassenderen und ganzheitlicheren Ansatz für die psychische Gesundheit von Frauen zu wählen. Durch die gleichzeitige Behandlung beider Erkrankungen können die Fachkräfte im Gesundheitswesen eine wirksamere Unterstützung und Behandlung anbieten.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist eine perinatale Depression?

Unter perinataler Depression versteht man depressive Symptome, die bei Frauen während der Schwangerschaft und bis zu 12 Monate nach der Entbindung auftreten. Etwa 11 % der Mütter sind davon betroffen. Eine perinatale Depression ist eine Stimmungsstörung, die während der Schwangerschaft und nach der Geburt auftritt. Sie kann von milden bis hin zu schweren Symptomen reichen und in seltenen Fällen die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mutter und des Babys gefährden. Symptome einer perinatalen Depression können sein Weinen oder Traurigkeit, Schlafstörungen, Müdigkeit oder Energiemangel, Veränderungen im Appetit, Verlust der Freude an einst angenehmen Aktivitäten, Zunahme von Ängstlichkeit und Schwierigkeiten, eine Verbindung zum heranwachsenden Baby herzustellen (schlechte fetale Bindung).

Ursachen für eine perinatale Depression können sowohl biologische als auch emotionale Faktoren sein. Während der Schwangerschaft steigen die Hormonspiegel von Östrogen und Progesteron stark an, was mit der Stimmung einer Person zusammenhängt. Nach der Geburt sinken diese Hormonspiegel rapide ab, was zu einem sogenannten „Baby Blues“ führen kann. Bei einigen Menschen kann dies zu einer postpartalen Depression führen.

Die Behandlung einer perinatalen Depression kann helfen, die Symptome zu lindern oder vollständig zu beseitigen. Die Behandlungsmöglichkeiten können je nach Bedarf und Symptomen variieren. Dazu gehören Gesprächstherapie, wie kognitive Verhaltenstherapie und interpersonaltherapeutische Ansätze, Antidepressiva, wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), alternative Therapien wie Massage und Akupunktur, die in Kombination mit medizinischer Behandlung helfen können, und Lebensstiländerungen wie eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität, Meditation, ausreichend Schlaf, soziale Unterstützung und Stressmanagement. Es ist wichtig, dass betroffene Personen während und nach der Schwangerschaft mit einem Arzt über ihre Symptome sprechen, um die bestmögliche Behandlungsoption zu finden.

Was sind prämenstruelle Störungen?

Prämenstruelle Störungen sind durch schwer zu beherrschende Symptome von Niedergeschlagenheit und Depression gekennzeichnet, die bei einigen Frauen während ihres Menstruationszyklus auftreten. Man schätzt, dass zwischen einem Fünftel und einem Drittel der Frauen unter diesen Störungen leiden. Prämenstruelle Störungen, auch bekannt als prämenstruelles Syndrom (PMS), umfassen eine Reihe von körperlichen und psychischen Beschwerden, die bei Frauen in der zweiten Hälfte des Menstruationszyklus auftreten. Diese Störungen treten in der Regel etwa 5 Tage vor Beginn der Menstruation auf und klingen innerhalb von Stunden nach Beginn der Menstruation ab.

Symptome von prämenstruellen Störungen können sein: Reizbarkeit, Angst, Gemütsschwankungen, Depressionen, Ödeme, Brustschmerzen und Kopfschmerzen. Etwa 75% aller Frauen im gebärfähigen Alter erleben prämenstruelle Beschwerden, wobei etwa 25% von ihnen unter dem PMS leiden. Bei einigen Frauen können die Symptome so schwerwiegend sein, dass sie die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und sogar zu Arbeitsunfähigkeit führen können.

Die Behandlungsmöglichkeiten für prämenstruelle Störungen umfassen Antidepressiva, insbesondere selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), können zur Linderung von Angstzuständen, Reizbarkeit und anderen psychischen Symptomen eingesetzt werden, Hormontherapie, wie z.B. die Verwendung von Scheidenzäpfchen mit Progesteron oder langwirksamen Progestin-Spritzen, kann helfen. Auch orale Verhütungsmittel, die zu kürzeren Menstruationsperioden führen oder die Intervalle zwischen den Perioden verlängern, können bei einigen Frauen wirksam sein. Psychotherapeutische Ansätze wie kognitive Verhaltenstherapie können Frauen zusätzlich dabei unterstützen, mit den emotionalen und psychischen Symptomen umzugehen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Es ist wichtig zu beachten, dass prämenstruelle Störungen nach den Wechseljahren nicht mehr auftreten.

Was hat die Studie über den Zusammenhang zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen ergeben?

Die Studie ergab eine starke bidirektionale Beziehung zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen. Frauen, die an prämenstruellen Störungen litten, hatten ein höheres Risiko, an einer perinatalen Depression zu erkranken, und bei Frauen mit einer perinatalen Depression war die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie nach der Schwangerschaft und Geburt prämenstruelle Störungen entwickelten.

Gibt es gemeinsame biologische Mechanismen zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen?

Ja, die Studie deutet darauf hin, dass perinatale Depressionen und prämenstruelle Störungen möglicherweise gemeinsame biologische Mechanismen aufweisen. Die zyklischen Hormonschwankungen, die menstruierende Frauen während der Pubertät, des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft und der Menopause erleben, spielen bei beiden Erkrankungen eine entscheidende Rolle.

Welche Auswirkungen hat diese Studie auf die klinische Praxis?

Die Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, die bidirektionale Beziehung zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen in der klinischen Praxis zu erkennen und zu berücksichtigen. Durch einen umfassenden Ansatz für die psychische Gesundheit von Frauen können Gesundheitsdienstleister wirksamere Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten anbieten.

Was bekannt ist das Karolinska Institutet in Schweden ?

Das Karolinska Institutet ist eine medizinische Universität in Schweden. Es wurde 1810 gegründet und befindet sich in Stockholm. Das Institut ist weltweit bekannt für seine führende Rolle in der medizinischen Forschung und Ausbildung. Das Karolinska Institutet ist die größte medizinische Universität in der Europäischen Union. Es ist eine der führenden medizinischen Forschungseinrichtungen weltweit und hat einen ausgezeichneten Ruf in der medizinischen Gemeinschaft. Das Institut ist für 30% der medizinischen Ausbildung und mehr als 40% aller akademischen medizinischen und lebenswissenschaftlichen Forschung in Schweden verantwortlich. Das Karolinska Institutet vergibt den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Mehrere Wissenschaftler des Instituts haben den Nobelpreis für ihre bahnbrechenden Entdeckungen und Beiträge zur medizinischen Forschung erhalten.

Fazit

Die von Yang et al. durchgeführte Studie hat einen signifikanten bidirektionalen Zusammenhang zwischen perinataler Depression und prämenstruellen Störungen aufgezeigt. Diese bahnbrechende Untersuchung unterstreicht die Notwendigkeit eines umfassenden Verständnisses der psychischen Gesundheit von Frauen und die Anerkennung gemeinsamer biologischer Mechanismen und Risikofaktoren. Durch die gleichzeitige Behandlung beider Erkrankungen können Ärzte Frauen, die mit diesen Herausforderungen konfrontiert sind, bessere Unterstützung und Behandlungsmöglichkeiten bieten. Diese Studie eröffnet neue Wege für die Forschung und unterstreicht die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes für das psychische Wohlbefinden von Frauen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Yang, Q., et al. (2024) The bidirectional association between premenstrual disorders and perinatal depression: A nationwide register-based study from Sweden. PLOS Medicine. doi.org/10.1371/journal.pmed.1004363.
  2. https://en.wikipedia.org/wiki/Premenstrual_syndrome , Wikipedia 2024.
  3. Perinatal Depression – National Institute of Mental Health (NIMH), 2023.
  4. Karolinska Institute – Wikipedia, Wikipedia 2024.

ddp


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