Dirk de Pol, aktualisiert am 17. Januar 2024, Lesezeit: 5 Minuten

In den letzten Jahren ist das Interesse am Verständnis der komplexen Beziehung zwischen psychischer Gesundheit und körperlichem Wohlbefinden gestiegen. Von besonderem Interesse ist dabei der Zusammenhang zwischen Depressionssymptomen und Veränderungen des Körpergewichts. 

Wie hängen Depression und Gewichtszunahme zusammen?

Eine neue Studie von Forschern der Universität Cambridge beleuchtet diese komplexe Beziehung und zeigt, dass eine Zunahme der Depressionssymptome bei übergewichtigen oder fettleibigen Personen mit einer anschließenden Gewichtszunahme einhergeht. Die in der Fachzeitschrift PLOS ONE veröffentlichten Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die Wechselwirkungen zwischen psychischer Gesundheit und Körpergewicht und unterstreichen die Notwendigkeit umfassender Interventionen, die beide Aspekte des Wohlbefindens berücksichtigen.

Um den Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und Veränderungen des Körpergewichts zu untersuchen, nutzten die Forscher Daten aus der Fenland COVID-19-Studie, an der mehr als 2.000 Erwachsene in Cambridgeshire, Großbritannien, teilnahmen. Die Teilnehmer füllten während der COVID-19-Pandemie bis zu neun Monate lang jeden Monat digitale Fragebögen zu ihrem psychischen Wohlbefinden und ihrem Körpergewicht aus. Die Fragebögen erfassten Symptome von Depression, Angst und wahrgenommenem Stress, so dass die Forscher die Auswirkungen der psychischen Gesundheit auf das Körpergewicht im Laufe der Zeit analysieren konnten.

Welchen Einfluss hat eine Depression auf die Gewichtszunahme?

Die Ergebnisse der Studie zeigten einen signifikanten Zusammenhang zwischen einer Zunahme der depressiven Symptome und einer anschließenden Gewichtszunahme. Für jeden Anstieg der üblichen Punktzahl für depressive Symptome einer Person stieg ihr Gewicht einen Monat später um 45 g. Dies mag zwar wie eine geringe Menge erscheinen, kann sich aber im Laufe der Zeit summieren und zu größeren Gewichtsveränderungen führen, insbesondere bei Personen mit Übergewicht oder Fettleibigkeit.

Interessanterweise stellten die Forscher fest, dass dieser Effekt nur bei übergewichtigen oder fettleibigen Personen zu beobachten war, nicht aber bei Personen mit gesundem Gewicht. Personen mit Übergewicht hatten eine durchschnittliche Gewichtszunahme von 52 g für jeden Prozentpunkt, um den sich ihr Wert für depressive Symptome erhöhte, während Personen mit Fettleibigkeit eine vergleichbare Gewichtszunahme von 71 g verzeichneten. Dies deutet darauf hin, dass Personen mit Übergewicht oder Adipositas anfälliger für eine Gewichtszunahme als Reaktion auf depressive Gefühle sein könnten.

Wie kann die psychische Gesundheit bei der Gewichtskontrolle berücksichtigt werden?

Die Ergebnisse dieser Studie haben wichtige Auswirkungen sowohl auf die psychische Gesundheit als auch auf das Gewichtsmanagement. Personen mit Übergewicht oder Adipositas haben bereits ein erhöhtes Risiko für verschiedene gesundheitliche Probleme, und die mit depressiven Symptomen verbundene zusätzliche Gewichtszunahme kann diese Risiken noch weiter verschärfen. Daher könnte die Überwachung und Behandlung depressiver Symptome bei Personen mit Übergewicht oder Adipositas entscheidend sein, um eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern.

Darüber hinaus unterstreicht die Studie das Potenzial digitaler Technologien, wie z. B. mobiler Apps, für die Überwachung der psychischen Gesundheit und des Wohlbefindens über längere Zeiträume hinweg. Diese Apps ermöglichen es den Menschen, zu Hause kurze Fragen zu beantworten, die wertvolle Einblicke in ihren psychischen Zustand geben. Durch den Einsatz solcher Technologien können Forscher ein tieferes Verständnis dafür gewinnen, wie sich Veränderungen der psychischen Gesundheit auf das Verhalten auswirken, insbesondere bei Personen mit Übergewicht oder Adipositas. Dieses Wissen kann dann in die Entwicklung rechtzeitiger Interventionen zur Förderung der psychischen und physischen Gesundheit einfließen.

Fazit

Die von Forschern der Universität Cambridge durchgeführte Studie untersucht den Zusammenhang zwischen depressiven Symptomen und einer nachfolgenden Gewichtszunahme bei übergewichtigen und fettleibigen Personen. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit, die psychische Gesundheit bei Strategien zur Gewichtskontrolle zu berücksichtigen, insbesondere bei gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Durch die Überwachung und Behandlung depressiver Symptome können dazu beitragen, eine weitere Gewichtszunahme zu verhindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Die Studie unterstreicht auch das Potenzial digitaler Technologien für das Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen psychischer Gesundheit und Körpergewicht und ebnet den Weg für gezieltere Interventionen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Julia Mueller, Amy L. Ahern, Rebecca A. Jones, Stephen J. Sharp, Alan Davies, Arabella Zuckerman, Benjamin I. Perry, Golam M. Khandaker, Emanuella De Lucia Rolfe, Nick J. Wareham, Kirsten L. Rennie. The relationship of within-individual and between-individual variation in mental health with bodyweight: An exploratory longitudinal studyPLOS ONE, 2024; 19 (1): e0295117 DOI: 10.1371/journal.pone.0295117
  2. Depression (mood), Wikipedia, 2024
  3. Mood disorder, Wikipedia, 2023

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