Hautkrebs-Studie: Forscher entdecken Wirkstoff der vor Melanomen schützt

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Torsten Lorenz, aktualisiert am 11. September 2022, Lesezeit: 9 Minuten

Krebs-Forschung: Schwarzer Hautkrebs (Melanom) kann unabhängig von UV-Strahlung entstehen: Bei Menschen, deren Haut heller pigmentiert ist, ist das Melanomrisiko mindestens 30-mal höher als bei Gleichaltrigen, deren Haut dunkel pigmentiert ist.

Diese große Diskrepanz lässt sich nicht nur durch die UV-Schutzwirkung des Melaninpigments erklären, sondern vor allem durch den Melaninvorläufer Dihydroxyphenylalanin (Dopa) und seine Fähigkeit, CHRM1 zu hemmen.

Das bedeutet, dass Sonnenlicht, also die UV-Strahlung, nicht die einzige Ursache für schwarzen Hautkrebs ist.

Das geht aus einer neuen wissenschaftlichen Studie von Forschern der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania hervor.

Hemmung von Melanomen

Die Wissenschaftler entdeckten ferner, dass die Hemmung von FOXM1, einem dem CHRM1 nachgeschalteten Transkriptionsfaktor, ebenfalls das Melanom (schwarzen Hautkrebs) hemmt. 

Diese Entdeckungen weisen auf zwei neue potenzielle therapeutische Ziele für das Melanom (schwarzen Hautkrebs) hin und zeigen, dass es möglich sein könnte, dass das wichtigste Medikament gegen die Parkinson-Krankheit zur Hemmung des Melanoms eingesetzt werden kann. 

Dermatologen und Hautkrebsforscher vermuteten jahrzehntelang, dass die besondere Anfälligkeit für Melanome (schwarzen Hautkrebs) bei hell pigmentierter Haut auf einen relativ geringen Schutz vor UV-Schäden durch die Sonne zurückzuführen ist. 

Laut Dr. Todd Ridky, Professor für Dermatologie an der Penn University und Hauptautor der Studie belegt die vorliegende Forschungsarbeit, dass die Biologie viel komplexer ist.

Funktion von Melanozyten bei schwarzen Hautkrebs

Die Ergebnisse dieser Studie bieten nicht nur ein erhebliches Potenzial für neue Behandlungsformen des Melanoms (schwarzen Hautkrebs), sondern erweitern auch das klassische Verständnis der Funktion von Melanozyten und der Pathobiologie des Melanoms erheblich.

Melanome zählen zu den Hautkrebsarten, bei denen die Wahrscheinlichkeit am größten ist, dass sie sich auf andere Körperregionen ausbreiten, und die von Fall zu Fall tödlich sein können.

Bereits seit einigen Jahren stellen Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen Melanin und Hautpigmentierung und der Wahrscheinlichkeit, an schwarzen Hautkrebs (Melanom) zu erkranken, her. 

Die Forscherinnen und Forscher an der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania untersuchten zunächst die Melanozyten, die Melanin produzierenden Zellen, von hell- und dunkel pigmentierter menschlicher Haut. 

Dabei fanden sie heraus, dass sich Melanozyten aus hell pigmentierter Haut im Labor viel schneller vermehren als Melanozyten aus dunkel pigmentierter Haut.

  • Diese Unterschiede in der Vermehrung treten in dunklen Laborbrutschränken auf, in denen sie weder der Sonne noch der UV-Strahlung ausgesetzt sind. 

Die Forscher stellten die Hypothese auf, dass diese erhöhte Proliferation erklärt, warum sich die hellen Hautmelanozyten eher in ein Melanom verwandeln als die relativ langsam proliferierenden dunklen Melanozyten.

Schwarzer Hautkrebs kann unabhängig von UV-Strahlung entstehen

In einem nächsten Schritt veränderten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl die hellen als auch die dunklen Melanozyten so, dass sie die gleichen mutierten Onkoproteine exprimierten, die bei Menschen für Melanome (schwarzen Hautkrebs) verantwortlich sind.

Das zeigt, dass die dunkleren Zellen von Natur aus die Fähigkeit haben, unabhängig vom Sonnenlicht Krebs zu entwickeln.

Miriam Doepner, Doktorandin in Ridkys Labor und Hauptautorin der Studie, konnte nachweisen, dass dunkel pigmentierte Melanozyten mehr von der Chemikalie Dihydroxyphenylalanin (Dopa) enthalten als hell pigmentierte Melanozyten und dass dies der entscheidende Unterschied zwischen den hellen und dunklen Zellen ist. 

Anschließend stellte Doepner fest, dass die schützende Wirkung von Dihydroxyphenylalanin (Dopa) aus seiner bisher unbekannten Fähigkeit resultiert, die Signalübertragung von einem Rezeptor namens CHRM1 zu blockieren, der normalerweise durch Acetylcholin aktiviert wird.

  • Diese Erkenntnis war besonders spannend, weil bisher nicht bekannt war, dass Dihydroxyphenylalanin (Dopa) etwas mit CHRM1 zu tun hat, und weil Dihydroxyphenylalanin (Dopa) bereits ein von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassener Wirkstoff gegen die Parkinson-Krankheit ist, so Doepner. 

Daraufhin untersuchten die Forschenden der Perelman School of Medicine an der University of Pennsylvania CHRM1 in Melanozyten und stellten fest, dass das FOXM1-Protein ebenfalls durch Dihydroxyphenylalanin (Dopa) gehemmt wurde. 

In Zusammenarbeit mit Forschern der University of Illinois konnten sie nachweisen, dass ihr neuartiger FOXM1-Inhibitor das Melanom bei Mäusen wirksam hemmt.

Die beiden Wirkstoffe CHRM1 und FOXM1 werden derzeit von keinem der verfügbaren Melanomtherapeutika angegriffen, aber durch diese Forschung gelang es für beide eine wichtige Funktion zu entdecken. 

Weitere Forschungsarbeiten werden nötig sein, um herauszufinden, ob es einen sicheren und wirksamen Weg gibt, um sie beim Menschen pharmakologisch zu behandeln, so die Studienautoren. 

Da jedoch bereits eine Arzneimittelformel mit Dihydroxyphenylalanin (Dopa) zur Behandlung der Parkinson-Krankheit von der FDA zugelassen ist, könnten klinische Studien, die den Nutzen einer Neuverwendung von Dihydroxyphenylalanin (Dopa) für Melanome (schwarzen Hautkrebs) testen, viel schneller durchgeführt werden als bei einem völlig neuen Krebsmittel.

Die Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Science Advances veröffentlicht.

Was ist ein Melanom?

Das Melanom oder auch schwarzer Hautkrebs genannte Karzinom ist ein besonders bösartiger Hauttumor. Schwarzer Hautkrebs gilt als die gefährlichste Form aller Hautkrebsarten.

Was ist Dihydroxyphenylalanin?

Dihydroxyphenylalanin (Dopa), ist eine nicht-proteinogene α-Aminosäure, die im menschlichen Körper gebildet wird. 

  • Dihydroxyphenylalanin (Dopa) ist ein wichtiges Zwischenprodukt bei der Bildung der Catecholamine Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin sowie des Pigmentfarbstoffs Melanin aus Tyrosin.

Melanozyten: Entwicklung gezieltere Melanom-Behandlungen

Wissenschaftler des Huntsman Cancer Institute an der University of Utah konnten erstmals einen „Atlas“ der menschlichen Melanozyten erstellen, die im gesamten Körper verteilt sind. 

Als die Forschenden die Daten des Atlasses näher analysierten, entdeckten sie, dass es verschiedene Arten von Melanozyten gibt, darunter auch die Ursprungszelle des Akrenmelanoms, einer Unterart des Melanoms, die vor allem farbige Menschen betrifft. 

Die Forscherinnen und Forscher erwarten, dass das Melanom durch diese Entdeckungen gezielter behandelt werden kann. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Cell Biology veröffentlicht.

Neue Erkenntnisse zur Rolle und Funktion der Melanozyten

Melanome, die tödlichste Form von Hautkrebs, entstehen in Melanozyten, den Zellen, die der Haut ihre Farbe geben und sie vor Sonneneinstrahlung schützen. 

Bisher dachte man, Melanozyten seien austauschbar, aber Rachel Belote vom Huntsman Cancer Institute war aufgefallen, dass nicht alle Melanozyten auf die Signale der sie umgebenden Zellen in gleicher Weise reagieren. 

Die Tatsache, dass Melanozyten aus ein und demselben Stück Haut unterschiedlich auf dieselben Reize reagieren, würde bedeuten, dass es tatsächlich verschiedene Arten von Melanozyten gibt, so die Forscherin.

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Huntsman Cancer Institute an der University of Utah begannen, die menschlichen Melanozyten genauer zu erforschen. 

Sie nahmen Melanozyten in verschiedenen Entwicklungsstadien, Altersstufen, anatomischen Lagen, Geschlechtern und Hautfarben unter die Lupe. 

Obwohl bei der Mehrzahl der Studien Melanozyten verwendet wurden, die nur dem Menschen ähnlich waren, lag der Fokus hier ganz auf menschlichen Melanozyten. 

Auf diese Weise erstellten die Forscher den ersten Atlas oder die erste Karte der Melanozyten im menschlichen Körper und in den verschiedenen Stadien der Zellentwicklung.

  • Der Schwerpunkt lag ferner auf der Auflösung einzelner Zellen, die einzeln untersucht wurden. 

Laut Dr. Robert Judson-Torres, Assistant Professor für Dermatologie und onkologische Wissenschaften an der University of Utah ermöglichte erst die Kombination mehrerer dieser Variablen – insbesondere die Untersuchung menschlicher Entwicklungsstadien an verschiedenen anatomischen Stellen mit Einzelzellauflösung – es den Forschern, ihre Entdeckungen zu machen.

  • Bei einer dieser Neuentdeckungen handelte es sich um eine neue Melanozyte, die offenbar die Ursprungszelle für eine bestimmte Unterart des Melanoms ist, das so genannte Akralmelanom. 

Es gibt nur wenige Behandlungsmöglichkeiten für diese Art von Melanom, die bei Menschen mit dunklerer Haut am häufigsten vorkommt.

Laut Judson-Torres belegt diese wissenschaftliche Studie, dass das Akralmelanom eine eigenständige Erkrankung ist. 

Bei der Erforschung des Akrenmelanoms wurde es im Vergleich zu den häufigsten Unterformen des Melanoms, die vor allem die weiße Bevölkerung betreffen, meist stiefmütterlich behandelt. 

Judson-Torres sagte, dass der klassische Ansatz darin bestand, zuerst eine Behandlung für die häufigere Krankheit zu finden und dann zu sehen, ob diese Behandlung auch beim Akralmelanom funktioniert.

Diese Methode war bislang allerdings nicht besonders erfolgreich. Mit dieser Studie erwarten der Forscher, dass sich die Herangehensweise und die Erforschung des Akrenmelanoms ändern werden und wir hoffen, dass sie schnell zu Akren-spezifischen Therapien führen wird.

Aus der Studie gingen außerdem drei weitere Entdeckungen hervor. An einer einzelnen Person fanden die Wissenschaftler spezifische Gene, die mit unterschiedlichen Hauttönen in Verbindung stehen und nicht mit der Sonneneinstrahlung zusammenhängen. 

  • Außerdem entdeckte das Team Gene, die fortschreitende Melanome kennzeichnen, die weniger wahrscheinlich auf eine Behandlung ansprechen. Des Weiteren fand das Team die Gene, die menschliche Melanozyten einzigartig machen.

Die Wissenschaftler konnten nach Aussage von Belote bestätigen, dass es verschiedene Arten von Melanozyten gibt, die nicht nur mit unterschiedlichen biologischen Merkmalen verbunden sind, die bestimmten Hautregionen entsprechen, sondern auch verschiedene Arten von Melanomen hervorrufen.

Die Forscherinnen und Forscher von Huntsman Cancer Institute an der University of Utah planen im nächsten Schritt Folgeuntersuchungen, darunter die Entwicklung von Melanom-spezifischen In-vivo- und In-vitro-Modellen, um mit dem Screening von Melanom-spezifischen Therapeutika zu beginnen.

Quellen

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# Genetik und Lebenserwartung Bis zu 50 Prozent durch Erbfaktoren bestimmt Eine bahnbrechende Studie, im Januar 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht, zeigt, dass die genetische Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne bei über 50 Prozent liegt, wenn äußere Todesursachen wie Unfälle oder Infektionskrankheiten aus der Berechnung herausgerechnet werden – ein Befund, der bisherige Schätzungen grundlegend korrigiert und neue Perspektiven für die Erforschung von Alterungsprozessen und Langlebigkeit eröffnet. --- ## Bisherige Schätzungen deutlich zu niedrig Jahrzehntelang galt in der Wissenschaft eine vergleichsweise bescheidene Zahl Zwillingsstudien schätzten die Erblichkeit der menschlichen Lebensspanne auf lediglich 20 bis 25 Prozent. Neuere Stammbaumanalysen mit großen Datensätzen hatten diesen Wert sogar auf unter 6 Prozent gedrückt. Diese niedrigen Zahlen führten zu einem wissenschaftlichen Widerspruch Warum sollte die menschliche Lebensspanne weitaus weniger genetisch beeinflusst sein als fast alle anderen komplexen menschlichen Merkmale, von der Körpergröße über den Intelligenzquotienten bis hin zur Herzgesundheit --- ## Die methodische Schwäche Extrinsische Sterblichkeit Forscherinnen und Forscher des Weizmann Institute of Science in Rehovot (Israel), des Karolinska Institutet in Stockholm und des Leiden University Medical Center haben nun eine entscheidende methodische Schwachstelle in den bisherigen Studien identifiziert. Das Problem Frühere Berechnungen bezogen alle Todesursachen ein, also auch solche, die nichts mit dem biologischen Alterungsprozess des Körpers zu tun haben. Unfälle im Straßenverkehr, Tötungsdelikte, Ertrinken oder tödliche Infektionskrankheiten – all das sind sogenannte extrinsische Todesursachen. Sie sind vom Zufall oder von äußeren Umständen abhängig, nicht von der genetischen Konstitution eines Menschen. Wird dieser Störfaktor nicht bereinigt, verzerrt er die statistische Schätzung der Erblichkeit erheblich nach unten. --- ## Methodik Mathematische Modellierung und Zwillingsstudien Das Forschungsteam um Ben Shenhar und Uri Alon entwickelte ein mathematisches Modell, das zwischen intrinsischer Sterblichkeit (also dem biologisch bedingten Altern) und extrinsischer Sterblichkeit unterscheidet. Anschließend wurden zwei Arten von Zwillingskohorten analysiert - Zusammen aufgewachsene Zwillinge, die ähnliche Umwelteinflüsse teilten - Getrennt aufgewachsene Zwillinge, bei denen Umwelteinflüsse stärker abweichen Durch den Vergleich dieser Gruppen und die Bereinigung um extrinsische Todesursachen gelangten die Forschenden zu einer neuen Schätzung Die Erblichkeit der intrinsischen menschlichen Lebensspanne liegt bei über 50 Prozent. --- ## Was bedeutet „Erblichkeit von 50 Prozent Ein häufiges Missverständnis muss hier ausgeräumt werden Eine Erblichkeit von 50 Prozent bedeutet nicht, dass die Hälfte des eigenen Lebens von den Genen „vorprogrammiert ist. Der Begriff beschreibt vielmehr, wie viel der Variation in der Lebensspanne innerhalb einer Population auf genetische Unterschiede zwischen Individuen zurückzuführen ist. ### Vergleichbare Werte bei anderen Merkmalen Ein Erblichkeitswert von etwa 50 Prozent gilt in der Genetik als substanziell. Zum Vergleich - Körpergröße ca. 80 Prozent - Body-Mass-Index (BMI) ca. 40–70 Prozent - Blutdruck ca. 30–50 Prozent - Typ-2-Diabetes ca. 25–50 Prozent Die neue Studie ordnet die menschliche Lebensspanne damit in die gleiche Kategorie wie viele andere medizinisch relevante komplexe Merkmale ein. Dieser Befund steht auch im Einklang mit der Erblichkeit der Lebensspanne bei anderen Spezies. --- ## Warum dieser Befund für die Medizin bedeutsam ist ### Longevity-Gene als Schlüssel zum Altern Eine hohe genetische Erblichkeit der Lebensspanne hat direkte Konsequenzen für die biomedizinische Forschung. Je stärker ein Merkmal genetisch verankert ist, desto aussagekräftiger sind genomweite Assoziationsstudien (GWAS), die nach spezifischen Genvarianten suchen. Identifizierte Langlebigkeitsgene können biologische Mechanismen des Alterns aufdecken, etwa in Bezug auf - DNA-Reparatursysteme - Entzündungsregulation (Inflammaging) - Mitochondriale Funktion - Telomerlänge und -stabilität ### Konsequenzen für die öffentliche Gesundheit Die Erkenntnis, dass rund die Hälfte der Variation in der intrinsischen Lebensspanne genetisch bedingt ist, bedeutet gleichzeitig, dass die andere Hälfte durch Umwelt- und Verhaltensfaktoren beeinflusst wird. Dazu gehören - Ernährungsweise und körperliche Aktivität - Sozioökonomischer Status und Bildung - Zugang zu Gesundheitsversorgung - Exposition gegenüber Schadstoffen und chronischem Stress Dieser Befund unterstreicht die Bedeutung sowohl der Präzisionsmedizin als auch der Public-Health-Interventionen. --- ## Kontext Wo die Forschung steht Die Studie erschien am 29. Januar 2026 in Science (DOI 10.1126science.adz1187, Band 391, Heft 6784, Seiten 504–510) und wurde von Forschenden des Weizmann Institute, des Karolinska Institutet, der Westlake University in Hangzhou sowie des Leiden University Medical Center verfasst. Die Arbeit ist eine Zwillingsstudie, klassifiziert im Rahmen der standardisierten MeSH-Terminologie der US-amerikanischen National Library of Medicine. Frühere Schätzwerte auf Basis ähnlicher Zwillingsdaten, jedoch ohne Bereinigung um extrinsische Sterblichkeit, lagen laut dem Abstract bei 20 bis 25 Prozent. Stammbaum-basierte Großstudien hatten zuletzt Werte von nur 6 Prozent gemeldet. --- ## Was bleibt offen Die Studie liefert eine methodisch fundierte Neubewertung der Erblichkeitsschätzungen. Dennoch bestehen offene Fragen - Welche spezifischen Genvarianten tragen am stärksten zur intrinsischen Lebensspanne bei - Wie interagieren genetische und epigenetische Faktoren im Alterungsprozess - Lassen sich die Befunde auf verschiedene Ethnizitäten und geographische Populationen übertragen Diese Fragen werden die Forschung in den kommenden Jahren beschäftigen. Die vorliegende Studie legt dafür ein wichtiges methodisches Fundament. --- ## Häufig gestellte Fragen (FAQs) Bedeutet eine Erblichkeit von 50 Prozent, dass mein Lebensalter zur Hälfte feststeht Nein. Erblichkeit ist ein statistisches Konzept, das die Variation innerhalb einer Population beschreibt, nicht ein Schicksal des Einzelnen. Lebensstil, Umwelt und medizinische Versorgung spielen weiterhin eine erhebliche Rolle. Warum haben frühere Studien so viel niedrigere Werte gefunden Frühere Zwillings- und Stammbaumstudien berücksichtigten keine Trennung zwischen biologisch bedingtem Altern und äußeren Todesursachen wie Unfällen. Diese Vermischung führte systematisch zu einer Unterschätzung der genetischen Erblichkeit. Was sind extrinsische Todesursachen Damit sind Todesfälle gemeint, die nicht auf das biologische Altern zurückzuführen sind Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, Ertrinken oder akute Infektionskrankheiten. Diese Ereignisse hängen primär von äußeren Umständen ab, nicht von der genetischen Konstitution. Hat die Studie praktische Bedeutung für die Langlebigkeitsforschung Ja, erheblich. Ein hoher Erblichkeitswert legitimiert genomweite Studien zur Suche nach Langlebigkeitsgenen. Solche Gene können Aufschluss über Alterungsmechanismen geben und als Angriffspunkte für medizinische Interventionen dienen. 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