Psychopharmaka: Doppelt so hohes Risiko eines vorzeitigen Todes bei Herzkranken

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M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 29. Januar 2023, Lesezeit: 4 Minuten

Zu den typischen allgemeinen Nebenwirkungen von Psychopharmaka zählen Magen- und Darmbeschwerden, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Blutdruckprobleme, Herzrhythmusstörungen, Libidoverlust (vermindertes sexuelles Verlangen) und Gewichtszunahme.

Risiken von Psychopharmaka

Laut Forschern des Copenhagen University Hospitalwerden Antidepressiva und andere Psychopharmaka zudem mit einem fast doppelt so hohen Risiko eines vorzeitigen Todes bei Patientinnen und Patienten mit Herzerkrankungen in Verbindung gebracht.

  • Dies geht aus Forschungsergebnissen hervor, die im European Journal of Cardiovascular Nursing  veröffentlicht wurden.

Die Studie zeigt, dass die Einnahme von Psychopharmaka bei Patienten mit Herzerkrankungen weit verbreitet ist. Darüber hinaus wies fast jeder dritte Patient Angstsymptome auf.

Patienten mit Herzerkrankungen sollten daher systematisch auf psychische Störungen untersucht werden, erklärt die Studienautorin Dr. Pernille Fevejle Cromhout vom Universitätskrankenhaus Kopenhagen, Dänemark.

  • Laut Dr. Cromhout seien weitere Untersuchungen erforderlich, um festzustellen, ob die höhere Sterblichkeit auf die Einnahme von Psychopharmaka oder auf die zugrunde liegende psychische Erkrankung zurückzuführen ist.

In früheren Studien wurde bereits ein Zusammenhang zwischen Angstsymptomen und einem schlechten Gesundheitszustand, einschließlich des Todes, bei Patienten mit Herzerkrankungen festgestellt. In Studie vom Dr. Cromhout wurde untersucht, ob dieser Zusammenhang durch die Einnahme von Psychopharmaka erklärt werden könnte.

Herzerkrankungen, Angstzustände und Psychopharmaka

An der Studie nahmen 12913 Patienten teil, die wegen einer ischämischen Herzerkrankung, Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz oder Herzklappenerkrankungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden waren.

Die Teilnehmenden füllten bei der Entlassung aus dem Krankenhaus einen Fragebogen aus und wurden als Patienten mit Angstsymptomen eingestuft, wenn sie auf der Unterskala „Angst“ der Hospital Anxiety and Depression Scale einen Wert von 8 oder höher erreichten.

Informationen über die Medikation der Patienten wurden aus nationalen Registern entnommen. Die Patienten wurden als Konsumenten von Psychopharmaka definiert, wenn sie in den sechs Monaten vor der Krankenhauseinweisung mindestens ein Rezept für Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Antipsychotika erhalten hatten.

  • Die Patienten wurden nach der Entlassung aus dem Krankenhaus ein Jahr lang auf Todesfälle aller Art hin beobachtet.

Fast ein Drittel der Herzpatienten (32 Prozent) wurde als ängstlich eingestuft. Der Konsum von Psychopharmaka war bei Patienten mit Angstzuständen (28 Prozent) doppelt so hoch wie bei Patienten ohne Angstzustände (14 Prozent).

Insgesamt 362 Patienten (3 Prozent) starben innerhalb des ersten Jahres nach der Entlassung aus dem Krankenhaus. Die Ein-Jahres-Todesrate war bei den Anwendern von Psychopharmaka (6 Prozent) deutlich höher als bei den Nichtanwendern (2 Prozent).

Die Einlösung eines Rezepts für Psychopharmaka in den sechs Monaten vor dem Krankenhausaufenthalt war mit einer um 1,90-fach höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, im Jahr nach der Entlassung zu sterben.

  • Patientinnen und Patienten mit einem Herzleiden (Herzerkrankung), die unter Angstzuständen leiden, sollten nach Aussage von Dr. Cromhout vom Copenhagen University Hospital die an ihrer Behandlung beteiligten Fachkräfte des Gesundheitswesens darüber informieren, wie sie es auch bei jeder anderen Begleiterkrankung tun würden. Sie sollten auch darum bitten, dass ihre Ängste als wichtig und gleichwertig mit ihrer Herzerkrankung anerkannt werden.

Quellen

  • Department of Cardiothoracic Anaesthesiology, Rigshospitalet, Copenhagen University Hospital
  • Pernille Fevejle Cromhout, Anne Vinggaard Christensen, Martin Balslev Jørgensen, Ola Ekholm, Knud Juel, et al., Exploring the use of psychotropic medication in cardiac patients with and without anxiety and its association with 1-year mortality, European Journal of Cardiovascular Nursing, Volume 21, Issue 6, August 2022, Pages 612–619, https://doi.org/10.1093/eurjcn/zvab111

ddp


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