M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 29. Februar 2024, Lesezeit: 8 Minuten

In der heutigen schnelllebigen und anspruchsvollen Welt sind Kinder mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen können. Zwei häufige Erkrankungen, von denen Kinder betroffen sind, sind die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) und Angstzustände. Obwohl es sich hierbei um zwei unterschiedliche Erkrankungen handelt, treten sie häufig nebeneinander auf und können sich überschneidende Symptome aufweisen, was die Diagnose und Behandlung komplex macht.

ADHS und Angstzustände: Gemeinsamkeiten und Unterschiede

ADHS und Angstzustände sind zwei unterschiedliche psychische Erkrankungen, die jeweils ihre eigenen Symptome und zugrunde liegenden Merkmale aufweisen. Dennoch können sie einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Schauen wir uns die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ADHS und Angstzuständen bei Kindern genauer an.

Ähnlichkeiten

Sowohl ADHS als auch Angstzustände können zu Konzentrationsschwierigkeiten führen. Kinder mit ADHS können aufgrund ihrer Impulsivität und Hyperaktivität Schwierigkeiten haben, sich zu konzentrieren, während Angstzustände zu rasenden Gedanken und Ablenkbarkeit führen können.

Sowohl ADHS als auch Angstzustände können zur Prokrastination beitragen. Kinder mit ADHS haben möglicherweise Probleme mit exekutiven Funktionen, was es schwierig macht, Aufgaben zu beginnen oder abzuschließen. Ängste können auch zu Vermeidungsverhalten führen, so dass Kinder aus Angst oder Sorge Aufgaben aufschieben oder vermeiden.

Sowohl ADHS als auch Angstzustände können den Schlafrhythmus stören und Schlafprobleme bereiten. Kinder mit ADHS haben möglicherweise Schwierigkeiten, einen regelmäßigen Schlafrhythmus einzuhalten, während Angstzustände es ihnen erschweren können, einzuschlafen oder durchzuschlafen.

Übermäßige Sorgen sind ein typisches Symptom von Angststörungen. Kinder mit ADHS können sich jedoch auch Sorgen machen, insbesondere im Zusammenhang mit Aufgaben oder Verantwortlichkeiten, die sie als schwierig empfinden.

Beide Erkrankungen können zu einer geringeren Frustrationstoleranz führen. Kinder können als Reaktion auf Stressoren leicht überwältigt oder aufgeregt werden.

Unterschiede

ADHS ist durch Symptome wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität, Konzentrations- und Organisationsschwierigkeiten sowie mangelnde Impulskontrolle gekennzeichnet.

Zu den Angstsymptomen gehören übermäßige Sorge, Angst, Unruhe, Muskelanspannung, Reizbarkeit und Vermeidungsverhalten als Reaktion auf wahrgenommene Bedrohungen.

Ursachen von ADHS und Angstzuständen bei Kindern

Das gleichzeitige Auftreten von ADHS und Angstzuständen bei Kindern kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden, einschließlich genetischer und umweltbedingter Faktoren.

Genetik

Sowohl ADHS als auch Angstzustände haben eine genetische Komponente, wobei die Familiengeschichte eine wichtige Rolle bei der Erhöhung des Risikos spielt. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ADHS zu 74 % vererbbar ist, was auf ein starkes familiäres Muster hindeutet. Auch die generalisierte Angststörung wurde mit genetischen Faktoren in Verbindung gebracht, wobei etwa 31,6 % der Wahrscheinlichkeit auf die Genetik zurückgeführt werden.

Umweltfaktoren

Auch Umweltfaktoren können zur Entwicklung von ADHS und Angstzuständen bei Kindern beitragen. Faktoren wie Ernährung und traumatische Hirnverletzungen wurden mit dem Auftreten dieser psychischen Störungen in Verbindung gebracht.

ADHS-Symptome als Auslöser von Ängsten

Einige der bei ADHS auftretenden Beeinträchtigungen der exekutiven Funktionen, einschließlich der Emotionsregulation und der kognitiven Hemmung, können die Fähigkeit eines Kindes, mit Stress umzugehen, beeinträchtigen. Dies kann im Laufe der Zeit zur Entwicklung oder Verschlimmerung von Angstzuständen beitragen. In der frühen Kindheit können ADHS-Symptome spätere Angstsymptome vorhersagen. Angstsymptome können die Aufmerksamkeit direkt beeinträchtigen, zu Unruhe führen und leichte ADHS-Symptome auf ein klinisches Niveau verstärken.

Mit ADHS und Angst assoziierte Verhaltensweisen

Kinder mit ADHS und Angstzuständen können verschiedene Verhaltensweisen zeigen, die Anhaltspunkte für die Diagnose liefern können. Schauen wir uns die Verhaltensweisen an, die mit beiden Erkrankungen verbunden sind:

Verhaltensweisen im Zusammenhang mit Ängsten

– Exzessive Sorge

– Vermeidungsverhalten

– Körperliche Symptome wie Magenschmerzen oder Kopfschmerzen

– Gereiztheit

Schlafstörungen

Mit ADHS assoziierte Verhaltensweisen

– Unaufmerksamkeit

– Hyperaktivität

– Impulsivität

– Vergesslichkeit

– Organisationsschwierigkeiten

Diagnose

Eine genaue Diagnose ist entscheidend für die Entwicklung eines wirksamen Behandlungsplans für Kinder mit ADHS und Angstzuständen. Eine umfassende Untersuchung wird in der Regel von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt, die die Symptome des Kindes, seine medizinische Vorgeschichte und alle relevanten familiären Hintergründe berücksichtigt. Im Folgenden werden die Diagnose und die Behandlungsmöglichkeiten für ADHS und Angstzustände bei Kindern erläutert.

Die Diagnose von ADHS und Angstzuständen bei Kindern erfordert eine gründliche Untersuchung, die Verschiedenes umfassen kann.

Medizinische Fachkräfte führen Gespräche mit dem Kind und seinen Eltern oder Betreuern, um Informationen über Symptome und Verhaltensweisen zu sammeln. Standardisierte Bewertungsskalen wie die ADHS-Bewertungsskala können zur Beurteilung des Schweregrads der Symptome verwendet werden. Die Beobachtung des Verhaltens des Kindes in verschiedenen Situationen, z. B. in der Schule und zu Hause, kann wertvolle Erkenntnisse über die Symptome liefern.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung von ADHS und Angstzuständen bei Kindern umfasst häufig eine Kombination von Therapien und in einigen Fällen auch Medikamente.

Therapie

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist eine Therapieform, die sich darauf konzentriert, negative Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu ändern. Sie kann Kindern mit ADHS und Angstzuständen helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und ihr allgemeines Wohlbefinden zu verbessern.

Die Spieltherapie nutzt das Spiel als Kommunikations- und Ausdrucksmittel für Kinder. Sie kann ihnen helfen, ihre Emotionen zu erforschen, soziale Fähigkeiten zu entwickeln und Angstzustände und ADHS-Symptome zu bewältigen.

Eltern spielen eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung von Kindern mit ADHS und Ängsten. In Elternschulungsprogrammen werden den Eltern Strategien und Techniken vermittelt, mit denen sie die Symptome ihres Kindes wirksam bewältigen können.

Medikation

Stimulans-Medikamente: Stimulanzien wie Methylphenidat und Amphetamine werden häufig zur Behandlung von ADHS verschrieben. Sie können dazu beitragen, die Aufmerksamkeit zu verbessern und Hyperaktivität und Impulsivität zu verringern.

Antidepressivum-Medikamente: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) werden häufig zur Behandlung von Angstzuständen bei Kindern verschrieben. Diese Medikamente können dazu beitragen, die Angstsymptome zu verringern und das allgemeine Funktionieren zu verbessern.

Es ist wichtig zu beachten, dass Medikamente immer von einer qualifizierten medizinischen Fachkraft verschrieben und überwacht werden sollten.

Wie kann man Kindern mit ADHS und Angstzuständen helfen?

Wenn Sie ein Kind mit ADHS und Angstzuständen haben, können Sie verschiedene Strategien anwenden, um sein Wohlbefinden zu fördern. Schaffen Sie eine Routine. Die Schaffung eines strukturierten Tagesablaufs kann Kindern mit ADHS und Angstzuständen helfen, sich sicherer und organisierter zu fühlen. Beständigkeit und Vorhersehbarkeit können Stress reduzieren und ihre Konzentrationsfähigkeit verbessern.

Geben Sie klare Anweisungen. Teilen Sie Aufgaben in kleinere, überschaubare Schritte auf und geben Sie klare Anweisungen. Dies kann dazu beitragen, dass sich Kinder mit ADHS und Angstzuständen weniger überfordert fühlen und ihre Erfolgschancen erhöhen.

Ermutigen Sie zu körperlicher Aktivität. Regelmäßige körperliche Betätigung kann helfen, die Symptome von ADHS und Ängsten zu verringern. Ermutigen Sie Ihr Kind zu Aktivitäten, die ihm Spaß machen, wie z. B. Sport, Tanzen oder Yoga.

Fördern Sie ein unterstützendes Umfeld. Schaffen Sie zu Hause und in der Schule ein unterstützendes und verständnisvolles Umfeld. Fördern Sie eine offene Kommunikation und geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, seine Gefühle und Sorgen zu äußern.

Wenn die Symptome Ihres Kindes andauern oder sein tägliches Leben erheblich beeinträchtigen, sollten Sie professionelle Hilfe bei einem Gesundheitsdienstleister oder einem Spezialisten für psychische Gesundheit suchen. Diese können eine umfassende Beurteilung vornehmen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten empfehlen.

Fazit

Das Verständnis von ADHS und Angstzuständen bei Kindern ist entscheidend für eine angemessene Unterstützung und Behandlung. Indem wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen diesen Erkrankungen erkennen, die damit verbundenen Verhaltensweisen identifizieren und Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten ausloten, können wir Kindern helfen, sich gut zu entwickeln und ihre Symptome wirksam zu bewältigen. Denken Sie daran, dass es für eine genaue Diagnose und individuelle Behandlungspläne unerlässlich ist, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Mit den richtigen Strategien und der richtigen Unterstützung können Kinder mit ADHS und Angstzuständen ein erfülltes und erfolgreiches Leben führen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, Wikipedia 2024.
  2. Lange, K.W., Lange, K.M., Nakamura, Y. et al.Nutrition in the Management of ADHD: A Review of Recent ResearchCurr Nutr Rep 12, 383–394 (2023). https://doi.org/10.1007/s13668-023-00487-8
  3. Gair SL, Brown HR, Kang S, Grabell AS, Harvey EA. Early Development of Comorbidity Between Symptoms of ADHD and Anxiety. Res Child Adolesc Psychopathol. 2021 Mar;49(3):311-323. doi: 10.1007/s10802-020-00724-6.
  4. Coughlin CG, Cohen SC, Mulqueen JM, Ferracioli-Oda E, Stuckelman ZD, Bloch MH. Meta-Analysis: Reduced Risk of Anxiety with Psychostimulant Treatment in Children with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder. J Child Adolesc Psychopharmacol. 2015 Oct;25(8):611-7. doi: 10.1089/cap.2015.0075.

ddp


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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