M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 5. März 2024, Lesezeit: 6 Minuten

Fettleibigkeit (Adipositas) ist zu einem dringenden globalen Gesundheitsproblem geworden, dessen Prävalenz in besorgniserregendem Maße zunimmt. Eine kürzlich durchgeführte internationale Zusammenarbeit unter der Leitung von Forschern der London School of Hygiene & Tropical Medicine (LSHTM) und des Imperial College London hat Licht auf die Ernsthaftigkeit der Situation geworfen.

Die globale Fettleibigkeits-Epidemie

Die Ergebnisse dieser Adipositas-Studie, die in The Lancet veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Anzahl der weltweit fettleibigen Menschen eine Milliarde überschritten hat. Die von der NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC) in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durchgeführte Studie untersuchte die Fettleibigkeitstrends bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen von 1990 bis 2022. Die Ergebnisse sind erschreckend: Die Fettleibigkeitsraten bei Kindern und Jugendlichen haben sich in diesem Zeitraum vervierfacht, während die Fettleibigkeitsraten bei Erwachsenen sich mehr als verdoppelt haben.

Die Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die globale Gesundheit

Fettleibigkeit ist nicht nur ein kosmetisches Problem; sie birgt erhebliche Risiken für die individuelle Gesundheit und hat weitreichende Folgen für Gesundheitssysteme weltweit. Die Studie zeigt, dass Fettleibigkeit zur häufigsten Form der Mangelernährung in den meisten Ländern geworden ist. Dies ist eine besorgniserregende Entwicklung, da sie auf einen Wechsel von Unterernährung zu Überernährung als vorherrschendes Gesundheitsproblem hinweist.

Fettleibigkeit ist mit einer Vielzahl von Gesundheitsproblemen verbunden, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten und muskuloskelettale Störungen. Die Belastung für Gesundheitssysteme ist immens, da fettleibigkeitsbedingte Erkrankungen eine langfristige Behandlung und Betreuung erfordern. Darüber hinaus hat Fettleibigkeit erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen, wie steigende Gesundheitskosten und Produktivitätsverluste.

Faktoren, die zum Anstieg der Fettleibigkeit beitragen

Die Studie beleuchtet auch einige der Faktoren, die zur globalen Fettleibigkeits-Epidemie beitragen. Ein wesentlicher Faktor ist der Rückgang der Prävalenz von Untergewicht seit 1990. Dieser Rückgang, zusammen mit dem Anstieg der Fettleibigkeitsraten, deutet auf eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten und Lebensstilentscheidungen weltweit hin.

Die Forscher weisen auch auf die Rolle des Ernährungssystems bei der Förderung der Fettleibigkeitskrise hin. Die zunehmende Abhängigkeit von der industriellen Produktion energiedichter Lebensmittel ist besorgniserregend. Diese Umstellung auf hochverarbeitete und kalorienreiche Lebensmittel in Kombination mit einem sitzenden Lebensstil hat zu einem Anstieg der Fettleibigkeitsraten beigetragen.

Regionale Unterschiede in den Fettleibigkeitsraten

Die Studie zeigt erhebliche regionale Unterschiede in den Fettleibigkeitsraten auf. Inselstaaten im Pazifik und in der Karibik sowie Länder im Nahen Osten und in Nordafrika weisen die höchsten kombinierten Raten von Untergewicht und Fettleibigkeit auf. Diese Regionen stehen vor einer doppelten Belastung durch Mangelernährung, wobei sowohl Unterernährung als auch Fettleibigkeit weit verbreitet sind. In Industrieländern wie den USA und einigen europäischen Ländern sind die Fettleibigkeitsraten ebenfalls alarmierend hoch.

Maßnahmen zur Bekämpfung der globalen Fettleibigkeitskrise

Angesichts der ernsthaften Auswirkungen von Fettleibigkeit auf die individuelle Gesundheit und die Gesundheitssysteme weltweit ist es dringend erforderlich, gemeinsame Maßnahmen zur Bekämpfung dieser globalen Krise zu ergreifen. Die Studie schlägt mehrere Ansätze vor, die zur Verringerung der Fettleibigkeitsraten beitragen könnten.

Regierungen und Gesundheitsorganisationen sollten Maßnahmen ergreifen, um den Zugang zu gesunden Lebensmitteln zu verbessern und die Verfügbarkeit von ungesunden, energiedichten Lebensmitteln einzuschränken. Dies kann durch die Einführung von Steuern auf zuckerhaltige Getränke und Junk-Food, die Förderung von Schulprogrammen für gesunde Ernährung und die Unterstützung lokaler landwirtschaftlicher Betriebe erreicht werden.

Es ist wichtig, die Menschen dazu zu ermutigen, sich regelmäßig zu bewegen und einen aktiven Lebensstil zu führen. Schulen, Unternehmen und Gemeinden können Programme zur Förderung von körperlicher Aktivität implementieren, wie z.B. Sportunterricht, betriebliche Fitnessprogramme und den Ausbau von Radwegen und Fußgängerzonen.

Eine umfassende Aufklärungskampagne über die Risiken von Fettleibigkeit und die Vorteile eines gesunden Lebensstils ist unerlässlich. Dies kann durch Informationsmaterialien, öffentliche Veranstaltungen und Schulungen für Gesundheitsfachkräfte erreicht werden.

Die Bekämpfung der globalen Adipositaskrise erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Regierungen, Gesundheitsorganisationen und der Lebensmittelindustrie auf internationaler Ebene. Durch den Austausch bewährter Praktiken, die Entwicklung gemeinsamer Richtlinien und die Förderung von Forschung und Innovation können wir effektive Lösungen finden.

Da die Fettleibigkeitsraten bei Kindern alarmierend hoch sind, ist es wichtig, frühzeitig zu intervenieren und gesunde Gewohnheiten von Anfang an zu fördern. Schulen und Familien sollten zusammenarbeiten, um eine gesunde Umgebung zu schaffen, in der Kinder eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung erhalten.

FAQ (Häufig gestellte Fragen)

Was ist die Definition von Fettleibigkeit?

Fettleibigkeit wird in der Regel anhand des Body-Mass-Index (BMI) definiert, der das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße misst. Ein BMI von 30 oder höher gilt als fettleibig.

Welche Gesundheitsprobleme sind mit Fettleibigkeit verbunden?

Fettleibigkeit erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes, bestimmte Krebsarten, Gelenkprobleme und andere Gesundheitsprobleme.

Wie kann man Fettleibigkeit verhindern?

Eine gesunde Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und eine ausgewogene Lebensweise können dazu beitragen, Fettleibigkeit zu verhindern.

Gibt es genetische Faktoren, die zu Fettleibigkeit beitragen?

Ja, genetische Faktoren können das Risiko für Fettleibigkeit erhöhen. Allerdings spielen auch Umwelt- und Verhaltensfaktoren eine wichtige Rolle.

Wie kann die Gesellschaft zur Bekämpfung der Fettleibigkeitskrise beitragen?

Die Gesellschaft kann durch die Förderung von gesunden Lebensstilen, die Die Bekämpfung der weltweiten Adipositas-Epidemie erfordert einen vielschichtigen Ansatz, einschließlich der Förderung gesunder Ernährung, der Steigerung körperlicher Aktivität, der Regulierung von Lebensmittelmarketing, der Verbesserung der Lebensmittelumgebungen und der Umsetzung von politischen Veränderungen, die die Gesundheit priorisieren.

Fazit

Die Ergebnisse der internationalen Zusammenarbeit bezüglich des Anstiegs der weltweiten Adipositas sind besorgniserregend. Mit über einer Milliarde übergewichtigen Menschen weltweit ist dringendes Handeln erforderlich, um diese öffentliche Gesundheitskrise anzugehen. Die Auswirkungen von Adipositas auf die Gesundheit Einzelner, Gesundheitssysteme und Volkswirtschaften sind erheblich. Durch die Umsetzung von Strategien, die eine gesunde Ernährung fördern, körperliche Aktivität erhöhen, Lebensmittelmarketing regulieren, Lebensmittelumgebungen verbessern und Gesundheit in der Politikgestaltung priorisieren, können wir daran arbeiten, die weltweite Adipositas-Epidemie zu bekämpfen. Es ist entscheidend, dass Regierungen, Organisationen und Einzelpersonen zusammenkommen und entschlossene Maßnahmen ergreifen, um eine gesündere Zukunft für kommende Generationen zu schaffen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. NCD Risk Factor Collaboration (NCD-RisC).,(2024) Worldwide trends in underweight and obesity from 1990 to 2022: a pooled analysis of 3663 population-representative studies with 222 million children, adolescents, and adults. The Lancet. doi.org/10.1016/S0140-6736(23)02750-2
  2. Adipositas, Wikipedia 2024.

ddp


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Wichtiger Hinweis: Der Beitrag beschäftigt sich mit einem medizinischen Thema, einem Gesundheitsthema oder einem oder mehreren Krankheitsbildern. Dieser Artikel dient nicht der Selbst-Diagnose und ersetzt auch keine Diagnose durch einen Arzt oder Facharzt. Bitte lesen und beachten Sie hier auch den Hinweis zu Gesundheitsthemen!

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