Forschung: Symptome psychischer Störungen können sich durch Sonne, Hitze und Feuchtigkeit verschlimmern

Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Psychische Gesundheit

Medizin Doc Redaktion, Beitrag vom 27. August 2022

Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit: Sonnenschein, Hitze und Feuchtigkeit können schwere Symptome psychischer Störungen auslösen, die eine medizinische Notfallversorgung erfordern. Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, die von Forschern der University at Albany geleitet wurde.

Dabei wurden erstmals die kombinierten Auswirkungen mehrerer meteorologischer Faktoren auf alle von der Weltgesundheitsorganisation definierten Klassen psychischer Störungen ausgewertet.

Stress, Stimmungs- und Verhaltensstörungen

Bei der Analyse der lokalen Wetterbedingungen in Verbindung mit Informationen über Besuche in Notaufnahmen fanden die Forscher einen eindeutigen Zusammenhang zwischen großer Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und Sonneneinstrahlung und einem Anstieg der Aufnahmen in Notaufnahmen aufgrund psychischer Störungen.

Dies galt vor allem für Patienten, die unter Symptomen leiden, die mit dem Konsum psychoaktiver Substanzen, Stimmungsstörungen, Stressbelastungen und Verhaltensstörungen bei Erwachsenen zusammenhängen, zu denen auch Formen von Gewalt wie Pyromanie gehören können.

Die Wissenschaftler nutzten die Wetterdaten des Bundesstaates New York und die Daten der Krankenhausnotfälle, um zu untersuchen, wie sich das Sommerwetter auf Menschen mit psychischen Störungen auswirkt.

Die Analyse für den gesamten Bundesstaat umfasste zwei sechsmonatige Untersuchungszeiträume, die sich auf die wärmeren Monate konzentrierten: Mai bis Oktober, in den Jahren 2017 und 2018.

Die Anzahl der Patienten in der Notaufnahme aufgrund psychischer Störungen wurde anhand der Internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) ermittelt. Die Störungen werden nach Untertypen kodiert, zu denen Kategorien wie stressbedingte Störungen, geistige Behinderungen und absichtliche Selbstbeschädigung gehören.

Menschen zwischen 46 und 65 Jahren besonders betroffen

Aus den Ergebnissen ging hervor, dass die Kombination aus hoher Temperatur, Sonneneinstrahlung und relativer Luftfeuchtigkeit das größte Risiko für schwere psychische Störungen mit sich brachte.

Am stärksten waren die Auswirkungen in den sommerlichen Übergangsmonaten September und Oktober. Die am stärksten betroffenen Bevölkerungsgruppen waren: Männer, hispanische und afroamerikanische Personen, Menschen zwischen 46 und 65 Jahren, Teilnehmer an Medicaid oder Medicare und Menschen ohne Krankenversicherung.

Einige Gruppen psychischer Störungen zeigten eine deutliche Reaktion auf bestimmte Kombinationen von Wetterbedingungen.

So gab es in den Krankenhäusern mehr Fälle von Notaufnahmen wegen des Konsums psychoaktiver Substanzen (beispielsweise Alkohol oder Opioide), wenn die Sonneneinstrahlung, die Temperatur, der Hitzeindex und die Luftfeuchtigkeit hoch waren.

Die Symptome schwerer Stimmungsstörungen, zu denen Depressionen und bipolare Störungen gehören, fielen mit weniger Sonne und großer Hitze zusammen.

Angesichts der zunehmenden Intensität und Häufigkeit extremer Hitze aufgrund des Klimawandels ist nach aussage von Shao Lin, Hauptautor der Studie und Professor an der School of Public Health der UAlbany, zu erwarten, dass diese Veränderungen negative physiologische Auswirkungen auf die Menschen haben werden.

Da wetterbedingte psychische Symptome erst nach einer gewissen Zeit auftreten können, hat das Forscherteam die „Lag-Tage“ gemessen – die Zeit zwischen dem Auftreten einer bestimmten Wetterlage und dem Zeitpunkt der Krankenhauseinweisung – um diese Verzögerung zu berücksichtigen.

Dabei wurde festgestellt, dass hohe Temperaturen allein das unmittelbarste kurzfristige Risiko darstellen, während der Hitzeindex das Risiko über einen Zeitraum von zwei Wochen erhöht.

Gesundheitsämter und Behörden könnten auf der Grundlage dieser Erkenntnisse Frühwarnsysteme einrichten, um Gewalttaten und psychische Erkrankungen vorzubeugen.

Vorbeugende Maßnahmen könnten den Wissenschaftlern zufolge darin bestehen, den Zugang zu Kühlzentren zu erleichtern und Patienten mit entsprechenden psychischen Störungen dazu anzuhalten, auf Hitzewellen und Sonneneinstrahlung zu achten und sich gegebenenfalls zu schützen.

Die vorliegenden Studienergebnisse wurden in dem Fachblatt Environment International veröffentlicht.

Quellen

  • University at Albany
  • School of Public Health der UAlbany
  • Xinlei Deng et al, Identifying joint impacts of sun radiation, temperature, humidity, and rain duration on triggering mental disorders using a high-resolution weather monitoring system, Environment International (2022). DOI: 10.1016/j.envint.2022.107411

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