M.A. Dirk de Pol, aktualisiert am 12. März 2024, Lesezeit: 8 Minuten

Jüngste Forschungsarbeiten des Imperial College London haben einen möglichen Durchbruch auf dem Gebiet der personalisierten Ernährung aufgezeigt. Die Studie deutet darauf hin, dass eine auf die DNA zugeschnittene Ernährung dazu beitragen könnte, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren und das Risiko einer Erkrankung an Typ-2-Diabetes bei Hochrisikopersonen zu verringern.

Die Studie: DNA-angepasste Ernährung und Typ-2-Diabetes

An der vom Imperial College London und DnaNudge durchgeführten Studie nahmen 148 Personen mit hohem Blutzuckerspiegel teil, bei denen ein Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes bestand. Die Teilnehmer erhielten auf der Grundlage ihrer genetischen Daten personalisierte Ernährungsempfehlungen sowie eine persönliche Beratung durch medizinisches Fachpersonal. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes wurde mit einer Standard-Ernährungsberatung auf der Grundlage der Richtlinien des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) verglichen, die derzeit im Vereinigten Königreich als Standard gilt.

Die Ergebnisse der Studie waren sehr vielversprechend. Die Gruppe, die eine personalisierte Ernährungsberatung auf der Grundlage genetischer Informationen erhielt, wies eine stärkere Senkung des Blutzuckerspiegels auf als die Gruppe, die eine Standard-Ernährungsberatung auf der Grundlage der NICE-Richtlinien erhielt. Dies deutet darauf hin, dass eine genetisch informierte Ernährung eine wirksame Maßnahme zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels und zur Verringerung des Risikos eines Fortschreitens von Typ-2-Diabetes sein könnte.

Das Potenzial genetischer Daten für diätetische Interventionen

Die Nutzung genetischer Daten für maßgeschneiderte Ernährungsempfehlungen ist ein neues Konzept, das jedoch ein immenses Potenzial birgt. Genetische Profile können wertvolle Erkenntnisse über die individuelle Anfälligkeit für chronische Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel liefern. Wenn man weiß, welche Lebensmittel das Risiko für diese Krankheiten besser oder schlechter reduzieren, kann man die Ernährungsberatung auf die spezifische genetische Veranlagung des Einzelnen abstimmen. Dieser Ansatz ermöglicht ein gezielteres und wirksameres Eingreifen, indem die individuelle Nahrungsaufnahme von Fetten, Kohlenhydraten und anderen Makronährstoffen optimiert wird.

Auswirkungen auf Diabetesprävention und -management

Typ-2-Diabetes stellt weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar und führt zu schwerwiegenden Komplikationen wie Sehkraftverlust, Nierenversagen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Amputation der unteren Gliedmaßen. Änderungen des Lebensstils, einschließlich Ernährungsumstellungen, spielen eine entscheidende Rolle bei der Verhinderung des Fortschreitens von Prädiabetes zu Typ-2-Diabetes. Die Ergebnisse der Studie unterstreichen das Potenzial von auf die DNA zugeschnittenen Diäten als kosteneffektives und skalierbares Präventionsinstrument zur Verbesserung der Glukoseregulierung bei Hochrisikopersonen.

Der personalisierte Ansatz in der Ernährung hat das Potenzial, die Diabetesprävention und -behandlung zu revolutionieren. Durch maßgeschneiderte Ernährungsempfehlungen auf der Grundlage des genetischen Profils einer Person können medizinische Fachkräfte gezieltere und wirksamere Maßnahmen ergreifen. Dieser Ansatz hat nicht nur das Potenzial, das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, sondern bietet auch einen personalisierten und nachhaltigen Ansatz für die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden.

Zukünftige Richtungen: Größere Studien und klinische Umsetzung

Auch wenn die Ergebnisse dieser Studie vielversprechend sind, muss darauf hingewiesen werden, dass sich die Forschung noch in einem frühen Stadium befindet. Größere Studien sind erforderlich, um die Ergebnisse zu validieren und sicherzustellen, dass der auf die DNA zugeschnittene Ernährungsansatz für den Einsatz in der klinischen Praxis und für ein breites Spektrum von Personen und Erkrankungen geeignet ist. Die Forscher räumen ein, dass weitere Forschungsarbeiten erforderlich sind, um die Wirksamkeit dieses Ansatzes zu bestätigen und seinen potenziellen Nutzen für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu untersuchen.

Das Potenzial personalisierter Ernährungsinterventionen geht über Typ-2-Diabetes hinaus. Genetische Daten können bei einer Reihe von chronischen Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Fettleibigkeit, als Grundlage für Ernährungsänderungen dienen. Durch die Nutzung genetischer Informationen können Fachkräfte im Gesundheitswesen gezielte und individuelle Ernährungsempfehlungen geben, die die Wirksamkeit der Maßnahmen und letztlich die Ergebnisse für die Patienten verbessern.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Was ist das wichtigste Ergebnis der Studie über DNA-angepasste Diäten und Typ-2-Diabetes?

Das wichtigste Ergebnis der vom Imperial College London durchgeführten Studie ist, dass eine auf die DNA abgestimmte Ernährung in Verbindung mit einer persönlichen Ernährungsberatung den Blutzuckerspiegel wirksamer senkt als eine standardmäßige Ernährungsberatung gemäß den NICE-Richtlinien.

2. Wie funktioniert eine DNA-angepasste Ernährung?

Eine auf die DNA zugeschnittene Ernährung berücksichtigt das genetische Profil einer Person, um personalisierte Ernährungsempfehlungen zu geben. Wenn man die genetische Anfälligkeit einer Person für chronische Krankheiten kennt, kann das medizinische Fachpersonal maßgeschneiderte Ernährungsempfehlungen geben, um die Aufnahme von Fetten, Kohlenhydraten und anderen Makronährstoffen zu optimieren.

3. Kann eine auf die DNA zugeschnittene Ernährung Typ-2-Diabetes verhindern?

Die Ergebnisse der Studie sind zwar vielversprechend, doch sind weitere Untersuchungen erforderlich, um die Wirksamkeit einer auf die DNA zugeschnittenen Ernährung bei der Vorbeugung von Typ-2-Diabetes zu bestätigen. Der personalisierte Ernährungsansatz birgt jedoch ein großes Potenzial, um das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken und die Lebensqualität zu verbessern.

4. Wie können genetische Daten bei der Anpassung von Ernährungsempfehlungen helfen?

Genetische Daten liefern wertvolle Erkenntnisse über die Anfälligkeit eines Menschen für chronische Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Fettleibigkeit, Bluthochdruck und Cholesterinspiegel. Durch die Analyse des genetischen Profils einer Person können medizinische Fachkräfte spezifische genetische Marker identifizieren, die mit diesen Krankheiten in Verbindung stehen. Diese Informationen können dann genutzt werden, um Ernährungsempfehlungen auf die individuelle genetische Veranlagung des Einzelnen abzustimmen.

Bestimmte genetische Variationen können beispielsweise ein höheres Risiko für die Entwicklung von Typ-2-Diabetes als Reaktion auf eine kohlenhydratreiche Ernährung anzeigen. In solchen Fällen kann das Gesundheitspersonal eine geringere Kohlenhydratzufuhr empfehlen, um das Risiko zu mindern. Andererseits reagieren Personen mit unterschiedlichen genetischen Variationen möglicherweise besser auf eine höhere Zufuhr gesunder Fette oder bestimmter Mikronährstoffe.

Durch die Einbeziehung genetischer Daten in die Ernährungsempfehlungen können Fachkräfte des Gesundheitswesens individuellere und gezieltere Ratschläge erteilen. Dieser Ansatz berücksichtigt die genetischen Veranlagungen einer Person und ermöglicht eine wirksamere und präzisere Intervention.

5. Welche potenziellen Vorteile hat eine DNA-gestützte Ernährung über Typ-2-Diabetes hinaus?

Die Studie konzentrierte sich zwar auf die potenziellen Vorteile von DNA-angepassten Diäten bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels und der Verringerung des Risikos für das Fortschreiten von Typ-2-Diabetes, doch die Auswirkungen gehen über die Diabetesprävention hinaus.

Personalisierte Ernährungsmaßnahmen auf der Grundlage genetischer Daten haben das Potenzial, Ernährungsentscheidungen für verschiedene chronische Erkrankungen zu optimieren. So können Personen mit genetischen Markern, die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht werden, von einer Ernährungsumstellung profitieren, bei der die Aufnahme von gesättigten Fetten reduziert und der Konsum von herzgesunden Nährstoffen wie Omega-3-Fettsäuren erhöht wird.

In ähnlicher Weise können genetische Daten Ernährungsempfehlungen für Personen mit einem Risiko für Fettleibigkeit liefern. Indem sie die genetischen Veranlagungen einer Person kennen, können Fachleute im Gesundheitswesen individuelle Ratschläge zur Portionskontrolle, zur Verteilung der Makronährstoffe und zu spezifischen Ernährungsstrategien geben, die für das Gewichtsmanagement effektiver sein können.

Insgesamt haben auf die DNA zugeschnittene Diäten das Potenzial, den Bereich der Ernährung zu revolutionieren, indem sie personalisierte und gezielte Maßnahmen für ein breites Spektrum chronischer Erkrankungen bieten.

Fazit

Die vom Imperial College London und DnaNudge durchgeführte Studie unterstreicht das Potenzial von auf die DNA zugeschnittenen Diäten bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels und der Verringerung des Risikos einer Progression von Typ-2-Diabetes. Durch die Einbeziehung genetischer Daten in die Ernährungsempfehlungen können Fachkräfte des Gesundheitswesens individuellere und wirksamere Maßnahmen ergreifen. Dieser Ansatz hat das Potenzial, den Bereich der Ernährung zu revolutionieren und die Ergebnisse für Patienten mit einer Vielzahl chronischer Erkrankungen zu verbessern.

Die Forschung befindet sich zwar noch in einem frühen Stadium, doch die vielversprechenden Ergebnisse dieser Studie ebnen den Weg für größere Studien und die weitere Erforschung von DNA-angepassten Diäten in der klinischen Praxis. Da sich das Verständnis der Genetik und ihrer Auswirkungen auf die Gesundheit ständig weiterentwickelt, werden personalisierte Ernährungsmaßnahmen auf der Grundlage genetischer Daten in Zukunft wahrscheinlich eine wichtige Rolle im Gesundheitswesen spielen.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. Karvela, M., et al. (2024). Assessment of the impact of a personalised nutrition intervention in impaired glucose regulation over 26 weeks: a randomised controlled trial. Scientific Reports. doi.org/10.1038/s41598-024-55105-6.
  2. Murea, M., Ma, L. & Freedman, B. I. Genetic and environmental factors associated with type 2 diabetes and diabetic vascular complications.  Diabet. Stud.9, 6 (2012).
  3. Galaviz, K. I., Narayan, K. M. V., Lobelo, F. & Weber, M. B. Lifestyle and the prevention of type 2 diabetes: A status report.  J. Lifestyle Med.12, 4 (2018).
  4. Heianza, Y. & Qi, L. Impact of genes and environment on obesity and cardiovascular disease. Endocrinology160, 81–100 (2019).
  5. Livingstone, K. M., Abbott, G., Ward, J. & Bowe, S. J. Unhealthy lifestyle, genetics and risk of cardiovascular disease and mortality in 76,958 individuals from the UK biobank cohort study. Nutrients13, 4283 (2021).
  6. Type_2_diabetes, Wikipedia 2024.
  7. Diabetes_mellitus, Wikipedia 2024.

ddp


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