Forschung: Vitamin D3 und Omega-3-Fettsäuren haben keine Wirkung auf das Risiko von Gebrechlichkeit

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Medizin Doc Redaktion, Beitrag vom 15. September 2022

Gebrechlichkeit im Alter: Etwa die Hälfte der Erwachsenen über 85 Jahren ist von Gebrechlichkeit (Frailty Syndrom) betroffen, weshalb vorbeugende Maßnahmen dringend erforderlich sind.

Was versteht man unter Gebrechlichkeit?

Als Gebrechlichkeit (Frailty Syndrom) wird eine verminderte körperlicher und mentaler Belastbarkeit bezeichnet, wie etwa die verminderte Fähigkeit, akute Stresssituationen zu bewältigen.

Was hilft gegen Gebrechlichkeit, was hilft nicht?

Wissenschaftler des Brigham and Women’s Hospital wollten herausfinden, ob eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D3 oder Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA verschiedener Meerestiere) das Risiko von Gebrechlichkeit (Frailty Syndrom) verringern kann.

Dazu analysierten die Forscher Daten aus der Studie VITamin D and OmegA-3 TriaL (VITAL), einer klinischen Studie mit mehr als 25.000 Erwachsenen in den USA, die ebenfalls von Wissenschaftlern des Brigham geleitet wurde.

Vor Beginn der Studie füllten die Teilnehmenden Fragebögen aus, sechs Monate nach Studienbeginn und anschließend jährlich im Verlauf der fünfjährigen Studiendauer.

Zur Beurteilung der Gebrechlichkeit wurden unter anderem die körperliche Funktion, die kognitiven Leistungen, die psychische Verfassung und der allgemeine Gesundheitszustand gemessen.

  • Wie die Forscher den Brigham and Women’s Hospital feststellten, hatten weder die zusätzliche Einnahme von Vitamin D3 noch die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren einen Einfluss auf die in diesem Zeitraum ermittelten Werte für Gebrechlichkeit.

Die Autoren der Studie kommen zu dem Schluss, dass die ermittelten Testergebnisse nicht für eine regelmäßige zusätzliche Einnahme von Vitamin D3 oder Omega-3-Fettsäuren zur Vorbeugung von Gebrechlichkeit bei gesunden, älteren Menschen sprechen.

Nach Ansicht von Dr. Ariela Orkaby, der korrespondierenden Autorin der VITAL-Studie, stehen die vorliegenden Untersuchungsergebnisse im Einklang mit früheren Resultaten, wonach die Supplementation mit Vitamin D3 oder Omega-3-Fettsäuren für die meisten gesunden, älteren Erwachsenen nicht von Nutzen ist.

Die Verschreibung von unnötigen Präparaten sollte den Forschern zufolge gestrichen und stattdessen gesunde Lebensgewohnheiten gefördert werden.

Wie kann man Gebrechlichkeit vorbeugen?

Bewährte Präventionsmaßnahmen gegen Gebrechlichkeit: Regelmäßiges körperliches Training und eine mediterrane Ernährung sind bewährte Maßnahmen zur Vorbeugung von Gebrechlichkeit bei älteren Menschen und sollten deshalb allen älteren Menschen empfohlen werden.

  • Dennoch gibt es für bestimmte Bevölkerungsgruppen gesundheitliche Gründe, unter Anleitung des behandelnden Arztes Omega-3-Fischölpräparate einzunehmen.

Beispielsweise wurde in Studien festgestellt, dass Omega-3-Fischölpräparate bei der Vorbeugung von Herzkrankheiten und der Behandlung von Entzündungen von Vorteil sind.

Die Ergebnisse der Studie wurden in JAMA Network Open, die von der American Medical Association herausgegeben wird, veröffentlicht.

Studie: Omega-3-Fischöl-Präparate helfen nicht zur Vorbeugung von Depressionen

Nach den Ergebnissen einer der umfangreichsten klinischen Studien hat sich gezeigt, dass Fischölpräparate – eine Quelle von Omega-3-Fettsäuren – nicht zur Vorbeugung von Depressionen beitragen.

Das Ergebnis wurde von einer Forschergruppe unter der Leitung des Massachusetts General Hospital (MGH) und des Brigham and Women’s Hospital (BWH) in der Zeitschrift JAMA veröffentlicht.

Fachleute haben die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren empfohlen, um das erneute Auftreten von Depressionen bei einigen Hochrisikopatienten zu verringern, doch es gibt keine Richtlinien für die Verwendung dieser Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung von Depressionen in der Allgemeinbevölkerung. Darüber hinaus haben die Studien zu diesem Thema uneinheitliche Ergebnisse erbracht.

Im Rahmen der Studie Vitamin D and Omega-3 Trial-Depression Endpoint Prevention (VITAL-DEP) sollte untersucht werden, ob die tägliche Einnahme von Vitamin-D- und/oder Omega-3-Präparaten Depressionen vorbeugen kann.

Insgesamt 18.353 erwachsene Probanden, die zu Beginn der Studie 50 Jahre oder älter waren und keine Depression hatten, wurden nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und erhielten über einen Zeitraum von durchschnittlich 5,3 Jahren Vitamin-D- und/oder Omega-3-Präparate oder entsprechende Placebos.

  • Die Forscher stellten fest, dass die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren im Verlauf der Studie weder Depressionen verhinderte noch die Stimmung verbesserte.

Ebenso wurden das Risiko, zu irgendeinem Zeitpunkt eine klinische Depression zu entwickeln, und die allgemeinen Stimmungswerte für die Dauer der Nachbeobachtung berücksichtigt. Zwar war ein kleiner Anstieg des Risikos für eine Depression innerhalb der statistischen Signifikanzgrenze, so die Forscher.

Demnach gab es weder einen positiven noch einen negativen Effekt von Omega-3 auf den Gesamtverlauf der Stimmung während der etwa 5 bis 7 Jahre dauernden Nachbeobachtung.

Die Ergebnisse zeigen verdeutlichen, dass es für Erwachsene ohne Depressionen in der Allgemeinbevölkerung keinen Grund gibt, Fischölpräparate ausschließlich zur Vorbeugung von Depressionen oder zur Aufrechterhaltung einer positiven Stimmung einzunehmen.

Universität Bern: Gebrechlichkeit (Frailty) frühzeitig erkennen

Sensorbasierte Früherkennung von altersbedingten Krankheiten von zu Hause aus

Einige Veränderungen in den individuellen Bewegungsmustern können auf Gebrechlichkeit (Frailty) und verschiedene Gesundheitsprobleme hinweisen:

Zum Beispiel korreliert eine Abnahme der Kraft oft mit dem Risiko von Stürzen, leichten kognitiven Beeinträchtigungen, Depressionen, Schlafproblemen, Atemproblemen, Herzrhythmusstörungen oder zunehmender Herzmuskelschwäche.

  • Bei älteren Menschen könnte eine systematische Erkennung solcher Veränderungen zur frühzeitigen Erkennung chronischer Krankheiten wie Alzheimer, Demenz, Parkinson oder Herzerkrankungen beitragen.

Diese altersbezogenen gesundheitlichen Probleme werden oft erst spät entdeckt, und ihr Fortschreiten lässt sich in der Regel nur schwer objektiv beurteilen.

Die Forschung von Tobias Nef vom ARTORG Zentrum für Biomedizinische Technikforschung und dem Kardiologieprofessor Hugo Saner von der Universität Bern und dem Universitätsspital Bern zeigt, wie eine sensorgestützte Gesundheitsüberwachung in großem Maßstab diese Probleme angehen könnte.

Erfassung von Aktivitäts- und Verhaltensmustern

Die Forscherinnen und Forscher kombinierten eine Vielzahl von alltäglichen Aktivitäts- und Verhaltensmustern, die von Sensoren in den Wohnungen älterer Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer gemessen wurden, um ein Gesamtbild zu erstellen.

Zu Beginn erfassten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 1.268 Gesundheitsparameter mit Hilfe von interaktionsfreien Sensoren, die speziell auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten sind.

Das eingesetzte System besteht aus einfachen, berührungslosen Bewegungssensoren in jedem Zimmer, einem Bettsensor unter der Matratze und Türsensoren an der Haustür und am Kühlschrank.

Mit einer Basisstation verbunden, analysiert das System die registrierten Bewegungssignale und kann bei Problemen oder Notfällen Verwandte oder eine Alarmzentrale informieren.

Mithilfe von maschinellem Lernen werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die auf diese Weise gesammelten Daten aus.

  • Nach Aussage von Tobias Nef, Professor für Gerontechnologie und Rehabilitation am ARTORG Zentrum und Co-Autor der Studie gelang es den Forschenden zu zeigen, dass ein solcher Systemansatz – im Gegensatz zur üblichen Verwendung einiger weniger Gesundheitskennzahlen – altersrelevante Gesundheitsprobleme wie kognitive Beeinträchtigungen, Sturzrisiko oder Gebrechlichkeit (Frailty) überraschend gut erkennen kann.

Das sensorgestützte Hausmonitoring wurde im Vergleich zu tragbaren Geräten von den Senioren gut angenommen.

Wie Tobias Nef, Hugo Saner und Kollegen in einer mehr als zehnjährigen wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Informatik, Verhaltensforschung und Medizin nachweisen konnte, empfanden ältere Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer in der Schweiz die alltägliche Bedienung mobiler Geräte als eher mühsam, und einige waren aufgrund von Geschicklichkeits- oder kognitiven Problemen auch nicht in der Lage, sie überhaupt zu bedienen.

  • Besonders ältere Erwachsene über 80 Jahre bevorzugten eindeutig ein interaktionsfreies System, wie es in der Studie verwendet wurde.

Zum Schutz der Privatsphäre zeichnen die eingesetzten Sensoren auch keine Ton- oder Videoaufnahmen auf und ihre Installation ist völlig freiwillig – beides Aspekte, die die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer zu schätzen wussten.

Durch die Auswertung und Kombination der umfangreichen Gesundheitsdaten aus dem Alltag lassen sich auch mögliche neue altersrelevante digitale Biomarker identifizieren: Beispielsweise fanden wir Hinweise darauf, dass das Sturzrisiko erheblich von bestimmten Schlafparametern abhängen könnte, die die Studienautoren.

Dies könnte der Früherkennung zugute kommen und auch die Entwicklung personalisierter Behandlungen sowie die Erforschung neuer Therapieansätze und Medikamente fördern.

Die Studie wurde in NPJ Digital Medicine veröffentlicht.

Gebrechlichkeit vs. Frailty

Die Bezeichnung Gebrechlichkeit in der medizinisch wissenschaftlichen Fachsprache entspricht nicht der deutschen Bedeutung von Gebrechlichkeit. Während Letzteres einen Zustand beschreibt, der durch körperliche Schwäche, geringe Belastbarkeit, Gebrechlichkeit und Zerbrechlichkeit gekennzeichnet ist, ist Frailty ein multidimensionales geriatrisches Syndrom, das durch den Verlust individueller Reserven und eine erhöhte Anfälligkeit gegenüber internen und externen Stressfaktoren gekennzeichnet ist. Gebrechlichkeit kann mitunter auch ohne Multimorbidität und Behinderung auftreten und kann als reines Alterungsphänomen verstanden werden.

Quellen

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Physiotherapie Klinisch Relevant Podcast: Das Frailty Syndrom- mit Prof. Christian Grünberg

Quelle: Klinisch Relevant

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