Forschung: Schlafbezogene Atmungsstörungen mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen

American Heart Association, Gesundheitsnews, Medizin und Forschung, Herzerkrankungen & Gefäßkrankheiten, Schlafprobleme und Schlafstörungen

Torsten Lorenz, Veröffentlicht am: 17.08.2022, Lesezeit: 4 Minuten

Weltweit leiden etwa eine Milliarde Menschen an schlafbezogenen Atmungsstörungen, die durch Veränderungen der Atmung während des Schlafs gekennzeichnet sind und mit einer hohen Herz-Lungen-Morbidität (Häufigkeit der Erkrankungen innerhalb einer Bevölkerungsgruppe) einhergeht.

SDB: Häufig nicht diagnostiziert

In einer neuen wissenschaftlichen Stellungnahme der American Heart Association werden wichtige Aspekte einer schlafbezogenen Atmungsstörung (SDB), eines häufig nicht diagnostizierten, aber weit verbreiteten Gesundheitsproblems, und deren Zusammenhang mit der Entwicklung von Herzrhythmusstörungen erläutert.

Die umfassende Analyse, die in der Fachzeitschrift Circulation veröffentlicht wurde, wurde von einem Gremium unter der Leitung der Cleveland Clinic-Experten Dr. Reena Mehra und Dr. Mina Chung, Vorsitzende beziehungsweise stellvertretende Vorsitzende, verfasst. 

Der Bericht enthält Daten, die zeigen, wie sich die Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen positiv auf Herzrhythmusstörungen auswirkt und dadurch die Ergebnisse für die Patienten verbessern kann.

Wie Untersuchungen gezeigt haben, hat der physiologische Stress durch schlafbezogenen Atmungsstörungen anhaltende biologische Auswirkungen, die die Struktur des Herzens verändern und das Risiko für Herzrhythmusstörungen erhöhen. 

Die Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen hat in unkontrollierten Studien (bei einer unkontrollierten Studie gibt es nur einen Studienarm und keine Vergleichsgruppe bzw. -Gruppen) gezeigt, dass sie das Wiederauftreten von Herzrhythmusstörungen nach Eingriffen wie der Katheterablation und der Kardioversion bei Vorhofflimmern verringert.

Schlafapnoe, Fettleibigkeit, Vorhofflimmern

Nach Aussage von Dr. Mehra vom Cleveland Clinic’s Sleep Disorders Center deutet vieles darauf hin, dass schlafbezogene Atmungsstörungen schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben können, die sich direkt auf die Herzfunktion auswirken.

Durch den Zusammenhang von Schlafapnoe und Fettleibigkeit (Adipositas) mit Vorhofflimmern sind die Erkennung und Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen und die Gewichtsabnahme ein wichtiger Bestandteil des Lebensstils und der Reduzierung von Risikofaktoren bei der Behandlung von Vorhofflimmern, fügt Dr. Chung vom Heart, Vascular & Thoracic Institute der Cleveland Clinic, hinzu.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse für die vorliegende Zusammenfassung stammen aus der Auswertung großer retrospektiver und prospektiver Studien, die das Autorengremium durchgeführt hat. 

Bei den Ergebnissen des Gremiums handelt es sich nicht um formale klinische Empfehlungen, sondern um Überlegungen und Vorschläge für die beste klinische Praxis.

Folgende wichtige Schlussfolgerungen wurden daraus gewonnen:

  • Der Tag-Nacht-Rhythmus und die zirkadiane Biologie der durch schlafbezogene Atmungsstörungen bedingten Folgen beeinflussen gemeinsam die strukturelle und elektrophysiologische Struktur des Herzens und schaffen so ein besonders günstiges Umfeld für die Entstehung von Herzrhythmusstörungen.
  • Studien belegen einen starken Zusammenhang zwischen schlafbezogenen Atmungsstörungen und Herzrhythmusstörungen. Sie zeigen, dass diskrete Episoden von Atemaussetzern Vorhof- und Herzrhythmusstörungen auslösen.
  • Beobachtungen deuten darauf hin, dass die Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen das Wiederauftreten von Vorhofflimmern nach Maßnahmen zur Rhythmuskontrolle (zum Beispiel Ablation und Kardioversion) verringert, aber es gibt derzeit keine aussagekräftigen Erkenntnisse aus randomisierten Studien, die eine Rolle von schlafbezogenen Atmungsstörungen bei der Rhythmuskontrolle belegen.
  • Derzeit gibt es Möglichkeiten, das Screening von schlafbezogenen Atmungsstörungen zu optimieren, die Vorhersagekriterien und die zugrundeliegende Pathophysiologie zu charakterisieren, geschlechts- und rassen- bzw. ethnienspezifische Einflüsse auf schlafbezogene Atmungsstörungen zu ermitteln, die Rolle moderner mobiler Gesundheitsdienste zu bewerten und die Durchführung strenger und ausreichend leistungsfähiger klinischer Studien zu priorisieren.

Zu den Subtypen von schlafbezogenen Atmungsstörungen, die in dem Dokument der American Health Association (AHA) behandelt werden, gehören obstruktive Schlafapnoe (OSA), zentrale Schlafapnoe (CSA) und CSA-Cheyne-Stokes-Atmung (CSB).

Viele Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass die Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen die Ergebnisse von Vorhofflimmern verbessert, doch das Experten-Gremium sieht es als vorrangig an, diesen Zusammenhang in randomisierten kontrollierten Studien zu bestätigen. 

Gegenwärtig gibt es nur kleine oder wenige randomisierte Studien, die sich mit schlafbezogenen Atmungsstörungen und Vorhofflimmern befasst haben, und diese haben widersprüchliche Ergebnisse gezeigt, so die Forscher.

Um herauszufinden, ob die Behandlung von Patienten mit schlafbezogenen Atmungsstörungen die Ergebnisse von Herzrhythmusstörungen tatsächlich verbessert, sind den Wissenschaftlern zufolge auf jeden Fall randomisierte, kontrollierte Studien mit ausreichender Aussagekraft erforderlich.

Quellen

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